Review: Railway Empire

Bereits im Januar 2018 veröffentlichte Kalypso Media das Eisenbahnaufbausimulationsspiel Railway Empire. In den darauffolgenden Monaten folgten Updates und zwei Erweiterungen, die den Titel weiter ausgebaut haben – und so wunderbar ein längst vergessenes Konzept wiederbelebten, das in den letzten Jahrzehnten eher weniger Beachtung gefunden hat.

In Railway Empire spielen wir zu Beginn grob die Geschichte des US-amerikanischen Eisenbahnbaus in den 1860er-Jahren nach und treffen ebenfalls auf historische Persönlichkeiten wie Thomas Clark Durant, der wesentlich zum Bau der Eisenbahn beigetragen hat. An vielen Stellen ist das Spiel aber nicht detailliert respektive historisch genug und nimmt sich einige Freiheiten, die sich zum Beispiel in der Gestaltung der Architektur oder technischen Innovationen hier und da widerspiegeln. Neben der Haupthandlung, in der es hauptsächlich darum geht, das Unternehmen Union Pacific Railroad zum Erfolg zu führen, gibt es allerdings auch noch weitere Szenarien, die im Zeitraum 1830 bis 1930 stattfinden. Durch die kostenpflichtigen Zusatzinhalte, die in den letzten Monaten erschienen sind, kommen noch Kanada und Mexiko als weitere Handlungsorte hinzu. Das heißt, dass wir uns mit verschiedenen Herausforderungen und zeitlich bedingt dem technischen Fortschritt auseinandersetzen müssen. So wurden die Dampflokomotiven in diesen hundert Jahren von Jahrzehnt zu Jahrzehnt leistungsstärker, was sich im Spiel schließlich am schneller wachsenden Profit bemerkbar macht. Geld ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Spiels, denn nur wenn wir bestimmte Ziele erreichen, werden wir mit Prämien belohnt. Diese sind jedoch nur ein Teil des Gewinns, denn hauptsächlich machen wir den Umsatz mit dem Transport von Reisenden und natürlich Gütern, die von einem Ende der Staaten zum anderen gebracht werden wollen.

Kreislauf des Geldes

Kern des Spiels ist der Aufbau des Schienennetzes, der mit zahlreichen Aufgaben und Eigenheiten einhergeht. So ist es in Railway Empire nicht möglich, einfach nur eine Eisenbahnstrecke durch den mittleren Westen zu legen: Zunächst muss am Zielpunkt ein Bahnhof errichtet werden, damit die Strecke überhaupt erst verlegt werden kann. Anschließend können wir die beiden Orte ganz bequem miteinander verbinden, woraufhin automatisch eine Strecke generiert wird. Auch wenn diese Strecke zunächst sinnvoll erscheint, sollten wir stets kleine Feinkorrekturen vornehmen, um den möglichst günstigsten Preis zu erzielen oder die effizienteste Route zu kreieren, denn auch Zeit ist schließlich Geld. Sobald zwei Orte erst einmal miteinander verbunden sind, sollten wir schleunigst eine Lokomotive erwerben und einen Beförderungsplan erstellen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, in der Nähe von Farmen und anderen Betrieben Bahnhöfe zu errichten, die angefahren werden können, um Waren zu transportieren. Ausschließlich in leider etwas zu verschachtelten Menüs der einzelnen auch in der Wirklichkeit existierenden Städte wie Cheyenne oder Denver erfahren wir mehr über die Bedürfnisse der ansässigen Bevölkerung, sodass die Fahr- und Beförderungspläne unserer Eisenbahnlinien daran rasch angepasst werden sollten, damit wir schnellere und höhere Gewinne erzielen können. Mit gefülltem Bankkonto können wir dann wiederum neue Bahnhöfe bauen, Eisenbahnstrecken verlegen und sogar in den Städten die Industrie ankurbeln.

Auf dem Weg zum Tycoon

Pro im Spiel vergangenen Monat erhalten wir zudem Technologiepunkte, die wir über einen verzweigten Technologiebaum in neue Innovationen investieren können. Beispielsweise ist es so möglich, effizientere Lokomotiven zu bauen, die unsere Umsätze wiederum etwas stärker ankurbeln. Das regelmäßige Freischalten von neuen Entwicklungen lohnt sich also immer, vor allem da ab einem bestimmten Zeitpunkt im Spiel auch die Konkurrenz mitmischen will, die unserem Unternehmen die Anteile am Markt abluchsen will. Grundsätzlich funktioniert die künstliche Intelligenz gut, auch wenn sie beim Transport Vorteile hat und nicht darauf achten muss, dass eine Strecke gerade nicht befahren wird. Das ist jedoch nur der kalte Tropfen auf dem heißen Stein, denn Railway Empire macht dennoch jede Menge Spaß. Dies liegt allen voran am sehr einsteigerfreundlichen Konzept, da in der Kampagne alle Elemente gut, aber auch nicht zu gut erklärt werden, sodass wir am Anfang zudem ein wenig herumtüfteln müssen, um alle Einstellungen zu finden. Optisch kann das Spiel mit einem charmanten, wenn auch leicht veralteten, realistischen Grafikstil überzeugen. Akustisch gibt es passende Westernmusik und tolle deutsche Synchronsprecher wie Eberhard Haar auf die Ohren. Mit der intuitiven Steuerung per Maus und Tastatur können alle Nachwuchs-Tycoons oder ältere Semester, die schon mit Sid Meier’s Railroads oder der Railroad-Tycoon-Reihe Spaß hatten, kinderleicht ein Eisenbahnimperium am heimischen Rechner errichten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Railway Empire ist ein fast rundum gelungenes Aufbauspiel, das sich mit dem nordamerikanischen Eisenbahnbau beschäftigt. Die Story, die sich leicht an realen Tatsachen orientiert, kann zwar getrost vernachlässigt werden, dennoch sind Kampagne und Szenarien sehr atmosphärisch inszeniert und stets motivierend gestaltet. Nach einer halbwegs kurzen Eingewöhnungsphase können Eisenbahnstrecken kinderleicht verlegt, Güter von den Produktions- zu den Verarbeitungsstätten und Personen von einer Stadt zur anderen transportiert werden. Nach und nach gilt es wie im Rausch immer mehr Güter zu befördern und zudem auch noch auf die Konkurrenz zu achten. Ein paar Minuspunkte sammelt der Titel allerdings einerseits mit der künstlichen Intelligenz, die es sich hin und wieder zu einfach mit dem Warentransport macht und andererseits mit teils unnötig verschachtelten Menüs, die erst einmal durchschaut werden wollen und auch nach vielen Spielstunden durch im Hintergrund aktualisierte Bedürfnisse der Bevölkerung nerven können . Dies ist aber bei Weitem nicht so schlimm, wie es im ersten Moment klingen mag. Durch die stimmungsvolle Spielwelt kommen sowohl Fans von Simulationen, Kenner der spielerischen Vorbilder und selbst Liebhaber der Fernsehserie Hell on Wheels voll und ganz auf ihre Kosten!

Vielen Dank an Kalypso Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Railway Empire!

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