Review: Super Monkey Ball: Banana Blitz HD

Seit 2001 rollt Affe AiAi in einem Ball durch japanische Spielhallen und ist seit dem Launch des GameCubes auch auf Nintendo-Konsolen zuhause. Mit Super Monkey Ball: Banana Blitz HD veröffentlicht Sega den einstigen Wii-Titel in neuem Gewand – mehr schlecht als recht.

Super Monkey Ball: Banana Blitz war Ende 2006 einer der zahlreichen Launch-Titel der Nintendo Wii – und war damit der letzte Eintrag der Reihe auf einer Heimkonsole. Das wirft unweigerlich die Frage in den Raum, warum die Super-Monkey-Ball-Reihe seither ein Nischendasein auf Handhelds und anderen mobilen Endgeräten fristete. Mit der HD-Portierung will Sega ein Zeichen setzen und die kultverdächtige Marke einem breiteren Publikum zugänglich machen. Inhaltlich hat sich auf der Nintendo Switch, der PlayStation 4, der Xbox One und dem PC nur wenig getan, was das Kernspiel angeht. So schlüpfen wir nach wie vor in die Haut beziehungsweise das Fell von Affen AiAi oder einem seiner Freunde, die genauso scharf auf Bananen sind. Zu Beginn der Story bewundert die Affenbande noch ihre goldenen Bananen, die kurz darauf vom gefürchteten Captain Crabuchin gestohlen werden. Dies klingt nach ähnlichen Abenteuern, die Nintendos hauseigener Gorilla Donkey Kong schon so oft bestritten hat. Ähnlichkeiten hin oder her – AiAi und Co lassen sich das wie ihre Artgenossen nicht gefallen und schreiten zur Tat. Das heißt im Klartext, dass sie sich in ihre ballförmigen Vehikel setzen und losrollen. Genau hier kommen wir ins Spiel, denn anstatt die Affen durch den Dschungel zu hetzen, kippen wir zum Vorankommen gleich die ganze Level-Architektur.

Einstiegsprobleme und Orientierungslosigkeit

Mit dem Analog-Stick kippen wir das ganze Gebilde nach links und rechts oder nach vorne und nach hinten – je nachdem wo AiAi oder die anderen Affen entsprechend hinrollen sollen. Im ersten Moment klingt das Gameplay von Super Monkey Ball: Banana Blitz HD sehr amüsant, ist in der Umsetzung aber alles andere als leicht zu erlernen. Die Entwickler des Ryū Ga Gotoku Studios haben die Bewegungssteuerung der Wii, die sich für das Spielprinzip hervorragend eignen würde, komplett aus dem Spiel entfernt. So müssen wir mit dem Analog-Stick des Controllers stets auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Wenn wir stark abbremsen wollen, dann müssen wir den Stick beispielsweise rechtzeitig nach hinten ziehen. Das mag in der Theorie zwar leicht klingen, braucht aber sehr viel Eingewöhnungszeit und ständig ertappen wir uns dabei, wie wir viel lieber den Controller kippen wollen, um zum Ziel zu gelangen. Ein weiteres Ärgernis ist hierbei die Kamerafahrt, denn diese konzentriert sich lediglich auf AiAi und Co respektive was vor den Spielfiguren zu sehen ist. Wir dürfen sie nicht frei justieren, was dazu führt, dass wir unnötig Zeit beim Manövrieren verlieren, während der Timer für das Level gnadenlos weiterläuft. Hinzu kommt, dass in Super Monkey Ball: Banana Blitz HD die Kamera bei den verhältnismäßig viel zu schwierigen Bossgegnern die Orientierung erschwert.

Ärgerliches und maßlos veraltetes Gamedesign

Dem Titel ist an viel zu vielen Stellen anzumerken, dass die Reihe ursprünglich für die Arcade-Halle und nicht unbedingt für eine Konsole entworfen wurde. Andere Aspekte, die schon im Jahr 2006 zur Erstveröffentlichung auf der Wii indiskutabel waren, sind ebenso Bestandteil der HD-Portierung. Beispielsweise müssen wir eine aus etwa zehn Spielabschnitten bestehende Welt – ohne den Game-Over-Bildschirm zu sehen – abschließen, um eine Championmedaille zu ergattern. Fallen wir von einer Plattform im Spiel, verlieren wir ein Leben und landen wieder ganz am Anfang des jeweiligen Levels. Es gibt zwar pro Areal eine bestimmte Anzahl an Bananen, von denen zwanzig Stück einen neuen Versuch ergeben, doch reicht das spätestens bei den unfairen Bosskämpfen nicht mehr aus. Super Monkey Ball: Banana Blitz HD setzt voraus, dass wir frustresistent genug sind, um alle Levels einer Welt inklusive Bosskampf immer und immer wieder anzugehen, auch wenn es nur an Designfehlern liegt. Ebenfalls sei hier der überempfindliche Rückschlag erwähnt, denn wenn AiAi in seinem Ball von einem anderen Objekt getroffen wird, prallt er unverhältnismäßig stark ab. Das war bereits in der Wii-Fassung ein Graus und hätte spätestens bei der Neuauflage im Jahr 2019 behoben werden müssen. Wer alle Belohnungen einheimsen will, muss mit solchen Ärgernissen leben.

Der letzte Rest vom Scheunenfest

Neben dem durchwachsenen Story-Modus von Super Monkey Ball: Banana Blitz HD erwarten uns noch ein paar zusätzliche Modi. Unter anderem dürfen wir alle Levels hintereinander abschließen, um eine möglichst hohe Punktzahl dabei zu erreichen. Interessanter dürfte aber der Minispielmodus sein, der in der Wii-Fassung mit stolzen fünfzig Minispielen zumindest quantitativen Spaß bietet. In der HD-Portierung sind davon gerade einmal nur zehn Spielchen übriggeblieben. Erwartet hier aber bitte nicht, dass euch dafür die Crème de la Crème erwartet. Hürdenlauf, Hammerwerfen, Snowboarden oder auch der allseits beliebte Kirmesklassiker, gaffende Maulwürfe in ihre Gucklöcher zurückzuschlagen, macht in jedem einzelnen Ableger der Mario-Party-Reihe tausendmal mehr Spaß als hier. Einmal mehr ist das Problem in der mal zu schwammigen und mal zu empfindlichen Bedienung zu finden. Da fragen wir uns, wie bei einem talentierten Entwicklerstudio auf der einen Seite hochkarätige Titel wie Judgment entstehen können – und auf der anderen Seite halbgare Spiele wie Super Monkey Ball: Banana Blitz HD durch die Qualitätssicherung gewunken werden. Selbst akustisch reißt das Geschicklichkeitsspiel keine Bäume aus. Lediglich unter optischen Gesichtspunkten versprüht der Titel einen verspielten Charme, den wir im restlichen Abenteuer so vergeblich suchen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch- und der PlayStation-4-Fassung): Super Monkey Ball: Banana Blitz ist mir auf der Nintendo Wii damals leider entgangen. Gerne hätte ich das Spiel mit einer halbwegs funktionierenden Bewegungssteuerung gespielt, denn auf der Nintendo Switch und der PlayStation 4 ist die manchmal schwammige und manchmal empfindliche Bedienung sehr umständlich zu erlernen und noch schwieriger zu meistern. Hinzu kommen nervige Kameraperspektiven, die ich nicht selbst nachjustieren darf. Besonders bei den Bosskämpfen scheitere ich so oft, dass ich frustriert den Controller in die Ecke schmeißen will. Selbst bei den Minispielen kann ich mich nicht entspannen. Fraglich ist auch, warum der Umfang der Minispiele auf ein Fünftel der ursprünglichen Menge reduziert wurde – besonders hochwertig sind die Spielchen in der HD-Portierung auch nicht. Das Spiel krankt einfach an viel zu vielen Problemen, die zum Teil auch schon im Jahr 2006 veraltet waren. Wenn ihr jetzt immer noch Interesse an Super Monkey Ball: Banana Blitz HD habt, dann wünsche ich euch kräftiges Sitzfleisch und starke Nerven – ihr werdet von beidem reichlich brauchen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Super Monkey Ball: Banana Blitz HD!

 

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