Vor einem Jahr hat Ubisoft den ersten in der Zukunft angesiedelten Anno-Teil veröffentlicht und mit dem Add-on Die Tiefsee erwartet Fans bereits neues Futter. Trotzdem rudert Ubisoft in der Zeit zurück und veröffentlicht nebenher ein vollständiges Anno als Browserspiel.
Anno hat schon lange die Herzen vieler Leute höherschlagen lassen, denn in kaum in anderen Spielen konnte man so riesige und prachtvolle Metropolen bauen und die Wirtschaftsstruktur seiner Stadt ständig an die jeweiligen Umstände anpassen. Der Anblick hat viele mit Freude und Wohlwollen erfüllt, doch die eine oder andere Stadt verweilt noch auf den Festplatten des heimischen Computers und kann so niemanden als Vorbild für eine gelungene Welt dienen. Mit Anno Online gehört dies der Vergangenheit an, denn hier können wir unsere eigene Stadt im Browser errichten und den Antlitz unserer virtuellen Heimat anderen zugänglich machen. Das Spielprinzip in Anno Online ist weitgehend dasselbe wie in den Offline-Titeln. Es geht darum, ertragreiche Städte zu bauen und die Wirtschaft der Stadt florieren zu lassen. Zu Beginn haben wir nur ein Schiff und suchen uns eine Insel aus, auf der wir uns niederlassen möchten, um mit der Errichtung unserer zukünftigen Metropole zu beginnen. Die Pioniere sind es, in die wir uns zunächst unsere Hoffnung setzen, doch an hohe Steuererträge gelangen wir so nicht. Immerhin haben die Pioniere nur wenige Bedürfnisse, doch sobald diese erfüllt sind, entwickeln sie sich zu Bürgern weiter. Eine neue Gesellschaftsschicht bedeutet wieder neue Bedürfnisse und später müssen wir uns mit Aristokraten herumärgern – ein Teufelskreis!
Das Streben nach Glück
Sind die Bedürfnisse wie Nahrung, Glaube oder auch der Bedarf an öffentlichen Gebäuden in Erfüllung gegangen, warten nicht nur neue Gesellschaftssichten auf uns, sondern auch weitaus höhere Steuereinnahmen. Diese sind für uns sehr, sehr wichtig, da nur so die Betriebskosten der Arbeiter und Handwerker in unserem Reich gedeckt werden können. Um die Versorgung konstant zu ermöglichen und das Volk keiner Hungerszeit auszusetzen, müssen wir uns gut organisieren, auf andere Inseln expandieren und Transportrouten einrichten. Damit der Spaß eines im wahrsten Sinne des Wortes Endlosspiels nicht nach einigen Stunden vorbei ist, weil man bereits eine große Stadt aus dem Boden gestampft hat, streckt sich der Zeitaufwand jetzt gewaltig. Wir können nach wie vor Häuser platzieren ohne auch nur eine Bauzeit abwarten zu müssen, jedoch dauert es wesentlich länger, bis wir die Ressourcen besitzen, die wir zum Bau benötigen. Das erkennen wir beispielsweise daran, dass ein Laufbursche nun deutlich länger braucht, eine Ware von einem Ort zum anderen zu transportieren. Eine kleine Änderung ist auch der Ablauf, wie eine andere Insel entdeckt wird. Wir müssen sie nicht mit einem Schiff ansteuern, damit diese auf der Karte sichtbar wird, sondern können ganz einfach mit einem Mausklick zwischen den Inseln hin und her wechseln, um mit der Expansion zu beginnen.
Entschlacktes Militär
Zeitaufwendig war bisher jeder Teil der Reihe und so haben sich viele Spieler gedacht, in den situationsarmen Zeiträumen einfach mal den Schreibtisch zu verlassen, damit sich die leere Kasse im Spiel in einer gut florierenden Stadt von selbst auffüllt. Umso enttäuschter war man aber, wenn in dieser Zeit der Computergegner den Krieg erklärt und die Stadt angegriffen hat. Damit man nun nicht ständig online sein muss, wurde das Militärsystem entschlackt. Jetzt ist es zum Beispiel nicht mehr möglich, andere Inseln mit stationären Soldaten zu belagern. Eine Erleichterung mag das für jeden sein, der seinen PC schon mit in den Urlaub nehmen wollte. Ärgerlich aber für Strategen, denen der Militäraspekt in Anno ein wichtiges Instrument zur Alleinherrschaft war. Obwohl Anno Online nicht installiert wird und vollständig im Browser läuft, sehen die Grafiken immer noch atemberaubend hübsch aus. Da die Animationen der Bewohner der virtuellen Inselwelt auf Browser zugeschnitten sind, läuft das Spiel flüssig und hat keinerlei Probleme damit, auch größere und sogar bevölkerungsreiche Städte darzustellen. Wer den Bürgern auch gerne beim täglichen Herumwuseln zuschaut, kann auch einfach und ganz gemütlich nah ans Volk heranzoomen. Für jeden Anno-Liebhaber, der es altertümlicher in seiner Serie mag, kommt Anno Online derzeit genau richtig.
Geschrieben von Julian Warkentin
Julians Meinung (Basierend auf der Ubisoft-Präsentation): Anno Online entwickelt sich meiner Meinung nach gerade zum Anwärter des Spiels für Langzeit-Architekten. Wer schon einmal einen Teil der Anno-Serie gespielt hat, wird sehr wohl wissen, welche Freude hinter dem Planen und Bauen von Städten steht. In Anno Online habe ich genügend Zeit, um meine Stadt weitgehend zu planen und zu verwirklichen. Durch den benötigten Zeitaufwand entpuppt sich das Spiel für mich als eine Art Langzeit-Hobby, welches vermutlich nie langweilig werden wird, da ich immer weiter und immer wieder neue Städte bauen und ich immer mehr in die herausfordernde Bedürfnisse der Bevölkerung stürzen kann. Gerade dass Anno Online seinem bewährten Prinzip treu bleibt und keine großartigen Veränderungen hat, macht es für mich umso interessanter. Ich werde mir auf jeden Fall die Zeit nehmen, um mir meine eigene Metropole zu errichten und empfehle jedem Anno-Liebhaber dasselbe!
Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Einladung zum Event in Köln!