Review: Rare Exports: Eine Weihnachtsgeschichte

Kurz vor Weihnachten wird es auch auf unserer Seite ein wenig weihnachtlich, wenn auch nicht im traditionellen Sinne. Der vorliegende Fantasy-Horror möchte aber nicht mit überzogenen Familienklischees und einem explodierenden Ansturm an Gefühlen überzeugen, sondern nutzt die Gelegenheit, um Santa Claus von einer völlig neuen Seite zu zeigen.

Seismologen führen auf dem Berg Korvatunturi in Finnland Bohrungen durch. Ihr Ziel ist es allerdings nicht etwa Informationen über den Berg zu sammeln, sondern etwas zu wecken, was seit über einem Jahrhundert dort verborgen liegt. Eingesperrt in einem riesigen Eisblock soll der wahrhafte Weihnachtsmann im Korvatunturi eingeschlossen seit jeher schlafen. Der kleine Junge Pietari und sein Freund haben sich in das Gebiet eingeschlichen und belauschen die Arbeiter. Während sein Kumpel alles für Unsinn hält, stellt Pietari Nachforschungen an. Der Weihnachtsmann ist eigentlich gar nicht so freundlich, wie es uns die Werbung von Coca Cola weismachen möchte, sondern ein ganz gefährlicher Geselle, der unartige Kinder den Allerwertesten mit einer Rute versohlt oder sie sogar bei lebendigem Leibe kocht. Als dann eines Tages Fußabdrücke im Schnee vor Pietaris Fenster ersichtlich sind, sein Vater eine ganze Herde toter Rentiere entdeckt, urplötzlich ein nackter, alter Mann in die Wolfsgrube seines Vaters fällt und plötzlich alle Kinder verschwinden, wird der Familie einiges klar. Sie haben es hier mit dem echten Weihnachtsmann zu tun und wollen diesen nun gewinnbringend an den Leiter der Bohrstelle verkaufen, doch schon bald merken sie, dass nichts so ist wie es scheint und die Verhandlung von vornherein unter einem schlechten Stern steht.

Erfrischende Abwechslung

Die erste Hälfte des Fantasy-Horrors dümpelt eher vor sich hin und nimmt sich die Zeit, Charaktere ausführlich vorzustellen und Hintergründe zu erläutern. Sobald sich uns das tatsächliche Machtverhältnis des Gegenspielers erschließt, gewinnt der Film nochmals an Fahrt und überzeugt dann auch bis zum Ende, auch wenn Effekte der finnischen Produktion und eine Logiklücke in Bezug auf gewisse Hörner nicht unbedingt für die eigentlich gute Qualität des Films stehen. Bereits in der Einleitung des Films schockieren Zeichnungen aus Büchern, wie es um den wahren Weihnachtsmann steht. Diese Angst wird in Pietari (gespielt von Onni Tommila) sehr gut angedeutet, obwohl der Film an keiner Stelle so wirklich gruselig ist und eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren eigentlich unnötig ist. Die Vorstellung von einem andersartigen Santa Claus ist es allgemein, welche es schafft, die Spannung des Films aufrecht zu erhalten. Die Charaktere tun ihr übriges, um uns bei Laune zu halten. Sympathie gewinnen vor allem Pietaris Vater Rauno (verkörpert von Jorma Tommila) und seine Freunde, die immer wieder einen flotten Spruch auf Lager haben und die jeweiligen Situationen doch sehr angenehm gestalten. Es ist sehr erfrischend, auch mal andere Schauspieler fernab des amerikanischen und asiatischen Kinos zu erleben. Nicht nur mit den Darstellern weiß der Film zu überzeugen, sondern auch mit der mal guten und mal weniger guten Technik.

Geheimtipp aus dem Land der Nordlichter

Das hochauflösende Bild der Blu-ray ist grundsätzlich gut und vor allem die Naturaufnahmen mit den Weiten des Schnees kommen unserer Meinung nach sehr gut zur Geltung. Der Schnee in Lappland ist einfach atemberaubend schön und vor allem echt, was in vielen Blockbustern öfters nicht der Fall sein dürfte. Allerdings bemerken wir deutliche Unschärfen, wenn wir in einigen Momenten die Charaktere genauer betrachten. Während das Bild in 1080p und im 16:9-Format daherkommt, liegt das Tonformat in DTS-HD Master Audio 5.1 vor und zwar in der deutschen Synchronisation und im finnischen Originalton. Die Synchronsprecher für die deutsche Tonspur wurden gut ausgesucht und verleihen ihren Charakteren reichlich Ausdruck. Untertitel sind in Deutsch und Niederländisch vorhanden. Bonusmaterial liegt dem 83-minütigen Film ebenfalls bei und zwar in Form eines Making Of. Dieses besteht aus Originalaufnahmen am Set und von der Nachbearbeitung. Wir bekommen so zwar einen recht überschaubaren Einblick in die Produktion, aber die Dokumentation ist nicht gerade sehr informativ. Das haben wir bei etlichen Filmen wesentlich besser gesehen. Rare Exports: Eine Weihnachtsgeschichte ist ein andersartiger Film, der zum Nachdenken anregt und unbedingt einmal angeschaut werden möchte, egal ob man Weihnachten nun mag oder eben nicht. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk in letzter Minute sucht, wird mit diesem Film definitiv fündig und mit den sechs beiliegenden Grußkarten der limitierten Ausgaben kann man so direkt auch noch ein wenig (nicht) weihnachtliche Stimmung unter seinen Freunden verbreiten. Herrlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung in der Limited Edition): Als ich wenige Tage vor Erhalt des Rezensionsexemplars den Trailer von Rare Exports gesehen habe, war ich doch sehr angetan. Der Trailer weckte mein Interesse und nach Anschauen des Films darf ich ganz klar sagen, dass mich das Vorabmaterial nicht enttäuscht hat. Sicherlich gehört der Film nicht in jede Filmsammlung, da (teils) makabere Szenen nicht jedermanns Sache sind. Besonders gefreut habe ich mich darüber, endlich mal wieder auf (in Deutschland) eher unbekannte Schauspieler zu treffen, die mich auch längerfristig unterhalten können. Ich bin schon sehr gespannt, ob ich noch einmal einen Film mit Jorma Tommila sehen werde, denn bei diesem Darsteller erkenne ich sein Potential. Rare Exports ist aber kein Weihnachtsfilm im herkömmlichen Sinne, denn nahezu alle wichtigen oder eher gesagt durch die Gesellschaft etablierten Elemente einer Weihnachtsgeschichte sind im vorliegenden Film (fast) nicht enthalten. Sicherlich backt auch hier der Vater seinem Sohn mal Pfefferkuchen und ruhige Momente, die an die verstorbene Frau des Vaters denken lassen, sind enthalten, doch die Kernaussage von Weihnachten wird absolut nicht getroffen. Das macht aber auch nichts, schließlich möchte der Film das nicht. Dieser möchte mich eher dazu verleiten, über Weihnachten nachzudenken und eine andere Theorie über ein magisches Wesen als möglich zu erachten. Ich werde mir den Film kurz vor dem nächsten Fest sicherlich noch ein weiteres Mal anschauen. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rare Exports: Eine Weihnachtsgeschichte!

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