Nach dem überambitionierten Train Valley World hat sich Entwicklerstudio Flazm dazu entschieden, wieder zu den Ursprüngen ihres puzzleartigen Eisenbahnspiels zurückzukehren. So stehen in Train Valley Origins abermals die überschaubaren Puzzle-Einlagen im Vordergrund.
Während Spiele wie Railway Empire klar auf einen Simulationsaspekt setzen und versuchen, die wirtschaftlichen und teils politischen Interessen in den Kontext zum Aufbaupart zu setzen, hat Entwicklerstudio Flazm bereits 2015 bewiesen, dass Eisenbahnen auch in einem ganz anderen Genre eine gute Figur machen. So ist die Train-Valley-Reihe, die alle paar Jahre um einen weiteren Serienteil ergänzt wird, nicht mehr aus den Köpfen von Puzzlefans wegzudenken. Das Gameplay ist hierbei ähnlich wie schon beim Seriendebüt Train Valley und dem Nachfolger Train Valley 2 aus dem Jahr 2018 minimalistisch gehalten. Soll heißen, dass auf einer Landschaft, die aus einer isometrischen Ansicht dargestellt wird, verschiedene Bahnstationen zu erkennen sind. Diese gilt es in Train Valley Origins mit einem Schienennetz zu verbinden. In regelmäßigen Abständen werden auf den Strecken Züge losgeschickt – entweder automatisch nach Ablauf einer verstrichenen Zeit oder auf Wunsch manuell, sofern es unsere Kapazitäten zulassen. Beim Verlegen der Schienen müssen wir stets darauf achten, dass unsere Züge auch die Möglichkeit haben, auf andere Gleise zu wechseln. Achten wir nicht auf eine gesunde Infrastruktur unseres Schienennetzes, kollidieren die Lokomotiven und die ganze Ladung, die unsere einzige Einkommensquelle für neue Investitionen darstellt, ist futsch.
Koordination ist alles
Hinzu kommt, dass wir in Train Valley Origins tatsächlich auf alle Details selbst achten müssen. Im Gegensatz zu Eisenbahnsimulationen sind Automatismen in Train Valley Origins ein Fremdwort. Das heißt, dass wir alle Weichen selbst stellen müssen – andernfalls würde das von den Entwicklern anvisierte Puzzlekonzept ohnehin ad absurdum geführt werden. Zum Glück passiert aber nichts, wenn der Zug von einer Seite in eine bereits gestellte Weiche brettert. In diesem Fall wird die Weiche einfach umgestellt, was wir dann unbedingt im Hinterkopf behalten sollten, sofern wir diese bereits für eine andere Lokomotive auf der Strecke gestellt haben. Jeder Zug hat zudem einen klaren Bestimmungsort. Es ist also nicht einfach möglich, eine Ladung zu irgendeinem Bahnhof zu transportieren. Die Ware muss genau da ankommen, wo sie auch gebraucht wird. Fährt unser Zug dennoch einen anderen Bahnhof an, so verlässt er ihn kurz nach Eintreffen wieder. Natürlich kann auch diese Methode eine Taktik sein, aber je mehr Züge auf der jeweiligen Landschaft zu sehen sind, desto kniffliger fällt das Koordinieren aus. Hinzu kommt, dass wir je nach Karte auch Brücken oder Tunnel errichten müssen, was zusätzlich ins Geld geht. Hin und wieder gibt es auch besondere Bauwerke wie Diamantminen. Fahren wir an diesen vorbei, gibt es einen kleinen Bonus auf die Einnahmen.
Simples Gameplay mit teils hakeliger Steuerung
In puncto Bedienung ist Train Valley Origins ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite überzeugt das Spiel mit einer klaren Struktur, leicht zu erlernenden Mechaniken und visuell gut sichtbaren Elementen. Nach nur wenigen Spielminuten sind die Gameplay-Inhalte verinnerlicht. Auf der anderen Seite ist gerade die Steuerung per Maus und Tastatur zumindest teilweise ein Graus. Während Weichen mit einem Mausklick gestellt sind auch Züge so kinderlicht gestoppt werden können, fällt das Verlegen von Schienen äußerst fummelig aus. So erkennt das Spiel häufig nicht die Mauszeigerführung, was das ständige Nachjustieren erforderlich macht. Glücklicherweise lässt sich das Geschehen aber jederzeit pausieren, sodass wir uns hier Zeit lassen können. Das Problem kriegen aber selbst Städtebausimulationen wie etwa Cities: Skylines deutlich besser hin, obwohl hier noch sehr viel mehr Faktoren beachtet werden müssen als nur die isometrische Landschaft. Optisch gefällt das Spiel mit seinem charmanten Comic-Look, obwohl auch in dieser Disziplin sicherlich noch ein wenig Luft nach oben gewesen wäre. Dafür läuft das Spiel aber selbst auf älteren Systemen butterweich. Für Entspannung beim Ausknobeln der besten Routen sorgt zu guter Letzt der Soundtrack, sodass Train Valley Origins mit einem guten Gefühl immer mal wieder an den Monitor lockt.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Leider muss ich mich selbst fragen, warum ich mir die Train-Valley-Reihe bislang noch nicht angeschaut habe. Das minimalistische Gameplay ist in Train Valley Origins richtig unterhaltsam, macht gute Laune und lässt mich detailliert überlegen, wie ich das virtuelle Schienennetz am besten verlegen kann. Dass das Konzept mit der Zeit anspruchsvoller wird, da zusätzliche Elemente bedacht werden müssen, ist eine wahre Genugtuung. In jedem Level die beste Bewertung herauszuholen, kann für den einen oder anderen Spieler bestimmt noch für zusätzlichen Anreiz sorgen. Schade finde ich nur zwei Punkte. Auf der einen Seite ist die Steuerung beim Verlegen der Schienen derart fummelig und hakelig, dass ich das sonst flüssige Gameplay ständig pausieren muss, damit ich auch wirklich effizient arbeiten kann. Auf der anderen Seite ist das Spiel unvollständig erschienen, denn der im Hauptmenü angepriesene Level-Editor erscheint erst mit dem ersten großen Update. Da hätten die Entwickler ruhig noch etwas warten können, um das Paket direkt zum Release so zu schüren, wie es das Spiel auch verdient hätte. Train Valley Origins macht mit seiner puzzleartigen Struktur sehr viel Spaß und wer sowohl dafür als auch für Züge etwas übrig hat, kann gerne zuschlagen.
Vielen Dank an Tiny Build für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Train Valley Origins!