Review: Lego Jurassic World

Lego Jurassic World (1)Kaum erscheint ein neuer Blockbuster in den Kinos, kann man sich schon fast sicher sein, dass bereits seit einigen Monaten fleißig an der Videospielversoftung im Lego-Stil gewerkelt wird. Diesmal lässt uns Traveller’s Tales die vierteilige Jurassic-Park-Serie durchleben.

Lego Jurassic World (2)Zwischen 1993 und 2001 erschienen die drei Filme Jurassic Park, Vergessene Welt: Jurassic Park und Jurassic Park III im Vierjahrestakt. Bis zum vierten Serienteil, Jurassic World, sollte es jedoch nicht vier, sondern 14 Jahre dauern. Bis zum Jahr 2015 mussten wir uns gedulden, um die Dinosaurier ein weiteres Mal auf der Leinwand zu erleben. Die Meinungen über den Film sind geteilt, doch Lego Jurassic World erscheint uns in der Testphase wie aus einem Guss geformt. Obwohl die junge Zielgruppe die älteren Filme vielleicht nicht gesehen hat und dies schleunigst nachholen sollte, schickt uns das Entwicklerstudio nämlich trotzdem durch die komplette Serie und lässt uns sämtliche prägnante Momente der vier Filme in spielerischer Form nachspielen. Der Ausbruch des Tyrannosaurus rex im ersten Teil, die Verfolgungsjagd durch San Diego mit selbigem Dinosaurier im zweiten Film und die Erlebnisse im großen Vogelkäfig im dritten Abenteuer werden daher genauso eingefangen wie das Geschehen im Gyrosphärental in Jurassic World. Am eigentlichen Spielprinzip hat sich im neuesten Lego-Aufguss leider nichts getan. Nach wir vor schlüpfen wir in die Haut der Filmhelden wie Dr. Alan Grant, Dr. Ian Malcolm oder Owen Grady und erleben die Filme so nach, dass wir in einem Spielgebiet meist sämtliche Gebilde aus Legosteinen auseinandernehmen und in anderer Form zusammensetzen.

Vier umfangreiche Abenteuer

Lego Jurassic World (3)Dadurch ergeben sich oft viele neue Wege, die wir nutzen können, um höhere Plattformen zu erklimmen und die Geheimnisse der Levels zu ergründen. Es gibt nämlich wieder jede Menge zu entdecken und alles aufzulesen, was nicht niet- und nagelfest ist. So sammeln wir zum Beispiel goldene Lego-Steine oder setzen einst verbuddelte Dinosaurierskelette zusammen. Zusätzlich finden wir natürlich wieder Studs, die Währung des Spiels, die wir in weitere Charaktere investieren dürfen, die wiederum neue Fähigkeiten mit sich bringen. Kleine Charaktere können durch Löcher kriechen, leichte Figuren höher springen und andere Helden sind mit Fernkampfwaffen bestückt, um entfernte Objekte anzuvisieren. So kann man das Spiel nicht mit einer Figur alleine bestreiten. Ständig müssen wir zwischen den Charakteren wechseln, um die Rätsel zu lösen. Beim ersten Spieldurchlauf können wir unmöglich alles auf einmal entdecken. Erst wenn wir eine der vier Kampagnen in Form der Handlung durchgespielt haben, dürfen wir diese im freien Spiel nochmals erleben und auch Figuren einsetzen, die in diesem Teil der Story gar nicht auftauchen. Wer alles einsammeln will, muss den Titel also mehr als einmal durchspielen. Richtige Kopfnüsse müssen dafür aber nicht gelöst werden, denn sämtliche Rätsel sind sehr leicht durchschaubar. Veteranen sind hier schnell gelangweilt.

The same procedure as every year

Lego Jurassic World (4)Dem kann aber Abhilfe geschaffen werden. Wir reden nicht über einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad, den die Entwickler wieder versäumt haben, einzubauen, sondern über den Zweispielermodus. Der entschädigt wunderbar, denn zu zweit macht die Suche nach den goldenen Legosteinen umso mehr Spaß. Zumindest lokal, denn einen Online-Modus gibt es selbst zehn Jahre nach Lego Star Wars immer noch nicht. Des Weiteren macht Traveller’s Tales die gleichen Fehler wie damals. Das Spiel ist aufgrund der jungen Zielgruppe zum Leidwesen der älteren Spieler durchweg zu leicht und oft macht die künstliche Intelligenz unserer Mitstreiter zu unserem Ärgernis gerne was sie möchte. Technisch bleibt der Titel (zumindest auf der Wii U) geringfügig hinter unseren Erwartungen zurück. Oft ist ein leichtes Dauerruckeln zu erkennen und bei einigen Sprungpassagen bockt die Kamera gerne mal, da diese nur auf der Oberwelt (bestehend Isla Nubla und Isla Sorna) drehbar ist. Dafür begeistert uns der Titel auf eine ganz besondere Weise, wie es auch schon die Vorgänger geschafft haben. Lego Jurassic World kann diese je nach Geschmack sogar übertrumpfen. Mit Mimik und Gestik, Ironie und Sarkasmus, Wortwitz und Slapstick-Humor fängt das Spiel sehr viele Szenen cineastisch ein und kann so zehn bis dreißig Stunden trotz des stumpfen Gameplay wunderbar unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii-U-Fassung): Wenn die meisten Lego-Videospiele nicht auf einer Filmlizenz basieren würden, dann würde wohl nur ein Bruchteil der momentanen Käuferschicht zuschlagen. Als 2005 Lego Star Wars erschien, hat es mir eine ganze Menge Spaß gemacht. Ich konnte die neue Trilogie komplett durchleben und keine Minute davon war mir langweilig. Nach Lego Harry Potter, Lego Der Herr der Ringe und Co habe ich bei Lego Jurassic World aber das Gefühl, alles schon mal gesehen und erlebt zu haben. Nur die Story ist wirklich neu (wenn man von den Filmen absieht) und vor allem der großartige Humor des Spiels fesselt mich an den Bildschirm. Da nehme ich gerne die repetitiven Rätseleinlagen in Kauf, doch frage ich mich, ob sich Traveller’s Tales mit der Reihe nicht auch einmal entwickeln will. Es gibt so viele Möglichkeiten, die sich in der letzten Dekade aufgetan haben und keine davon wird so wirklich davon genutzt. Das ist wirklich schade, denn gerne würde ich das Spiel auch online mit einem Freund spielen oder technisch überhaupt einmal wirklich ausgereift erleben. Wer noch nie ein Lego-Videospiel gezockt hat oder Wiederholungstäter, die mit stumpfem Gameplay problemlos leben können, dürfen und sollten sich auf Lego Jurassic World einlassen. Das erste Mal ist einfach in vielerlei Hinsicht unvergesslich. Alle anderen können das Spiel auch dieses Mal im Regal stehen lassen. Viel verpasst man hier nicht.

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