Review: Blue Submarine No. 6 (Collector’s Edition)

Blue Submarine No. 6 - Collector's Edition (1)Die Original Video Animation Blue Submarine No. 6 war ursprünglich ein von Ozawa Satoru kreierter Manga, der im Jahr 1967 zunächst im Weekly Shōnen Sunday veröffentlicht worden ist. Vom Shōgakukan-Verlag wurden 1974 des Weiteren drei Sammelbände herausgegeben.

Blue Submarine No. 6 - Collector's Edition (2)Umso verwunderlicher muss es am Ende der Neunziger Jahre für Autor Ozawa gewesen sein, als Regisseur Maeda Mahiro sich um eine Anime-Umsetzung des Werks aus den Sechzigern bemühte. Trotzdem entstanden zwischen 1998 und 2000 gleich vier Episoden, welche jedoch eine völlig eigenständige Geschichte erzählen und nur das Universum mit der Manga-Vorlage gemeinsam haben. Die Handlung der vierteiligen Original Video Animation, die zusammen auf eine ungefähre Laufzeit von 127 Minuten kommen, spielt auf einer fiktiven Version unserer Erde, auf der es der Wissenschaftler Zorndyke geschafft hat, die beiden Polkappen fast vollständig zum Schmelzen zu bringen. Seine Absicht ist es, die Landmassen im Meer zu versenken und dem Leben im Wasser den Planten als gesamten Lebensraum zu schenken. Damit die Erde nach seinen Ideen gestaltet werden kann, erschafft er außerdem noch neue Lebensformen nach seinen Ansichten und gibt ihnen teilweise gar die Möglichkeit, in der Menschensprache zu kommunizieren. Geblendet durch seine Vorstellung, dass er selbst ein göttliches Wesen sei, hat er mittlerweile eine Milliarde Menschen getötet. Zu diesen Menschen gehört auch die Familie der Umweltaktivistin Kino Mayumi, die an Bord des titelgebenden Unterseeboots Blue Submarine No. 6 dient. In Zeiten der Not wurden aus den Umweltaktivisten mittlerweile aber Soldaten, um den Rest der Menschheit vor Zorndyke zu beschützen.

Umweltschutz und Gentechnik

Blue Submarine No. 6 - Collector's Edition (3)In der ersten Episode erhält Kino den Auftrag, in einer halb versunkenen Stadt nach dem Umweltaktivisten Hayami Tetsu zu suchen. Gerade als sie ihn gefunden hat, wird jene Stadt auch schon von riesigen Roboterspinnen angegriffen. Sie können die Feinde zwar ausschalten, doch wird bei dem Trubel auch ein von Zorndyke geschaffenes Lebewesen, eine so genannte Mutio, angespült. Sie beschließen, sich mit der Besatzung der Blue Submarine No. 6 auf die Suche nach dem wahnsinnigen Wissenschaftler zu machen, um das Schmelzen der Pole zu stoppen. Unterwegs bekommen sie es mit Naturgewalten und anderen Kreaturen aus Zorndykes Labor zu tun. Die vier Episoden, die zusammen laut Maeda wie ein Film aufgebaut sind, wirken auch genauso. Im Grunde kann man sagen, dass jede Folge mit der Botschaft aufhört, mit der die nächste Episode beginnt. Thematisch beschäftigt sich Blue Submarine No. 6 sowohl mit Umweltschutz und übt zudem auch Kritik an Gentechnik. Das sind zwei Themen, die um die Jahrtausendwende intensiv diskutiert worden und auch heute noch von essentieller Bedeutung in der Gesellschaft und aus den Medien nicht mehr wegzudenken sind. Gekoppelt wird die ernsthafte Thematik mit der postapokalyptischen Welt (die Katastrophe ist zu weiten Teilen in Blue Submarine No. 6 ja bereits passiert) und Science-Fiction-Elementen, da Maeda in erster Linie nur einen Unterhaltungsfilm für das Publikum auf die Beine stellen wollte.

Katastrophale deutsche Synchronisation

Blue Submarine No. 6 - Collector's Edition (4)Man kann dem Anime das Alter zwar ansehen, doch ist die aufpolierte Fassung des Klassikers auf Blu-ray auch heute noch ansehnlich. Die Auflösung liegt zwar in 1080p vor, doch da es sich hierbei um eine Heimkinoveröffentlichung der Neunziger Jahre handelt, ist das Bildformat in 4:3. Blue Submarine No. 6 ist zudem einer der ersten Anime, die hauptsächlich am Computer entstanden sind. Während die CGI-Effekte damals einen neuen Standard setzten, wirken sie in der Neuveröffentlichung teilweise lächerlich, da die digitale Überarbeitung nur minimal erfolgt ist. Der Soundtrack ist solide und besonders der Gesang der Mutio untermalt die melancholische Stimmung treffend. Wirklich gut ist hingegen die Klangqualität des Tons im DTS-HDMA-5.1-Format. Besonders die japanische Synchronfassung profitiert laut Maeda erheblich davon. Die deutsche Synchronisation ist hingegen eine Katastrophe. Unverständlich, warum Publisher Nipponart keine Neusynchronisation in Auftrag gab. Die deutschen Sprecher wirken langweilig und die Abmischung der Lautstärke bei Dialogen, Musik und Effekten ist zweifelhaft, betrifft aber auch das Original. Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of inklusive alter Filmaufnahmen. Außerdem kommt in einem Interview Autor Ozawa zu Wort. Der Anime wird in einem Digipack geliefert, das sich haptisch gut anfühlt und auch ein eingeklebtes Booklet bietet. Das Digipack bietet aber keine Schutzhülle und auch keinen Magnetverschluss, weshalb bei falscher Lagerung der Inhalt schnell verschmutzen könnte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich war sehr neugierig auf Blue Submarine No. 6, da ich zuvor noch nie etwas von diesem Anime gehört habe, er jedoch wohl seither als Geheimtipp unter eingefleischten Anime-Fans gilt. Allerdings kann ich diese verallgemeinerte Einstellung zu Blue Submarine No. 6 nicht gänzlich teilen. Das liegt nicht unbedingt am Alter des Animes und der aus heutiger Sicht belustigenden CGI-Effekte, sondern eher am zähen Aufbau der ersten Stunde der Gesamtlaufzeit. Die Gestaltung der Handlung hat hier noch nicht die Qualität erreicht, die in der dritten und vierten Episode der Original Video Animation vorliegt. Trotzdem gibt es auch hier kleine und große Momente, die ich wirklich fantastisch umgesetzt finde. Sie drücken mit melancholischen oder dystopischen Elementen Kritik an Gentechnik und Vernachlässigung des Umweltschutzes aus – definitiv Charakteristika der späten Neunziger Jahre und auch heute nicht weniger aktuell. Schlussendlich erreicht Blue Submarine No. 6 das Ziel, das sich Regisseur Maeda vorgenommen hat. Der Anime entwickelt sich von Minute zu Minute immer mehr zu einem spannenden Unterhaltungsfilm. Dazu muss man allerdings sagen, dass man sich wirklich nur die japanische Synchronfassung anschauen beziehungsweise anhören sollte. Die deutsche Fassung, die 2001 vom damaligen Publisher Anime Connection of Germany in Auftrag gegeben wurde, ist eine absolute Katastrophe und für Nipponart jetzt auch noch eine Peinlichkeit. Es kann nicht sein, dass dieser Anime so durch die Qualitätssicherung bei einem Anbieter gekommen ist, bei dem sonst gute Synchronfassungen der Standard sind. Wer sich also auf Blue Submarine No. 6 einlassen will, kommt um die japanische Synchronisation (optional natürlich auch mit deutschen Untertiteln) definitiv nicht herum. Ob man sich Blue Submarine No. 6 sich jetzt jedoch anschauen sollte, ist jedem selbst überlassen. Der Anime ist sowohl Mahnmal als auch Unterhaltungsfilm und bietet lediglich zwei Stunden Unterhaltung mit teils angestaubter Technik, die man nicht erlebt haben muss, jedoch zum Umdenken der eigenen Vorstellungen wesentlich beitragen kann.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blue Submarine No. 6 (Collector’s Edition)!

© 1998 Satoru Ozawa – Bandai Visual – Toshiba EMI – Gonzo (Abbildungen)

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