Review: Cities: Skylines (Gold Edition)

Cities - Skylines (1)Anfang 2013 versuchte Electronic Arts mit SimCity an die beliebte Aufbaustrategiespielserie anzuknüpfen. Leider scheiterte dieses Experiment auf ganzer Linie, sodass Entwickler Colossal Order leichtes Spiel hatte, einen aktuellen Ersatz für die betagte SimCity-Reihe zu finden.

Cities - Skylines (2)Vorweg sollte jedoch gesagt werden, dass sowohl SimCity, als auch Cities: Skylines ihre eigenen Vor- und Nachteile haben und sich die Spiele in der Zielgruppe sogar geringfügig unterscheiden. Ziel unseres Reviews ist es unter anderem, diese klaren Unterschiede deutlich zu machen und zu zeigen, warum Cities: Skylines wesentlich länger an den Bildschirm fesseln kann. Ähnlich wie in der bekannten Reihe aus dem Hause Electronic Arts mimen wir in Cities: Skylines den Bürgermeister oder zumindest vermuten wir dies, denn irgendwelche Dialoge zwischen wütenden Bürgern oder aufgebrachten Mitarbeitern erleben wir im Spiel nicht. Stattdessen steht die Stadtplanung definitiv im Vordergrund. Wir knüpfen zunächst Straßen an die Autobahn an, damit Menschen unsere Stadt überhaupt erst finden. Anschließend eröffnen wir Wohngebiete, damit die Ankömmlinge ihre Häuser in unseren Straßen errichten. Wer aber in unserer Stadt überleben will, braucht natürlich auch Zugang zu Strom und Wasser. So errichten wir schnell ein Kohlekraftwerk oder Windturbinen und verlegen das Stromnetz. Genau so verfahren wir auch mit Wasserpumpstationen oder Wassertürmen, die wir mit Rohrleitungen sowohl zu den Eigenheimen unserer Stadtbewohner verlegen, als auch zum Abwasserrohr. Das ist logisch, denn die Städter wollen sicherlich nicht im eigenen Abwasser baden.

Alle Hände voll zu tun

Cities - Skylines (3)Beim Verlegen der Rohrleitungen müssen wir jedoch aufpassen, dass wir das Wasser auch stromabwärts pumpen, da sonst ein ähnliches Problem auftaucht. Ebenso produzieren unsere Stadtbewohner Müll, die wiederum von der Müllabfuhr abgeholt werden möchte. Sobald die Mülldeponie irgendwann an ihre Kapazitäten stößt, muss der Müll natürlich verbrannt werden. Hier heißt es dann ebenfalls darauf zu achten, wo dies genau geschieht, da die Umweltverschmutzung Grundstückspreise und die Zufriedenheit senkt. Damit die Städter ebenfalls Geld verdienen können, ist das Erschließen von Werbe- und Industriegebieten notwendig, welche wiederum Geld in unsere Kasse spülen. Um sie zu ihrem Arbeitsplatz zu transportieren und überfüllte Straßen zu vermeiden, sind auch Untergrundbahn- oder Buslinien zu planen. Dazu kommen weitere Bedürfnisse wie die allgemeine Sicherheit. Nicht nur Polizeistationen und Gefängnisse, sondern auch Feuerwehr- und Krankenhäuser wollen errichtet werden. Sind unsere Schützlinge erfreut, steigt nicht nur das Geld in der Kasse – es wollen auch mehr Leute in unsere Stadt ziehen. Diese schreien dann wiederum nach mehr Bildung in Form von Lehreinrichtungen, die wir ebenso errichten müssen, wie etwaige Parkanlagen oder Freizeitmöglichkeiten. Das führt dazu, dass wir ständig irgendwo in der Stadt herumbasteln. Grandios!

Konzentration aufs Wesentliche

Cities - Skylines (4)Während man bei SimCity schon früh im Spiel mit dem Haushalten der Kasse zu kämpfen hat oder spätestens nach zwei bis drei Spielstunden an die lächerlich kleine Kartengröße stößt, ist Cities: Skylines der heilige Gral für alle Fans von Städtebausimulationen. Das heißt, dass wir durch das schnelle Spieltempo ebenso schnell ans notwendige Kapital gelangen, denn immer dann, wenn wir ein neues Ziel erreicht haben, erhalten wir weitere Kapazitäten. Ebenfalls dürfen wir nach und nach unsere Stadt vergrößern, indem wir uns einfach umliegende Gebiete hinzukaufen. War es in SimCity (fast) unmöglich, riesige Metropolen zu errichten, kann man in Cities: Skylines seiner Fantasie freien Lauf lassen. Es ist nicht abzustreiten, dass sich die Entwickler frech am Spielprinzip der SimCity-Reihe bedient haben, doch genau diese Faszination schaffte es der Rechteinhaber der Serie mit der letzten Episode nicht zu erzielen. Stattdessen versuchte man dem Franchise neue Impulse zu geben, indem man den Titel mit ständiger Online-Anbindung mit Freunden spielen sollte, die dann mit Rohstoffen handeln konnten. Dieses Wirtschaftssystem war zwar durchaus sinnvoll, hat jedoch die wenigsten Spieler und vor allem die langjährigen Fans gereizt. Cities: Skylines verzichtet auf das System und konzentriert sich auf die wesentlichen Aspekte des Spiels: Planen, bauen und umstrukturieren!

Fraglicher Langzeitspielspaß

Cities - Skylines (5)Der Einstieg fällt SimCity-Veteranen und Aufbau-Strategen sicher sehr leicht. Das ist besonders deshalb anzumerken, da es keine Einführung ins Spiel gibt und Hinweistexte kaum vorhanden sind. Das hätte man anders lösen können, denn so werden sich Neulinge aufgrund des fehlenden Spielerhandbuchs in der Einzelhandelsversion zu Beginn etwas unbeholfen fühlen. Trotzdem ist das Spiel schnell erlernt und sobald man erst einmal die wichtigsten Kniffe herausgefunden hat, verselbstständigt sich die Bedienung. Optisch und akustisch kann Cities: Skylines jedoch nicht mit dem aktuellen Ableger des Vorbilds mithalten. Man merkt zwar an allen Ecken und Enden viele niedliche Details, die teilweise sogar akustisch untermalt werden, doch hier muss man sich leider mit dem technischen Mittelmaß zufriedengeben. Vor allem vermissen wir eine entspannende musikalische Untermalung. Ob der Titel Langzeitspaß bietet, muss im Übrigen jeder für sich selbst entscheiden. So ist es zwar theoretisch möglich, immer und immer wieder neue Gebiete an die Stadt anzuknüpfen, doch hat man irgendwann alle Gebäude errichtet und jedes Ziel erreicht. Hier hätten dem Spiel zusätzliche Szenarien gut getan. Diese hätten wir mit der in der Gold Edition enthaltenen Erweiterung Cities: Skylines – After Dark erwartet. Stattdessen enthält das Add-on fast ausschließlich nur zusätzliche Gebäude.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als SimCity 2013 erschienen ist, habe ich es eine Zeit lang sehr gerne gespielt. Ich hatte die ganze Zeit über die Hoffnung, dass Entwickler Maxis mit einem Patch die Fehler allesamt ausmerzen wird, doch hat man sich um das Spiel irgendwann einfach nicht mehr geschert und sich in Ausreden verheddert. Cities: Skylines hat bewiesen, dass eine Städtebausimulation heutzutage immer noch funktioniert und mich stundenlang an den Monitor fesseln kann, sodass ich schnell die Zeit vergesse. Man bemerkt erst gar nicht, wie sehr man sich in das Spiel vertiefen kann. Hier soll erst noch eine Straße gebaut werden, um anschließend die Bevölkerung zu vergrößern, doch dann brauchen die neuen Bewohner auch Arbeit und ebenso Zugang zu Bildung. Dann bricht an anderer Stelle ein Feuer aus und jemand anderes beschwert sich über die zu hohe Kriminalitätsrate, was mich wiederum dazu bringt, an wichtigen Stellen Feuerwehrhäuser zu errichten und ein Gefängnis zu bauen, um Übeltäter wegsperren zu können. Geht mir dann doch irgendwann der Bauplatz aus, kaufe ich mir einfach ein Gebiet hinzu – nur damit der ganze Spaß anschließend wieder von vorne beginnen kann. Das macht bis zu diesem Zeitpunkt uneingeschränkt Spaß, bis ich alle Gebäude errichtet habe, die im Spiel enthalten sind. Durch das beigelegte Add-on Cities: Skylines – After Dark hat man zwar einen (eher sinnlosen) Tageszeitenwechsel eingeführt und das Sortiment um weitere Gebäude erweitert, doch bietet mir das auf Dauer zu wenig. Auch wenn der Titel modifikationsfreudig ist, hoffe ich sehr, dass Colossal Order Cities: Skylines ständig erweitern wird. Wenn dann auch noch Kampagnen oder zumindest verschiedene Szenarien folgen, werde ich noch unglaublich viel mehr Zeit mit dem Spiel verbringen. Alle, die von SimCity enttäuscht waren, werden mit Cities: Skylines sehr viel mehr Freude haben und alle, die sich gerne mal an einer Städtebausimulation versuchen wollen, sollten hier nicht nur einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Cities: Skylines (Gold Edition)!

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