Review: 5 Centimeters per second

Als wir uns im Februar des letzten Jahres die Makoto Shinkai Collection angeschaut haben, ist uns besonders der Film 5 Centimeters per second im Gedächtnis geblieben. Dieser Anime erschien hierzulande nun erstmals separat auf Blu-ray.

5 Centimeters per second erzählt die Geschichte zweier Menschen. Aus der Sicht des jungen Takaki erfahren wir, wir er in der Grundschule Akari kennengelernt und mit ihr Freundschaft geschlossen hat. Viele Gemeinsamkeiten verbinden sie, doch dann kommt der Tag, wo Akaris Eltern mit ihr in die Präfektur Tochigi ziehen. Dementsprechend verlaufen die Leben beider Charaktere unterschiedlich. Sie besuchen andere Schulen, lernen andere Personen kennen. Mit dem Aufbau einer Brieffreundschaft halten sie ihre Freundschaft aufrecht, doch dann erfährt Takaki, dass seine Familie in die Präfektur Kagoshima ziehen möchte. So vereinbaren Takaki und Akari ein letztes Treffen, welches in Iwafune stattfinden soll. Ausgerechnet an jenem Tag zieht jedoch ein Schneesturm auf, so dass sich Takaki mehrere Stunden verspätet. Dennoch trifft er am Bahnhof auf Akari. Bei einem späteren Spaziergang gelangen die beiden an einen Kirschbaum, an dem sie sich erstmals küssen. An dieser Stelle endet das erste Kapitel, um das zweite Kapitel kurz darauf einzuleiten. Die Geschichte setzt Jahre später in Tanegashima ein. Takaki ist zu einem jungen Mann herangereift und besucht dort die Oberschule. Dort verliebt sich Kanae in ihn, doch Takaki erwidert ihre Gefühle kaum. Die einzige Möglichkeit, wie sie ihm näherkommen kann, sind die gemeinsamen Heimfahrten mit ihren Rollern. Mit der Zeit muss sie sich allerdings eingestehen, dass sich Takakis Gedanken um andere Dinge drehen.

Freundschaft und Liebe

Kanae beschließt zum Ende des zweiten Kapitels, dass ihr Leben anders verlaufen muss. Im dritten und letzten Teil des sechzig Minuten lang Films nimmt sie keine große Rolle mehr ein, denn hier rücken die Leben von Takaki und Akari wieder in den Vordergrund. Es wird deutlich, dass zwar beide noch etwas füreinander empfinden, doch das Leben beider hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Der Film endet damit, dass sie sich an einem Bahnübergang begegnen. Das Ende ist offen und so liefert der Film dem Zuschauer die Möglichkeit, den weiteren möglichen Handlungsverlauf selbst zu interpretieren. Die Vorstellung, wie die Leben von und für Akari und Takaki möglicherweise weitergehen, ist verlockend und angenehm. Es ist die große Entfernung zwischen ihnen, die besonders im zweiten Kapitel Ernsthaftigkeit im Anime aufkommen lässt. Wer selbst schon einmal eine Fernbeziehung aufbauen wollte, kennt vermutlich die Gefühle, die in Akari und Takaki aufkommen. Die Synchronsprecher, sowohl im Deutschen als auch im japanischen Original, vermitteln ihren Charakteren sehr viel Liebe und erzählen die Geschichte glaubhaft. Getrost können wir sagen, dass Takaki, Akari und Kanae zu den glaubhaftesten Charakteren gehören, die wir je in einem Anime sehen durften. Da kommt es uns nur gelegen, dass der Film an vielen Stellen trotz der bunten Farbgestaltung sehr realistisch wirkt und man auf viele kleine Details geachtet hat.

Detailreiches Meisterwerk

Makoto Shinkai hat mit seinen Mitarbeitern nämlich extra für 5 Centimeters per second das Studio verlassen und originale Schauplätze fotografiert. Schaut euch diesbezüglich unbedingt die Specials auf der Blu-ray an – ihr werdet erstaunt sein, wie groß die Ähnlichkeit zwischen den Schauplätzen und ihren Anime-Pendants sind. Zusätzlich zu diesem Photo-Movie sind auf der Blu-ray auch noch sehenswerte Interviews mit dem Regisseur und den japanischen Synchronsprechern zu finden. Interessant ist auch der Kurzfilm She and her Cat, welcher die Anfänge von Makoto Shinkai symbolisiert. Das Bonusmaterial beläuft sich insgesamt auf 82 Minuten, der Film gerade einmal auf 62 Minuten. Hier möchten wir gerne noch einmal auf das Bild eingehen, bei dem man zwar auch einige Details entfernt, doch andere bewusst und gesondert eingefangen hat. Als Beispiel möchten wir da das Blinken der Lämpchen an einem Getränkeautomat hervorheben, denn dieses lässt sich auf die Wartezeit von Takaki an einem der Bahnhöfe übertragen. Als Titelsong hat man sich für diesen Film den Song One More Time, One More Chance vom japanischen Sänger Masayoshi Yamazaki ausgesucht – einen besseren Abschluss könnte man sich für Makoto Shinkais Meisterwerk nicht wünschen. So werden wir immer an dieses Lied denken, wenn wir uns an 5 Centimeters per second, Takaki, Akari und Kanae erinnern – eine Erinnerung, die einem Wort ausgedrückt, wunderschön ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und DVD-Fassung): Ich kann mich an diesem Film gar nicht genug satt sehen, denn zum einen gehört Makoto Shinkais Meisterwerk zum besten, was ich optisch und künstlerisch gestaltet je in einem Anime gesehen habe und zum anderen sind die Charaktere mitsamt ihren einzigartigen Geschichten dermaßen glaubhaft gestaltet, dass ich tatsächlich denken könnte, dass ich reale Personen vor mir habe, die mir gerade ihre Liebesgeschichte erzählen. Doch nicht nur die Charaktere und die Handlung werden gut eingefangen, auch die farbenfrohe Vielfalt in High Definition und die wunderbar dazu eingespielte Musik sind Gründe dafür, dass 5 Centimeters per second in jede Anime-Sammlung gehört. Ebenfalls nicht zu vergessen sind die Emotionen, die die Charaktere mit mir teilen. Der Schwerpunkt liegt bei 5 Centimeters per second deutlich auf Entfernungen zwischen zweier Personen, was den Emotionen und Gedanken der Charaktere nur zu gute kommt. Da ich in meinem Leben schon einmal recht ähnliche Erfahrungen wie einer der Charaktere des Animes machen durfte, kann ich mich schnell und sehr gut mit der Geschichte anfreunden, die Situation auf mich wirken lassen und die Gedankengänge der Charaktere allesamt nachvollziehen, sogar mit ihnen fühlen. 5 Centimeters per second ist ein Film, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von 5 Centimeters per second!

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