Review: Mirai Nikki (Vol. 1)

Zwischen 2006 und 2010 wurden in Japan ganze 14 Bände der Mystery-Manga-Reihe Mirai Nikki veröffentlicht, die 2011 als Anime-Serie umgesetzt wurde. Im September 2018 hat Publisher Kazé Anime die erste Volume des Animes endlich in Deutschland verfügbar gemacht.

Mirai Nikki erzählt die Geschichte des 14-jährigen Mittelschülers Amano Yukiteru, der auf den ersten Blick ein ganz normaler Junge zu sein scheint. Er interagiert jedoch kaum mit seinen Freunden oder Mitschülern und verbringt die Zeit lieber damit, sein Tagebuch zu füllen. Bei diesem Tagebuch handelt es sich jedoch nicht um ein Buch, sondern um ein aufklappbares Mobiltelefon. Dies zeigt nicht nur den ungefähren Entstehungszeitpunkt des Mangas und des Animes, sondern auch die Einfachheit, mit der Yukiteru durchs Leben geht. Weltbewegende Texte schreibt er nicht, er fasst eher akribisch die Dinge zusammen, die er Tag ein, Tag aus erlebt. In seiner Fantasie kommuniziert er zudem mit dem Herrn von Raum und Zeit, der in Mirai Nikki auf den Namen Deus ex machina getauft wurde. Als er eines Morgens aufwacht und sein Tagebuch untersucht, bemerkt er Einträge, die aus der Zukunft stammen. Er findet es erst ganz amüsant, erschreckt sich aber, dass diese Ereignisse genauso eintreten. Damit nicht genug, gibt es auch noch elf weitere Menschen, die mit Deus ex machina in Verbindung stehen und eines der titelgebenden Zukunftstagebücher besitzen. Sie sind Teilnehmer des Spiels auf Leben und Tod, was nicht weniger bedeutet, als sich gegenseitig umzubringen. Der Gewinner des Spiels soll den Götterthron von Deus ex machina erben; ein netter Anreiz!

Liebevolle Integration deutscher Bildschirmtexte

Handlungstechnisch ist Mirai Nikki wirklich spannend und intelligent erzählt, Wendungen und Überraschungen in jeder einzelnen Episode sind vorprogrammiert. Um den Einstieg für jeden deutschen Zuschauer zu erleichtern, setzt die Serie auf zahlreiche eingeblendete Texte, die stilistisch nicht nur über das Bild gelegt, um zum Beispiel den Schauplatz und die Uhrzeit einzufangen, sondern auch in das Bild integriert sind. So schaut der Hauptcharakter häufig aufs Mobiltelefon, um die künftigen Ereignisse in Erfahrung zu bringen. Da der durchschnittliche Zuschauer wohl von den vielen japanischen Texten erschlagen worden wäre, wurde die von Kazé Anime vertriebene deutsche Fassung von Mirai Nikki zusätzlich mit deutschen Texten ausgestattet. Es handelt sich hierbei aber nicht, wie vielleicht anzunehmen wäre, um schlichte Untertitel, sondern um tatsächlich in den jeweiligen Kontext gebrachte Anzeigen. Die Schriftart auf dem Display des Handys ist wie die mit Kreide an die Tafel geschriebene Buchstaben dem jeweiligen Zusammenhang angepasst. Diese wohl mühselige Art der Ausarbeitung ist tatsächlich liebevoll umgesetzt und zeigt sehr gut, wie es möglich ist, auf zumeist nervige Untertitel zu verzichten. Es ist jedoch nur selten notwendig, die Texte mitzulesen. In vielen Fällen sprechen die Figuren die angezeigten Texte in ihren Gedanken auch einfach aus.

Düstere Geschichte, noch düstere Atmosphäre

Mirai Nikki setzt auf illustre Figuren, um das perfide Konzept auszuschmücken. Yukiteru und seine Freundin Gasai Yuno arbeiten wunderbar zusammen, mit Uryū Minene gibt es aber eine gewiefte Gegenspielerin, die das Leben Unschuldiger in Gefahr bringt. Kurusu Keigo ist wiederum ein Polizist, der stets versucht, das Richtige zu tun und eigentlich kein Interesse daran hat, den Götterthron zu besteigen. Die trüben und häufig dunklen Farben werden im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p gelegentlich mit diffusem Licht kombiniert. Hinzu kommen schaurige Licht- und Schatteneffekte und der Einsatz von Regenschauern, um die düstere Atmosphäre zu untermauern. Nicht ganz unschuldig daran ist die stimmungsvolle Musik, die die spätestens ab der vierten Episode pechschwarze Story vortrefflich gut im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 unterlegt. Beide Tonspuren wissen auch mit den Synchronsprechern zu gefallen, denn sowohl die deutschen als auch die japanischen Sprecher verleihen ihren zugeteilten Charakteren Leben und betonen gekonnt sehr viele Sachverhalte der Mystery-Serie. Digitales Bonusmaterial liegt in Form eines Clear Openings und eines Clear Endings vor, ein physisches 12-seitiges Booklet und Memo-Karten winken hingegen als physischer Bonus. Obendrauf gibt es einen Handy-Hintergrund zum Download. Das Material stand zu Testzwecken nicht zur Verfügung, weshalb diesbezüglich keine Wertung erfolgen kann, es ist jedoch von der typischen Qualität des Publishers auszugehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mirai Nikki fängt in den ersten Minuten noch sehr harmlos an. Diese Fassade bröckelt allerdings schon in den ersten Minuten, denn das typische Leben des 14-jährigen Hauptcharakters wird jäh auf den Kopf gestellt. Mit dem Spiel auf Leben und Tod erzählt die Anime-Serie eine perfide Geschichte, die in einigen Punkten auch genauso niederträchtig umgesetzt wird. Dartpfeile treffen mitten ins Auge, Sehorgane werden sogar gänzlich entrissen oder mit einer Axt Jagd auf hypnotisierte Menschen gemacht. Hinzu kommen Figuren, die sich psychologisch gegenseitig manipulieren, ausnutzen und sich auch gegeneinander ausspielen, um am Ende den Götterthron besteigen zu können. Mirai Nikki ist intelligent erzählt und in jeder einzelnen Minute spannend umgesetzt. Fans von makaberen Anime-Serien wie Corpse Party und Co kommen um Mirai Nikki definitiv nicht herum, ängstliche Gemüter sollten sich hingegen nach Alternativen umsehen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mirai Nikki (Vol. 1)!

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