Review: Harvest Moon GB

Harvest Moon GB (1)Als 1998 hierzulande das erste Harvest Moon für das Super Nintendo erschienen ist, durfte aufgrund des Erfolgs nicht viel Zeit verstreichen, bis auch der GameBoy-Nachfolger das Licht des europäischen Kontinents erblicken durfte.

Harvest Moon GB (2)Wer das Harvest-Moon-Spielprinzip nicht kennt, und solche Leute soll es ja geben, dem sei gesagt, dass wir in so gut wie jedem Teil der Reihe eine heruntergewirtschaftete Farm wieder auf Vordermann bringen sollen. So ist es auch in Harvest Moon GB der Fall, denn an einem ganz gewöhnlichen Tag taucht der Geist unseres verstorbenen Großvaters wieder auf, der uns über die Existenz seiner Farm informiert. Wir sollen doch aufs Land ziehen und der Farm zu neuem Glanz verhelfen. Kurz darauf wird uns noch die Bedeutung von den verschiedenen Farmgebäuden erklärt und dann werden wir auch schon ins Spielgeschehen geworfen. Das ist im direkten Vergleich zum Super-Nintendo-Vorgänger ein harter Rückschritt, denn dort gibt es zunächst einen großen Stadtausflug und wir lernen die illustren Dorfbewohner kennen. In Harvest Moon GB kann es das so auch nicht geben, da die Stadt wirklich auf das Nötigste reduziert wurde. So können und müssen wir die Stadt zwar besuchen, um etwa die Gießkanne zu erhalten und die ersten Gemüsesamen einzukaufen, doch können wir uns in der Stadt nicht frei bewegen. Wir haben lediglich die Möglichkeit, eines der Gebäude auszuwählen, um uns danach in einem Dialogbildschirm wiederzufinden. Diese Bildschirme sind zwar übersichtlich und funktionieren, ergeben aber stellenweise in ihrer Intention absolut keinen Sinn.

Reduzierung aufs Nötigste

Harvest Moon GB (3)In den verschiedenen Häusern treffen wir fast ausschließlich nur auf die Mädchen, die wir im Super-Nintendo-Vorgänger heiraten konnten. Das heißt, dass wir in der Saftbar auf Eva, im Werkzeugladen auf Ann und in der Kirche auf Maria treffen, bei denen wir dann zwischen diversen Produkten und Optionen auswählen können. So können wir bei Maria beispielsweise beten oder uns die Zukunft voraussagen lassen. Beim Schreiner können wir uns auf Wunsch auch unser Haus vergrößern lassen, sofern wir denn genügend Holzscheitel gesammelt und das nötige Geld angehäuft haben. Einen Ausflug in die Berge fällt daher ebenso flach, da es das Gebiet im GameBoy-Color-Spiel gar nicht gibt. Neu hinzugekommen ist nur eine etwas veränderte Höhle, wo wir auf die Erntewichtel treffen, die uns jetzt immerhin auch mit der Arbeit auf dem Hof unterstützten – selbst wenn wir den GameBoy (Color) beziehungsweise den Nintendo 3DS ausgeschaltet haben. Die Zeit läuft also entsprechend weiter, wenn das Gerät nicht eingeschaltet ist. Unter Umständen können wir also das Gemüse bereits ernten, wenn wir das Spiel das nächste Mal einschalten. Genau darum geht es in Harvest Moon GB eigentlich nur – effiziente Maßnahmen ergreifen, ökonomisch denken und einen möglichst großen Gewinn einsacken. Der zwischenmenschliche Faktor fehlt völlig.

Effizienz ist das Wichtigste

Harvest Moon GB (4)Dadurch fühlt sich jeder Tag irgendwie gleich an. Gemüse einpflanzen, täglich gießen und nach einigen Tagen heißt es, das Gepflanzte zu ernten und gewinnbringend zu verkaufen. In Harvest Moon GB ist es zum Glück immerhin möglich, auch im Herbst und im Winter vom Gemüse zu leben – das war auf dem Super Nintendo noch nicht möglich. Wir sollten jedoch bereits relativ früh im Spiel auch mit dem Sähen von Grassamen beginnen, denn nur wenn wir über ausreichend Futter verfügen, können wir Hühner und Kühe unterhalten. Mit Eiern und Milch lässt sich nämlich ebenfalls sehr gut Geld verdienen. Nach wie vor sollten wir auch auf unsere Ausdauer achtgeben. Diese können wir zwar durch Mahlzeiten und Getränke langsam wieder auffüllen, doch sobald die Ausdauer aufgebraucht ist, können wir nicht mehr arbeiten und müssen auf den nächsten Tag warten. Unterbrochen wird der harte Arbeitsalltag durch seltene Ereignisse, wie ein Frühstück mit den Mädchen der Stadt. Da wir aber in Harvest Moon GB niemals den Bund der Ehe eingehen werden können, bringt das im Endeffekt aber gar nichts. Obwohl das Spiel optisch und akustisch den Charme des Vorgängers einfängt, erreicht es niemals die inhaltlichen Qualitäten. Harvest Moon GB richtet sich daher nur an ganz verzweifelte Fans, die ganz dringend Nachschub benötigen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung): Ich habe mich sehr auf Harvest Moon GB gefreut, als Nintendo die Virtual-Console-Fassung angekündigt hat. Ich hatte sehr große Erwartungen an das Spiel, denn der Super-Nintendo-Klassiker gehört definitiv zu den besten Harvest-Moon-Ablegern, die es bis heute gibt und bei einem direkten Nachfolger oder eher gesagt einer Portierung, erwarte ich eigentlich auch mindestens die gleiche Qualität. Wer sich heute über die Harvest-Moon-Reihe beschwert, sollte sich wahrhaftig einmal das erste GameBoy-Color-Spiel der Serie anschauen, denn wie hier mit der Philosophie des Titels gespielt wird, ist wirklich schon sehr dreist. Victor Interactive Software zeigt mit dem Spiel nur, wie der ökonomische Teil von Harvest Moon funktioniert. Das klappt zwar bis auf die technische Limitierung sehr gut, doch fehlen mir die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen dem Bauern (der jetzt auch eine Bäuerin sein darf) und den Dorfbewohnern. Auch abseits des harten Arbeitsalltag fehlen mir Möglichkeiten zur Entspannung beziehungsweise zur Abwechslung. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, der muss sich im Klaren darüber sein, dass er wirklich nur das Nötigste und inhaltlich einen sehr spärlichen Harvest-Moon-Teil spendiert bekommt. Ich hoffe sehr, dass die beiden GameBoy-Color-Nachfolger ebenfalls noch im eShop erscheinen werden, denn schlechter können die mit Sicherheit nicht sein!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s