Review: I, Frankenstein

I, Frankenstein (1)Der von Mary Shelley geschriebene Roman Frankenstein wird im Jahr 1818 erstmals anonym veröffentlicht. Zu dem Zeitpunkt lässt sich natürlich noch nicht absehen, welchen Einfluss der Roman auf Kultur und Populärkultur der nachfolgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte hat.

I, Frankenstein (2)Besonders im zwanzigsten Jahrhundert gibt es dutzende Filme und Theaterstücke, die auf dem Roman basieren, Auszüge zitieren oder ihn inhaltlich gar erweitern. Der Film I, Frankenstein aus dem Jahr 2014 fällt jedoch in eine gänzlich andere Kerbe. Der fiktive Wissenschaftler, der auch diesem Film seinen Namen gibt, hat nur einen kurzen Auftritt. Der Film stützt sich voll und ganz auf die Kreatur, die allgemeingültig als Frankensteins Monster bezeichnet wird. Der ist auf seinen Erschaffer, Viktor Frankenstein, sehr wütend und möchte ihn am liebsten töten. Stattdessen nimmt er jedoch seiner Frau das Leben und Frankenstein folgt seinem Monster in den höchsten Norden. Frankenstein ist der Kälte jedoch nicht gewachsen und erfriert, doch seinem Monster kann die Kälte nichts anhaben. Als er den Wissenschaftler nach christlichem Glauben begraben will, wird er jedoch von Dämonen angegriffen, die wiederum vom Klan der Gargoyles attackiert werden. Frankensteins Monster gerät zwischen die Fronten eines Krieges, wie er nach seiner Gefangennahme durch die Gargoyles von dessen Königin erfährt. Königin Leonore erkennt jedoch nicht das Monstrum im Mann, sondern den Menschen. Sie gibt ihm den Namen Adam, der sich aus der Waffenkammer der Kathedrale gleich noch eine Waffe aussuchen darf, bevor er direkt wieder in die Freiheit entlassen wird. Hanebüchen!

Unliebsame Schachfigur

I, Frankenstein (3)Das klingt zwar zunächst nach einer gelungenen Einleitung, doch weit gefehlt. Welche Ideen in Kevin Grevioux’ Kopf zum Zeitpunkt der Entstehung des Drehbuchs herumschwirren, können wir nur erahnen. Anstatt dass sich der frisch getaufte Adam den Gargoyles anschließt und seine Kräfte nutzen kann, wird er von diesen verstoßen. Er versteckt sich in Wäldern, an Küsten und im Gebirge fernab jeglicher Zivilisation. Jahrzehnte und Jahrhunderte vergehen, Adam altert nicht und nichts passiert. Nach zweihundert Jahrhunderten der Einsamkeit will Adam jedoch nicht mehr tatenlos zusehen und macht Jagd auf die Dämonen. Wohlgemerkt ohne jeglichen Grund mischt sich Adam ein. Bei der Dämonenjagd wird jedoch ein Mensch getötet, wodurch die Diener Gottes, die Gargoyles, wieder auf Adam aufmerksam werden und ihn erneut verhaften. In der Zwischenzeit bemerkt jedoch der Anführer der Dämonen, dass Frankensteins Monster kein Mythos ist. Naberius arbeitet mit zwei Wissenschaftlern daran, Tote wiederzubeleben. Dieser Plan, der ungeheure Ausmaße annehmen soll, kann jedoch nur aufgehen, wenn er die Aufzeichnungen von Viktor Frankenstein bekommt, die in der bereits erwähnten Kathedrale der Gargoyles aufbewahrt werden. Es entbrennt ein Kampf zwischen Gut und Böse, in dem Adam jedoch nichts weiter als eine unliebsame Schachfigur bleibt.

Gleichgültigkeit zweier Ideale

I, Frankenstein (4)I, Frankenstein versucht zuweilen dramatische Ausmaße anzunehmen. Dies gelingt jedoch nicht immer, da die Handlung nicht über ihre stereotypische Superheldenzeichnung hinaus kommt. So gut zumindest Aaron Eckhart auf seine Rolle (Adam) passt, so erstaunt sind wir, welche Fehlbesetzungen man sich mit Bill Nighy (Naberius) und Miranda Otto (Leonore) geleistet hat. Beide Schauspieler haben schon viele gelungene Auftritte in Filmen hingelegt, doch hier treffen schließlich zwei Ideale aufeinander, die jedoch völlig unbekümmert wirken. Leonore ist der einzige Kontakt der Gargoyles zu ihrem Herrn und Naberius will unbedingt sein Ziel, die Erde für die Dämonen zu erobern, erreichen. Sehen wir nicht! Verstehen wir nicht! Trotzdem hat der Film auch positive Seiten. Beispielsweise wirkt das Bild in 1080p sehr scharf und vor allem die Spezialeffekte beim Tod von Dämonen und Gargoyles sind hervorragend und fantasiereich gestaltet. Während Dämonen sich in Flammen hüllen und zur Hölle zurückkehren, wehen Gargoyles in blauem Schimmer gewandt in den Himmel. Der Ton klingt sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprachfassung hervorragend, doch der Soundtrack hätte etwas energischer sein können. Interviews und drei Motion Comics bilden das recht dünne Bonusmaterial, welches nur bedingt Einblick in die Produktion gibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): So sehr kann man sich von einem Trailer doch blenden lassen. Diesen fand ich nämlich wirklich gelungen und hat mir Lust auf mehr gemacht. Nach der Einleitung des Films stellt sich jedoch schnell Ernüchterung bei mir ein. Viele Informationen, die man mir über Frankensteins Monster liefern müsste, fehlen einfach. Es existieren keinerlei Angaben, wie sich Adam in den zweihundert Jahren gewandelt hat; seine Motivation ist unglaubwürdig. Weniger unglaubwürdig, aber unverständlich ist die Ausarbeitung der Charaktere Leonore und Naberius. Ich verstehe einfach nicht, wie diese beiden Charaktere zwei gegensätzliche Ideale verkörpern sollen, das aber im Film einfach nicht deutlich wird, weil sie nahezu nihilistisch veranlagt sind. Ein Krieg zwischen Gut und Böse sieht meiner Meinung nach anders aus. Tatsächlich fühlt sich I, Frankenstein für mich wie ein seichter Superheldenfilm an – nur ohne Superhelden als solches. Wer nicht genug vom nie enden wollenden Frankenstein-Epos haben kann, sollte sich I, Frankenstein dennoch (zumindest einmal) anschauen, da die Ansätze im Prinzip wirklich gut sind.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von I, Frankenstein!

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