Review: Port Royale 3

Selten waren Videospiele so populär wie in den heutigen Tagen. Das gilt natürlich nicht für alle Sparten, denn Echtzeitstrategie gehört mit wenigen Ausnahmen zu einem aussterbenden Genre. Umso erfreulicher ist es, dass Port Royale 3 einige Monate nach der PC-Version schließlich für Konsolen erscheint, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Strategiespielen übernehmen wir nicht die Kontrolle über ein Volk oder eine Nation, sondern lediglich über einen spanischen Handelsmann und sein Schiff – ohne nennenswerte Besatzung, Ladung oder ein konkretes Ziel in der großen Welt von Port Royale 3. Dieser versucht in der damaligen Neuen Welt sein Glück und gelangt in die karibische Hafenstadt Port Royal. Zu jener Zeit im 16. Jahrhundert stand dieses Gebiet unter dem Einfluss der Kolonialmächte. Dazu gehört auch Spanien, unter dessen Schirmherrschaft wir dank unsere Herkunft fortan segeln dürfen. Trotzdem haben wir keinerlei Rechte auf die Schiffe und Städte unsere Landsmänner, sondern können nur mit ihnen Geschäfte treiben. Das Spielprinzip lässt sich einfacher erklären, als es sich in Wirklichkeit herausstellt. Es geht hauptsächlich um die Beschaffung und Vermehrung von Gold und Gütern, sowie den Ausbau des Einflussgebiets. Um diese Aufgaben zu erfüllen, stehen uns unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, wobei der Entwickler Gaming Minds eindeutig den friedlichen wirtschaftlichen Weg in den Fokus seiner Entwicklung gestellt hat. Eine kleine Story um den jungen Kaufmann und seinen Werdegang in der Karibik gibt es dabei durchaus. Sie wird mit sehr atmosphärischen handgezeichneten Aquarellen präsentiert. Alle Aufgabenstellungen sind dabei sinnvoll in die große Rahmenhandlung implementiert und zu jeder Zeit nachvollziehbar.

Ein Spiel, zwei Kampagnen

Unmittelbar nach dem Start des Spiels dürfen wir uns gleich zwischen zwei Kampagnen entscheiden. In der Händler-Kampagne soll das Spiel mit möglichst friedlichen Mitteln zum Abschluss gebracht werden, in der Abenteuer-Kampagne werden Konflikte meist mit Hilfe von Säbeln und Kanonen gelöst. Die erzählte Geschichte bleibt dabei aber die gleiche, genauso wie die erkundbare Welt. In beiden Kampagnen folgt zunächst ein ausführliches Tutorial in Text- und Videoform. Man wird dabei aber trotzdem erst seine Zeit brauchen, um sich in alle Bedienungen und Mechanismen des Spiels einzuarbeiten. Das sollte in einem Strategiespiel mit entsprechender Tiefe unserer Meinung nach aber auch gegeben sein. Falls es noch offene Fragen gibt, können wir jederzeit nützliche Tipps und weitere Hilfen aus unserem Logbuch abrufen. Das karibische Meer und der Golf von Mexiko sind von Anfang an sichtbar und können schon vollständig von uns befahren werden. Aufgedeckt werden nur noch Städte, die durch kleine Symbole dargestellt werden. Von dieser übersichtlichen Oberweltkarte gelangen wir durch einen Knopfdruck in die einzelnen Häfen. Dann sieht man alle Einrichtungen und Produktionsbetriebe im Stile der Anno-Reihe, in der man den Bürgern bei ihrem regen Treiben beobachten kann.

Realistische Handelssimulation

Der Vergleiche zu der Spieleserie Anno ist aber nur in gewissen Maßen gerechtfertigt. Ist es in Anno noch unabdingbar beim Bau von Häusern auf die Platzierung und die Entfernung zu anderen Gebäuden zu achten, ist das bei Port Royale 3 völlig irrelevant. Der Schwerpunkt liegt auch nicht auf der Befriedigung der Bedürfnisse von ansässigen Bürgern, sondern viel mehr beim Aufrechterhalten der Wirtschaft durch logistisch und politisch geschicktes Handeln. Verschifft werden in Port Royale 3 unter anderem grundlegende Nahrungsmittel wie wie Weizen und Bananen, sowie Baumaterialien, Metalle und Holz. Von den über zwanzig Ressourcen sind natürlich manche seltener als andere. Fleisch ist auf hoher See beispielsweise immer eine Mangelware. Wo man in Anno sehr früh einfach eine Rinderfarm errichtet, müssen Luxusgüter hier teuer importiert werden. Zu den allseits bekannten Gütern gesellen sich mit Farbmitteln und Tauen auch eher unkonventionelle Objekte in unser Lagerhaus. Für Kämpfe müssen verschiedene Munitionsarten ebenso an Bord geschafft werden wie Säbel und Musketen. Insgesamt sind aber alle Waren sehr realitätsbezogen, denn Seide und teuren Schmuck brauchen die spartanisch lebenden Siedler auf den karibischen Inseln nicht.

Pirates of the Caribbean

In einem Spiel, dass in der Karibik des 16. bis 17. Jahrhunderts spielt, dürfen Piraten natürlich nicht fehlen. Für wehrlose Handelsschiffe entwickeln sie sich im Laufe der Zeit zu einer ernstzunehmenden Plage. Daher ist es sinnvoll, früh Schiffsverbände, sogenannte Konvois, zu gründen. Das Aufrüsten dieser mit größeren Schiffen ist unerlässlich, um Güter sicher ans Ziel zu transportieren. Kaufkriterien sind die Kapazität der Laderäume, die Anzahl der Kanonen und natürlich der Preis. Eine Barke für wenig Geld sollte man nicht der Militärfregatte mit dutzenden Kanonen vorziehen. Wenn Kampfhandlungen einmal unvermeidlich sind, darf man den Kampf überspringen und den Ausgang berechnen lassen – oder wir stürzen und selbst ins Getümmel. Dabei übernehmen wir die direkte Kontrolle über eines der Schiffe, während wir bis zu maximal zwei weiteren Geleitschiffen bestimmte Verhaltensweisen zuordnen. Insgesamt bieten die Schlachten eine angenehme taktische Tiefe und wir können sogar Schiffe entern, um unsere Flotten auszubauen. Vergessen darf man nicht die eigene Anzahl von Kanonen und Matrosen, die unsere Geschwindigkeit, Feuerkraft und Nachtladezeiten bestimmen. Die Belagerungen von Piratenverstecken oder Häfen feindlicher Nationen gestalten sich dagegen wesentlich simpler. Die Landscharmützel gewinnt derjenige, der am meisten Soldaten mit den besten Waffen besitzt. Seltsamerweise dürfen wir nur zuschauen, wie sich die Truppen in eine Staubwolke verhüllen und hoffen, dass der Gegner das Scharmützel verliert.

Fehlender Mehrspieler-Modus

Obwohl die Abenteuer-Kampagne auf Kämpfe ausgelegt ist, gibt Port Royale 3 als Politik- und Wirtschaftssimulation wesentlich mehr her. Kämpfe sind nur ein Mittel zum Zweck, um Beziehungen zu Nationen zu verbessern, denn die ungebremste Zerstörungswut der Piraten fürchtet jeder. Eine friedliche Möglichkeit, sich Ansehen zu verschaffen, ist es Auträge, die aber nicht über Transport- und Suchmissionen hinauskommen, von einer Stadtverwaltung oder von freien Händlern anzunehemen. Falls man es sich aber zur Aufgabe macht, Schiffe zu überfallen und Städte anderer Nationen zu annektieren, können Verbündetet sehr schnell zu Feinden werden. Wer sich jedoch immer an die Spielregeln der rauen Karibik hält und eine stabile Wirtschaft aufbaut, wird mit spielinternen Rängen vom Leichtmatrosen bis zum Admiral belohnt. Neben zwei umfangreichen Kampagnen gibt es noch die Möglichkeit sein seefahrerisches Geschick gegen den Computergegner im Endlos-Modus zu beweisen. Der Multiplayer-Part wurde für die Konsolen gestrichen, obwohl wir es uns besonders bei diesem Spiel gut vorstellen können, auch auf der Konsole gegen andere Leute anzutreten, da die Steuerung schon während der Entwicklung für die Konsole optimiert wurde. Die vielen Knöpfe vom Controller dienen als Schnelltasten, um das maustypische Scrollen und punktgenaue Treffen von kleinen Buttons zu vermeiden. Die ursprüngliche PC-Herkunft erkennt man aber trotzdem an den Autosaves und der Möglichkeit, so viele Spielstände anlegen zu können, wie man will.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox 360-Fassung): Mit all den vielen Möglichkeiten, die Port Royale 3 bietet, hatte ich zu Beginn noch meine Probleme und es hat einige Zeit gebraucht, meine Finanzen im grünen Bereich zu halten. Nach ein paar Stunden, als ich den Bogen endlich raus hatte und vor allem gelernt habe, wie man Handelsrouten errichtet, kann es sehr viel Spaß machen, das eigene Einflussgebiet beim Florieren und Wachsen zuzusehen. Die Voraussetzungen dafür sind zum einem eine gewisse Vertrautheit zum Strategie-Genre und vor allem Geduld, denn einen Großteil der Spielzeit wird man regelrecht mit Listen, sowie Tabellen und mit dem Ausjustieren von Schiebereglern verbringen. Wenn es dann aber mal zur Sache geht, kommen die Kampfanimationen eines Gefechts aber natürlich nicht an die Größen eines Total War oder StarCraft heran. Das ist aber gar nicht das Ziel eines Kaufmannes, dessen Rolle man ja auch eigentlich einnehmen sollte. Besonders dann nicht, wenn man sich die Preise zur Ausstattung und Reparatur von Kriegsschiffen zum Vergleich der erbeuteten Waren betrachtet. Sehr schnell wird man in dieser Hinsicht zum gewinnorientierten Kapitalist und lässt schön die Finger vom teuren Kriegshandwerk. Mir gefällt dadurch auch von beiden Kampagnen die Händlerkampagne einen Tick besser. Port Royale 3 zeigt, dass diese Spiele wunderbar auf Konsolen funktionieren und es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch andere Entwickler eine Konsolenfassung von Strategiespielen nicht außen vor lassen. Besonders dann nicht, wenn man die zukünftigen Möglichkeiten des Wii U GamePads von Nintendo im Kopf behält.

Vielen Dank an Kalypso Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Port Royale 3!

 

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