Review: Mirai Nikki (Vol. 2)

Nachdem Kazé Anime im September 2018 die erste Volume der tiefgründigen und intelligent erzählten Anime-Serie Mirai Nikki veröffentlicht hat, folgte einen Monat später das zweite Episodenpaket, das auf dem Grundgerüst mit dem einen oder anderen genialen Kniff aufbaut.

Zu Beginn der siebten und damit ersten Episode der zweiten Volume bekommen Protagonist Amano Yukiteru und seine Freundin Gasai Yuno Probleme mit einem neuen Rivalen im Spiel auf Leben und Tod. Der gerade einmal vierjährige Hōjō Reisuke wurde nach dem Tod seiner Eltern von Yukiterus Mutter aufgenommen, sodass er mit Yukiteru und Yuno in Kontakt treten kann. Obwohl die frische Familie anfangs in Harmonie miteinander zu leben scheint, bröckelt die Fassade schnell und Reisuke zeigt sein wahres Gesicht. Er ist ebenso im Besitz eines der titelgebenden Zukunftstagebücher und will seine Kontrahenten ausschalten. Auf diverse Art und Weise versucht er, Yukiteru und Yuno zu töten. Dabei fällt auf, dass die Gedanken eines Vierjährigen ganz schön finster und durchtrieben sein können. Unter anderem überlegt er sich, Yuno mit einem elektrischen Schlag zu töten und schreckt außerdem nicht davor zurück, Giftgas zum Bekämpfen seiner Feinde einzusetzen. Bei all dem Trubel kommt auch Yukiterus Mutter zu schaden. Wie glaubhaft das sein soll, sei einmal dahingestellt – definitiv bleibt die Story in Mirai Nikki auf diesem Wege stets unvorhersehbar und sehr spannend. Wie der Kampf gegen Reisuke ausgeht, soll an dieser Stelle ebenfalls nicht verraten werden. Kurz darauf bekommen es Yukiteru und Yuno allerdings mit noch größeren Problemen zu tun.

Facettenreiche Charakterisierung

Kaum besuchen Yukiteru und Yuno eine neue Schule, lernen sie neue Freunde kennen, mit denen sie am Nachmittag einen Ausflug ins Grüne machen. Dort werden sie von einem Rudel wild gewordener Hunde in ein leerstehendes Gebäude gejagt und fürs Erste dort festgehalten. Um vorherzusehen, durch welche Fenster die gefräßigen Vierbeiner ins Haus eindringen wollen, muss Yukiteru regen Gebrauch von seinem Tagebuch machen. Das kommt für die eine Hälfte der Gruppe überraschend, für die andere Hälfte ist diese Enthüllung jedoch ausreichend, um sich selbst als Tagebuchbesitzer vorzustellen. In den Szenen der achten und neunten Episode überschlagen sich die Geschehnisse regelrecht, was vor allem für Yukiterus und Yunos zwischenmenschlicher Beziehung wichtig ist. Eifersucht, Freundschaft und Liebe gehen hier Hand in Hand und zeigen sehr gut, wie vielschichtig die einzelnen Figuren in Mirai Nikki sind. Es werden allerdings nicht nur Yukiteru und Yuno stärker charakterisiert, auch die zahlreichen Nebenfiguren haben ihre eigene Persönlichkeit, die in der zweiten Volume stark beleuchtet werden. Hinzu kommen Hintergrundgeschichten, die das Spiel auf Leben und Tod stark intensivieren: Zum Beispiel steht in der zehnten Episode Minene Uryū im Mittelpunkt der Handlung. Angereichert wird die Story relativ häufig mit düsterem und seichtem Humor.

Erwachsenes Erscheinungsbild

An der technischen Gestaltungsweise hat sich seit dem Seriendebüt glücklicherweise nichts verändert. Auf der optischen Seite besticht der Anime aus dem Jahr 2011 in der Auflösung von 1080p im bildschirmfüllenden 16:9-Format mit dunklen Farben, schaurig-schönen Effekten und mit diffusem Licht. Dennoch gibt es in der zweiten Volume einige Szenen, die bei Tageslicht oder in der Freizeit der Charaktere spielen, sodass auch genügend Raum für heitere Momente bleibt. Diese stehen im starken Kontrast zur düsteren Handlung, sind aber vor allem für die Entwicklung der Persönlichkeiten absolut notwendig. Die Musik im Tonformat DTS-HD 2.0 passt sich dem Geschehen jederzeit an, sodass die absolut düstere Atmosphäre durchgehend spürbar ist. Sowohl die deutschen als auch die japanischen Sprecher wissen zu gefallen; hier sollte die Wahl schlicht nach persönlichen Präferenzen getroffen werden. In puncto digitales Bonusmaterial sieht es leider noch düsterer aus als bei der ersten Volume, da es schlicht nicht existiert. Laut Herstellerangaben liegen jedoch Memo-Karten, ein 12-seitiges Booklet und ein Handy-Hintergrund zum Downloaden als physisches Bonusmaterial bei. Mirai Nikki bleibt in der zweiten Volume unterm Strich nach wie vor eine sehr tiefgründige und spannende Anime-Serie, die mit seiner erwachsenen Erzählstruktur für offene Münder sorgt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit der zweiten Volume von Mirai Nikki geht das Spiel auf Leben und Tod in die nächste Runde. Dieses Mal müssen sich Gasai Yuno und Amano Yukiteru nicht nur mit alten Feinden auseinandersetzen, sondern sich außerdem mit neuen Ärgernissen herumschlagen. Vertrautes wird mit Ungewohntem vermischt, was die Handlung frisch hält. Auch wenn diverse Charaktere wie der vierjährige Hōjō Reisuke stark überzeichnet sind und den Rand der Glaubwürdigkeit „knapp“ überschreiten, bleibt die Geschichte dennoch spannend und dank der erwachsenen Erzählung ist die Anime-Serie durchgehend stimmungsvoll. Letzteres liegt aber auch am düsteren Setting und der optischen und akustischen Gestaltungsweise, die der Qualität der ersten Episoden in Nichts nachsteht. Wer sich mit Mirai Nikki anfreunden konnte, darf auch gerne bei der zweiten Volume zuschlagen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mirai Nikki (Vol. 2)!

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