Review: Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux

2009 veröffentlichte Atlus das Rollenspiel Shin Megami Tensei: Strange Journey für den Nintendo DS in Japan. Nach Europa schaffte der Titel damals leider nicht; ein Grund mehr, um die überarbeitete und erweiterte Redux-Fassung für den Nintendo 3DS einmal auszuprobieren.

Mittelpunkt der Handlung und Ort des Geschehens von Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux ist ein mysteriöses Ereignis, das in der Antarktis stattfindet: Eine Raumanomalie voller dunkler Energie droht den Planeten Erde zu verschlingen. Die Vereinten Nationen schicken ein Team von Wissenschaftlern und Soldaten, um den Vorfall zu untersuchen und zu stoppen. Hinzu kommt, dass aus der Anomalie Dämonen dringen, die den Forschern und Kämpfern die Arbeit erschweren. Erzählt wird die düstere Geschichte über den bevorstehenden Untergang der uns bekannten Welt hauptsächlich über ausufernde Gespräche zwischen den zahlreichen Charakteren. Direkt zu Beginn des Spiels werden wir von ellenlangen Dialogen regelrecht erschlagen – bis der erste Kampf auf den beiden Bildschirmen des Handhelds zu sehen ist, vergehen gut und gerne sechzig Minuten. Auch danach ist das Spiel nicht weniger textlastig, denn nach jedem Ausflug in die sogenannte Schwarzwelt, die angesprochene Anomalie, wird das Erlebte breitflächig mit den anderen Crewmitgliedern ausdiskutiert. Für einen Dungeon Crawler ist das recht ungewöhnlich und stellt uns anfangs auf eine harte Geduldsprobe. Ist diese Hürde allerdings erst einmal genommen, kann die sehr interessante Story einigermaßen motivieren und mit dem eigentlichen Gameplay auch weitgehend harmonieren.

Unterstützung von Dämonen

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Strange Journey Redux um ein Rollenspiel und bedient sich als solches frech den Regeln eines Dungeon Crawlers. Nach und nach steigen wir mit unserem frei benennbaren Held in die Tiefen der Schwarzwelt hinab, um einen Ausweg aus dieser zu finden und das Problem zu lösen. Nach nur wenigen Schritten erhalten wir dafür Unterstützung von einem Dämonen, der sich unserer Truppe anschließt und uns in den vielen rundenbasierten Kämpfen tatkräftig unterstützt. Ein besonderes Merkmal des Spiels sind die Interaktionsmöglichkeiten mit den Dämonen, denn anstatt sie mit Schwert, Schusswaffe oder Magie zu bekämpfen, können wir uns auch ganz schlicht mit ihnen unterhalten. Die Dialoge mit den Dämonen sind humorvoll geschrieben und lassen nur selten erahnen, in welche Richtung sich das Gespräch entwickeln wird. So ist es möglich, Geld oder Gegenstände von den Feinden zu erbitten oder sie gar dazu zu bewegen, sich uns anzuschließen. Finden wir einen Gegner mit besonderen Fähigkeiten, sollten wir ihn möglichst bald für unsere Gruppe rekrutieren. Entwickeln sich die Dämonen zu langsam weiter, können wir zwei Wesen auch miteinander fusionieren und so immer stärkere Kampfbestien erschaffen. Die Stufe unseres Helden setzt der Experimentierfreude einen Riegel vor, abwechslungsreich ist das System trotzdem.

Nah an der Vorlage, wenige Neuerungen

Im Gegensatz zu den facettenreichen Monstern, die ausgedacht sind oder verschiedenen Mythologien entspringen, können die Dungeons nicht so ganz überzeugen. Lange Gänge, große Räume, Türen und Truhen sind recht einfach gestrickt. So bewegen wir uns Schritt für Schritt durch den rechteckig angelegten Raum. In der oberen rechten Bildschirmecke zeigt ein Symbol, wann uns Feinde angreifen können. Sichtbar sind diese leider zu keiner Zeit, aber wenigstens können wir uns so vage auf die Zufallskämpfe einstellen. In der oberen linken Ecke wird hingegen die Mondphase angezeigt, die das Verhalten der Dämonen im Kampf und in den Dialogen beeinflusst. Neben den Kämpfen, in denen wir Erfahrungspunkte und Geld sammeln, tauchen in der Spielwelt noch weitere sammelbare Objekte auf, die zum Herstellen von neuen Ausrüstungsgegenständen nötig sind. Alle Elemente greifen in Strange Journey wirklich gut ineinander, es dauert jedoch anfangs sehr lange, bis sich die Spielwelt mit ihren Möglichkeiten gänzlich geöffnet hat. Der Soundtrack des Spiels passt hervorragend zum kunterbunten Mix aus Mythologie und Militär, unter anderem ist ein gregorianischer Choral zu hören. Grafisch erinnert Strange Journey Redux stark an die Vorlage, ein paar Anpassungen wären hier und da jedoch wünschenswert gewesen. Kenner der Nintendo-DS-Fassung freuen sich immerhin über zusätzliche Story-Abschnitte, die ins Spiel integriert worden sind.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-3DS-Fassung): Dungeon Crawler haben das Problem, dass sie sehr schnell sehr eintönig werden können. Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux muss sich zusätzlich noch die Vorwürfe eines sehr langsamen Spieleinstiegs gefallen lassen. Es dauert mehrere Stunden, bis die Dialoge nicht mehr ganz so stark ins Gewicht fallen wie im Auftakt des Spiels. Wer diese Hürde einmal überwunden hat, wird durch die verzahnten Spielmechaniken jedoch nicht mehr so schnell aus der ominösen Schwarzwelt ausbrechen wollen. Dämonen möchten gezüchtigt, miteinander fusioniert, eine willensstarke Truppe aufgebaut und die – leider etwas eintönige – Spielwelt nach Objekten abgesucht werden, um daraus neue Ausrüstung für unseren Helden zusammenzustellen. Die Kämpfe motivieren mit mythologisch angehauchtem Dämonendesign und das Abenteuer mit einem ansprechenden Soundtrack, weshalb Fans von Dungeon Crawlern gut unterhalten werden. Wer jedoch so gar keine Lust darauf hat, dutzende Stunden eine klaustrophobische Spielwelt zu erkunden und wiederholend einige Gebiete nach Materialien abzusuchen, wird mit Strange Journey Redux trotz gelungenem Spielsystem jedoch genauso wenig Spaß wie mit jedem anderen Dungeon Crawler haben.

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Nintendo-3DS-Fassung): Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux ist im Kern ein klassisches japanisches Rollenspiel, schlägt aber sehr seltsame Töne an – und das gilt nicht nur für den eindringenden Soundtrack. Vor allem die verschrobene Atmosphäre und das unwirkliche Setting hat es mir angetan. Tatsächlich war ich auch am Werdegang der Figuren und der Story interessiert, da haben mich die teils langen Textpassagen auch nicht abgeschreckt. Vielleicht lag das am isolierten System, in dem sich der Spieler bewegt. Die wenigen relevanten Figuren auf dem Kommandoschiff und die regelmäßige Rückkehr auf jenes wurden schnell zu einem vertrauten und sicheren Hafen in der sehr fremden und gefährlichen Welt von Strange Journey. Die Spielsysteme greifen schön ineinander, die schnellen Kämpfe machen Spaß und motivieren, ebenso wie das Sammeln und Aufstufen der unzähligen Dämonen. Vorwissen aus anderen Teilen des Franchises ist nicht vonnöten, mit dem Durchwandern von zweidimensionalen Dungeons und textlastigen Abschnitten sollten Interessierte aber ihren Spaß haben.

Vielen Dank an Atlus für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux!

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