Review: Star Wars: Squadrons

Durch den Exklusivdeal mit Disney steht Electronic Arts bei vielen Star-Wars-Fans immer noch in der Bringschuld. Mit Star Wars: Jedi – Fallen Order hat der Konzern im Jahr 2019 sehr gut vorgelegt, doch mit Star Wars: Squadrons gelingt ihm das Kunststück nicht ganz.

Zwischen 1998 und 2003 erschienen gleich drei Teile der Rogue-Squadron-Serie aus dem Star-Wars-Universum. Mit diesen Spielen hat das 2020 veröffentlichte Star Wars: Squadrons höchstens vom Namen her eine Ähnlichkeit, denn spieltechnisch fühlt sich der Titel eher wie ein spiritueller Nachfolger zu Star Wars: X-Wing vs. Tie Fighter von 1998 mit einem Schuss Wing Commander aus dem Jahr 1990 an. Angesiedelt ist Star Wars: Squadrons fernab der Eröffnungssequenz, die die Auswirkungen der Zerstörung von Alderaan durch den ersten Todesstern thematisiert, nach der Schlacht von Endor. In der Einzelspielerkampagne des Spiels schlüpfen wir abwechselnd in die Haut eines unbekannten Piloten der Neuen Republik und des Imperiums. So erfahren wir zwei Sichtweisen des unermüdlichen Kriegs, was uns grundsätzlich gut gefällt. Vorangetrieben wird die Story einerseits über die Kommunikation während der Schlachten. Andererseits sind es aber auch Dialoge, die wir im Hangar und im Besprechungsraum mit wichtigen Akteuren führen, die die Handlung bereichern sollen. Die Betonung liegt hierbei auf „sollen“, denn ein Großteil der Charaktere ist eher langweilig und versprüht auch nach Stunden nicht das Star-Wars-Feeling, das wir erwarten. Auftritte von bekannten Figuren wie Wedge Antilles sind da tatsächlich das Höchste der Gefühle.

X-Wing vs. Tie Fighter

Viel wichtiger ist ohnehin das Gameplay von Star Wars: Squadrons und in dieser Disziplin kann das Spiel punkten. Während wir im Hangar und im Besprechungsraum lediglich auf Mausklick oder Knopfdruck zwischen den einzelnen Interaktionsmöglichkeiten wählen, sitzen wir während der Missionen komplett im Cockpit eines X-Flüglers oder Tie-Jägers. Haben wir den Hangar verlassen, stoßen wir auch schon in die Weiten des Weltraums vor. Hier visieren wir jeweils die Gegenseite an, feuern wild drauf los und liefern uns so hitzige Kurvenkämpfe im All. Im Gegensatz zur eingangs erwähnten Rogue-Squadron-Reihe erleben wir den Krieg aber nicht aus der Verfolgeransicht. Stattdessen kämpfen wir uns aus der Ego-Perspektive durch die Missionen. Das Geschehen erleben wir also durchweg aus dem Cockpit unseres Raumschiffs, was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Veteranen, die bereits mit X-Wing vs. Tie Fighter oder den beiden Vorgängern reichlich Erfahrung gesammelt haben, werden sich entsprechend schneller zurechtfinden. Der Schwierigkeitsgrad steigt jedoch angenehm an, denn in den ersten Missionen lernen wir sämtliche wichtigen Befehle. Zum Beispiel erfahren wir, wie wir Gegner oder andere Ziele anvisieren oder scannen können. Ebenfalls wichtig ist natürlich zu wissen, wie wir Zielsuchraketen abfeuern oder diesen selbst ausweichen dürfen.

Volle Kontrolle übers Cockpit

Am interessantesten ist jedoch die Energieversorgung unseres Raumschiffs. So müssen wir in Star Wars: Squadrons die Situation ständig neu bewerten, denn manchmal ist es wichtig, die Energie auf unsere Schilde umzuleiten, um bei starkem Beschuss weniger Schaden zu nehmen. Hinzu kommt, dass wir uns auch entscheiden müssen, ob der Schutz eher den Bug oder das Heck unseres Schiffs betrifft. Müssen wir vor einem Feind fliehen, ist es hingegen ratsam, die Energie auf die Triebwerke zu verteilen. Wenn wir uns dann wiederum einem Gegner schnell entledigen wollen, erhalten unsere Waffensysteme die nötige Energie. Dadurch sind wir dann natürlich etwas langsamer und anfälliger für feindliche Laser-Geschosse. Wird unser Schiff in Mitleidenschaft gezogen, können wir es in Intervallen auch durch unseren Astromechdroiden reparieren lassen. Raketennachschub können wir auf Knopfdruck ebenfalls anfordern. Diese Befehle lassen sich zwar alle mit etwas Übung problemlos mit Maus und Tastatur umsetzen, doch mit einem Controller in den Händen lassen sich die Vehikel von Star Wars: Squadrons gefühlt besser steuern. Haben wir die je nach Empfinden kurze Kampagne durchgespielt, können wir uns in den Mehrspielermodus stürzen. Hier wird unser ganzes Können gefordert, denn das mehr schlechte als rechte Matchmaking würfelt Anfänger mit Profis zusammen.

Spürbare Star-Wars-Atmosphäre 

Gelungener ist da schon die Star-Wars-Atmosphäre, die sowohl im Singleplayer- als auch im Multiplayer-Modus von Star Wars: Squadrons zur Geltung kommt. Wenn wir mit Offizieren in der Basis quatschen und uns dabei umsehen, fühlen wir uns wahrhaftig wie mitten in einem der drei klassischen Filme. Selbiges betreffen die Schlachten, denn wenn sich die Kollegen über Funk melden und zum Angriff blasen, können einem Fan schon mal die Tränen kommen. Das gilt auch für die optische Gestaltung des Spiels, denn obwohl wir uns hauptsächlich nur durchs All bewegen, sehen alle Raumschiffe genauso aus, wie wir sie bereits aus den Filmen kennen. Lediglich beim Vorbeiziehen an größeren Schiffen wie zum Beispiel den imperialen Sternenzerstörern haben wir uns gedacht, dass diese doch eigentlich noch etwas opulenter ausfallen müssten. Nichtsdestotrotz sorgen gerade in diesen Momenten, wenn das Feuer auf uns gerichtet wird oder wir im X-Wing sitzend selbst auf unsere Gegner schießen, vor allem die Soundeffekte für reichlich Star-Wars-Flair. Die deutsche Synchronisation des Spiels ist aber nur halbwegs gelungen. Während manche Sprecher überzeugen, fühlen sich andere schlicht unpassend an. Unterm Strich ist Star Wars: Squadrons immer noch ein solides Spiel, das in unseren Augen aber zu wenig Umfang bietet, um länger als zehn Stunden zu unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Star Wars: Squadrons ist für sich genommen bei Weitem kein schlechtes Spiel, denn die Weltraumschlachten sind äußerst atmosphärisch, imposant inszeniert und bieten vor allem Fans der Vorlage viele atmosphärische Gründe, sich in den Krieg der Sterne zu stürzen. Leider ist die Einzelspielerkampagne je nach persönlichem Empfinden recht kurz ausgefallen und das unfair wirkende Matchmaking für den Mehrspielermodus stark verbesserungswürdig. Während es aufgrund des angenehm ansteigenden Schwierigkeitsgrads in der Kampagne sehr viel Spaß macht, die einzelnen Schlachten im Weltraum zu schlagen, sieht das im Mehrspielermodus wiederum ganz anders aus. Hier werden Anfänger nicht weit kommen, da sie von Profis binnen weniger Sekunden erledigt werden. Da bleibt keine Zeit, um sich auf die Schlacht einzustellen und keine Möglichkeit, an seinen Erfahrungen zu wachsen, zumal der Einzelspielermodus den Spieler nicht auf diesen Härtegrad vorbereitet. Wer geübt im Umgang mit simulationsartigem Gameplay ist, wird sich in Star Wars: Squadrons schnell zurechtfinden. Alle anderen sollten sich den Kauf zweimal überlegen, denn ein fast schon bedingungslos zu empfehlender Hit wie etwa Star Wars: Jedi – Fallen Order ist Star Wars: Squadrons leider nicht geworden. Das muss selbst der größte Fan anerkennen.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars: Squadrons!

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