Review: Tōkyō Ghoul:re (Vol. 1)

Nachdem Kazé Anime bereits 2015 die Anime-Serie Tōkyō Ghoul und 2016 die zweite Staffel alias Tōkyō Ghoul √A veröffentlicht hatte, begann der Publisher im März 2019 damit, auch die dritte Season mit dem Titel Tōkyō Ghoul:re im deutschsprachigen Raum zu veröffentlichen.

An der Prämisse von Tōkyō Ghoul:re hat sich seit der ersten Staffel grundsätzlich nur wenig bis gar nichts verändert. Nach wie vor leben unter der Tōkyōer Bevölkerung Ghule, die Jagd auf Menschen machen, um auf eine sehr blutrünstige Art und Weise zu überleben. Leicht zu erkennen sind diese in der Gesellschaft allerdings nicht, da sie dieselbe Morphologie wie die Menschen aufweisen. Wer die ersten beiden Staffeln gesehen hat, wird sich auch in Tōkyō Ghoul:re schnell zurechtfinden. Alle anderen kommen in den Genuss einer kurzen Einführung zu Beginn der ersten Episode. Empfehlenswert ist der direkte Einstieg ins Franchise jedoch nicht, da hin und wieder auf Ereignisse eingegangen wird, die in den ersten beiden Staffeln stattfinden. Zeitlich spielt die Handlung zwei Jahre nach dem Ende von Tōkyō Ghoul √A, mit dem Unterschied, dass sich der Blickwinkel verschiebt. In den vorherigen Staffeln wurden allen voran die Ghule vorgestellt, die innerlich meist zerrissen waren. Die Tauben, sprich die polizeilichen Einsatzkräfte, wurden im Gegensatz dazu eher am Rande und noch dazu als Feinde thematisiert. Tōkyō Ghoul:re lässt den Zuschauer das Geschehen weitgehend aus der Sichtweise der Tauben erleben, die mit den Quinks gar eine neue Spezialeinheit gegründet haben. Dies ist ein äußerst interessanter Kniff, da der Spieß inhaltlich quasi umgedreht wird.

Perspektivenwechsel

Bei den Quinks handelt es sich um polizeiliche Ermittler, deren Genetik manipuliert wurde, sodass sie ähnlich wie die Ghule die Möglichkeit haben, direkt aus ihrem Körper Waffen wachsen zu lassen. Ein aus Sicht der Polizei sicherlich genialer Ansatz, der bisher jedoch kaum zu Erfolgen geführt hat. Die Quinks übernehmen Aufträge, um verschiedene Ghule wie beispielsweise den „Nussknacker“ genannten Ghul zu jagen, der gekleidet in Lack und Leder seinen männlichen Opfern vorher den Hoden zerquetscht. Allerdings hat die Handlung das Problem, nur sehr langsam in Gang zu kommen. Ständig verliert sich die Story in der Hierarchie des Polizei-Apparats oder anstatt tatsächlich ihre Gegner zu jagen, besuchen die Quinks ein Café, um gemeinsam Kaffee zu trinken. Nebenher läuft dann auch irgendwie noch der Haupthandlungsstrang um Urie Kuki, dem Leiter der Quinks, und Shirazu Ginshi, ab. Diese sind auf der Suche nach dem gefährlichen Ghul Torso, der Menschenfrauen tötet und seinem Namen mit der Verspeisung der Frauentorsos alle Ehre macht. Allerdings wird auch das nur in kleinen Segmenten peu á peu erzählt, was auf Dauer etwas ermüdend ist. Nachdem die zweite Season bereits nicht an die Qualität der ersten Staffel anknüpfen konnte, ist das leider eine kleine Enttäuschung. Hier erwartet der Zuschauer von Studio Pierrot einfach viel mehr.

Dreidimensionale Tiefe

Visuell erinnert die dritte Staffel sehr an die beiden vorherigen Seasons. Hintergründe wirken im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p sehr authentisch und werden mit hübschen Licht- und Schatteneffekte aufgewertet. Teils haben diese eine paralysierende Wirkung auf den Zuschauer, zumal viele Umgebungen auch dreidimensional eingefangen werden und so eine aufgebohrte Darstellungsebene erreichen, die direkten Bezug auf die Geschichte nimmt. Schon in der ersten Episode gibt es eine kurze Verfolgungsjagd durch Japans Hauptstadt, bei der Elemente durch den dreidimensionalen Raum geschleudert werden und so den Zuschauer recht tief ins Geschehen eintauchen lässt. Hinzu kommt eine erwachsene Inszenierung der Charaktere, die ausreichend genug animiert sind, um vor allem die dynamischen Kämpfe zwischen den Ghulen und Quinks mit reichlich Action auszustatten. Unter akustischen Gesichtspunkten wird die Serie oft mit ruhiger, an angebrachter Stelle auch mit etwas adrenalingetränkter Musik im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 unterlegt. Auch die japanischen und deutschen Synchronsprecher wurden meist gut gewählt, wobei die japanischen Stimmen ein wenig authentischer wirken. Als Boni winken Clear Opening und Clear Ending und ein physisches Booklet. Erstkäufer kommen zudem in den Genuss einer limitierten Sammlerbox, in der am Ende alle vier Volumes ihren Platz finden können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach der etwas schwächeren zweiten Staffel des Franchises wäre die dritte Season, also Tōkyō Ghoul:re, eine gute Möglichkeit gewesen, sich mit den Fans zu versöhnen. Der Perspektivenwechsel, sprich eine gänzlich neue Story aus der Sicht der polizeilichen Ermittler zu erzählen, ist hierbei eine wirklich großartige Idee. Allerdings scheinen die Köpfe hinter dem Projekt nicht genau zu wissen, wie sie die Geschichte strukturieren wollen. Es kommen relativ viele Charaktere vor, für deren vernünftige Einführung in gerade einmal drei Episoden in der ersten Volume kaum Zeit bleibt. Hinzu kommt, dass ständig zwischen einzelnen Erzählsträngen gesprungen wird, ohne dass der vorherige logisch zu Ende erzählt wird. Es lässt sich unglaublich schwierig einschätzen, wie sich diese Staffel in den kommenden drei Volumes entwickeln wird. Die Grundlagen für eine vernünftige Handlung sind mit der ersten Ausgabe zwar gelegt, doch müssen die drei kommenden Volumes zeigen, welches Potenzial tatsächlich in der Serie schlummert.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul:re (Vol. 1)!

 

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