Review: Blaster Master Zero

Im Juni 1988 veröffentlichte Publisher Sunsoft das Seriendebüt der Blaster-Master-Reihe. Bis zur Jahrtausendwende erschienen ein paar weitere Ableger, bis 2010 mit dem WiiWare-Titel Blaster Master: Overdrive die Serie reanimiert und anschließend wieder eingemottet wurde.

Bis zum März 2017 mussten Fans der Reihe auf Blaster Master Zero warten, um einmal mehr den heiteren Genre-Mix aus Baller-Orgie und Action-Adventure zu erleben. Im mittlerweile siebten Teil schlüpfen wir in die Haut des jungen Jason Frudnick, der Jahrhunderte nach einer neuen Eiszeit auf der Erde lebt. Eines Tages entdeckt er einen Frosch, für ihn eine Kreatur, die er noch nie zuvor gesehen hat und tauft ihn auf den Namen Fred. Fred will sich jedoch nicht als Haustier missbrauchen lassen und nimmt kurzerhand Reißaus. Bei der Verfolgung gerät Jason durch ein mysteriöses Portal an einen entlegenen Ort, an dem von Fred keine Spur ist. Allerdings darf er dafür Platz im Sessel eines herrenlosen Hightech-Panzers nehmen, der den vermeintlich armen Fred mit Hilfe eines Radars orten kann. Aus der Seitenperspektive erkunden wir fortan einen Planeten, der in mehrere, miteinander verbundene, Areale aufgeteilt ist. Zu Beginn durchforsten wir zum Beispiel einen Wald und eine Höhle, später machen wir ein Industriegebiet unsicher und tauchen sogar im Wasser eines Kanalsystems und im Meer. Obwohl es den Anschein hat, dass wir die meiste Zeit über im Sophia III, so der Name des Vehikels, verbringen, verlassen wir das Gefährt regelmäßig, um durch kleine Eingänge sonst unzugängliche Gebiete zu erforschen – seit jeher der Clou vieler Blaster-Master-Serienteile.

Ein- und Ausstieg

Als Mensch sind die übergroßen Gegner in der Seitenansicht zwar nicht unbedingt sehr viel gefährlicher, aber dafür umso mehr die Level-Architektur. Fallen wir bereits aus ein paar Metern Höhe, dürfen wir an einem der fair gesetzten Rücksetzpunkte erneut ins Geschehen einsteigen. Manchmal ist es auch notwendig, durch kleine Gänge zu kriechen, um auf der anderen Seite des Levels einen Schalter zu aktivieren, damit wir die Fahrt mit Sophia III im Anschluss fortsetzen können. Sobald wir mit Jason durch eine kleine Öffnung schreiten, verändert sich im Übrigen die Perspektive. Das Geschehen wird in diesen Spielmomenten aus der Vogelperspektive gezeigt, wodurch das Spiel weniger Titeln wie Metroid, sondern mehr Werken wie The Legend of Zelda ähnelt. Bewusst erwähnen wir diese beiden Nintendo-Marken, da sich das Gameplay von Blaster Mater Zero stark daran orientiert. Mit Jason erkunden wir aus der Vogelperspektive kleine Dungeons, die sich meistens zwar sehr ähneln, manchmal aber auch etwas Abwechslung bieten. Da möchten Lavaseen mit schwebenden Plattformen überwunden oder zeitliche Intervalle ausgenutzt werden, um nicht von einer Flutwelle weggespült oder von Giftbrühe zersetzt zu werden. Am Ende vieler Dungeons erwarten uns ein Großaufgebot an Gegnern oder gar einer der facettenreichen Bossgegner.

Kleines Schlusslicht

Besiegen wir diese, erhalten wir in der Regel entweder Lebensenergieverbesserungen oder Chips, die wir als Upgrades in den Sophia III einbauen können. Mit Doppelsprüngen, einer Flug- oder Schwimmfähigkeit und Kanonen, die bestimmte Teile der Level-Architektur vernichten können, spielt es sich gleich viel angenehmer. Dazu müssen wir allerdings sagen, dass der Schwierigkeitsgrad des Spiels fast durchgehend bis zum Ende sehr human ausfällt. Nur ein paar Passagen kurz vor Schluss haben uns stellenweise arg gefordert, wobei wir nach mehreren Anläufen auch hier wieder Land gesehen haben. In puncto Steuerung kann uns vor allem die Kontrolle über den Sophia III überzeugen. Spielen wir mit Jason, empfehlen wir in jedem Falle die Bewegung per Steuerkreuz, da der Analog-Stick gerne mal etwas schwammig reagiert. Des Weiteren bewegt sich Jason unserer Meinung nach viel zu langsam, sodass vor allem mögliche Rückwege in den Dungeons sehr mühselig ausfallen. Optisch orientiert sich Blaster Master Zero stark an der 8-Bit-Vorlage vom NES, kann aber in wenigen Momenten mit ein paar netten Effektspielereien für große Augen sorgen. Die Musik passt zwar jederzeit zum Geschehen, wirkt weitgehend aber austauschbar. Unterm Strich richtet sich der Titel vor allem an Serienfans und jeden, der mal einen sehr interessanten Genre-Mix erleben will.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Als ich 2010 Blaster Master für das NMag getestet habe, fand ich den Genre-Mix aus Ballerorgien und Action-Adventure-Anleihen durchaus interessant. Die Defizite des Spiels haben mir langfristig aber den Spielspaß verwehrt. Mit Blaster Master Zero habe ich da schon sehr viel mehr Freude gehabt und habe den Titel sogar in einem Rutsch durchgespielt. Es macht Spaß, die acht Areale der Spielwelt zu erkunden, ständig neue Ausrüstung zu sammeln und Gebiete, die zuvor ohne neues Equipment nicht zugänglich waren, zu erschließen. Allerdings frage ich mich, warum die meisten Levels sich in ihrer Struktur so sehr ähneln müssen und warum sich Jason so träge steuern lässt. Probleme, die es damals schon gab und nicht mehr in ein Spiel aus dem Jahr 2017 gehören. Wer die Reihe kennt (und liebt), darf aber auch gerne bei Blaster Master Zero zugreifen. Alle anderen werden mit den verarbeiteten Vorbildern Metroid und The Legend of Zelda sehr viel mehr Freude haben.

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