Review: Die nackte Kanone [2025]

2025 kehrte Die nackte Kanone ins Kino zurück. William John „Liam“ Neeson übernimmt die Rolle von Frank Drebin Junior und beweist, dass die Spoof-Komödie immer noch funktionieren kann, wenn die Verantwortlichen sie richtig anpacken.Wie der Vater, so der Sohn: Ganz in der Tradition seines Erzeugers, des legendären verstorbenen Frank Drebin Senior, arbeitet Frank Drebin Junior bei der Spezialeinheit der Polizei. Mögen seine Methoden auch unkonventionell sein, seine Erfolge sprechen für sich. Gerade hat er auf spektakuläre Art und Weise einen Banküberfall vereitelt, doch von seiner Vorgesetzten schlägt ihm wenig Verständnis entgegen und er wird zur Abteilung für Verkehrsunfälle versetzt. Bereits bei seinem ersten Fall, der Untersuchung des in einem E-Auto verunglückten Simon Davenport, stößt Drebin auf Ungereimtheiten, die nur die Möglichkeit eines Mords nahelegen. Die Spur führt zum Tech-Milliardär Richard Crane, der in allerlei futuristisches Gerät investiert und aus dessen Fabrik das E-Auto des Toten stammt. Für Frank ist der zwielichtige Crane mehr als verdächtig. Zu allem Überfluss scheint dieser außerdem in die Geschehnisse des Banküberfalls verwickelt zu sein. Gemeinsam mit Davenports Schwester Beth versucht er, dem größenwahnsinnigen Unternehmer auf die Schliche zu kommen. Während sich Drebin, der der Liebe eigentlich abgeschworen hatte, und die verführerische, aber von Rachegelüsten getriebene Beth allmählich näherkommen, stellt Crane Drebin eine Falle, um seinen verqueren Plan eines bizarren Utopia ungehindert in die Tat umsetzen zu können. Plötzlich befindet sich Drebin auf der Fahndungsliste und im Visier der Polizei. Nun muss er nicht nur seine Unschuld beweisen, sondern parallel dazu Cranes Irrsinn Einhalt gebieten.

KindheitserinnerungBei Die nackte Kanone muss ich unweigerlich immer wieder an diese eine Eskapade aus meiner Kindheit denken: Es ist nach zwanzig Uhr, meine Eltern haben Besuch, zusammen sitzen sie im Wohnzimmer und sehen sich einen Film an. Für mich kleinen Hosenmatz hingegen hieß es, dass ich schon lange im Bett liegen und selig schlafen sollte, doch wie es manchmal in diesem Alter so ist, verweigerte sich mir der Schlaf vehement, während praktischerweise das elterliche Schlafzimmer nun mal unmittelbar neben dem Wohnzimmer lag. Also war der Plan schnell gefasst: Ich krabbelte aus dem Bett, schlich auf Zehenspitzen um die Ecke und öffnete vorsichtig die Tür zum Wohnzimmer. Nur einen Spalt breit! Gerade genug, um unbemerkt den Fernseher in Sichtweite zu haben. Dort lief Die nackte Kanone mit Leslie William Nielsen. Es war das erste Mal, dass ich einen Ausschnitt des Films sah. Es war die berühmte Autoverfolgungsjagd, in der Frank Drebin einem Mörder an den Fersen klebte, dabei allerdings ausgerechnet in den Wagen einer Fahrschule und zögerlichen Fahranfängerin eingestiegen war. Obwohl ich mich die meiste Zeit im Griff hatte, hielt ich es irgendwann nicht mehr aus und musste blöderweise lautstark loslachen. Sofort machte ich kehrt, sprang ins Bett, zog die Bettdecke hoch bis zum Kinn und gab vor, engelsgleich in Morpheus’ Armen zu liegen. Sinnlos natürlich, jeder und das ganze Haus hatte mein schallendes Gelächter vernommen. Meine Mutter kam entsprechend ins Schlafzimmer getost, hielt mir eine kurze Standpauke und danach ging ich das Risiko nicht mehr ein. Freilich, das Erlebnis blieb und nicht zuletzt wegen dieser Geschichte hat der Film bei mir einen festen Platz im Herzen.

Die Zucker-Abrahams-Zucker-Chaos-KomödieSelbst abseits dieser persönlichen Bindung sind sowohl die Serie, als auch die klassische Trilogie mit Leslie Nielsen von David Zucker, Jerry Zucker und James Steven „Jim“ Abrahams, dem ZAZ-Trio, gleichwohl in meinen Augen Komödiengold. Der Mix aus Parodie auf den Polizeifilm und Hard-Boiled-Film-Noir durch die Linse der Chaoskomödie, welche das ZAZ-Trio bereits mit Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff und Top Secret! tatkräftig und zwerchfellquälend erprobt hatten, gehört für mich zu den Sternstunden des 1980er-Jahre-Komödien-Kinos. Jede Szene war überfüllt mit kleineren und größeren visuellen Späßchen, die sich oft im Hintergrund ereigneten, derweil die Figuren im Vordergrund bierernst ihre Texte aufsagen mussten. Gleichzeitig waren selbst diese Dialoge und Monologe von einer urkomischen Manier mit ihren unvorhersehbaren Wortklaubereien und Wortspielen. Slapstick machte einen nicht unwesentlich Teil des Humors aus, war dennoch trotz seiner Albernheit aufgrund seiner Eskalationsspirale und spinnerten Kreativität ein köstliches Vergnügen. Bisweilen folgten die Witze einander im Sekundentakt, sodass für einen weniger gelungenen Jokus ein umso witzigerer folgte. Über allem thronte jedoch zweifelsfrei Leslie Nielsen, der zuvor eigentlich gar nicht für komödiantische Rollen bekannt gewesen war. Für Die nackte Kanone stellte sein Frank Drebin hingegen das Pièce de Résistance dar, mit seinen trockenen Reaktionen selbst auf die groteskesten Vorgänge, wie er seinem Gegenüber mit abstrusen Dialogzeilen den Wind aus den Segeln nahm, war unvergleichlich. Gerade sein Gehabe eines Hard-Boiled-Detective im Angesicht all der Absurditäten, die ihn umgaben und die er nicht selten selbst verursachte, trugen wesentlich zum Humor des Films bei.

Verklärte Fans und die 1980er-Jahre-NostalgieDer letzte Teil der Trilogie mit Nielsen hat zum Zeitpunkt dieser Rezension 31 Jahre auf dem Buckel und in unserer heutigen Welt mit seinem vergifteten politischen und kulturellen Klima ist sich wahrscheinlich zurecht die Frage zu stellen, ob ein Die-Nackte-Kanone-Film hier überhaupt noch seinen Platz finden könnte. Ganz zu schweigen davon, dass eine Fortsetzung oder ein Remake oder ein Legacyquel, oder welche modisch-verbrämte Bezeichnung vorzuziehen sei, für beinharte Fans des Originals und unrettbar verklärte 1980er-Jahre-Nostalgiker wie ein Sakrileg sondergleichen anmuten musste. Nachdem zwischenzeitlich immer mal wieder Gerüchte über eine Neuverfilmung durch das Netz kursierten, nahmen die Pläne schließlich Gestalt an. Was, wenig überraschend, eben besagte Klientel in helle Aufregung versetzte. Da wurde fröhlich-munter die Leslie-Nielsen-Trilogie derartig überschäumend in den Olymp erhoben, zum Definitivum der Komödie an sich erklärt, rückwirkend in einem Maße vergöttlicht, dass eine Neuauflage in deren Köpfen nur scheitern konnte. Die Bekanntgabe, dass Liam Neeson nun in die Pantoffeln Nielsen schlüpfen würde, wurde nicht minder negativ aufgenommen. Zu ernst sei Neeson, er habe keine Erfahrung im komödiantischen Bereich und sei schlicht und ergreifend nicht witzig. Ihm wurde gar per se der Sinn für Humor abgesprochen. Dass Nielsen vor Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug ebenso wenig als Komödiant in Erscheinung getreten war, das ZAZ-Trio für ihre Parodien sogar in vollem Bewusstsein auf Darsteller gesetzt hatte, die eben nicht für ihre Komödienrollen bekannt waren, wurde dabei geflissentlich ignoriert.

Der Stammbaum der Spoof-KomödieNeben den National-Lampoon-Komödien waren Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Die nackte Kanone und Hot Shots! – Die Mutter aller Filme im Verein der Spiritus Rector der sogenannten Spoof-Komödien gewesen. Diese Spielart der Parodie war vor allem in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren mit den Scary-Movie-Filmen der Wayans-Brüder und den (unsäglichen) Movie Movies des Duo Infernale Jason Friedberg und Aaron Seltzer in Mode gekommen. Das ZAZ-Trio hatte unverkennbar eine ganze Generation von Filmemachern und Komödianten inspiriert, angefangen bei diversen Saturday-Night-Live-Mitwirkenden, über die South-Park-Macher Randolph Severn „Trey“ Parker III. und Matthew „Matt“ Richard Stone bis hin zur Generation Akiva Daniel Shebar Schaffer, dem Regisseur dieser Neuverfilmung. Die Mischung aus Parodie, unberechenbarem Witz und spielerischer Verulkung von Genrekonventionen ist zu einem Standard geworden. Schon in den 2000er-Jahren begann dem Witz jedoch rasch ein ellenlanger Bart zu wachsen – oder präziser: Es fehlte an Filmemachern, die verstanden hätten, was die ZAZ-Komödien so erfolgreich werden ließ. Statt alberner, dennoch treffsicherer Demontage von Klischees und Genremechanismen, verfiel man zusehends auf unzusammenhängende Aneinanderreihungen von Filmzitaten tagesaktueller Blockbuster, hilfloser populärkultureller Anspielungen und Pipi-Kacka-Witzchen. Die Spoof-Komödie verkam zum geistlosen Reference Dump. In späteren Jahren trat schließlich das „Meme Cinema“ an dessen Stelle, wo der Witz weniger im Film selbst als in der ihn umgebenden Internet-Meme-Kultur verortet lag, wie zum Beispiel bei Morbius oder Public-Domain-Horror wie Peter Pan’s Neverland Nightmare.

Komödiantisches Talent vor und hinter der KameraIn jedem Fall tragen die ZAZ-Chaos-Komödien und Die nackte Kanone insbesondere ein schweres Erbe mit sich herum. Letzten Endes war es der mit Komödien und Comedy bestens vertraute Regisseur und Drehbuchautor Akiva Schaffer, der die schwierige Mission annahm, die Neuauflage von Die nackte Kanone zu schreiben und zu inszenieren. Seine Sporen hat sich Schaffer unter anderem bei Saturday Night Live, Brooklyn Nine-Nine und bei Filmen wie Hot Rod: Mit Vollgas durch die Hölle oder Popstar: Never Stop Never Stopping verdient. Ganz zu schweigen von seiner Beteiligung an der Emmy-prämierten Musikvideoparodie Dick in a Box von The Lonely Island. Seth MacFarlane übernahm eine Produzentenrolle und neben Neeson wurde das einstmalige Sexsymbol und die berühmte Baywatch-Nixe Pamela Denise Anderson für die weibliche Hauptrolle gecastet. Anderson, die zuletzt mit The Last Showgirl Kritiker und Publikum für sich zu vereinnahmen wusste, war wie Neeson eine nicht minder ungewöhnliche Wahl, zumindest auf den ersten Blick. In jedem Fall hatte sich hier eine interessante Kombination an Filmschaffenden vor und hinter der Kamera versammelt, um den Komödienklassiker wiederzubeleben. Neeson sollte nun nicht einfach eine Neuauflage von Frank Drebin geben, sondern seinen Sohn, Frank Drebin Junior verkörpern. Die ersten Trailer waren nicht umwerfend. Nichtsdestoweniger fanden sich hier bereits einige durchaus amüsante Spitzen, aller Unkenrufe zum Trotz notabene, welche diese trotzig als alberne Fremdscham-Blödelei abtaten, als ob die Originale das Hoch intellektuellen Esprit dargestellten hätten, die sich niemals auf solche Niederungen begeben hätten.

Eine gelungene Hommage im Geiste des OriginalsNun haben Trailer bisweilen die sehr unangenehme Unart, alle Höhepunkte eines Werks vorwegzunehmen und die weniger gelungenen Aspekte geflissentlich zu unterschlagen. Zum Glück hat die Neuverfilmung mit denen in der Vorschau gezeigten Szenen bei Weitem noch nicht ihr Pulver verschossen. Im Gegenteil wage ich sogar zu behaupten, dass sie nicht mal die besten Gags gebracht hat, denn der fertige Film ist eine durch und durch gelungene Hommage an die Originalfilme geworden, die zwar nicht an die Dichte und die Dynamik der ZAZ-Komödien heranreicht, deren Ton hingegen formidabel zu treffen weiß. Schaffer beweist ein gutes Gespür für Gags, die dem Humor des Originals nicht nur treu bleiben, sondern ihn vorzüglich zu emulieren wissen. Im Gegensatz zu manch anderem hat er verstanden, was den Geist und das humoristische Naturell der ZAZ-Filme ausgemacht hat und folgt deren Ansatz geradezu sklavisch. Das bedeutet nicht, dass er bekannte Schoten simpel recyceln würde, selbst wenn etwa das versaute Schattentheater jedem Austin Powers-Fan zur Genüge bekannt sein dürfte. Was er uns präsentiert, entspricht grosso modo der oben beschriebenen Formel: Da wäre die Parodie auf Polizeiroutine, Film Noir und Hard-Boiled-Ermittler in detailverliebten Szenentableaus, angereichert um eine Fülle an visuellen Gags. Dazu gesellen sich haarsträubende und kontrastierend zum Humor trocken vorgetragene Dialoge oder Off-Kommentare des Protagonisten (manchmal mit ein paar Stimmen zusätzlich) und natürlich der obligatorische Slapstick.

Unvermittelt lauert der WitzSchaffer gelingt überraschend leichtfüßig die schmale Gradwanderung zwischen Albernheit und spitzzüngigem Spott über das Genre, der gekonnt dessen Marotten aufs Korn nimmt, ohne sich dabei in Copy-and-paste-Szenen mit Furzwitzen zu erschöpfen. Hinzu kommt die Unberechenbarkeit vieler Szenen, die es tatsächlich vermag, einige effektive Überraschungsgags zu liefern. Ein Teil von ihnen funktioniert ebenfalls gemäß einer Eigenart der ZAZ-Parodien: Sie unterlaufen nämlich die Zuschauererwartung an genretypische Situationen und lösen sie unerwartet komödiantisch auf oder verlaufen gänzlich anders als gewohnt. Das betrifft exemplarisch den Romantik-Subplot, der in gängigen Krimis den Kriminalfall in der Regel eher ausbremst als ihm dient. Diese Abschweifung verballhornte Die nackte Kanone bereits mittels eines urkomischen Musikvideos. Den gleichen Weg geht Schaffer und präsentiert einen reichlich überflüssigen Umweg in Musikclipform rund um einen dämonischen Schneemann. Das kommt aus dem Nichts, hat mit dem Rest der Geschichte nicht das Geringste zu tun und ist ein bewusst gehörig bescheuerter Filler. So belämmert solche Flausen sein mögen, Schaffer reizt sie dankenswerterweise nie über Gebühr aus und weiß, wann Schluss ist – oder wann er wieder auf sie zurückgreifen kann. Das beste Beispiel für Letzteres ist der andauernde Kaffeebecher-Kalauer.

Zwei wunderbare HauptdarstellerNeben Drehbuch und Regie muss unweigerlich die Leistung von Neeson und Anderson hervorgehoben werden. Nicht nur, dass es angenehm ist, endlich mal keine präpubertierenden Teenies als Protagonisten ertragen zu müssen, beide legen ein ausgesprochen gutes Timing an den Tag und haben eine ausgezeichnete Chemie untereinander. Neeson ist haargenau der Typ, der die nötige spröde Trockenheit beweist, um auf all den Irrsinn wie selbstverständlich zu reagieren, als sei es das Normalste auf der Welt, denselben Radfahrer zum x-ten Mal über den Haufen zu fahren oder die Waffe eines Bankräubers beiläufig zu verspeisen wie ein Stück Schokolade. Das ist präzise die Art von absurd-charakterfestem Selbstbewusstsein, die wohlgemerkt auch Nielsen zur Schau getragen hat, während er in einer Welt agierte, die für uns über alle Maße paradox erscheinen musste, die als Filmkosmos hingegen eine absonderliche Kohärenz bewies und einem eigenen Regelwerk zu folgen schien. Das ist der Grund, weswegen der Witz mit Neeson-Charakter so erfolgreich ist, weil der Film Neeson nie zwingt, „witzig“ zu sein. Das ergibt sich daraus, dass er so wirkt, wie er immer wirkt: wie Liam Neeson. Schließlich war es diese Mischung aus Authentizität und Ironie, die Nielsens Drebin auszeichnete. Insofern straft Neeson alle Mäkler Lügen. Leider ist Neesons Stammsynchronsprecher Bernd Rumpf 2019 verstorben, aber sein Ersatz Bernd Vollbrecht ist ein würdiger Nachfolger. Anderson ist nicht minder großartig, kann auch im fortgeschrittenen Alter als aufreizende Femme fatale überzeugen, ohne auf eine peinlich sexualisierte Gummipuppe reduziert zu werden. Wenn überhaupt wirkt sie sogar anziehender, würdevoller als zu Baywatch-Zeiten, spielt zugleich die Absurditäten ihrer Rolle genüsslich aus wie in der Nachtclubszene.

Ulkige Nebenrollen, schmierige Bösewichter und amüsante CameosDie meisten Nebenrollen stehen dahinter ein wenig zurück. Nichtsdestoweniger legen sich alle Beteiligten ins Zeug. Paul Walter Hauser als Ed Hocken Junior ist ein anständiger Stichwortgeber, muss sich letztlich aber ein wenig unter Wert verkaufen. Wobei George Harris Kennedy Junior zugegeben mindestens ebenso schwer zu ersetzen ist wie Nielsen. Carol Christine Hilaria Pounder hingegen gibt grundsolide die dauernd wütende Vorgesetzte, wie sie aus diversen Copfilmen zur Genüge bekannt ist. Mit ihrem narkoleptischen Ehemann bekommt sie obendrein einen überaus kuriosen Anhang spendiert. Daniel Sallis Huston gibt die inzwischen im Kino obligatorische Bösewicht-Tech-Milliardär-Karikatur, die Elon-Musk-Sparversion mit einer Prise Hugo Drax, und ist angemessen arrogant und schmierig, eine Megalomane mit Sendungsbewusstsein und voller Verachtung für die Menschheit. Kevin Serge Durand als Handlanger kommt hingegen gerade so auf eine hinreichend physische Präsenz ohne allzu viele herausragende Momente, was indes an der etwas einfallslosen Rolle liegt. Dafür gibt es einige amüsante Cameos zu bestaunen, etwa David Michael Bautista Junior oder Priscilla Ann Presley, Leslie Nielsen Love Interest der Originaltrilogie. Unbedingt erwähnenswert ist natürlich Alfred Matthew „Weird Al“ Yankovics Auftritt, der somit alle vier Teile mit seiner Anwesenheit beehrt. Musikalisch sucht der Soundtrack zudem begrüßenswerterweise, neben den unvermeidlichen Pop-Songs und dem unverkennbaren Lorne-Balfe-Klang, den Anschluss an Ira Newborn, dessen A Lonely Drebin an passender Stelle erklingt. Dass der Film nicht mit seinem kultigen Titelthema The Naked Gun From The Files Of Police Squad! startet, habe ich zunächst mit Unmut festgestellt. Inzwischen sehe ich es hingegen als Vorteil, dass sich Schaffer nicht an einer krampfhaften Kopie versucht hat. Dafür beschließt der Film eins zu eins mit der Originaltitelsequenz des Erstlings, inklusive des Originalthemas – und diese mittelkleine Dosis wohliger Nostalgie hat mich mehr als versöhnt.

Geschrieben von Jan Bantel

Jans Fazit (basierend auf dem Kino-Besuch): Ich kann nicht lügen, denn ich war überaus skeptisch, ob eine Neuauflage von Die nackte Kanone tatsächlich funktionieren kann – insbesondere ohne Leslie Nielsen in der Hauptrolle. Was für eine angenehme Überraschung war daher der Kinobesuch, der mir gezeigt hat, dass diese Art von Komödie wirklich witzig sein kann, solange sie nur in den richtigen Händen liegt. Fernab der totgerittenen Spoof-Komödie oder des Meme cinemas beweist Akiva Schaffer, dass er den Geist des ZAZ-Originals verstanden und verinnerlicht hat. Er schenkt uns eine spritzig-witzige Hommage an den Leslie-Nielsen-Klassiker der 1980er-Jahre. Ja, die klassische Formel der Chaoskomödie kann heute noch genauso gut funktionieren wie damals. Trotzdem vermeidet Schaffer in den meisten Fällen die einfallslose Kopie, präsentiert uns statt deren Gags am laufenden Band, die eins zu eins der Original-Trilogie entsprungen sein könnten. Ich habe nicht damit gerechnet, so viel im Kino lachen zu müssen. Bisweilen habe ich mich derart köstlich amüsiert, dass mir die Tränen in den Augen standen – fast wie damals beim Spinksen im Kindesalter. Natürlich ist das Original unübertroffen, das steht außer Frage. Bei allem Lob ist die 2025-Version weder vergleichbar dicht befüllt, noch so schwungvoll inszeniert wie seine Vorgänger. Aber es ist in jedem Fall die nächstbeste Sache, die ich mir erhoffen konnte. Liam Neeson und Pamela Anderson sind ein köstliches Leinwandpaar und beide bringen exakt das mit, was ihre Rollen verlangen, nämlich den trockene Witz und die ausgestellte Selbstverständlichkeit chaotischen Irrsinns. Ein tolles Erlebnis. Und ein kleiner Tipp zum Schluss: Beim Abspann unbedingt sitzen bleiben! Nicht nur bekommt der Zuschauer hier Frank Drebin Junior in der Aufnahmesession zu hören, zwischen den Namen aller Beteiligten verstecken sich allerlei kleinere Witzeleien – und eine Post-Credit-Szene gibt es obendrauf.

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