Review: Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten

In den Jahren 2008 und 2009 erschienen die Remakes der ersten beiden Teile der von Dragon-Quest-Fans geliebten Zenithia-Trilogie (Die Chronik der Erkorenen, beziehungsweise Dragon Quest IV und Die Hand der Himmelsbraut, ursprünglich als Dragon Quest V bekannt) auch in Europa. Nun hat es mehr als zwei Jahre gedauert, bis Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten den Weg über den großen Teich gefunden hat.

Im sechsten Serienableger der legendären Rollenspielserie übernehmen wir abermals die Rolle eines namenlosen (aber frei benennbaren) Helden, der gegen das ultimative Böse in einem fantasievollen Universum antreten möchte. Nachdem er sich dessen Existenz bewusst geworden ist, lernen wir mit ihm auf unserer Reise durch zahlreiche Königreiche kunterbunte Charaktere kennen, die allesamt sehr interessant gestrickt sind und über unterschiedliche Persönlichkeiten verfügen. Schnitz, groß und stämmig, ist ein ungeduldiger Geselle. Rebekka hat ihr Gedächtnis verloren und Adriels Intelligenz kann sich mit den Weisen des magiereichen Landes messen. In Dragon Quest VI müssen wir allerdings nicht nur eine, sondern gleich drei miteinander verbundene Welten vor dem Untergang retten und die Finsternis ein für alle mal vertreiben.

Abenteuerliche Reise

Der Weg bis zur finalen Auseinandersetzung ist allerdings lang und beschwerlich – bis dahin werden wir viele Abenteuer in den Städten, Dörfern und Königreichen erleben. Mal müssen wir versuchen, eine Meerjungfrau durch drei Meere zu bugsieren und ein anderes Mal möchte ein Mann, der sich des Nachts zu einem unangenehmen Monster verwandelt, zur Besinnung gebracht werden. Diese Geschichten werden mit vielerlei Wortwitzen ausgedrückt, so dass wir mehr als nur einmal ins Schmunzeln geraten – toll! Obwohl die schön erzählten und voneinander meist unabhängigen Abenteuer nett erzählt sind, verliert die eigentliche Handlung bereits nach einem guten Viertel der Spielzeit stark an Fahrt. Erst gegen Ende kann das Abenteuer um die Wandler zwischen den Welten wieder auftrumpfen.

Freiheiten mit Sinn für Zufallskämpfe

Dem Spiel kommt es da ebenfalls nicht sonderlich zugute, dass es abseits der Haupthandlung nur wenige Nebenaufgaben zu finden gibt. Mehr als das bekannte Sammeln aller hundert Minimedaillen, dem Glücksspiel im Kasino und dem einen oder anderen Minispiel wird im Grunde nichts geboten, was leider zufolge hat, dass ein gewisser Anteil an Leerlauf in das Spiel integriert wird. Immerhin erzeugt das Spiel bereits ab der zweiten Spielhälfte ein Gefühl, man würde eine offene Welt erkunden. Mit schwimmenden Inseln und fliegenden Betten dürfen wir die entlegensten Winkel der Welt erkunden. Dabei kommt es mitunter vor, dass alle paar Sekunden der Kampfbildschirm aufpoppen kann – Zufallskämpfe gibt es in Dragon Quest VI also in Massen. Die Auseinandersetzungen mit den Feinden laufen relativ schnell ab – mag man es eher gemütlich, kann man die Geschwindigkeit der Kämpfe in den Optionen jederzeit drosseln. Mit mächtigen Zaubersprüchen, die wir mit Level-Aufstiegen und dem Erlernen von Berufen in der Allesneu-Abtei erlernen, sowie mit gewaltigen Waffen, die wir in den zahlreichen Läden erwerben, versalzen wir den Monstern gehörig die Suppe.

Rollenspiel der alten Schule

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels befindet sich auf einem mittleren Niveau. Hin und wieder kommt es zwar durchaus vor, dass uns ein stärkerer Gegner über den Weg läuft, doch wahre Herausforderungen sind bei Dragon Quest VI rar gesät. Optisch befindet sich der Titel auf demselben technischen Stand, wie die beiden ersten der Teile Zenithia-Trilogie. Wir erleben satte Farben, putzige Charaktere und schöne Effekte in Massen. Bis auf ein, zwei Ausnahmen wird das Geschehen mit einem rollenspieltypsichen Soundtrack gut untermalt. Im Grunde gibt es auch nichts an der Bedienung zu bemängeln, einzig allein die Menüführung beim Austauschen von Gegenständen wirkt altmodisch, da jeder Gegenstand mühselig einzeln transferiert werden muss. Für Fans ist das aber auch nichts neues, für sie gehört es seit 1986 zur Rollenspielserie einfach dazu. Wer sich nicht mehr auf Xenoblade Chronicles gedulden kann, bekommt mit Dragon Quest VI ein überdurchschnittliches Rollenspiel geboten, was für circa vierzig Stunden motivieren kann und die Wartezeit auf kommende Titel super verkürzt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-DS- und Super-Nintendo-Fassung): Lange hat es gedauert, bis wir Europäer in den Genuss des Spiels gekommen sind. Original erschien der Titel ja bereits Mitte der Neunziger für das Super Nintendo, um einen nachträglichen Import vor einigen Jahren kam ich da natürlich nicht herum. Da meine Japanisch-Kenntnisse allerdings alles andere als ausreichend sind, hatte ich nur wenig Spaß mit dem Spiel und seither fristete das Modul sein Dasein im Regal. Da habe ich mich sehr gefreut, dass im Mai endlich auch in Europa der sechste Teil der Reihe erschienen ist. Dank Nintendo hat man nach dem neunten Teil auch diese Episode wieder mit einer Zahl im Titel versehen, nachdem Koch Media das 2008 und 2009 ordentlich versemmelt hat. Das Spiel an sich hat mir relativ gut gefallen, das Kampfsystem spielte sich sehr flott und bot gewohnte Action, die der neunte Teil nicht ganz so gut hinbekommen hat. Die für ein Rollenspiel wichtige Handlung wurde bei Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten teilweise vernachlässigt – die ersten zehn Spielstunden werden noch relativ gut erzählt, danach darf man sich mehr als zwanzig Stunden kreuz und quer durch die fantastische Welt kämpfen und nebensächliche Geschichten erleben. Das ist zwar interessant und unterstützt zwar auch das Grundgerüst des Spiels, doch der Kern wurde nicht annähernd so gut getroffen wie beim vierten oder achten Teil der Serie. Immerhin ist das Geschehen zum Ende hin wieder interessanter. Auch wenn der Titel ein paar Schwächen aufweist, so kann ich ihn trotzdem empfehlen und sei es nur als Lückenfüller, bis Xenoblade Chronicles erscheint.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s