Review: Howling: Der Killer in dir

Krimis verfolgen ihren ganz eigenen Stil. Die Deutschen haben ihren traditionellen Tatort, die Amerikaner haben mit Columbo eine Kultfigur geschaffen und die Skandinavier mögen es sehr düster. Da fragen wir uns doch, was wohl Südkoreaner aus dem Hut zaubern können.

Die Handlung des Films beginnt sehr mysteriös. Ein Mann steigt in ein Auto und als dieser es einschaltet, stechen ihm Flammen entgegen. Er kann das Auto nicht verlassen und stirbt dann an den Verbrennungen. Die Autopsie ergibt jedoch, dass der Mann ebenfalls mit seltsamen Bisswunden gekennzeichnet war. Tage später wird eine neue Leiche gefunden, welche allem Anschein nach von einem Wolf zerfleischt worden ist. Genau zu diesem Zeitpunkt wird die noch sehr junge und unerfahrene Polizistin Eun-yeong vom Streifendienst in ein Dezernat versetzt. Ihr wird der desillusionierte Sang-gil zugeteilt, der viel lieber alleine arbeiten will, um sich unaufhaltsam seine Beförderung zu verdienen, anstatt sich mit einer neuen Partnerin abzugeben. Er beißt in den sauren Apfel, um seinem besten Freund (dem Polizeichef) den Gefallen zu tun. Als dann noch eine weitere Leiche mit ähnlichen Bisswunden gefunden wird, stellen die beiden in der Ermittlung fest, dass es sich um einen Serienkiller mit unorthodoxen Methoden handelt. Auf ihrer Suche nach dem Täter tauchen sie ein in den Sumpf der Kriminalität und stoßen schon bald auf jemanden, der Wolfshunde züchtet und sie entsprechend trainiert. Außerdem werden sie auf einen Mann aufmerksam, dessen Tochter von mehreren Personen zur Prostitution gezwungen wurde und so ebenfalls ein Motiv für die Morde hat.

Langatmige Polizeiarbeit

Storytechnisch motiviert Howling: Der Killer in dir anfangs, da die beiden Charaktere gut ins Geschehen integriert und vorgestellt werden. Wir lernen nicht nur Hintergründe über ihr bisheriges und akutes Leben kennen, sondern auch ihren Antrieb, warum sie einzeln oder gar zusammenarbeiten wollen. Leider verliert sich der Film inhaltlich an dieser Stelle. In wenigen Szenen wird Zuneigung zwischen beiden Charakteren angedeutet, doch liebevoll wird es nicht und Emotionen werden eher unterdrückt. Das wäre kein Problem, da die Charakteristika von Sang-gil und Eun-yeong bereits genügend Ansätze liefern, warum es dazu nicht kommt. Dann erwarten wir allerdings, dass die investigative Polizeiarbeit spannend inszeniert wird und auch das schafft Howling: Der Killer in dir nicht vollkommen. Es gibt zwar immer wieder spannende Momente, wie zum Beispiel die Szene, wo Sang-gil einem Tatverdächtigen verfolgt, dieser in sein Auto flieht und Sang-gil sich auf der Motorhaube festklammert und Eun-yeong mit einem Schuss den Wagen zum Stillstand bringt, nachdem Sang-gil abgeworfen wurde. Auch die Momente, in denen Eun-yeong mit dem Wolfshund in Kontakt tritt, sind spannend und besonders das Finale ist sehr emotionsbetont. Größtenteils streckt sich der Film jedoch und die eine oder andere Szene hätte man definitiv kürzen oder geschickter miteinander verbinden können.

Film für Genre-Fans

Der kühle Kang-ho Song (Sang-gil) und die hübsche Na-yeong Lee (Eun-yeong) passen nicht nur optisch zu ihren Rollen, sondern verkörpern sie auch glaubhaft. Einzig und allein, wenn die beiden Charaktere ihre Arme beim Schießen manchmal nicht vollständig durchstrecken, zeugt das nicht wirklich von Glaubhaftigkeit. Dafür hat man sich jedoch authentische Orte ausgesucht, die den Film düster und möglichst spannend machen. Zu nennen wäre das atmosphärisch zwiespältige Dezernat, das Haus eines Tatverdächtigen oder der Hundezwinger. Das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) sieht dabei die gesamten 115 Minuten über ebenfalls sehr gut aus. In einigen Nachtszenen dominieren Gelb- und Grüntöne der Stadt. Das erinnert uns ein wenig an A bittersweet Life, wenn auch dessen Qualität nicht erreicht werden kann. Von der deutschen Synchronisation sind wir zwar überzeugt, doch mangelt es in wenigen Szenen an emotionaler Authentizität. Abhilfe schafft da nur die koreanische Tonspur (beide Spuren liegen in DTS-HD 5.1 Master Audio vor), zu welcher man natürlich auch deutsche oder niederländische Untertitel zuschalten kann. Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray leider nicht vor. Das ist sehr schade, denn besonders zur Zusammenarbeit mit Tieren hätte man hier sicherlich ein wenig dokumentarisch arbeiten können. Howling: Der Killer in dir ist ein langatmiger Film, den man nicht gesehen haben muss, bei dem Genre-Fans aber gerne einen Blick riskieren dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Von südkoreanischen Filmen war ich bis heute eigentlich durchweg überzeugt, doch ich glaube nicht, dass ich bisher einen ähnlichen Kriminalfilm gesehen habe. Qualitativ hat mir Howling: Der Killer in dir nämlich nicht so gefallen, wie ich mir das vielleicht erhofft habe. Die beiden Charaktere sind mir sympathisch und auch die Ansätze, die Ha Yoo in den Film integriert hat, sind alles andere als schlecht. Es ist für mich dann aber unbegreiflich, warum er dann nicht daran ansetzt und den Film zu einem wirklichen Spannungsbogen anlaufen lässt und stattdessen nur zusammenhängende Szenen zeigt, in denen die Spannung nur langsam steigt. Die musikalische Begleitung passt dann zu diesem langatmigen Prozess ebenfalls, doch auch hier erwarte ich bei einem Thriller mit Kriminalelementen mehr. Dass auf der Blu-ray kein Bonusmaterial schlummert, finde ich ebenfalls nicht gut. Da man bei diesem Film mit Tieren gearbeitet hat, hätte es mich stark interessiert, wie diese Zusammenarbeit im Detail ausgesehen hat. So ist und bleibt Howling: Der Killer in dir anfangs ein spannender Film, dessen Spannungsbogen jedoch flach ausfällt und im Grunde nur für Genre-Fans zu empfehlen ist. Alle anderen sehen sich nach anderen, spannenden Kriminalfällen um.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Howling: Der Killer in dir!

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