Review: Tōkyō Ghoul:re (Vol. 2)

Im März 2019 legte der Publisher Kazé Anime mit der Veröffentlichung der ersten Volume von Tōkyō Ghoul:re den Grundstein für die dritte Staffel des beliebten Franchises, woraufhin dann im April 2019 das zweite Episodenpaket folgte, das der ersten Ausgabe in Nichts nachsteht.

Exakt wie in der ersten Volume von Tōkyō Ghoul:re befinden sich im zweiten Episodenpaket abermals drei Folgen, die sich um eine von Ghulen und Menschen bevölkerte Welt drehen. Im Herzen von Tōkyō verstecken sich Ghule innerhalb der Bevölkerung, die sich wiederum von den Menschen, die sie einst waren, ernähren. Während Serienkenner wohl keine Probleme beim Einstieg in die dritte Season gehabt haben dürften, fühlte sich die Exposition vor allem für Neulinge etwas zu gerafft und unaufgeräumt an. Wer die erste Volume jedoch hinter sich gebracht hat, wird mit der diesmal sich wesentlich stringenter anfühlenden Handlung deutlich eher anfreunden können. Die vierte und damit zugleich erste Folge der zweiten Ausgabe beginnt äußerst makaber: Ein seltsamer Jongleur spielt vor reichlich Publikum auf einer Bühne mit Menschenaugen und leitet die Show ein. Damit ist eine Auktion gemeint, in der von den Ghulen gefangene Menschen, die im besten Falle gar einen prominenten Status haben, versteigert werden. Bei ihren Ermittlungen auf der Suche nach dem „Nussknacker“, einem durchtriebenen Ghul, wurde auch Mutsuki Tōru von den Ghulen gefangen genommen. Da sie als Halb-Ghula besonders interessant für die Bietenden ist, wird ihr Preis in absurde Höhen getrieben. Was die Auktionatorin noch nicht weiß: Die Polizei ist ihr dicht auf den Fersen.

Vergangenheitsbewältigung eines Ghuls

Obwohl in der vierten Episode der Eindruck erweckt wird, dass auch wieder etwas stärker auf die Ghule eingegangen wird, stehen die Einsatzkräfte weiterhin im Mittelpunkt der Erzählung. Das ist schon in der fünften Folge zu erkennen, denn in dieser tritt die Spezialeinheit Quinks auf den Plan, um gegen den Nussknacker und sein Gefolge anzutreten. So kommunizieren die Quinks vor Ort untereinander, bekommen ihre Instruktionen jedoch auch aus der Zentrale, womit der Polizei-Apparat automatisch in die Handlungsstruktur eingewebt ist. Sasaki Haise nimmt in dem blutigen Gemetzel vor Ort eine tragende Rolle ein, denn er muss sich innerlich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen und zugleich für seine gesetzestreuen Freunde antreten. Insbesondere in der sechsten Folge wird dieser Zwiespalt in der Gedankenwelt von Haise auf die Spitze getrieben. Hier darf gespannt auf die nächsten Volumes geblickt werden, in denen dieses Element weiterhin aufgegriffen wird. Visuell verfolgen übrigens alle Episoden der zweiten Volume das gleiche Konzept wie die vorherigen Folgen. Wie zuvor wirken also auch diesmal sämtliche Hintergründe im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p realitätsnah. Licht- und Schatteneffekte sorgen dafür, dass der Zuschauer im düsteren Setting des Auktionshauses regelrecht mit optischer Abwechslung attackiert wird.

Bekanntes Konstrukt

Auch die Auseinandersetzungen zwischen den Tauben und den Ghulen sind ebenfalls wieder spannend, werden aber nicht annähernd so dynamisch wie noch im Serienauftakt dargestellt. Stattdessen wird hin und wieder mit Verschleierungstechniken gespielt, sodass gelegentlich nur die Konsequenz, nicht aber die Aktion selbst zu sehen ist. Akustisch bleibt die Serie dem Serienauftakt jedoch treu, denn im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 werden alle Szenen mit der passenden Musik unterlegt. Bedrohliche Szenen werden beispielsweise mit sanften Klavierklängen unterlegt, während in den Kämpfen härtere Töne angeschlagen werden. Bei den Stimmen der Figuren wurden sowohl in der deutschen Synchronisation als auch in der japanischen Originalfassung gute Sprecher ausgewählt. Wie bei der ersten Volume ist das Japanische dennoch ein wenig authentischer. Digitales Bonusmaterial gibt es diesmal leider nicht, dafür aber ein kurzes und kompaktes Booklet mit Episodenguide, Charaktervorstellung und kurzen Kommentaren. Hier wäre beispielsweise mit etwas längeren Interviews oder Analysen der Schauplätze zwar wesentlich mehr möglich gewesen, doch unterm Strich fühlt sich die Serie in der zweiten Volume definitiv bodenständiger an als zuvor. Animationsstudio Pierrot darf sich an diesem Umstand gerne für die nächsten Folgen und Projekte orientieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit dem ersten Episodenpaket von Tōkyō Ghoul:re konnte Animationsstudio Pierrot zwar in die neue Story einführen, blieb dabei jedoch recht sprunghaft. Es konnte sich noch nicht wirklich ein Handlungsstrang entwickeln, was die Einschätzung der Serie durchaus erschwert hat. Bei der zweiten Volume, die sich komplett um eine Auktion und Menschenversteigerungen dreht, fühlt sich die Geschichte schon sehr viel bodenständiger an. Sie wird auf einmal stringenter erzählt und beleuchtet im passenden Maße und genau zur richtigen Zeit die Charakterzüge der Figuren. Insbesondere die Vergangenheit von Sasaki Haise ist ein elementarer Bestandteil der Erzählung, die besonders für Serienkenner eine Genugtuung ist. So lässt sich sagen, dass auf eine schwache Exposition eine wirklich starke Fortsetzung folgt, auf die die nächsten Episoden aufbauen können. Das Potenzial der Anime-Serie wurde damit aufgedeckt, jetzt muss Animationsstudio Pierrot die Karten nur noch geschickt ausspielen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul:re (Vol. 2)!

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