Review: Assassin’s Creed III

Einen Monat länger mussten PC-Spieler auf Assassin’s Creed III warten, um mit Connor für die Freiheit Amerikas zu kämpfen. Nebenbei erleben wir auch das Ende der Geschichte um Desmond Miles, welcher in unserer Zeit versucht, die Welt vor dem Abgrund zu retten.

Schon auf einem Ubisoft-Event in Köln hatten wir die Möglichkeit, in die Rolle des neuen Assassinen zu schlüpfen und waren restlos begeistert. Mit Vorfreude stürzten wir uns also in das Abenteuer, welches den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zwischen den Jahren 1775 bis 1783 thematisiert. Wie erwähnt schlüpfen wir dabei in die Rolle von Ratohnhaké:ton, kurz Connor, um die Geschichte rundum Desmond abzuschließen, welcher jetzt schon seit dem ersten Assassin’s Creed die Geschichte seiner Vorfahren erlebt. Vorweg lässt sich sagen, dass sich Assassin’s Creed III von dem Stadt-Setting entfernt und das Geschehen in dichte Wälder und große Schlachtfelder zieht. Wirklich große Städte bekommen wir nur mit Boston und New York vorgesetzt, in denen wir uns frei bewegen können. Jedoch sind selbstverständlich überall Wachen in diesen Städten und so müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht all zu sehr daneben benehmen. Neben der Geschichte versprachen die Entwickler aber auch eine absolut lebendige Spielwelt mit wechselndem Wetter, Charaktere welche ihr eigenes Dasein im Spiel ausleben und viele Tiere in freier Wildbahn. Letztere kann man sogar jagen, um Fleisch und Felle zu gewinnen. Diese können wir dann verkaufen oder in die Entwicklung verschiedener Gegenstände stecken.

Lebhafte Spielwelt

Ein besonderes Feature ist die neue Grafik-Engine AnvilNext, welche optisch ein schöneres Erlebnis in der Umgebung und auch in den Charaktermodellen bietet. Zudem verfügt diese nun endlich über eine verbesserte künstliche Intelligenz, die in den Vorgängern zurecht des Öfteren kritisiert wurde. Dank der neuen Engine wirkt die Welt um uns herum wesentlich lebendiger und ansprechender als noch in den Vorgängern. Gerade die Kolonialstädte stechen aus dem Muster heraus und zeigen eine völlig interaktive Spielwelt, die viele Geschichten zu erzählen hat. Nebenbei treffen wir zum Beispiel auf berühmte historische Charaktere wie Benjamin Franklin, George Washington und weitere weltbekannte Personen, mit denen wir auch oft in Gesprächen vertieft werden. Die großen Städte sind an sich auch das Prachtvollste im Spiel, bieten eine wunderbar aufgebaute Architektur und eine authentische Dynamik. Während man am Hafen vom Zeitungsjungen aufgefordert wird, die Tageszeitung zu kaufen, stehlen Diebe auf dem Markt oder britische Soldaten vergehen sich an unschuldigen Bürgern. Im Gegenteil hierzu stehen die Wälder, welche mit Tieren gespickt sind und uns Bäume zum Klettern bieten. Hier finden wir schneller Schutz vor Feinden und können taktischer und freier agieren und reagieren. Aber auch Patrouillen machen uns dort das Leben schwer, sind jedoch nicht so gefährlich wie die Masse an Stadtsoldaten.

Dynamisches Wetter

Besonders praktisch sind die akrobatischen Wege, wenn Schnee auf dem Boden liegt. Wie im echten Leben verlangsamt das Weiß den Helden auf seinen Wegen. Highlight der neuen Engine sind jedoch die dynamischen Wetterbedingungen, denn jetzt wechselt das Wetter an der virtuellen Ostküste fließend und regelmäßig. An einem Tag liegt Schnee im Wald und die weiße Pracht schmückt die Umgebung, an einem anderen Tag weht ein stürmischer Wind am Hafen entlang und lässt die Schiffe schaukeln. Wenn wir genug Glück haben, können wir bei Sonnenschein und blauem Himmel die Wälder Nordamerikas durchforsten. Gerade in der PC-Fassung machen sich die Stärken des heimischen Rechners in der Darstellung des Wetters bemerkbar. Der Regen sieht unheimlich echt aus und verblüfft gerade dann, wenn wir auf See sind. Gehen wir durch den Schnee, so hinterlassen wir so tiefe Spuren wie unsere Gegner. An diesen Spuren können wir ebenso gut eine Fährte aufnehmen, um unsere Feinde von den Baumkronen aus zu verfolgen, denn der Schnee macht uns und unseren Gegenpart wesentlich langsamer. Egal welche Wetterbedingungen wir vorfinden, wir bekommen immer eine Spielwelt geboten, welche uns mit ihrer Optik zum Staunen bringt und zum Weiterspielen ermutigt. Manchmal haben wir uns sogar dabei ertappt, wie wir einfach nur dastehen und die wunderbar geschmückte Spielwelt begutachten.

Vater-Sohn-Tragödie

Das Spiel starten wir nicht direkt in der Rolle von Connor, sondern in der seines alten Herrn, welcher ebenso ein Assassine ist. Dieser kommt von England angereist, um spezielle Aufträge auf in der Neuen Welt zu erledigen. Näher gehen wir hier aber nicht auf den Charakter ein, da wir euch die Story nicht unnötig spoilern wollen. Wichtig ist aber, dass er sich verliebt und zwar in eine einheimische Ureinwohnerin. Er zeugt mit ihr ein Kind – unseren Protagonisten Connor! Der Hauptcharakter lernt seinen Vater in der Jugend jedoch niemals kennen und wächst ohne ihn auf. Als unser Held jedoch mit ansehen muss, wie die Briten seine Mutter töten und die Heimat niederbrennen, entschließt er sich, selber ein Assassine zu werden – ganz wie sein Vater. Sein Motiv ist Rache und dieses Motiv treibt ihn an, der Beste der Besten zu werden. In Connor haben wir in unseren Augen den agilsten und bisher besten Assassinen der Spielreihe entdeckt. Keiner wirkt schneller zu Fuß, klettert eleganter und zeigt solch brutale Nahkampf-Moves wie er. Seine tödlichste Waffe ist sicherlich das Tomahawk und zudem auch noch seine Assassinenklingen. Jedoch führen wir eine Steinschlosspistole mit uns und können auch die Musketen der gefallenen Soldaten aufheben, um Schüsse abzugeben. Gerade diese Kombinationsmöglichkeiten lassen uns äußerst konsequent und nahezu übermächtig wirken. Aber als Meuchelmörder darf man dies sein und seine Kunst zu nutzen wissen.

Gewehrschüsse

Dabei bleiben wir zum Glück immer noch ein Assassine, denn anstatt mit der bewaffneten Truppe ins Getümmel zu stürzen, müssen wir einzelne Verstärkungstruppen aus dem Hinterhalt angreifen oder die Hauptmänner in ihren Basen aufspüren und eliminieren. Dabei machen wir uns neuerdings auch den dichten Wald zu Nutze oder wir sprinten durch die Schlachtfelder und dringen zum Feind durch, während die Armee des Gegners ihre Schussintervalle unterbrechen. Sehen wir eine Gruppe ihr Gewehr auf uns anlegen, so können wir einen Feind packen und ihn vor uns halten. Somit geht die komplette Salve auf ihren eigenen Mann und wir nehmen keinen Schaden. Gerade der Übergang zu dieser Aktion wird sehr schön in Szene gesetzt und zeigt nochmals, wie agil Connor wirkt. Jeder gegnerische Trupp wird aber von einem etwas kräftigerem Soldaten angeführt, welcher uns ein Dorn im Auge ist. Dieser kann uns einfach packen oder schubsen und bringt uns somit in die ein oder andere gefährliche Lage. Somit ist es wichtig, bei einem verdeckten Angriff zuerst ihn auszuschalten, um mit dem Rest des Trupps keine weiteren Probleme zu haben. Desto größer jedoch die Menge an Soldaten wird, desto schwieriger wird es. Es ist also nicht ratsam, in eine Stadt zu rennen und alles umzuhauen, da Gewehrsalven in großer Menge öfters tödlich enden.

Nervenaufreibendes Schleichen

Als negativen und völlig überflüssigen Punkt können wir die Stealth-Missionen festhalten. Wie in den Vorgängern kommen wir zu Missionen, in denen wir Gegner leise und unbemerkt ausschalten müssen. Leider können dies viele Spiele wie die der Splinter-Cell-Serie besser als Assassin’s Creed III. Bei diesen Missionen fühlen wir uns an Freiheit beraubt und erleben den einen oder anderen Frustmoment. Entweder klettert unser Charakter nicht wie gewollt eine Wand hinauf und wir werden sofort entdeckt, oder ein Gegner wird mal übersehen und wir fliegen somit auf. Es ist einfach nervend, dass wir, sobald wir entdeckt werden, die Mission sofort abgebrochen und neu gestartet werden muss. Hier fehlt uns eine Speicherfunktion, denn ohne diese sind wir gezwungen, gescheiterte Stealth-Missionen immer wieder von vorne zu beginnen. Leider haben die Entwickler nicht aus ihren Fehlern gelernt und auf die Community gehört, welche sich schon seit Anbeginn über dieses Manko beschwert. Hier hätten wir uns eine größere Entscheidungsfreiheit gewünscht und bei der ein oder anderen Mission wäre das aggressive Vorstoßen sicherlich weitaus effektiver gewesen. Aber dies ist nur ein kleiner Punkt, welcher uns stört und nicht der Rede wert ist. Die Missionen sind mit ein bisschen Geduld alle machbar und lockten uns nicht annähernd von der fabelhaften Spielwelt weg. Wir erhoffen uns jedoch für die nächsten Titel endlich mal eine Verbesserung in diesem Bereich.

Amerika als Spielwelt

Wenn wir mal keine Lust auf Schlachten oder Verfolgungsjagden haben, in denen wir über und auch durch Häuser fliehen können, können wir in der Stille der Wälder versuchen, unsere Ruhe zu finden. Da die komplette Gegend etwa anderthalbmal so groß wie Rom aus Assassin’s Creed: Brotherhood sein soll, werden wir dort sicherlich ein ruhiges Plätzchen finden. Aber zu früh freuen sollten wir uns nicht, denn wenn wir den Wald durchstreifen, werden wir spätestens anhand der ersten Blutspur im Schnee erkennen, dass der Wald auch nicht ganz ohne Gefahren ist. So kann es vorkommen, dass wir einem aggressiven Bären auf die Pfoten treten, während wir dabei sind, frisch erlegtes Wild zu häuten. In diesem Falle sollten wir uns schnell entscheiden, ob wir die Flucht über die Bäume ergreifen oder wir uns Meister Petz stellen. Wenn wir uns zu schwach fühlen, dem Winterruher alleine gegenüber zu treten, können wir auch die Bruderschaft zur Hilfe holen. Haben wir neben den ganzen Konflikten immer noch Zeit, sollten wir uns einmal mehr in aller Ruhe die atmosphärische Gegend und auch die Ostküstenstädte anschauen, denn solch einen authentischen und schönen Blick in das Geschehen des achtzehnten Jahrhunderts werden wir vermutlich so schnell in keinem anderen Titel finden.

Kleine, aber feine Unterschiede

Assassin's Creed III (9)Nachdem die PC-Fassung bereits einige Zeit auf dem Markt erhältlich ist, folgte pünktlich zum Release der Wii U auch noch die entsprechende Wii-U-Fassung, die kleine, aber feine Unterschiede zu den Versionen für die Konkurrenzsystem enthält. Der wohl größte Vorteil liegt im wahrsten Sinne des Wortes klar in der Hand. Das Wii U GamePad bietet uns die Möglichkeit, das komplette Spiel völlig losgelöst vom heimischen Fernsehgerät oder vom PC-Bildschirm auch nur auf dem Bildschirm des neuen Eingabegeräts zu zocken. Zwar darf man sich von der Wii U nicht allzu weit entfernen, um die maximale Reichweite nicht auszureizen, aber wer beispielsweise sein Bett in der Nähe der Konsole stehen hat, darf sich auch dann mit dem Assassinen Connor auf Reisen begeben, wenn er heimlich unter der Bettdecke spielen möchte. Auf dem Wii U GamePad  fallen dann auch die grafischen Einbußen nicht so stark ins Gewicht. Nutzt man dieses durchaus nützliche Feature nicht, zeigt einem der Bildschirm des Wii U GamePad die Karte an und bietet außerdem die Möglichkeit, im Stil von Link aus The Legend of Zelda in Windeseile sein Pferd herbeizurufen. Assassin’s Creed III hat uns sowohl auf dem PC, als auch auf der Konsole überzeugt und wir sind schon sehr gespannt darauf, wie Ubisoft die Zukunft des Franchises gestalten möchte.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl und ergänzt von Patrick Overkamp

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Nachdem der zweite Teil der Assassin’s-Creed-Reihe eine einzige Enttäuschung für mich war, bin ich mit Assassin’s Creed III hingegen absolut warm geworden. Vor allem das Setting weiß mich als Fan der Geschichte zu begeistern und der unverfehlbare Sound der Musketen ist Gesang in meinen Ohren. Zudem gefällt mir der Hauptcharakter Connor, welcher absolut beweglich wirkt und sich als genau so guter Kämpfer entpuppt. Seine Moves sind absolut einzigartig und die Möglichkeiten der Brutalität kaum zu überbieten. Egal ob im Nahkampf mit dem Tomahawk oder im Fernkampf mit einer Muskete – alle Variationen stehen mir frei zur Verfügung. Leider trüben die Stealth-Missionen meine Stimmung, da die mich mehrmals zur Weißglut treiben und ich hier nicht alle möglichen Fähigkeiten geschickt ausspielen kann. Hier sehe ich noch Verbesserungsbedarf, doch stimmt das Gesamtkonzept so sehr, dass es eine klare Kaufempfehlung von mir gibt. Alleine die offene Spielwelt und die grandios in Szene gesetzten Seeschlachten sollten Spieler für mehrere Stunden am heimischen Computer festhalten.

Patricks Fazit (basierend auf der Wii-U-Fassung): Meine Erfahrungen mit Assassin’s Creed halten sich stark in Grenzen, aber auch als Quasi-Neueinsteiger hatte ich keinerlei Probleme, mich mit dem Gameplay und der Spielwelt anzufreunden. Die scheinbar unendlich weite Welt, die man frei erkunden kann, die beeindruckende Grafik und die Geschmeidigkeit, mit der Connor durch die Gegend klettert, tun ihr Übriges dazu bei, um aus Assassin’s Creed III einen hochkarätigen Titel zu machen. Der clevere Einsatz des Wii U GamePads kommt außerdem noch dazu. Etwas bedauerlich ist die Vereinfachung des Kampfsystems. Dies wurde auf den Gebrauch von nur noch zwei Tasten reduziert und dürfte gerade erfahrenen Spielern, die sich dadurch etwas unterfordert fühlen könnten, negativ ins Auge fallen. Trotz kleinerer technischer Fehler kann ich an dieser Stelle aber trotzdem ohne schlechtes Gewissen eine Kaufempfehlung für Assassin’s Creed III aussprechen.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Assassin’s Creed III!

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