Review: Timespinner

Die Flut an Spielen, die sich an Elementen der Metroid- und Castlevania-Franchises orientieren, ebbt einfach nicht ab. Timespinner, das bereits 2018 als PC-Version veröffentlicht wurde, hat es im Juni 2019 auch endlich auf die Switch geschafft und begeistert dort auf ganzer Linie.

In Timespinner schlüpfen wir in die Haut der jungen Lunais, die auf ihrem Heimatplaneten Winderia auf ihre Rolle als Zeitbotin vorbereitet wird. Der Initiationsritus wird jedoch jäh vom bösen Lachiem-Imperium gestört, der auf der Suche nach dem titelgebenden Zeitspinner ist. Hierbei handelt es sich um ein gigantisches Rad, mit dem es möglich ist, durch Raum und Zeit zu reisen. Während des Angriffs der imperialen Truppen wird Lunais von ihrer Mutter zum Zeitspinner gebracht, um in die Vergangenheit zu reisen und den Konflikt mit dem Imperium zu lösen. Bei diesem Versuch stirbt Lunais’ Mutter, sodass sich die Handlung von Timespinner zu einer Rachegeschichte entwickelt. Dennoch bleibt die Story tiefgründig und wirft verschiedene Fragen auf. Diese werden weniger durch die Dialoge zwischen Lunais und den illustren Bewohnern des Imperiums und den Widerständlern vorangetrieben, sondern vor allem über verschiedene Dokumente gelüftet, die es überall in der Spielwelt zu finden gibt. Zum Verständnis der Handlung sind diese zwar nicht zwingend erforderlich, doch untermauern sie die teilweise ganz schön düstere Atmosphäre des Spiels wirklich sehr gut. So tauchen wir immer tiefer in das Szenario ein, erfahren mehr über Magie und Technologie des Universums und verstehen dadurch den einen oder anderen Zusammenhang ein wenig besser.

Symphonie des Zeitspinners

Beim Gameplay orientiert sich Timespinner stark an verschiedenen Ablegern der Metroid- und der Castlevania-Reihe. Insbesondere Castlevania: Symphony of the Night scheint eines der großen Vorbilder bei der Entwicklung gewesen zu sein. In der zweidimensionalen Spielwelt, die sich aus abwechslungsreich gestalteten Arealen zusammensetzt, bekämpfen wir mit Lunais verschiedene Arten von Monstern, plündern Truhen auf der Suche nach neuer Ausrüstung oder zerstören Mobiliar und andere Objekte, um an Geld zu kommen. Dieses geben wir wiederum bei Händlern aus, um unseren Vorrat an sonst eher spärlich vorhandenen Heilgegenständen aufzufrischen. Daran lässt sich erkennen, dass die grundlegenden Mechaniken des Gameplays ausnahmslos gut ineinandergreifen. Ebenfalls gut gelungen ist die Charakterentwicklung von Lunais, die über das Sammeln von Erfahrungspunkten vorangetrieben wird. Das funktioniert exakt wie bei Symphony of the Night über das Bekämpfen von Feinden. Wenn Lunais genug Erfahrung gesammelt hat, steigt sie im Level auf und erhöht damit ihre Attribute. Ebenso besteht die Möglichkeit, mit einem Begleiter wie einem kleinen Drachen oder einem Greifen Seite an Seite zu kämpfen. Der stets automatisch kämpfende Vertraute erhält ebenfalls Erfahrungspunkte und wird dementsprechend bis zum Ende immer stärker.

Zeitmanipulation als Gameplay-Mechanik

Im Rahmen der Kampfmechanik funktioniert Timespinner tadellos. Jede Bewegung von Lunais können wir pixelgenau kontrollieren, sodass Angriffe und Ausweichmanöver kein Problem darstellen. Auch das Wirken von magischen Spezialattacken ist mühelos möglich. Ein Alleinstellungsmerkmal von Timespinner ist aber in jedem Fall die Option, die Zeit um uns herum kurzfristig anzuhalten. So können in der Spielwelt Gegner für wenige Sekunden ungefährlich gemacht und als Sprungbrett auf höher gelegene Plattformen missbraucht werden. Bei Bosskämpfen können wir uns hingegen unbemerkt hinter den Gegner bewegen und diesem von dort aus das Fürchten lehren. Obwohl das Feature sehr gut funktioniert und niemals zu übermächtig ist, hätten wir uns weitere Einsatzmöglichkeiten gewünscht. Teilweise ertappen wir uns dabei sogar, wie wir die Zeitmanipulation völlig vergessen und in brenzligen Situationen gar nicht erst auf die Idee kommen, sie zu aktivieren. Das ist aber nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein, denn in allen anderen Belangen kann der Titel trotz des weitgehend abgekupferten Gameplays durchweg überzeugen. Vor allem die technische Seite kann begeistern: Abgesehen von unverständlichen Framerate-Einbrüchen, die wohlgemerkt selten auftreten, verzaubert die wunderbare 16-Bit-Grafik zusammen mit einem malerischen Soundtrack, bei dem jede Note den richtigen Ton trifft. Da wollen wir den Controller respektive die Switch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Timespinner ist wahrhaftig einer der besten Metroid-Klone mit Castlevania-Anleihen, die ich bisher spielen durfte. Die Story ist von der ersten Minute an interessant erzählt und wird außerdem regelmäßig mit neuen Informationen hintergründig ergänzt, wodurch die Atmosphäre noch ein klein wenig stimmungsvoller wird. Daran ist auch die Technik nicht ganz unschuldig, denn die charmante 16-Bit-Grafik beeindruckt mich im Zusammenspiel mit dem fabelhaften Soundtrack durchweg. Beim Gameplay hat sich Lunar Ray Games meiner Meinung nach jedoch zu stark an den Vorbildern orientiert, denn bis auf das Anhalten der Zeit gibt es keinerlei Alleinstellungsmerkmale. Gerade die Zeitmanipulation hätten die Entwickler ruhig noch etwas ausbauen und so noch etwas mehr Abwechslung ins Spiel bringen können. Dennoch gehört Timespinner definitiv zu den besten Download-Titeln des Jahres und jeder, der nur halbwegs etwas mit Metroid oder den davon inspirierten Castlevania-Spielen anfangen kann, sollte unbedingt zuschlagen!

 

2 Kommentare zu “Review: Timespinner

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