Review: Liz und der blaue Vogel

Am 21. April 2018 wurde der Anime-Film Liz und der blaue Vogel erstmals in den japanischen Lichtspielhäusern gezeigt. Hierzulande wurde das Werk von Regisseurin Yamada Naoko erst gar nicht flächendeckend ins Kino gebracht, sondern direkt für den Heimkinomarkt vorbereitet.

Liz und der blaue Vogel ist in zwei elementare Handlungsbögen unterteilt. Einerseits erzählt der Anime-Film die Geschichte um Yoroizuka Mizore und ihre beste Freundin Kasaki Nozomi, andererseits wird auch das Märchen um Liz und einen blauen Vogel erzählt, das innerhalb der Handlung um Mizore und Nozomi als alleinstehendes Element integriert ist. Gezeigt wird vor allem der Schulalltag von Mizore und Nozomi, allen voran ihr Beitrag im Schulorchester und die Interaktion mit den anderen Teilnehmern. Ihre Aufgabe ist, sich auf einen kommenden Auftritt vorzubereiten. Dazu müssen Mizore und Nozomi sich mit den Melodien, die für das  Märchen „Liz und ein blauer Vogel“ komponiert wurden, auf tiefgründige Art und Weise auseinandersetzen. So wird Musik zum zentralen Element, das die beiden Handlungsstränge miteinander verknüpft. Mizore und Nozomi müssen sich beim Proben jedoch auch mit ihrer zwischenmenschlichen Beziehung kümmern. Diese wird nicht gänzlich positiv, zu einem guten Teil auch melancholisch und manchmal sogar fast schon apathisch charakterisiert. Letzteres ist zwar von Regisseurin Yamada beabsichtigt, erschwert dem Zuschauer allerdings dem Folgen der Handlung, zumal die Dialoge ruhig und langsam aufgebaut sind und eine gewisse Dynamik vermissen lassen. Dies ist auf Dauer recht ermüdend, obwohl manche Story-Aspekte durchaus interessant sind.

Parallele Handlungen und Motive

Im anderen Part der Geschichte erlebt der Zuschauer die Geschichte der titelgebenden Liz, die zu Beginn der parallel ablaufenden Handlung ein namenloses Mädchen bei sich zuhause aufnimmt. Da sie zuvor allein gelebt hat, möchte sie nicht, dass das Mädchen jemals wieder geht. Diese Verlustängste werden wiederum über den titelgebenden blauen Vogel thematisiert und mit dem Freiheitsbegriff gleichgesetzt. Beide Handlungsstränge weisen hierbei Parallelen auf, die sich dem Zuschauer mit der Zeit immer mehr erschließen und einige herzzerreißende Momente parat halten. Unter visuellen Gesichtspunkten haben sich die Zeichner von Liz und der blaue Vogel an verschiedenen Stilen orientiert, wobei vor allem eine technische Grenze zwischen beiden Erzählsträngen gezogen wird. Während die Handlung um Mizore und ihre Freundin Nozomi zu großen Teil computeranimiert ist, greifen die Zeichner beim Märchen um Liz auf alte Zeichentechniken zurück. Hier werden unter anderem Szenen mit Wasserfarbe oder der Verwendung von Wachsmalstiften ausgeschmückt. Einfarbige Farbkleckse sind hier und da ebenfalls zu erkennen, was den Märchenanteil zu einem sehr abwechslungsreichen Erlebnis macht. Kameratechnisch sind gelegentlich sehr schnelle Schnitte und vor allem Nahaufnahmen genau die Charakteristika, die dem Zuschauer sofort ins Gesicht springen.

Musikbetonter, aber ruhiger Film

Bei den Kamerafahrten wurde vor allem auf sanfte Bewegungen gesetzt, die beim Zuschauer für ein wohliges Gefühl sorgen. Allerdings sind feste Einstellungen im Film vorherrschend, sodass es auch viele Szenen im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p gibt, die den Fokus auf die äußerst feinen Animationen der Charaktere legen. Ergänzend zur Szenerie ist der Soundtrack von den Komponisten Ushio Kensuke und Matsuda Akito zu erwähnen, der handlungsbedingt in erster Linie auf den Einsatz von Flöte und Oboe setzt, aber zur akustischen Untermalung weniger inhaltsbezogener Szenen auch mit Klaviermusik und durch Glockenspiel erzeugte Klänge arbeitet, die dem Film eine eigene auditive Note verleihen. Sowohl die deutsche als auch die japanische Tonspur liegen im Tonformat DTS-HD 5.1 vor, sodass die Musik in beiden Varianten klar aus den Lautsprechern plätschert. Während bei den japanischen Sprechern Tanezaki Atsumi Mizore spricht und die aus Nisekoi: Liebe, Lügen und Yakuza bekannte Tōyama Nao Nozomi ihre Stimme verleiht, werden die Charaktere im Deutschen von Katharina Stark und Zina Laus gesprochen. Beide Varianten funktionieren hervorragend, auch wenn es teilweise leichte Abweichungen bei den Untertiteln gibt, die nur auf die japanische Synchronisation aufbauen. Im Bonusmaterial sind ein Musikvideo, zwei Trailer, zwei Fernsehspots, ein Szenerie-Clip und ein 24-minütiges Making-of enthalten, was den Zuschauer auch nach dem Abspann motiviert, sich weiter mit dem Film zu beschäftigen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Liz und der blaue Vogel erzählt nicht nur eine, sondern gleich zwei kleine Geschichten, die parallel zueinander ablaufen. Auf der einen Seite wird dem Zuschauer eine Handlung um zwei beste Freundinnen vorgesetzt und auf der anderen Seite erfährt er mehr über die titelgebende Liz und den blauen Vogel. Willkürlich ist diese duale Erzählweise keinesfalls, denn beide Handlungsstränge greifen vor allem mit ihrer Musik ineinander. Hierbei handelt es sich auch um das Element, das die Story um Mizore und Nozomi vorantreibt. Da sich die Geschichte nur langsam entwickelt und vor allem die Dialoge sehr ruhig und vor allem nicht dynamisch sind, kann der Anime-Film von Regisseurin Yamada Naoko auch mal etwas langatmig sein. Dennoch ist der Inhalt mit den Konflikten zwischen den Figuren herzzerreißend und lässt den Emotionen des Zuschauers gerne freien Lauf. Hinzu kommt, dass im Film mit verschiedenen Zeichenstilen gearbeitet wurde, sodass er vor allem mit der ungewöhnlichen Visualisierung aus der Masse heraussticht. Wer sich für künstlerisch wertvolle Anime-Filme interessiert, wird Liz und der blaue Vogel sicher mögen. 

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liz und der blaue Vogel!

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