Review: Tai Chi Master

Nachdem der Martial-Arts-Künstler im sechsten Teil der Jet-Li-Reihe von Splendid Film mit viel Humor fast die Kung-Fu-Inhalte überdeckte, versucht der Meister dieses Vorgehen in Yuen Woo-Pings Tai Chi Master (auch unter den Titeln Tai Chi oder Twin Warriors bekannt) fast zu wiederholen.

Zur Zeit der Ming-Dynastie (1368 – 1644) möchte der junge Jun Bao, gemeinsam mit dem kürzlich aufgenommenen Tian Bao, die hohe Kunst des Kung-Fu im Tempel der Shaolin erlernen. Da Tian Bao oft überstürzt handelt und den beiden Kämpfern somit jede Menge Ärger einhandelt, eskaliert die Situation. So müssen die beiden Männer den Tempel verlassen. In einer naheliegenden Stadt angekommen, betteln die beiden nach Geld. Es kommt dazu, dass sich Tian Bao den Soldaten anschließt, da es ihm in erster Linie um Geld, Macht und Ruf dürstet. Für Jun Bao sind diese Dinge nicht wichtig, er trennt sich von seinem Freund und schließt sich einer kleinen Rebellengruppe an, die sich das Ziel gesetzt hat, die Ming-Dynastie zu stürzen. Nach und nach bröckelt die Freundschaft der beiden ehemaligen Mönche, es fließt Blut auf beiden Seiten. Schlussendlich kommt es dazu, dass sich die beiden in einer Auseinandersetzung als Gegner gegenüberstehen, um sich auf Leben und Tod zu bekämpfen.

Lustige Handlung und Drahtseilakte

Zu Beginn des Films macht die Handlung noch einen interessanten Eindruck, langsam werden wir in das Leben der beiden Mönche eingeführt. Mit einem guten Sinn für Humor bezaubern uns die Charaktere im Shaolin-Tempel, doch bereits nach einer halben Stunde wendet sich das Blatt zu Ungunsten der durchdachten Geschichte. Nach der Trennung der beiden Freunde wird die Handlung fortan gerecht abgewogen aus zwei Sichtweisen präsentiert, woran grundsätzlich nichts verkehrt sein kann, da wir genau dieses Manko bei vielen anderen Filmen bemängeln. Leider funktioniert dieses Ergebnis in der Praxis nicht so gut, wie es in der Theorie klingen mag. Der Humor bleibt größtenteils auf der Strecke, gemeinsam agierten Jet Li und Chin Siu Ho weitaus energischer. Glücklicherweise hat man sich in Tai Chi Master auf das Schauspielgeschick Michelle Yeon (unter anderem bekannt für ihre Leistung im James-Bond-Film Der Morgen stirbt nie) verlassen, welche besonders im letzten Filmabschnitt für Furore sorgt. Die Kämpfe wirken hingegen alles andere als echt, viel zu sehr hat man sich auf Drahtseile verlassen. Dadurch wirken die Kämpfe zwar weitaus intensiver, aber unglaubhafter und teilweise stark aufgesetzt. Negativ fällt uns hier besonders auf, dass man sich nicht die Mühe gegeben hat, die Seile in der digital überarbeiteten Fassung wegzuretuschieren.

Witzige, aber unpassende Synchronisation

Die Bildqualität der Blu-Ray-Ausgabe bleibt konstant gut, nur an manchen Stellen (wie den eben erwähnten Seilen) merkt man deutlich, dass es sich um einen Film aus dem vorletzten Jahrzehnt handelt. Die musikalische Untermalung ist gut, wenn auch nicht weltbewegend. So hört man an einigen Stellen deutlich heraus, dass sich der Komponist an Werken wie Once upon a Time in China orientiert hat, diese Klasse aber keineswegs erreicht. Die Synchronisation lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig, zumal man als Synchronstimme von Jet Li nicht unbedingt Fabian Körner hätte verpflichten sollen. Eine Neusynchronisierung wäre unserer Meinung hier deutlich angebracht gewesen. Wer Lust hat, darf sich auch die (wesentlich authentischere) kantonesische Tonspur samt deutschen Untertiteln zuschalten lassen. Der im 16:9-Bildformat gehaltene Film dauert samt Höhen und Tiefen ganze 96 Minuten an. Yuen Woo-Ping und Jet Li haben mit Sicherheit schon bessere Filme gedreht beziehungsweise in besseren Streifen mitgespielt, doch wer eine abendfüllende Jet-Li-Unterhaltung sucht, wird mit Tai Chi Master dennoch zufriedengestellt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): Von The Legend of Fong Sai Yuk war ich bekannterweise ein wenig enttäuscht, ähnlich ist es auch bei Yuen Woo-Pings Tai Chi Master. Anfangs war ich noch regelrecht von dem Film begeistert, die Szenen im Tempel der Shaolin haben in der Blu-Ray-Fassung eine nahezu perfekte Figur gemacht, das Landschaftsbild hat eine wunderschöne Atmosphäre erzeugt und die Synchronisation hat einfach gestimmt. Als die beiden Mönche wenige Filmminuten später erwachsen werden, änderte sich dieses Bild in meinen Augen relativ schnell. Zwar wurden die gezeigten Orte gut mit der Kamera eingefangen, doch die (deutsche) Synchronisation fiel mir schon bald negativ auf. Warum man Fabian Körner, dem RTL-Sprecher, der mir schon seit vielen Jahren aus den Ohren raushängt, als Sprecher für Jet Li engagiert, ist mir schleierhaft. Seine Stimme mag zwar für etwaige unwichtige Nebenrollen und andere Produktionen geeignet sein, aber für Jet Li ist er meiner Meinung nach definitiv unpassend. Auch wenn der Humor ab der Trennung von Jun Bao und Tian Bao etwas auf der Strecke bleibt, kann mich die eigentliche Rahmenhandlung trotzdem überzeugen. Die Geschichte zweier Freunde, die sich mit der Zeit immer weiter entfremden und gegen Ende Feinde werden, finde ich überzeugt und zugleich faszinierend. Allerdings wirken die Kämpfe teilweise stark aufgesetzt. Besonders wenn ich mir die Drahtseile ansehe, an welchem die Schauspieler wie verrückt durch die Gegend geschleudert werden und diese nicht wegretuschiert wurden, kostet das definitiv Punkte bei der Atmosphäre, zumal mir authentischere und nachvollziehbare Choreographien persönlich besser gefallen. Aufgrund der Mankos kann ich aber keine volle Kaufempfehlung absprechen, es gibt interessantere und bessere Filme, in denen Jet Li mitwirkt. Greift lieber zu Once upon a Time in China oder Fist of Legend!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Tai Chi Master!

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