Review: Mirai Nikki: Redial

Nachdem die Anime-Serie Mirai Nikki im Februar 2019 mit der fünften Volume abgeschlossen wurde, veröffentlichte Kazé Anime im März 2019 die zwei Original Video Animations auf einer Disc. Wie sich herausstellt, ist die erste Original Video Animation dabei, genauer gesagt Mirai Nikki: Redial, für das Verständnis der Serie sehr wichtig.

Mirai Nikki: Redial, so der Titel der ersten Original Video Animation, knüpft an das Ende der Serie an. Nachdem Gasai Yuno in eine Paralleldimension geflohen ist und Amano Yukiteru die Verfolgung aufgenommen hat, endete die Handlung überraschenderweise nicht mit dem Liebesselbstmord zwischen den beiden, sondern mit dem Freitod von Yuno. Dadurch erlangte Yukiteru den Status eines Gottes und ersetzte damit Deus ex machina. Auf der Erde nimmt hingegen alles seinen gewohnten Lauf, sodass Yuno und ihren Freunden auch Zeit für schöne Momente wie einen Strandurlaub bleibt. Dementsprechend fehlt es der Serie ein wenig an Dynamik, denn während zuvor noch stringent auf ein Ziel hingearbeitet werden konnte, muss sich die Original Video Animation nun mit der Lösung des Finales auseinandersetzen, was keine leichte Aufgabe ist. Im Mittelpunkt von Mirai Nikki: Redial steht Yunos Doppelgängerin aus der Parallelwelt, die auf der einen Seite zwar sorgenfrei leben kann, auf der anderen Seite aber durchweg in Gedanken versinkt. Andauernd hat sie das Gefühl, dass sie etwas oder jemanden vergessen hat. Hinzu kommt, dass sie damit beginnt, Selbstgespräche zu führen und in die Akasha-Chronik eindringt, ohne einen besonderen Grund dafür zu kennen. Das ist nicht nur für Yuno ganz schön verwirrend, sondern auch noch für den Zuschauer.

Dreißigminütige Abschlussfolge

Da in der Paralleldimension der Status quo vorherrscht, gibt es in Mirai Nikki: Redial auch ein Wiedersehen mit Charakteren, die in der Serienhandlung im Zuge des Spiels auf Leben und Tod bereits das Zeitliche segnen mussten. Unter anderem stellt sich in der Akasha-Chronik Aru Akise der Protagonistin in den Weg und auch das Abbild von Deus ex machina ist wieder einmal mit von der Partie. Yukiteru kommt im Gegensatz zu Yuno nur am Rande vor, verweilt er doch seit zehntausend Jahren in seiner göttlichen Sphäre und vermisst seine Freundin von ganzem Herzen. Ob es für die beiden ein Happy End gibt, soll an dieser Stelle offengelassen werden. Dennoch wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, dass das Ende eigentlich Teil der Serie hätte sein müssen, denn der Abschluss ist wesentlich befriedigender als zuvor, wenn auch bei Weitem nicht so, wie es vielleicht erwartet werden würde. Während Mirai Nikki: Redial mit einer Laufzeit von dreißig Minuten ähnlich lang wie eine Episode der Serie ist, fällt die zweite Original Video Animation mit zehn Minuten wesentlich kürzer aus. Inhaltlich dreht sich diese um den Serienauftakt in stark verkürzter Form, ist damit nahezu überflüssig und sollte eher als netter Bonus neben den ebenfalls digital vorhandene Skizzen-Galerie gesehen werden. Wer die Serie noch einmal sehen möchte, sollte lieber mit der ersten Volume beginnen.

Technisches Gerüst mit Sommer-Feeling

Unter technischen Gesichtspunkten können die beiden Original Video Animations im Grunde mit denselben Merkmalen wie die Anime-Serie aufwarten. So sind die Charakterzeichnungen zwar stimmig, aber nicht immer ausgiebig animiert. Dennoch passen sie hervorragend zum eigentlich düsteren Setting, das diesmal aber mit sehr viel Humor aufgelockert wird. Das passt auch zum knallbunten Sommer-Feeling während des Strandurlaubs. Schade ist jedoch, dass die erwachsene Erzählweise auf diese Weise ein wenig torpediert wird. Auch das Ende, das nun den wahren Abschluss der Geschichte darstellt, hätte noch ein paar Minuten mehr brauchen können. Es kommt viel zu plötzlich und scheint eine Notlösung zu sein, um das strittige Finale der fünften und letzten Volume der Anime-Serie zu relativieren. Trotzdem wirkt das Gezeigte im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p stets stimmig. Auch die musikalische Untermalung im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 passt wieder einmal sehr gut zu den einzelnen Szenen, wenn verständlicherweise auch nicht mit der Dynamik der Serie gearbeitet werden kann. Sowohl die deutsche als auch die japanische Tonspur wartet mit tollen und aus der Serie bekannten Sprechern auf. Unterm Strich bleibt eine Original Video Animation, um die Fans für ein besseres Ende trotz Mankos nicht herum kommen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl Mirai Nikki zwei Dutzend Episoden lang eine verdammt gute und tiefgründige Geschichte erzählt, verfällt die Anime-Serie beim großen Finale komischerweise in theoretische Ansätze und baut Paralleldimensionen ein. Das wäre im Grunde der Auftakt für eine ganze zweite Staffel gewesen, doch entschlossen sich die Verantwortlichen lieber dazu, die Serie enden zu lassen. Das eher unbefriedigende Ende der Serie wird durch die Original Video Animation Mirai Nikki: Redial aber nur halbwegs relativiert. Schlussendlich bleibt das Gefühl, dass das genauso in einer weiteren Episode der Serie hätte gelöst werden können – und auch dann hätten die Köpfe hinter dem Projekt noch ein paar Minuten dranhängen müssen. Obwohl das Ende durchaus diskussionswürdig ist, ist Mirai Nikki dennoch eine der interessantesten Anime-Serien der 2010er-Jahre. Auch mit dem verbesserungswürdigen Abschluss gehören die Original Video Animations in die Sammlung eines jeden Fans der Serie.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mirai Nikki: Redial!

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