Review: The Ancient Magus Bride (Vol. 1)

Obwohl die Manga-Reihe Die Braut des Magiers beim Verlag Tokyopop erscheint, konnte sich der hiesige Publisher Kazé Anime die Rechte für die Anime-Serie sichern. Die erste Volume von The Ancient Magus Bride erschien im November 2019 und lässt die Zauberei beginnen.

Im Mittelpunkt der Erzählung von The Ancient Magus Bride steht die fünfzehnjährige Hatori Chise, der zu Beginn der Handlung auf vermeintlich freiwilliger Basis Ketten angelegt und für fünf Millionen Pfund Sterling an den zunächst undurchschaubaren Elias Ainsworth versteigert wird. Er hält sie weder als Sklavin noch als Dienerin – und behandelt sie außerordentlich mit Respekt und Anstand, sieht sie sogar als Teil seiner Familie. Letzteres ist für Chise von ganz besonderer Bedeutung, da sie ihre letzten lebenden Verwandten nicht als Familie ansieht. Stattdessen will der Magier sie in seinem Haus außerhalb Londons als seine neue Schülerin unterrichten. Als eine Slay Vega zieht sie fantasievolle Wesen wie Feen magisch an, woher wohl auch das Interesse von Elias rührt. Hinzu kommt, dass er Chise nicht nur ausbilden, sondern auch noch ehelichen will, womit dann auch der Titel The Ancient Magus Bride geklärt sein dürfte. Ironischerweise tickt Chise am Ende der ersten Episode, in der Elias seinen Plan offenbart, nicht aus. Stattdessen lässt sie alles auf sich zukommen und konzentriert sich in erster Linie auf ihre Ausbildung zur Magierin. Moralische Unterstützung erhält Chise unter anderem von der Magierin Angelica Barley, die sie in die Grundlagen einweist. Elias bemüht sich aber ebenso, um zu Chise vorzudringen und mehr über das Mädchen zu erfahren.

Besonnene, charmante und ruhige Erzählung

Handlungstechnisch bauen die ersten Episoden von The Ancient Magus Bride logisch und stringent aufeinander auf. Beispielsweise reisen Chise und Elias in der zweiten Serienfolge nach Island, um ein Drachennest aufzustöbern. Bei diesem Unterfangen wird Chise von einer der legendären Kreaturen mitsamt Drachenreiter entführt, wodurch sich in der dritten Episode die Story diesbezüglich weiterentwickeln kann. Wer bei dieser Umschreibung eine Handlung voller Dramatik und Romantik erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Die Anime-Serie vom Wit Studio, das sich auch für Attack on Titan oder Kabaneri of the Iron Fortress verantwortlich zeigt, erzählt gegen alle Erwartungen eine ruhige und entspannende Geschichte, die sich in ihrer Exposition sehr viel Zeit nimmt, um die Ausgangslage zu schildern und Charaktere zu zeichnen. Aufgrund der Erzählweise, die selbst ernste Angelegenheiten locker präsentiert, bleibt in The Ancient Magus Bride an mehreren Stellen Platz für Humor. Unter anderem wird Elias’ Kopf, der das bedrohliche Aussehen eines Wolfsschädels mit den Hörnern einer Ziege hat, während eines Gesprächs mit dem Priester Simon Callum einfach abgedeckt. An anderer Stelle ist wiederum die Erklärung, die Chise bezüglich der Flugunfähigkeit der Menschen an die Drachenkinder gibt, genauso charmant wie die besonnene und ruhige Erzählweise.

Vielschichtige Reflektion der Innenwelt

Wenig überraschend für ein Werk vom Wit Studio sind die Charaktere in The Ancient Magus Bride detailliert gestaltet und fügen sich hervorragend in die vielschichtige Geschichte um Hoffnung, Verlust, Trauer und Lebensfreude ein. Lediglich diverse Hintergründe sind zu steril und hätten etwas mehr Abwechslung verdient. Schade ist ebenfalls, dass in der deutschen Vertonung ein paar englische und japanische Begriffe falsch ausgesprochen werden. Warum das bei der Synchronisation nicht auffiel, ist fraglich. So wird der Zuschauer regelmäßig aus der zauberhaften Atmosphäre herausgerissen, obwohl allen voran die deutschen Synchronsprecher Franciska Mirka Friede und Achim Buch wie gemacht für ihre Rollen Chise und Elias zu sein scheinen. Besonders in den zahlreichen emotionalen Szenen vermitteln sie dem Zuschauer einen authentischen Blick in die Innenwelt der Charaktere. Wer auf eine korrekte Aussprache wert legt, sollte hingegen unbedingt die japanische Sprachfassung auswählen. Hier darf sich der Zuschauer wiederum über die Stimmen von Tanezaki Atsumi und Takeuchi Ryōta freuen, die den Figuren vor einer verträumten musikalischen Kulisse nicht weniger Persönlichkeit verleihen. Neben der physischen Sammelbox der Limited Edition fällt der digitale Bonus mit einem Clean Opening und einem Clean Ending leider sehr marginal aus.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Ancient Magus Bride ist nicht das, was der Titel der Anime-Serie suggeriert. Dramatik, Romantik und alles was damit zu tun hat, ist in den ersten sechs Episoden aufs Nötigste reduziert. Stattdessen konzentriert sich die Erzählung auf die Charakterisierung von Chise und Elias, baut dabei Stück für Stück ihre Beziehung aus und schickt die Figuren in verschiedene Situationen, die sie lösen müssen. Positiv fällt auf, dass die einzelnen Geschichten trotz unterschiedlicher Inhalte aufeinander aufbauen. Die verschiedenen Akzente, die diese kleinen Geschichten setzen, werden vor allem von Chise reflektiert, was die Figur unglaublich menschlich erscheinen lässt. Somit ist der Serienauftakt, abgesehen vom mageren Bonusmaterial, sehr gelungen und macht Lust auf die kommenden 18 Episoden von The Ancient Magus Bride!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Ancient Magus Bride (Vol. 1)!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s