Review: Super Mario Galaxy 2

Der Weltraum: Unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer alternativen Realität. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Mario, das viele Lichtjahre vom Pilz-Königreich entfernt unterwegs ist, um fremde Planeten zu entdecken, unbekannte Gegnerspezies und neue Sternteile. Das Raumschiff Mario dringt dabei in Galaxien vor, die nie zuvor ein Klempner gesehen hat.

Keine Sorge! Eine ausgeklügelte Handlung wie in Star Trek oder anderen Weltraumopern dürft ihr auch im neuesten Teil der Super Mario-Reihe nicht erwarten. Stattdessen wird euch altbewährtes aufgewärmt serviert. Einmal mehr lädt Prinzessin Peach den allseits beliebten Klempner in ihr Schloss ein. Diesmal ist die Nacht der herabfallenden Sterne der Grund, denn nun alle einhundert Jahre regnen diese auf das Pilz-Königreich nieder. Auf dem Weg zum Schloss entdeckt Mario ein bewusstloses Luma-Baby. Aufgrund Verständnisprobleme kann es dem Klempner leider nicht erzählen, woher es kommt oder was es möchte – dennoch begeben sich die beiden gemeinsam zum alten Gemäuer. Anstatt von der Prinzessin in Empfang genommen zu werden, erwartet die Beiden eine feuerspeiende Riesenschildkröte. Die Rede ist selbstverständlich von Bowser, der traditionsgemäß nicht aus seinen Fehlern lernt und einmal mehr Peach entführt. Mario nimmt die Verfolgung auf und das Abenteuer zu seinem nächsten Weltraumabenteuer beginnt.

Raumpatrouille Mario

Während das interaktive Intro und das darauffolgende Level die Einführung in das wenig komplexe Spiel darstellen, eröffnet sich nach dem Erringen des ersten Sterns der Umschlagplatz des Spiels. Auf einem kleinen, trostlosen Planeten werdet ihr von einem Luma namens Lubba in Empfang genommen, von welchem ihr erfahrt, dass Bowser die restlichen Power-Sterne kreuz und quer durch die Galaxis verstreut hat. Mit ganzer Kraft verwandelt Lubba den Planeten in ein stattliches, rundes Raumschiff, welches dem Mondgesicht Marios nachempfunden wurde. Je weiter ihr im Spiel voran schreitet, desto eher wächst die Anzahl eurer Besatzungsmitglieder. Pinguine, Vögel, Toads und Lumas möchten euch im Kampf gegen Bowsers Schergen behilflich sein und unterstützen euch mit hilfreichen Funktionen. So könnt ihr beim Briefträger eure Post abholen, bei einem Bankier Sternteile anhäufen und im Untergeschoss dürft ihr sogar am Glücksspiel teilnehmen. Ist euch der Trubel auf dem Raumschiff zu viel, sucht ihr ganz einfach die Brücke auf und betätigt das Steuerrad.

Am Rande des Universums

Auf der dünn strukturieren, dafür umso übersichtlicheren Sternenkarte wählt ihr zwischen den zahlreichen, unterschiedlichen Galaxien aus. Selbstverständlich sind nicht alle Spielabschnitte von der ersten Minute an erreichbar, doch ist das Voranschreiten im Universum ein leichtes. Oftmals reicht es aus, einen einzigen Power-Stern einer Galaxie zu bergen, um die Route bis zur nächsten Galaxie zu erweitern. Manchmal müsst ihr aber zwangsweise mehr als nur einen Power-Stern aus einer Galaxie einkassieren, da das Raumschiff sonst vor wichtigen Spielabschnitten partout nicht weiterfliegen wird. Manche Galaxien müssen sogar erst noch geboren werden. Dies geschieht, in dem ihr hungrige Lumas auf euer Schiff einladet und sie mit Sternteilen füttert. Diese wiederum findet ihr während euren Ausflügen in die abwechslungsreichen Galaxien. Haltet also die Augen offen, es wird sich spätestens am Ende des Spiels für euch lohnen! Mehrere Galaxien ergeben übrigens eine ganze Welt, von denen es sechs an der Zahl gibt (exklusive einer geheimen Welt). Am Ende einer jeden Welt erwartet euch ein Bosskampf, der unumgänglich ist. Für den Sieg solch eines Kampfes erhaltet ihr einen großen Power-Stern, der es euch ermöglicht noch weiter in das Universum vorzudringen.

Sterne zum Anfassen

Bei der Erkundung fremder Planeten bekommt ihr es mit vielfältigen Aufgaben zu tun. Da möchten Abgründe überwunden, Felswände erklommen und Gegner in die Schranken gewiesen werden. In einer Galaxie verschwinden nach und nach die Bodenplatten, in einer anderen klappen diese immer dann um, wenn ihr die Wii Remote schüttelt. In einer Weltraumfabrik dürft ihr goldene Kettenhunde durch einen Parcours leiten – in einem anderen Spielabschnitt gilt es mit einem Vogel zu fliegen und Hindernissen auszuweichen. In einigen Levels werdet ihr besondere Items finden – ohne diese ist das jeweilige Gebiet nicht zu schaffen. Da wären zum Beispiel der Wolken- und der Felspilz. In Wolkengestalt kann Mario bis zu drei Wolkenplattformen erscheinen lassen, um höher gelegene Objekte zu erreichen. Trotzdem gilt es zügig zu arbeiten, denn diese Wölkchen verpuffen nach kurzer Zeit – auch wenn Mario unterwegs von einem Gegner getroffen werden sollte und seine normale Gestalt annimmt, können die Wolken den Klempner nicht mehr tragen. Als Fels-Mario seid ihr nahezu jedem Gegner überlegen – schließlich können diese dann einfach überrollt werden. Aber auch senkrecht aufgestellte Brücken können so umgestoßen werden, um den Weg zum Levelausgang zu verkürzen. Geht ihr aus einer euch gestellten Aufgabe erfolgreich hervor, erhaltet ihr einen Power-Stern, der auf euer Konto wandert. Und da sagte mal jemand, Sterne könne man nicht anfassen.

Grün, grüner, Yoshi!

Neben der allseits beliebten (aber leider zeitlich limitierten) Feuerblume kehrt der wohl beliebteste Charakter des Franchises ins Spiel zurück. Schon kurz nach Spielbeginn könnt ihr Yoshi aus einem Ei befreien und fortan gemeinsam mit ihm die Spielabschnitte erkunden. Größere Abgründe sind meistens mit besonderen Anvisierpunkten versehen, an welchen sich Yoshi mit seiner Zunge festhalten kann. Sollten diese einmal fehlen ist es wahrscheinlich, dass Yoshi den Abgrund auch überwinden kann, in dem er wie verrückt mit seinen Füßen strampelt. Außerdem spendierte Nintendo dem kleinen Dinosaurier drei besonders wichtige Früchte, welche Yoshi zeitlich begrenzte Fähigkeiten spendiert. Wenn er die scharfe, rote Frucht runterschluckt, bringt ihn das aufs Höchsttempo und kann so übers Wasser laufen oder steile Felswände erklimmen lassen. Die blaue Frucht lässt Yoshi aufplustern und kann so in ungeahnte Höhen aufsteigen – bis ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Puste ausgeht. Bis dahin sollte ein sicherer Halt wie zum Beispiel in den Baumwipfeln gefunden sein. Die leuchtendgelbe Frucht ermöglicht es dem Reittier unsichtbare Plattformen sichtbar zu machen. Sobald die Wirkung der Frucht nachlässt, sollte man auch hier auf einer stets sichtbaren Plattform Halt gefunden haben – ansonsten ist der Verlust eines Versuchs so gut wie sicher.

Bosskampf voraus!

Ein wahres Highlight des Spiels sind die Bosskämpfe gegen Bowser Jr. und Konsorten. Hier dürfen Kugelwillis mit Yoshi eingeschluckt werden und auf die wunden Punkte des Gegners zurückgeschleudert werden. In der Regel befindet sich Mario aber allein im Kampf gegen Bowsers Schergen. Bis auf den immer wiederkehrenden Bowser-Bosskampf spielen sich alle Kämpfe recht unterschiedlich. Kokosnüsse wollen auf einen fahrenden Kriegswagen zurück geschleudert werden, Maulwürfe aus ihren Verstecken gelockt und ein Drache möchte das Fürchten gelehrt bekommen. Der große Abwechslungsreichtum hat es leider nicht auf die restlichen Gegnertypen geschafft. Zwar fallen diese dennoch sehr unterschiedlich aus, von einem Super Mario-Spiel erwarten wir dennoch eine größere Vielfalt, wie es sie zum Beispiel in Super Mario World gab. Leider ist dies nicht der einzige negative Punkt, welchen man dem Titel vorwerfen kann. Obwohl das Spiel größtenteils in dreidimensionalen Räumen basiert, haben es vermehrt zweidimensionale Abschnitte ins Spiel geschafft. Diese sind zwar eine willkommene Abwechslung, trotzdem wird man so teilweise stark in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Im Jahr 2010 wäre dies sicherlich intuitiver lösbar gewesen. Des Weiteren kann die Kamera nicht jederzeit wunschgemäß positioniert werden – besonders bei hakeligen Stellen, wo es auf gute Reflexe und Genauigkeit ankommt, haben wir dieses Feature stark vermisst.

Ideenreichtum an Bord

Trotzdem kann Super Mario Galaxy 2 auch mit vielen, neuen Ideen punkten. Der fast grenzenlose Abwechslungsreichtum in den ebenso abwechslungsreichen Galaxien ist bewundernswert. Selbst nach ca. dreißig Jahren schafft es Shigeru Miyamoto immer noch, den Spielern ein Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern. Bis auf wenige Ausnahmen spielen sich alle Aufgaben unterschiedlich und kein Level gleicht dem anderen. Daraus resultiert sich leider, dass diese Spielabschnitte sehr linear ausfallen und kaum Platz für die freie Erkundung übrig lassen. Dafür entschädigt der sensationelle Soundtrack, der ebenbürtig mit dem nahezu perfekten Soundtrack des ersten Teils ist. Grafisch hat sich das Spiel nicht weiterentwickelt. Das wäre auch gar nicht nötig gewesen, denn Super Mario Galaxy 2 macht selbst auf einem HD-Fernseher inklusive Komponentenkabel ein mehr als nur gutes Bild. Erwartungen der Fans, dass der zweite Teil vom Schwierigkeitsgrad härter ausfällt als beim Erstling, wurden erfüllt. Ihr werdet nun öfter mal einen unabsichtlichen Verlust eines Lebens hinnehmen müssen – wahre Herausforderungen, die mit so manchem Risiko-Kometen aus dem ersten Teil vergleichbar sind, sucht man allerdings vergebens. Wer mit den kleinen Nachteilen des Spiels leben kann, wird eines der besten Super Mario-Spiele aller Zeiten in seine Wii-Konsole stecken können. Wahre Super Mario-Fans haben den Titel sowieso schon durchgespielt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Anfangs war ich skeptisch. Ich mochte Super Mario Galaxy nicht so sehr, wie es der Titel vielleicht verdient hätte. Die Ideen, die Optik und vor allem der meisterhafte Soundtrack haben mich zwar überzeugt, aber ich war vom Spiel doch eher enttäuscht. Die Galaxien waren mir oftmals viel zu klein – mir haben die offenen Welten aus Super Mario 64 und Super Mario Sunshine gefehlt. Linearität ist in einem dreidimensionalen Spiel eher fehl am Platz. Selbst in einem zweidimensionalen Ableger wie New Super Mario Bros. Wii  hat man mehr Lösungswege gehabt, als in Super Mario Galaxy. Für den zweiten Teil kann ich leider auch nichts anderes behaupten. Im Grunde führt ein roter Faden durch die zahlreichen Galaxien. Dafür haben mich dieses Mal die irren Ideen aus dem Kopf Shigeru Miyamotos so sehr überzeugt, dass ich den Titel bereits am ersten Wochenende mit 120 Sternen abgeschlossen habe. Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber nach dieser Errungenschaft ist noch lange nicht Schluss und mir fehlt derzeit nur noch ein einziger Power-Stern, um das Spiel vollständig durchgespielt ins Regal stellen zu können. Es kommt so selten vor, dass mich ein Videospiel so sehr in den Bann zieht. Das Spiel eignet sich wunderbar für Anfänger und Fortgeschrittene, als Profi fühlt man sich stellenweise doch sehr unterfordert. Super Mario Galaxy 2 ist dieses Mal ebenfalls kein Meisterwerk geworden. Ich hoffe inständig, dass sich Nintendo beim nächsten dreidimensionalen Ableger des Franchises auf alte Tugenden besinnt. Vielleicht komme ich dann endlich in den Genuss eines Super Mario Sunshine-Nachfolgers.

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Ein Kommentar zu “Review: Super Mario Galaxy 2

  1. Es lässt sich darüber streiten ob Super Mario Galaxy 2 nun ein Meisterwerk ist oder nicht, fest steht aber das es das Wii-Spiel ist, das bisher die höchsten Wertungen in den Medien erzielen konnte. Ich denke allein dadurch ist es schon ein Meisterwerk.

    Ich habe das Spiel intensiv gespielt und kann mich in vielerlei Hinsicht den Medien anschließen, allerdings ist es nicht perfekt. Am meisten fehlt mir der von Shigeru Miyamoto mehrfach erwähnte, höhere Schwierigkeitsgrad.

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