Review: Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit

Wenn ein Franchise erfolgreich ist, wird es in den meisten Fällen sehr flott ausgeschlachtet. Nachdem 2014 der erste Anime-Film über die Kinoleinwände in Japan flimmerte, folgte im Jahr 2015 der zweite Teil, der die zweite Hälfte der ersten Staffel kompakt zusammenfasst.

Im ersten Film, Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen, erlebt der Zuschauer, wie Eren Jägers Mutter bei einem Titanenangriff ums Leben kommt. Belastet mit diesem Erlebnis, beschließt Eren, beim Militär anzuheuern, um fortan die letzte Bastion der Menschheit vor den titelgebenden Titanen zu beschützen. Schon relativ früh im Lauf seiner Ausbildung kommt es zu einem weiteren Angriff, bei dem Eren offensichtlich sein Leben verliert. Kurz darauf taucht in der Stadt, in der der Kampf entbrennt, ein neuer Titan auf, der sich nicht gegen die Menschen stellt, sondern auf die anderen Titanen losgeht. Am Ende des Films stellte sich heraus, dass Eren sich im Magen des Titans selbst zu einem Riesen verwandelt hat. Da die Menschen sich vor den Kolossen jedoch fürchten, wird er in Ketten gelegt. Der zweite Film, der auf Namen Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit getauft wurde, beginnt mit der Gerichtsverhandlung, in der über das Schicksal von Eren entschieden werden soll. Levi Ackermann und Hanji Zoe, die ranghöchsten Kommandanten des Aufklärungstrupps, setzen sich für Eren ein, woraufhin er Mitglied dieser Gruppe wird und außerhalb der zweiten noch intakten Stadtmauer agiert. Dort, vor allem auf Drängen von Hanji, soll er die Kontrolle über seine Verwandlungsfähigkeit erlernen, damit die Armee die dritte und äußerste Mauer reparieren und den früheren Lebensbereich zurückzuerobern kann.

Zweiter Akt mit ähnlichen Problemen

Beim zweiten Film verhält es sich ähnlich wie beim Auftakt der Filmreihe: Die Handlung, die sich in der Anime-Serie über zwölf Episoden streckt, wurde hier auf die Laufzeit von nur 121 Minuten gekürzt. Dadurch werden einige Nebengeschichten ganz wegrationalisiert und auch die Rahmenhandlung wirkt an einigen Stellen etwas holprig, was vor allem auch daran liegt, dass die Nebenfiguren kaum bis gar nicht charakterisiert werden. So wird nur der eigentliche Plot immer weiter vorangetrieben ohne darauf zu achten, dass das Erzähltempo im Kontext Sinn ergibt. In einer Szene bereiten sich die Charaktere noch auf die Umsetzung ihres Plans vor, in der nächsten befinden sie sich mitten in der Ausführung. All das macht die Serie viel besser, steht ihr in den zwölf Folgen doch auch mehr Zeit zur Verfügung, als es beim zweiten Film der Fall ist. Eine etwas längere Laufzeit hätte Flügel der Freiheit definitiv gut getan, um diese Problematik leicht zu umgehen und die Atmosphäre so noch etwas stimmungsvoller zu machen. Wit Studio hat die Story wie beim ersten Film auf das Nötigste heruntergebrochen, wodurch Nichtkenner der Vorlage das eine oder andere Verständnisproblem bekommen. In sonstigen Belangen steht der Film der Serie in Nichts nach. Alle Hintergründe, Figuren und Animationen ergeben ein stimmiges Gesamtbild und werden mit toller Musik unterlegt. Die deutschen und japanischen Synchronsprecher tun ihr Übriges für die gelungene Atmosphäre.

Film für Kenner und Fans

In puncto Bonusmaterial verhält es sich, wie in allen weiteren Punkten bei Flügel der Freiheit, ähnlich wie beim ersten Film. Wer hier auf ein interessantes Making-of oder Einblicke in die Produktion durch Interviews mit den Mitarbeitern von Wit Studio hofft, wird enttäuscht. Auf der Blu-ray Disc befindet sich abermals kein Bonusmaterial, da verspielt Kazé Anime Potenzial. In der normalen Verkaufsfassung, die uns zu Testzwecken zur Verfügung steht, befindet sich dafür ein Poster, das das Filmcover ziert. Wer die Limited Edition des Films erwirbt, kommt nach dem 56-seitiges Booklet des ersten Films dieses Mal sogar in den Genuss eines Büchleins, das sich auf über einhundert Seiten erstreckt. Da es uns nicht zur Verfügung stand, ist es uns hier leider erneut nicht möglich, eine Auskunft darüber zu geben, welche Informationen im Booklet vorhanden sind und inwiefern sie die kleineren Lücken im Erzählstrang schließen können. Unterm Strich stellt sich erneut die Frage, an wen sich auch der zweite Film richtet – und diesmal lässt sich diese noch einfacher beantworten: Wer die Anime-Serie gesehen oder die Manga-Reihe konsumiert hat, kann sich den Film guten Gewissens ansehen, um zum Beispiel noch einmal alle wichtigen Fakten zum notwendigen Verständnis für den zweiten Film Revue passieren zu lassen. Interessierte, die sich mit dem Franchise vorher aber noch gar nicht beschäftigt haben, sollten vom Kauf bei Flügel der Freiheit absehen und sich zunächst der wirklich tollen Serie widmen, die sich genug Zeit nimmt, um Story und Charaktere vollends zu entfalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan wird zu den wohl besten Anime-Serien aller Zeiten gezählt und das ist auch in jeder einzigen Episode zu merken. In Filmform funktioniert das Franchise allerdings nicht sonderlich gut, wie es auch schon an den Realfilmen zu erkennen ist, die nicht nur die Handlung kurz fassen, sondern sich auch noch weit weg von der Vorlage bewegen. Dies ist bei Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit zwar nicht der Fall, die aufs Allernötigste reduzierte Story kann jedoch nicht gänzlich zünden. Zwischen einzelnen Szenen liegen mitunter Wochen und hin und wieder wird auf Ereignisse zurückgegriffen, die innerhalb der Handlung nicht wirklich gezeigt wurden und dem nichtsahnenden Zuschauer damit fremd sind. Wie schon beim ersten Film gilt auch bei Flügel der Freiheit, dass bei diesem Film nur die allergrößten Fans zuschlagen sollten, die die Serie noch einmal in stark komprimierter Form erleben wollen. Wer Attack on Titan noch nicht gesehen hat, sollte sich lieber zuerst die Serie anschauen, um die Story in einem vernünftigen und vor allem in einem funktionierenden Erzähltempo zu erleben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit!

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