Review: Star Wars – Jedi: Fallen Order

Seit 2013 verfügt Electronic Arts nahezu alleine über die Star-Wars-Lizenz für Videospielveröffentlichungen. In diesen sechs Jahren wurde an diversen Projekten gewerkelt und diese auch wieder eingestellt. Star Wars – Jedi: Fallen Order ist erst der dritte veröffentlichte Titel.

Ein besonderes Händchen im Umgang mit einer der weltweit wertvollsten Lizenzen hat Electronic Arts seit 2013 nicht gezeigt. Mit dem 2015 veröffentlichten Star Wars: Battlefront und dem zwei Jahre später erschienenen Star Wars: Battlefront II sind dem Konzern zwar zwei im Kern gute Spiele geglückt, die inszenatorisch vielleicht nur an Kleinigkeiten, auf der spielerischen Ebene jedoch durch schwerwiegende Fehler wie aufgezwungene Mikrotransaktionen krankten. Dies führte sogar zu weitreichenden Petitionen, die Disney zum Entzug der Lizenz von Auftragnehmer Electronic Arts bringen sollte. Was hinter verschlossenen Türen daraufhin passiert ist, weiß bis heute niemand. Zumindest nach außen hin scheinen derlei Aktionen keinen Erfolg gebracht zu haben. Mit Star Wars – Jedi: Fallen Order hat sich Electronic Arts aber von alten Denkmustern entfernt, denn weder handelt es sich hierbei um einen Mehrspielertitel, noch sind in irgendeiner Form Mikrotransaktionen vorhanden. Damit nicht genug: Das von Respawn Entertainment entwickelte Action-Adventure orientiert sich an beliebten Videospielreihen und zaubert damit eine weitgehend sehr gut funktionierende Mischung bekannter Gameplay-Mechaniken auf den Bildschirm. Hinzu kommt eine spannende Story, die zwischen der dritten und vierten Episode der von George Lucas erdachten Filmreihe angesiedelt ist.

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…

In Jedi: Fallen Order schlüpfen wir in die Rolle von Cal Kestis. Nachdem vor fünf Jahren die Order 66 durchgeführt und Jedi seither quer durch die Galaxis gejagt und ermordet werden, musste der ehemalige Padawan auf dem Planeten Bracca untertauchen. Zu Beginn des Spiels erleben wir hautnah mit, wie er seine Jedi-Kräfte einsetzen muss, um seinen Arbeitskollegen und Freund Prauf vor dem Tod zu retten. Dies ruft wiederum die Inquisition des gefürchteten Galaktischen Imperiums auf den Plan, weshalb Cal von Bracca fliehen muss. Unterstützung erhält er dabei von der ehemaligen Jedi-Ritterin Cere Junda und dem Piloten Greez Dritus. In einer auf etwa zwanzig Spielstunden ausgelegten Handlung erfahren wir, wie sich die Charaktere anfreunden. Sie sind nicht nur auf der Flucht vor den Inquisitoren, sondern ebenso auf der Suche nach einer Holocron-Chronik. Hierbei handelt es sich um eine Datensammlung, die die Aufenthaltsorte von machtbegabten Kindern enthält, mit denen der Jedi-Orden von Grund auf neu errichtet werden soll. Diese Liste darf dem Imperium selbstverständlich nicht in die Hände gelangen. Damit wir in den Besitz der Liste kommen, müssen wir durch die Galaxis reisen. Unter anderem erkunden wir den Waldplaneten Kashyyyk, die Eiswelt Ilum oder den trostlosen Planeten Dathomir, wo wir uns mit den Imperialen und der heimischen Fauna anlegen.

Einfluss auf die Spielwelt durch das Metroid-Franchise

Metroid Prime 3: Corruption dürfte das Vorbild für den Aufbau der Spielwelt gewesen sein, denn auch in Jedi: Fallen Order ist die Spielwelt nicht gänzlich zusammenhängend, sondern in verschiedene Instanzen aufgeteilt. Hinzu kommt, dass sich die dreidimensionale Welt in einer ebenso dreidimensionalen Hologrammkarte mit jedem Schritt automatisch aktualisiert. In der Theorie können wir uns somit nie verlaufen; in der Praxis sieht das aufgrund der sehr verwinkelten Level-Architektur aber gelegentlich anders aus. Besonders auf dem Planeten Zeffo, auf dem wir wohl die meiste Zeit im Spiel verbringen, fällt es uns hin und wieder schwer, uns in den Höhlen und Bergketten zurechtzufinden. Trotzdem gibt es auf jedem Planeten immer wieder besondere Merkmale, die uns in Erinnerung bleiben. Ein abgestürztes Wrack hier, ein spitzer Turm in der Ferne dort und ein Sumpfgebiet an anderer Stelle sind Orte, die uns bei der Orientierung unterstützen. Überall finden sich kleinere Geheimnisse, die wir auflesen dürfen. Hierbei handelt es sich zum einen um kosmetische Gegenstände zum Personalisieren der Spielfiguren, des Raumschiffs oder gar des eigenen Lichtschwerts. Zum anderen kann unser Held Macht-Echos aufspüren, die ihm Erfahrungspunkte und uns Informationen und Hintergründe über das Star-Wars-Universum bescheren. Dafür ist auch unser anhänglicher Droide BD-1 verantwortlich, der mit seinen Sensoren auf Knopfdruck Teile der Umgebung scannt.

Auf den Spuren von Schatzsucher Nathan Drake

Ähnlich wie in den beiden großartigen PlayStation-4-Abenteuern Uncharted 4: A Thief’s End und Uncharted: The Lost Legacy wird unser Erkundungsdrang in größeren Spielumgebungen durch Kletterpassagen oder Abschnitten, in denen wir an einem Seil durch die Lüfte schwingen, unterstützt. An ein paar Stellen versucht Jedi: Fallen Order die Abenteuer von Nathan Drake und Chloe Frazer auch inszenatorisch zu kopieren. So landen wir hier und da gewollt oder ungewollt auf einem Abhang, auf dem wir hinunterrutschen und an bestimmten Punkten abspringen müssen. Manchmal werden wir dabei auch vom Imperium beschossen oder müssen vor verschiedenem Getier fliehen. Obwohl das durchaus Spaß machen kann, gehören derlei Rutschpartien aufgrund der hier schwammigen Steuerung zu den wenigen Kritikpunkten des Spiels. Wesentlich besser sind da die Szenen, in denen wir an Wänden entlang laufen und im richtigen Moment an eine andere Wand zum Weiterlaufen springen müssen – das kommt für uns wenig überraschend, denn Respawn Entertainment hat mit dem Shooter Titanfall von 2014 und dem drei Jahre später veröffentlichten Nachfolger Titanfall 2 bewiesen, dass sie das Gameplay-Element wie kein zweites Entwicklerstudio beherrschen. Das Erkunden macht sehr viel Spaß, zumal immer wieder Abkürzungen zu bereits besuchten Orten hinzukommen. Unserer Meinung nach hätte dem Spiel ein Schnellreisesystem aber auch nicht geschadet.

Knüppelharte, aber überaus faire Kämpfe

Ein absolut nicht zu unterschätzender Aspekt von Jedi: Fallen Order sind die zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Sturmtruppen, Riesenspinnen und anderen Ungeheuern. Obwohl das Action-Adventure gleich vier verschiedene Schwierigkeitsgrade bietet, können die Kämpfe selbst auf der zweitniedrigsten Schwierigkeitsstufe überfordern. Besonders zu Beginn des Abenteuers ist unsere Lebensenergie niedrig und unsere Machtfähigkeiten stark beschränkt. In den Kämpfen ist es daher sehr wichtig, im richtigen Moment gegnerische Angriffe zu blocken. Sobald ein Gegner rot aufleuchtet, bereitet dieser einen nicht abzuwehrenden Schlag vor. Hier müssen wir dann entweder ausweichen oder versuchen, den Feind dabei zu unterbrechen. Nur wer sich intensiv mit der Spielmechanik befasst, wird in Jedi: Fallen Order Erfolge feiern. Am ehesten lässt sich das Spiel wohl mit Sekiro vergleichen, denn auch in dem von Dark Souls und Co inspirierten Japan-Abenteuer sammeln wir Erfahrungspunkte. Haben wir von diesen genug gesammelt, erhalten wir einen Fähigkeitspunkt, mit dem wir unsere Kräfte ausbauen dürfen. Sollten wir jedoch im Kampf fallen, bevor wir einen Fähigkeitspunkt erreicht haben, sind unsere Erfahrungspunkte futsch. Diese können wir zurückerlangen, indem wir den Gegner, der uns das Licht ausgeknipst hat, mindestens einmal treffen. Das ist meistens fair und motiviert uns, beim nächsten Angriff besser aufzupassen oder gar ein wenig mehr zu taktieren.

Die Macht ist stark in Jedi: Fallen Order

Mit erlangten Fähigkeitspunkten erhöhen wir nicht nur unsere maximale Lebensenergie, wir verlängern auch unsere Machtanzeige und lernen neue Tricks. Beispielsweise können wir mit einer Fähigkeit unser Lichtschwert durch die Luft wirbeln oder Gegnern im richtigen Augenblick ausweichen und zusätzlich einen Tritt verpassen. In unseren Augen ergänzen sich diese Kniffe von Jedi: Fallen Order hervorragend mit den Machtfähigkeiten, die wir im Verlauf der Story erlernen. Unter anderem können wir Gegenstände und Gegner an uns heranziehen oder von uns stoßen. Diese Fähigkeiten kommen auch bei verschiedenen Rätseln zur Geltung, was die Spielwelt regelrecht organisch mit dem Gameplay vermischt. Begleitet durch einen fantastischen Soundtrack, der stark von John Towner Williams’ Musik aus der Filmreihe inspiriert ist, kommt ein Gefühl auf, das uns wahrhaftig in eine weit, weit entfernte Galaxis katapultiert. Gänzlich fehlerfrei ist das Action-Adventure aber nicht, denn besonders die Konsolenfassung leidet ein wenig an der Technik. Beispielsweise dauern die Ladezeiten beim Tod unseres Helden auf der PlayStation 4 zwischen 45 und 55 Sekunden. Das ist genauso nervig wie die öfters vom Spiel nachzuladenden Texturen beim Übergang zwischen zwei Arealen, was teilweise zu einem kurzweiligen Standbild führt. Nichtsdestotrotz ist Jedi: Fallen Order eines der besten Spiele des Jahres 2018, das Electronic Arts vor Augen führt, dass bei einem gelungenen Produkt Fan-Wünsche und gutes Gamedesign deutlich mehr wiegen als die reine Gier nach Profit.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Viele Star-Wars-Fans dürften wohl die Hoffnungen bereits aufgegeben haben, dass Electronic Arts auch nur ein Spiel mit der Lizenz veröffentlichen wird, das ohne aufgesetzt wirkende Mikrotransaktionen auskommt. Star Wars – Jedi: Fallen Order dürfte wohl jeden Spieler eines Besseren belehren. Das Action-Adventure erzählt eine von Anfang bis Ende stimmungsvolle Story, die sich dem Kontext der Filme anpasst. Am Gameplay gibt es ebenso wenig zu rütteln, denn dieses setzt auf die Elemente etablierter Videospielreihen und verknüpft sie gekonnt miteinander. Wer auch nur im Ansatz ein wenig mit Nintendos einflussreicher Metroid-Reihe anfangen kann, sich dazu in Sonys kinoreifer Uncharted-Serie verliebt hat oder dem Spielgefühl von Sekiro etwas abgewinnen kann, wird mit Jedi: Fallen Order sehr zufrieden sein. Erkundungsdrang, Geschicklichkeitseinlagen und Action geben sich hier gegenseitig die Klinke in die Hand. Lediglich auf der technischen Ebene hätte ich mehr von Respawn Entertainment erwartet, denn die Ladezeiten sind ein Graus. Dennoch kommt kein Star-Wars-Fan um Jedi: Fallen Order herum – und Electronic Arts sollte sofort in einen Nachfolger investieren, der die Geschichte fortführt.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars – Jedi: Fallen Order!

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