Review: Hidden Blade – Das Verborgene Schwert

The Hidden Blade - Das Verborgene Schwert (1)2004 dreht der damals 73 Jahre alte Regisseur Yōji Yamada nur zwei Jahre nach The Twilight Samurai den Film Kakushi Ken: Oni no Tsume, der hierzulande als Das Verborgene Schwert bekannt ist und durch den englischen Titel The Hidden Blade ergänzt oder ersetzt wird.

The Hidden Blade - Das Verborgene Schwert (2)Die titelgebenden Teufel des Originaltitels kommen im übersetzten Titel leider nicht vor, was wir ziemlich schade finden, da besonders dieser Zusatz The Hidden Blade Das Verborgene Schwert sehr gut beschreibt. Beworben wird The Hidden Blade stattdessen mit der Anzahl an Nominierungen und Preisen, welche der Film auf insgesamt zwölf Festivals abgeräumt hat – mit gutem Recht! Der Film erzählt die Geschichte des Samurai Munezō Katagiri, der gleich in der ersten Szene Abschied von seinem guten Freund Yaichirō Hazama nehmen muss. Diesen treibt es ins entfernte Edo, dem heutigen Tōkyō, um dort einen hohen Posten zu bekleiden. Das Leben verläuft in Katagiris Heimatprovinz weiter. In der ersten Hälfte des Films wird dieser Aspekt besonders beleuchtet, denn auch wenn alle Samurai ihrem Tageswerk folgen, entwickelt sich eine zunächst unglückliche Liebesgeschichte zwischen Katagiri und seiner früheren Bediensteten Kie. Diese wird in eine Familie eingeheiratet, in der sie jedoch so schlecht behandelt wird, dass sie mit der Zeit mehrmals erkrankt. Als Katagiri davon erfährt, nimmt er sich ihrer an und setzt für sie die Scheidung auf. Er pflegt Kie gesund und duldet sie in ihrem Haus, bis der soziale Druck ihm so sehr zusetzt, dass er sie zurück zu ihrer Familie schickt. Damit nicht genug, kehrt in der zweiten Filmhälfte Hazama als Gefangener zurück.

Pflichten und Bürden eines Samurai

The Hidden Blade - Das Verborgene Schwert (3)Dieser soll versucht haben in Edo Reformen durchzusetzen, was einer Entehrung des Shōgun gleichkommt. Seinen Mitverschwörern wird erlaubt, sich selbst zu richten, doch diese Ehre wird ihm verweigert. Als er aus dem Gefängnis flieht, erfährt der Lehnsherr, dass Hazama in früheren Tagen mit Katagiri verkehrt hat. Da Hazama als der beste Schwertkämpfer weit und breit gilt und man nicht das Leben unzähliger Samurai riskieren will, soll Katagiri ihn dazu treiben, Seppuku zu begehen oder ihn mit eigener Hand zu töten. In diesem Samurai-Drama sind es einmal mehr die typischen Motive Ehre, Loyalität und Anstand, die dutzende Male bei jedweder Gelegenheit charakterisiert werden. The Hidden Blade erfindet damit das Rad des Genres definitiv nicht neu, doch stattdessen erzählt der Film stringent eine Geschichte, die bis zum Abspann spannend bleibt. Anstatt dutzende Schwertkämpfe zu zeigen, nutzt Yamada das Medium Film ein weiteres Mal, um den Alltag eines Samurai, sowie Pflichten und Bürden des Kriegers, uns vor Augen zu führen. Für die Alltagsszenen nutzt der Regisseur oftmals einige Elemente des Humors. Ein Humor, der hierzulande wohl weitgehend als trocken identifiziert werden kann, ist dies jedoch absolut nicht. Die Szenen werden mit dem japanischen Humor in unseren Augen sehr aufgelockert und stellen so dennoch realistische soziale Beziehungen dar.

Bildgewagte Szenerie

The Hidden Blade - Das Verborgene Schwert (4)Höhepunkte sind es, auf die der Film zwar hinzielt, diese aber in Symbiose mit der Handlung stehen. Diese ist mit 137 Minuten nicht kurz ausgefallen, unterhält aber tatsächlich ungemein bis zur Lösung von Katagiris innerem Konflikt. Alle Szenen spielen vor einer sehr idyllischen Kulisse mit Wiesen, Dörfern, Bergen und authentischen Innenräumen. Der Film lässt sich wie The Last Sword – Die Wölfe von Mibu zeitlich am Ende des Tokugawa-Shōgunats einordnen, welches sich bald mit dem Tennōtum konfrontiert sehen muss, da Japan nach epochenlanger Isolation geöffnet wird. Entsprechend zeigt Yamada sehr bildgewagt, wie die Samurai mit der modernen Schusswaffentechnologie umgehen, die zu diesem Zeitpunkt zum zweiten Mal in Japan (diesmal weitaus erfolgreicher) eingeführt wird. Unterstützt wird die historische Kulisse von einem Soundtrack, der mit hübschen, sowie bedrohlichen Klängen und hervorragendem Taktgefühl die Szenen einfängt. Die japanische Tonspur ist bei dieser Blu-ray zu empfehlen, wenn auch die deutschen Sprecher nicht deplatziert wirken. Wenn japanische Begriffe jedoch zum Teil falsch ausgesprochen werden, kratzt das ein wenig an der gelungenen Atmosphäre. Das Bild könnte wie die Menge an Bonusmaterial besser ausfallen, da dieses mit einem Blick hinter die Kulissen und dem Besuch der Berlinale 2005 mit zwölf Minuten sehr kurz ausfällt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach nur zwei Filmen, die ich von Yōji Yamada gesehen habe, wage ich zu behaupten, dass er zu den talentiertesten Regisseuren Japans gehört. Mit The Hidden Blade – Das Verborgene Schwert enttäuscht er mich nicht, denn der Film zeigt mir ein realistisches Abbild der Samurai in der Edo-Zeit. Da es in den Provinzen Japans zu dieser Zeit nur selten zu (erfolglosen) Aufständen kommt, ist die Rüstung vor den Feinden nur Nebensache, doch zum Ende des Shōgunats wird klar, dass Japan technisch der Welt hinterherhinkt und westliche Waffentechnologie eingeführt werden muss. Bildgewagt schildert Yamada die ersten Versuche, die neue Technik zu beherrschen und bringt das mit dem Alltags- und Gefühlsleben eines einzelnen Samurai in Einklang. Hier macht der Film beileibe nichts neu, doch das muss er nicht. Jede Szene wirkt glaubhaft und sämtliche Dialoge sind tiefsinnig oder werden mit japanischem Humor gekonnt unterlegt. 137 Minuten vergehen hier wie im Fluge. Der Film eignet sich also nicht nur für Genre-Liebhaber, sondern auch an jene, die sich mit einem kleinen Stück der japanischen Geschichte auseinandersetzen wollen.

Vielen Dank an 3L Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Hidden Blade – Das Verborgene Schwert!

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