Review: The Cursed Crusade

Manche Titel werden weit im Vorfeld als sehr vielversprechend eingestuft. Selbiges taten wir auch mit The Cursed Crusade, welches wir bereits auf der diesjährigen Role Play Convention anspielen durften – allerdings haben die Entwickler die ihnen verbliebene Zeit kaum genutzt.

Die Handlung von The Cursed Crusade setzt zu Zeiten des dritten und vierten Kreuzzuges ein, die am Ende des zwölften beziehungsweise Anfang des dreizehnten Jahrhunderts begannen. Der junge Kreuzritter Denz de Bayle erleidet in seiner Familie viel Unheil und nur sein Vater, der nie aus Jerusalem zurückgekehrt ist, soll die Fehde zwischen Denz und seinem Onkel kitten. Da Denz nicht daran glaubt, dass sein Vater in den östlichen Gefilden gefallen sei, macht er sich selbst auf den Weg, um seinen Altvorderen dort zu finden. Dies erweist sich allerdings schwieriger als erwartet, denn Denz leidet unter dem so genannten Templerfluch. Der Tod sucht nach ihm und greift fast täglich nach seiner Seele. Nur auf geweihtem Boden ist Denz vor ihm sicher. Esteban Noviembre, seines Zeichens Dieb und Tagelöhner, teilt selbiges Schicksal, doch erst als beide Charaktere aufeinander treffen, versteht Esteban welche Bürde auf ihm lastet. Kurzerhand schließen sich die neugewonnenen Freunde zusammen, um von Frankreich, über die Türkei nach Syrien zu gelangen. Ein Weg voller Gefahren und undurchsichtiger Feinde liegt vor ihnen.

Ein Unglück kommt selten allein

Die grundlegende Handlung, basierend auf wenigen historischen Fakten und zuweilen vielen fiktiven Ereignissen, klingt interessant und wird auch durchweg spannend erzählt. Das Spiel versteht es, einen Spannungsbogen aufzubauen, der uns bis zum bitteren Ende bei der Stange halten kann, doch dann bricht die Erzählung plötzlich und unerwartet ab – der Abspann ist auf dem Bildschirm zu sehen. Wir möchten aus Spoiler-Gründen nicht genauer ins Detail gehen, aber viele wichtige Fragen, die sich im Verlauf der Geschichte aufgetan haben, werden nicht beantwortet. Das riecht schon sehr stark nach einer kommerziellen Fortsetzung. Beim eigentlichen Gameplay sieht es auch nicht viel besser aus, auch hier kämpft der Titel mit seinen Macken. Im Grunde läuft jeder der mehr als dreißig Spielabschnitte nach dem gleichen Prinzip ab. Wir kämpfen uns durch Horden von Gegnern, in dem wir unsere Äxte, Schwerter, Speere und Knüppel sprechen lassen. Bei einer handvoll Gegnertypen verlaufen diese Auseinandersetzungen oft gleich, da so gut wie jede Feindart versucht, uns mit demselben Angriffsmuster zu bekämpfen. Außerdem heißt es oft, dass wir eine neue Waffe aufnehmen müssen, denn unlogischerweise zerbrechen unsere Waffen nach einigen Schlägen und machen dadurch kaum mehr Schaden. Das ist monoton und demotiviert uns zugleich, doch je weiter wir im Spiel vorankommen, desto mehr Angriffsmanöver stehen uns zur Verfügung, die wir in den Kämpfen einsetzen können. Dazu reicht es, das Level-Ende zu erreichen, die im Areal mehr oder weniger gut versteckten Kisten zu finden, ein unsichtbares Kreuz zu finden oder eine gewisse Anzahl an Seelen zu läutern.

Nahtoderfahrungen

Je mehr optionale Ziele wir erfüllen, desto mehr Punkte dürfen wir nach Beenden des Levels auf unsere Waffenfähigkeiten und immer einen Punkt auf unsere Spezialfertigkeiten verteilen. So können wir größeren Schaden verrichten, die Gunst des Fluches länger nutzen oder mehr Schläge einstecken. Besonders letzteres ist bei großem Gegneraufkommen überlebenswichtig, denn wenn wir alleine von unseren Feinden umzingelt werden, haben wir fast keine Chance, uns aus diesem Teufelskreis zu befreien. In Windeseile haben uns die Gegner besiegt, danach beginnt der Überlebenskampf. Anstatt nämlich wie in anderen Spielen des Genres sofort zu sterben, befinden wir uns hier immer noch in der Zwischenwelt, wo der Tod bereits auf uns wartet und uns endgültig das Leben aushauchen möchte. An dieser Stelle heißt es, den Tod mit gezielten Fluchangriffen auf Distanz zu halten (was selbstverständlich nicht ewig funktioniert) und auf Unterstützung von Esteban zu warten, der uns aufhelfen muss. Leider haben es die Entwickler nicht gut mit seiner künstlichen Intelligenz gemeint. Oft hängt er an Kanten fest, leidet gelegentlich unter Wegfindungsprobleme und bleibt, während wir uns mit unseren Feinden amüsieren, einfach regungslos stehen.

Ein Segen und ein Fluch

Immerhin schafft es der Spanier, sich in den spielwichtigen Situationen korrekt zu verhallten. In so mancher Lage müssen Denz und Esteban nämlich ihre Kräfte bündeln, um etwa einen Feind mit Feuerangriffen gemeinsam zu attackieren. Dieses Vorgehen findet dann in der verfluchten Welt statt, die wir jederzeit auf Knopfdruck aufrufen dürfen. Den Fluch können wir allerdings (sofern vom Spiel nicht vorgegeben) nicht dauerhaft aufrecht halten. Ist die Fluchanzeige erst einmal geleert, zehrt der Fluch an unserer Lebensenergie und dann wartet wiederum der Tod auf uns. Kooperatives Zusammenspielen ist in der Solo-Kampagne allerdings die Ausnahme, denn da Esteban wie bereits erwähnt nicht über genügend künstlichen Hirnschmalz verfügt, müssen wir uns um so gut wie alles kümmern. Wenn dann aber jemand anderes die Kontrolle über Esteban übernimmt, macht der Titel gleich doppelt so viel Spaß. Gegner können dann endlich fair untereinander aufgeteilt werden und die Suche nach versteckten Kreuzen, Seelen und Truhen ordentlich koordiniert werden. Eine Minimap oder gar Zielmarkierungen, wie man es uns auf der Role Play Convention noch versprochen hatte, gibt es in der finalen Fassung nämlich nicht. In Falle des Kooperationsmodus ist der stark schwankende und in einigen Situationen unfaire Schwierigkeitsgrad (selbst auf der untersten von vier Stufen) auch nicht mehr ganz so tragisch.

The Cursed Game

Auch auf der technischen Seite kann The Cursed Crusade nicht überzeugen. Die Umgebungen der Spielwelt sind zwar das Hübscheste, was der Titel zu bieten hat, doch können sich diese nicht mit Genre-Kollegen messen. Selbiges gilt auch für Charaktermodelle und Animationen. Diese wirken so, als wären sie noch für die letzte Konsolengeneration entwickelt worden. Da hilft es auch nicht viel weiter, dass Gegner auf unzählige Arten getötet werden können, etwa durch eine Enthauptung mit einer Axt oder mittels einer Durchbohrung mit einem Speer – um schwache Gemüter zu besänftigen, Blutfontänen eines No More Heroes 2: Desperate Struggle bleiben hier aus. In den Zwischensequenzen verschwinden in unserer Testversion auch schon mal ganze Charaktere, was so manche Situation unfreiwillig komisch aussehen lässt. Auf der akustischen Seite kann The Cursed Crusade zumindest ein paar Punkte in Form eines netten, aber nicht überragenden Soundtracks wiedergutmachen. Außerdem wurden sehr bekannte Synchronsprecher, wie zum Beispiel Norman Matt (aktueller Programmansager bei Pro Sieben) für Denz de Bayle, Torsten Michaelis (bekannt als deutsche Stimme von Mark Valley und Sean Bean) für Esteban Noviembre oder Tilo Schmitz (berühmt als deutsche Stimme von Christopher Judge) für Balduin von Flandern verpflichtet. The Cursed Crusade hat viele Ecken und Kanten und ist aus diesem Grund bei weitem nicht für jeden Spieler geeignet. Es gibt weitaus bessere (und ältere!) Alternativen, wie etwa Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (Gamecube, PlayStation 2, Xbox), zu welchen wir euch eher raten möchten. Habt ihr aber gerade einen vollen Geldbeutel und sucht passable Unterhaltung für zwei bis drei Mehrspielerabende, werdet ihr mit The Cursed Crusade gerade noch so zufriedengestellt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Nachdem ich den Titel gemeinsam mit Julian auf der Role Play Convention 2011 in Köln anspielen konnte, war ich richtig angetan von dem Spiel. Es wirkte damals einfach alles wie aus einem Guss und dort Versprochenes, wie etwa eine Minimap und Zielmarkierungen, hätten das Gesamtbild nochmals deutlich verbessert. Nachdem ich circa dreizehn Stunden an The Cursed Crusade gesessen habe, hat sich meine Euphorie immer mehr in Quälerei verwandelt. Ständig kommt es dazu, dass mich Gegnerhorden einkesseln und zu Tode prügeln. In vielen Situationen findet dann auch der virtuelle Kollege Esteban den Weg nicht zu Denzs Leiche, obwohl dieser einfach nur um eine Ecke gehen müsse. Im Grunde wäre dieses Problem auch nicht ganz so tragisch, wenn die Entwickler es zumindest geschafft hätten, Kontrollpunkte in das Spiel zu integrieren, doch diese gibt es nicht. Sprich, immer wenn Denz sein Leben vollständig aushaucht, darf ich den ganzen Level von vorne beginnen. Dabei ist es egal, ob ich eine halbe Stunde oder nur fünf Minuten durchgehalten habe. Auch wenn ich schwierige Spiele liebe, ist das Fehlen von Checkpoints bei einem unausgegorenen Schwierigkeitsgrad einfach nicht angebracht. Mit den anderen Fehlern, die das Spiel aufweist, kann ich The Cursed Crusade niemanden empfehlen, der kooperative Spiele nur alleine zocken möchte. Für Mehrspieler-Freunde ist der Titel aber zumindest mal einen Blick wert, wenn es auf dem Grabbeltisch landet.

Vielen Dank an dtp entertainment für die freundliche Bereitstellung von The Cursed Crusade!

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