Review: Golden Sun: Die dunkle Dämmerung

Mehr als sechs Jahre ist es nun schon her, dass Fans der Reihe den zweiten Teil auf dem GameBoy Advance spielen durften. Mitte Dezember erschien nach langer Wartezeit endlich die dritte Episode der Serie. Die Erwartungen der Fans waren hoch, denn anstatt die Handlung nahtlos an den zweiten Teil anzuknüpfen, wagten die Entwickler einen Zeitsprung dreißig Jahre in die Zukunft – inklusive neuer und alter Helden.

Wir schlüpfen zu Beginn des Spiels in die Haut von Matthew. Dieser ist Sohn von Isaac, dem Hauptprotagonisten des ersten Teils. Unterstützt wird er von Kiara, der Tochter des ebenfalls aus dem Erstling bekannten Ivan. Das Spiel beginnt damit, dass Matthews Kumpel Tyrell eine wertvolle Flugmaschine ohne Erlaubnis seines Vaters Garet benutzt und im nahegelegenen Wald am Fuße des Goma-Gebirges abstürzt. Gemeinsam mit Isaac und Garet begeben wir uns auf die Rettungsmission und erlernen dabei die ersten Kniffe, wie wir die aufkommenden Rätsel lösen und die mäßig vorhandenen Zufallskämpfe gewinnen können. Unsere virtuellen Vormünder erklären uns später, dass wir alt genug dafür seien, in die Welt hinausziehen zu können und die Feder eines Rocs für die zerstörte Flugmaschine auftreiben dürfen.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Das klingt nicht sehr spannend und im Grunde ist es das auch nicht. Erst nachdem wir einige Spielstunden hinter uns gebracht haben, kann sich die Handlung langsam entfalten. Maskierte Bösewichter stellen sich uns in den Weg, doch ihr Vorhaben bleibt schleierhaft. Nur langsam erfahren wir etwas über die Motive der Antagonisten. Auf dem Weg durch die mittlerweile dank der Goldenen Sonne veränderten und teils zerstörten Oberwelt treffen wir auf viele alte Gesichter. Bekannte wie den Gelehrte Kraden oder Piratenkapitän Briggs kommen zwar nur am Rande vor, doch tragen sie Teil zur im Spielverlauf immer besser werdenden Geschichte bei. Leider schwächelt die erzählte Handlung zum Ende hin stark. Das liegt vor allem an weiteren Charakteren, die sich unserer Gruppe anschließen. Ihre Persönlichkeiten kommen in Golden Sun: Die dunkle Dämmerung nicht ausreichend zur Geltung. Witzlose, lahme und gestreckte Unterhaltungen sind die Folge.

Schnell gemeisterte Auseinandersetzungen

Immerhin haben die Entwickler am rundenbasierten Kampfsystem gewerkelt. Gingen früher Schläge auf einen bereits besiegten Gegner daneben, wählt der jeweilige Charakter nun ein anderes Ziel für seinen Angriff aus. Während sich uns in den ersten Spielstunden noch recht schwache und sehr einfach zu besiegende Monster in den Weg stellen, dürfen wir uns gegen Ende des Spiels mit deutlich stärkeren Gesellen messen. Unsere Heldentruppe steigt dennoch sehr schnell in ihrem Level auf, was die Auseinandersetzungen schnell zu einer Angriffsorgie verkommen lässt. Dazu beiträgt natürlich die richtig angelegte Ausrüstung, die wir in Dörfern und Städten kaufen, sowie in Dungeons finden können. Waffen verfügen im Übrigen über spezielle Fähigkeiten, aber auch nur, wenn wir sie stetig im Kampf verwenden. Je öfters wir mit Schwertern, Äxten, Keulen oder Bögen angreifen, desto eher erhalten sie Fähigkeiten wie Rundumschläge, Doppelschüsse oder gar elementbasierende Angriffe.

Halbgare Rätselkost vom Feinsten

Magie darf in Golden Sun: Die dunkle Dämmerung ebenfalls nicht fehlen, doch werden die Zauberkräfte im Fantasy-Reich Weyard Psynergy genannt. Psynergy-Kräfte können in- und auch außerhalb der Kämpfe eingesetzt werden. Außerhalb der Konfrontationen mit Feinden haben wir es aber nicht nur mit Heilzaubern zu tun, sondern können auch aktiv die Umgebung verändern. Kleine Pflanzen möchten mit Wachstum sprichwörtlich zum Wachsen gebracht werden. Anschließend können wir an ihnen hinaufklettern und vormals unerreichbare Ebenen erklimmen. Mit der Psynergy Verschieber können wir Steinsäulen verschieben, damit wir anschließend von einer Erhöhung auf die Säule springen und auf diesem Weg neue Plattformen erreichen können, wo die eine oder andere Schatztruhe auf uns warten wird. Später werden auch die Elemente Feuer, Wasser und Wind mit in die nicht selten seichte Rätselkost eingebunden. Wasser kann vereist werden, das Feuer einer Fackel entfacht und Windräder mit Luftstößen in Betrieb genommen werden.

Gut durchdachtes Dschinn-System

An den kuriosesten und öfters auch gut versteckten Orten finden wir Dschinn. Diese Wesen können sich mit den Adepten, sprich jedem unserer maximal acht Helden verbünden. Nach dem Vorgang erhalten unsere Charaktere Statusboni und –mali. Außerdem ist es nur auf diese Weise möglich, neue und mächtigere Psynergy zu erlernen beziehungsweise zu entfachen. Zu Beginn des Spiels schmettern wir beispielsweise lediglich kleinere Felsbrocken auf die Gegner, während wir im späteren Spielverlauf ein ganzes Epizentrum auslösen. Wir sollten allerdings immer darauf achten, dass das Element der Dschinn zum Element des jeweiligen Adepten passt. Die Mischung aus mehreren Erde- und Feuer-Dschinn ermöglicht zwar die Freischaltung gemischter Psynergy-Kräfte, doch bleiben die Status-Eigenschaften auf einem niedrigen Niveau. Außerdem ist es uns möglich die Dschinn auf Abruf zu stellen, damit wir in den Kämpfen mächtige Beschwörungen entfesseln können. Hierbei müssen wir dann allerdings auch bedenken, dass unsere Helden dann etwas schwächer als gewohnt sind. Wir sahen im gesamten Spielverlauf übrigens keine Stelle, wo der Einsatz einer Beschwörung wirklich notwendig wäre.

(Un)gewohnheiten

Optisch erinnert der Titel an die alten beiden Teile, trumpft allerdings mit leicht verbesserten Höhen- und Tiefenverhältnissen auf. Auch hat man versucht, dreidimensionale Objekte in das Spiel zu integrieren. Grundsätzlich hat das auch funktioniert, manche Effekte machen auf uns allerdings einen ungewohnten Eindruck. Eine Grafikrevolution wie auf dem GameBoy Advance ist Golden Sun: Die dunkle Dämmerung allerdings nicht. Auch akustisch müssen wir Abstriche hinnehmen. Vernahmen wir in den ersten beiden Teilen noch relativ viele schöne Ohrwürmer, wurden die wirklich gut komponierten Tracks im dritten Teil auf ein kleines Maß reduziert. Trotzdem passt die musikalische Untermalung jederzeit zum Geschehen. Obwohl die Touchscreen-Steuerung mittels Stylus ansatzweise gut funktioniert und bei Weitem kein Totalausfall ist, können wir allerdings nur die Steuerung über die Tasten jederzeit wärmstens empfehlen. Einzig allein die Menüführung ist suboptimal gelöst. Möchten wir gleich mehrere Gegenstände von einem Charakter zu einem anderen transferieren, möchte das Spiel gerne unsere wertvolle Zeit verschwenden. Das haben wir in anderen Rollenspielen besser in Erinnerung.

Eingeschränkte Spielwelt

Der Auftakt zu Golden Sun. Die dunkle Dämmerung ist zugegeben lahm, doch kann das Spiel in den folgenden dreißig Spielstunden mit einigen Höhe- und Wendepunkten auftrumpfen, wirkt zum Ende hin wieder recht langweilig. Zu viele Charaktere werden in einem zu kurzen Zeitraum eingeführt und nur wenig erklärt, was in einem unbefriedigenden Abschluss endet. Dafür können wir während der Gespräche öfters auf die R- oder L-Taste drücken, um Informationen über Personen oder Orte aufrufen zu können, die im jeweiligen Gespräch besprochen werden. Klasse! Immerhin gehen auch die Kämpfe leicht von der Hand und einige Kopfnüsse bei den Rätseln sind ebenfalls auszumachen, welche Kennern der Reihe aber keine Kopfschmerzen bereiten dürften. Negativ fällt der Titel besonders in einem Punkt auf: Alle paar Spielstunden durchleben die Helden diverse Ereignisse, welche es ihnen unmöglich machen, zu früheren Spielorten zurück zu kehren. Verpassen wir also zu Beginn des Spiels einen Dschinn, können wir ihn kurz vor dem Endkampf nicht nachholen. Diese neumodische Inszenierung finden wir selbst beim größten Teil der Japano-Rollenspiele aus dem letzten Jahrtausend nicht. Wer über die Defizite hinwegsehen kann, wird grundlegend ein gutes Rollenspiel spendiert bekommen. Allerdings empfehlen wir – falls nicht schon geschehen – die ersten beiden Teile nachzuholen, die sind auch heute noch mehr als einen Blick wert!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als Golden Sun: Die dunkle Dämmerung im vorletzten Jahr auf der E3 in Los Angeles angekündigt wurde, war ich aus sofort dem Häuschen. Viel zu lange habe ich auf den dritten Teil gewartet. Anfangs dachte ich wirklich noch, dass Camelot die Handlung nahtlos an die Geschichte der ersten beiden Teile dran heften würde, doch damit lag ich wohl leider falsch. Stattdessen ließ man ganze dreißig Jahre in der Spielwelt aus und präsentiert neue Helden, welche einerseits die Kinder alten Heroen sind, aber andererseits ähnliche Merkmale aufweisen. Gähn! Trotzdem gab ich dem Spiel eine Chance und wurde schnell belehrt, dass es der Titel in keiner Weise mit den Vorgängern aufnehmen kann. Die Geschichte der alten Helden war spannend, strukturiert erzählt und endete jeweils mit einem spektakulären Cliffhanger. Bei der dritten Episode vermisse ich diese Punkte fast vollkommen. Der Auftakt ist langweilig inszeniert, der Hauptteil bietet schon fast zu viel gehaltvolle Dramaturgie, welche am Ende der Geschichte einfach fehlt. Auch die immer weiter geschlossene Spielwelt stört mich sehr. Möchte ich nochmals zurück in eine der früheren Städte gelangen und einen verpassten Dschinn nachholen, muss ich sofort ein neues Spiel anfangen. Was ursprünglich der Handlung zu Gute kommen sollte, endet in einem Desaster. Immerhin kann ich mich mit einigen optionalen Dungeons inklusive Bossgegnern kurzfristig anderweitig unterhalten. Trotzdem können sich andere Entwickler wie Square Enix eine Scheibe von den Rätseln abschneiden, diese sind – obwohl sie größtenteils einfach und offensichtlich zu lösen sind – gut in das Spiel integriert. Die erhoffte Rollenspielfortsetzung ist es meiner Meinung nach leider nicht geworden.

Ein Kommentar zu “Review: Golden Sun: Die dunkle Dämmerung

  1. Als heute nach 25 Stunden Spielzeit der Abspann lief, dachte ich zuerst, dass es vllt. danach noch weiter geht… Leider falsch gedacht, aber wenigstens wird eine Speicherdatei vor dem Endkampf erstellt, so dass man noch wieter die Welt erkunden kann und gegebenenfalls die Dschinnsammlung vervollständigen. Aber immerhin lässt das Ende auf eine Fortsetzung hoffen!

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