Review: Attack on Titan – Season 2 (Vol. 1)

Attack on Titan erscheint in Anime-Form hierzulande leider immer mit großer Verzögerung. So war es auch bei der zweiten Season, die erst nach zwei Jahren den Sprung von Japan nach Europa geschafft hat. Im September 2019 veröffentlichte Kazé Anime die erste Staffelhälfte.

Nach dem offenen Ende der ersten Season war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Anime-Serie fortgeführt werden würde. Die zweite Staffel knüpft bei diesem Unterfangen nahtlos an die turbulenten Ereignisse der ersten Season an. Plötzlich bröckelt die Mauer und gibt den Blick auf einen Titanen frei, der mitten im Mauerwerk gefangen zu schein scheint. Das wirft neue Fragen auf, die die zweite Staffel peu à peu lüften darf. Kurz darauf springt das Geschehen zwölf Stunden in die Vergangenheit. Connie Springer, Sasha Braus und weitere Mitglieder des Aufklärungstrupps müssen mit ansehen, wie auf einmal eine Horde Titanen auf ihren Unterschlupf zu marschiert. Den Charakteren wird klar, dass die mittlere Mauer von den titelgebenden Riesen bereits durchbrochen wurde. Somit bleibt kaum bis gar keine Zeit, den Angriff abzuwehren. Während Boten in die umliegenden Bezirke geschickt werden, um die schlimmen Nachrichten zu übermitteln, machen die letzten Verteidiger eine folgenschwere Entdeckung. Die angreifenden Titanen sind wesentlich schneller und agiler. Ein besonderer Gigant ähnelt zudem weniger dem typischen Erscheinungsbild, sondern wirkt mit seinem behaarten Aussehen eher wie ein Tier. Noch dazu kann der mysteriöse Titan sprechen, was die Mysterien von Attack on Titan anheizt. Ein großartiger Einstand für die zweite Staffel!

Aufgeteilte Erzählweise

Nichtsdestotrotz kommen selbstverständlich auch wieder bekannte Gesichter wie Hauptfigur Eren Jäger und seine Gefährten Armin Arlert und Mikasa Ackermann zur Geltung. Nachdem sie vom Durchbrechen der Mauer Rose hören, macht sich das Dreigespann zusammen mit den beiden Kommandanten Hanji Zoe und Levi Ackermann auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Mit von der Partie ist auch Pastor Nick, der mehr über den Aufbau der drei Mauern zu wissen scheint, als er zugeben will. Trotzdem konzentriert sich Attack on Titan nicht nur auf eine Geschichte und springt stattdessen immer mal wieder hin und her. Sei es zwischen verschiedenen Zeitebenen oder Charakteren. In der 27. Folge begleitet der Zuschauer Sasha dabei, wie sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt und ein Mädchen vor einem gefräßigen Riesen rettet. Nebenher erinnert sie sich an frühere Ereignisse, die in Verbindung mit dem Dorf und ihrem Vater stehen. Neben Hoffnung sind jedoch auch Trauer, Verlust und Verzweiflung ein wichtiger Teil der Erzählweise, wie an Connie demonstriert wird, als er sein menschenleeres Heimatdorf erreicht. Auch hier spielt Attack on Titan mit der Vorstellungskraft des Zuschauers, denn Leichen sind nicht zu sehen und mit den Pferden sind die Bewohner ebenfalls nicht geflohen. Nur zerstörte Häuser und ein bewegungsunfähiger Titan zeugen von einem Vorfall.

Gelungener Staffeleinstand

In stilistischer Hinsicht erinnert die zweite Staffel mit ihren visuellen Merkmalen frappierend an die erste Season. Dank unterschiedlicher Frisuren und Haarfarben unterscheiden sich die Charaktere wunderbar voneinander und fallen mit ihrem markanten Stil positiv auf. Selbiges gilt auch für das schaurige Design der Titanen, das die Bedrohung für die letzten Menschen hervorragend einfängt und symbolisiert. Musikalisch werden die zahlreichen Szenen der sechs enthaltenen Episoden ebenfalls gut unterlegt, sodass die Geschichte von Attack on Titan an den actiongeladenen Stellen spannend und mitreißend ist, und in den eher ruhigen Momenten das Mysteriöse geschickt einfangen wird. So und nicht anders hat der Zuschauer stets das Gefühl, mehr über die Welt von Attack on Titan erfahren zu wollen. Nicht zu vergessen sind die bekannten Synchronsprecher, die sowohl im Deutschen als auch im Japanischen punkten. In der japanischen Originalfassung sind beispielsweise die Stimmen von Kaji Yūki für Eren und Kamiya Hiroshi für Levi zu hören, während ihr deutscher Gegenpart nach wie vor von Max Felder und Florian Halm übernommen wird. Digitales Bonusmaterial gibt es leider nicht, doch dafür liegt der ersten der beiden Volumes ein Booklet mit Episodenguide und sieben aufschlussreichen Interviews bei. So darf die zweite Staffelhälfte gerne auch aussehen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan gehört nicht von ungefähr zu den besten respektive beliebtesten Anime-Serien. Nach der phänomenal guten ersten Staffel fühlt sich die zweite Season von Attack on Titan noch sehr viel besser an. Das liegt in erster Linie daran, dass die Handlung nahtlos fortgeführt wird und sich nicht erst neu erfinden muss. Von der ersten Minute an erzählt die zweite Staffel eine stringente Handlung, die aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird und in jeder Episode neue Fragen über die Titanen, ihre Herkunft, die Mauern und das Weltbild in Attack on Titan aufwirft. Zusammen mit den etablierten Charakteren, dem markanten Zeichenstil der gefräßigen und wilden Titanen und der gut inszenierten Action ergibt das ein fantastisches Gesamtbild. Schade ist nur, dass die zweite Staffel gerade einmal zwölf Episoden umfasst und die Season demnach mit der nächsten Volume endet. Wenn die zweite Staffelhälfte aber auch nur halb so gut wie der Einstand dieser Season ist, darf schon jetzt Großartiges erwartet werden.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan – Season 2 (Vol. 1)! 

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