Review: Appleseed XIII Vol. 3

Appleseed XIII geht in die letzte Runde. In den nächsten fünf Folgen steht nicht nur der Werdegang der Menschheit auf dem Spiel. Es wird sich auch zeigen, ob der Anime den Trend der von Volume zu Volume steigenden Qualität fortführen kann.

In den letzten Folgen ziehen die kurzen Einzelgeschichten an einem großem Handlungsstrang. Mit Hilfe des Arche-Projekts soll die gebrandmarkte Erde verlassen und der Mars besiedelt werden. Es ist der erste Versuch der Menschheit ins All zu expandieren. Die gesamte Projektleitung unterliegt Olympus, wodurch es selbsterklärend ist, dass auch andere Organisationen und Nationen in Form von Sabotage und Spionage ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Schließlich geht es um die Zukunft des gesamten Planeten einschließlich dessen Bewohner. Das eigentliche furiose Finale ist aber nur auf die vorletzten beiden Episoden ausgelegt. In diesen reduziert sich der Handlungsradius auf Deunan, Briareos und Dianeira und auf symbolische Konflikte zwischen diesen Charakteren. Dies lässt die Wichtigkeit und das eigentliche Ausmaß der Handlung schrumpfen und im Vergleich dazu, worum es eigentlich alles geht, klein aussehen. Die Symbolik wird zusätzlich durch die Elemente der griechischen Mythologie veranschaulicht, die nun nicht wie bisher im Hintergrund verweilen, sondern ein aktiver Bestandteil der Story werden. Ob die allerletzte Episode übrigens vor oder nach der Haupthandlung spielt, ist relativ unklar. Das ist eigentlich aber auch egal, denn es ist eine eigenständige Episode mit routinierten Appleseed-Inhalten, in der wohl noch eine letzte Idee verbaut werden sollte.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ansonsten wird uns nämlich nicht klar, warum man sie nicht anderweitig in die Story implementiert hat. Das wäre ohne Weiteres möglich gewesen. Die Animationen harmonieren wunderbar mit dem Cel-Shading-Look, glänzen am Besten aber erneut wieder nur in Actionszenen. Die Auswahl verschiedener Animationsstudios kommt jetzt am Schluss besonders gut zur Geltung. Jede Folge besitzt ihren eigene Charme und ihre eigene spezielle Atmosphäre, da in jedem Team jemand anderes Regie führt und auf unterschiedliche dramaturgische und zeichnerische Stilmittel gesetzt wurden. Die Serie hat sich den Status einer Original Video Animation redlich verdient, auch wenn man diesen erst zu schätzen lernt, nachdem man sich die Interviews angeschaut und realisiert hat, wie viel Zeit die Erstellung solcher Animationen in Anspruch nimmt. Dank der Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen zu schauen, wird man auch mit Problemen vertraut gemacht, von denen ein Zuschauer normalerweise nichts mitbekommen sollte. Nicht selten war die Motivation der Mitarbeiter im Keller und es grenzt an ein Wunder, dreizehn autarke Firmen zu koordinieren. Erst recht dann, wenn das für das Finale zuständige Studio den Aufgaben anscheinend nicht gewachsen war und in nur wenigen Wochen eine vollständig animierte Folge aus dem Boden gestampft werden musste.

Seltsames Bonusmaterial

Zu der längeren Laufzeit von 125 Minuten gibt es auch ein einstündiges Bonusmaterial. Herausstechen soll natürlich wieder das Behind the Scenes – besonders sind aber auch zwei zusätzliche textlose Endings von der zwölften und dreizehnten Episode. Der Sinn hinter der Wahl dieser Folgen erschließt sich uns nicht ganz, denn diese so genannten Endings waren die letzte Szenen von zwei Folgen, in denen die Credits als Stil-Entscheidung ausgeblendet wurden. Sie sind auch nicht deutlich länger als das ursprüngliche Ending, geschweige den so lange, wie normale von anderen Animes. Unverständlich ist auch das große unübersehbare Logo von Production I.G, das auf jeder Hülle prangt, obwohl es selbst an den Arbeiten der Anime-Serie nicht maßgeblich beteiligt war. Die deutsche und die originale japanische Tonspur liegt in Dolby Digital 5.1 vor. Die deutschen Synchronsprecher liefern wieder eine gewohnt hohe Qualität ab. Ein kleiner Negativpunkt ist diesmal die Stimme von Esra Vural, welche besonders in emotionalen Momenten dazu neigt, etwas quengelnd und unnötig kindlich zu klingen, was nicht gerade passend für die hartgesottene Elitesoldatin Deunan ist. Das sind aber vernachlässigbare Einzelfälle. Im Gesamtbild ist Appleseed XIII aber ein Anime, der mit seiner interessanten Handlung im Grunde von Episode zu Episode besser wird und aufgrund wechselnder Produktionsstudios seinen eigenen Charme entwickelt.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Eines sollte man klarstellen! Appleseed XIII ist ein umstrittenes Werk, aber nicht hauptsächlich wegen seinen Qualitäten, sondern weil die meisten Interessierten die Serie mit einer zu hohen Erwartung angehen. Als ein anfänglicher Nichtkenner von Appleseed und deren Welt dachte ich zunächst, dass ich von dem komplexen Szenario sicherlich überfordert sein werde. Das war eindeutig nicht der Fall und das liegt auch nicht daran, dass sich die Serie Zeit nimmt, um Hintergründe und Zusammenhänge zu erläutern, sondern eher daran, dass der Anime sogar alleinstehend für sich funktioniert – davon zeugt auch das abgeschlossene Ende. Es war ein gewagtes Experiment, so viele Animationsstudios an einer Serie arbeiten zu lassen und im Anbetracht der aufgebrachten Mühe und des Aufwands, ging dieses Experiment auch auf. Der Ausflug in das Reich von Appleseed XIII mit Deunan und Co. war manchmal sicherlich beschwerlich und hatte seine Längen, aber im Nachhinein würde ich diesen Trip nicht mehr missen wollen und finde es vielleicht sogar etwas schade, dass er schon zu Ende geht.

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Appleseed XIII Vol. 3!

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