Review: Black Butler: Book of Murder

Nach den drei Staffeln der Anime-Serie entschied sich Animationsstudio A-1 Pictures dazu, die als Black Butler: Book of Murder bezeichnete Original Video Animation aus dem Jahr 2015 als zweigeteilten Film zu gestalten. Hierzulande erschien dieser 2016 bei Kazé Anime.

Chronologisch ist Black Butler: Book of Murder nach der dritten Staffel einzuordnen. Nach den Geschehnissen im Zirkus ist Königin Victoria als andere als vergnügt. Ihr Vertrauen in ihren „Wachhund“, dem jungen Earl Ciel Phantomhive, ist geschwächt. Damit dieser seinen Ruf und seine gesellschaftliche Reputation aufrechterhalten kann, wird ihm von den Butlern der britischen Monarchin im Vorfrühling des Jahres 1889 aufgetragen, ein Bankett für den deutschen Bankier Georg von Siemens auszurichten. Kurz darauf finden die Feierlichkeiten im Anwesen der Familie Phantomhive statt. Das Fest scheint gemeinhin Anklang bei den Gästen zu finden, zu denen unter anderem auch der weltberühmte Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle zählt. Als der Ehrengast damit beginnt, die anderen Anwesenden zu belästigen, eskaliert die Situation – Ciels titelgebender Butler Sebastian Michaelis hat also alle Hände voll zu tun, die Streithähne zu beschwichtigen. Damit nimmt der Trubel aber noch lange nicht ab, denn in der Nacht läutet Von Siemens Zimmerklingel in der Küche. Sebastian und die restlichen Bediensteten eilen daraufhin sofort zum Gästezimmer, nur um dort einen toten Von Siemens aufzufinden. Noch bevor Scotland Yard eintrifft, beginnt die Morduntersuchung und die Alibis werden überprüft. Ausgerechnet Ciel war zum Zeitpunkt des Mordes unbeobachtet.

Elementar, mein lieber Watson!

Zum Glück ist mit der historischen Persönlichkeit in Form von Doyle ein findiger Ermittler an Ort und Stelle, der an die Unschuld von Ciel glaubt. Die Mordermittlung fühlt sich, vor allem da Ciel an einer Stelle einen Trick mit Nadel und Faden erklärt, fast schon wie in der Serie Detektiv Conan an. Black Butler: Book of Murder ist allerdings wesentlich vielschichtiger aufgebaut als eine einzelne Folge der Anime-Serie von TMS Entertainment, denn noch in derselben Nacht wird Ciel unter Aufsicht gestellt und mit Handschellen an Doyle gekettet. Als dann am nächsten Morgen auch noch Sebastian tot aufgefunden wird, bricht für den Earl eine Welt zusammen, womit die Mordserie aber keinesfalls abbricht. Aufgeteilt ist die Original Video Animation in zwei Episoden, die jeweils 58 und 65 Minuten Zeit in Anspruch nehmen. Diese Laufzeit ist aber gut gefüllt, denn während in der ersten Episode das Bankett und die Mordermittlung im Mittelpunkt stehen und reihenweise Geheimnisse aufgeworfen werden, nimmt sich die zweite Episode zunächst die Zeit für eine kurze Zusammenfassung und führt die Ermittlung schließlich zu einer Lösung – inklusive einem Nachspiel, in dem die wahren Tatsachen ans Licht kommen. In diesem Teil wird Black Butler: Book of Murder außerdem gekonnt mit der dritten Staffel verknüpft, weshalb hier ein wenig Vorwissen erwartet wird.

Detaillierte wie düstere Inszenierung

Wie in den drei Seasons zuvor, bleibt die Geschichte auch im zweigeteilten Film nicht nur spannend, sie wird auch atmosphärisch inszeniert. Das liegt allen voran an vielen kleinen Details, die immer mal wieder am Rande mehr oder weniger offensichtlich in die Handlung eingearbeitet sind. Beispielsweise verweist Ciel an einer Stelle auf Doyles Roman „Eine Studie in Scharlachrot“, während das tatsächliche Cover von Beeton’s Christmas Annual von 1887 abgebildet wird. An einer anderen Stelle findet wiederum die Kampfsportart Bartitsu, die zwischen 1898 und 1902 in England entwickelt wurde, durch ihren Einsatz von Figur Tanaka Erwähnung. Eine Taschenuhr der deutschen Firma A. Lange & Söhne ist ebenfalls in einem Bild zu sehen. In der restlichen Inszenierung ist Black Butler: Book of Murder wie gewohnt düster. Zum einen liegt das an trostlosen Kommentaren. Ciels Bedienstete Maylene bedauert es beispielsweise, dass sie wohl niemals heiraten wird. Zum anderen wird diese schiere Ausweglosigkeit mit einer finsteren Inszenierung unterstrichen: Der Himmel ist mit einem grauen Wolkenschleier durchzogen, es regnet durchweg wie aus Kübeln und dann schlagen die Regentropfen – wenn in der meisten Zeit nur hintergründig – an die Fensterscheiben des viktorianischen Anwesens. A-1 Pictures weiß den Manga von Toboso Yana wirklich zu inszenieren.

Gelungene „Fortsetzung“ der Serie

Auf der optischen Seite punktet Black Butler: Book of Murder zudem in allen Disziplinen, die bereits die Anime-Serie großartig macht. Die Charaktere sind schön gezeichnet und passen hervorragend in die in tristen Farben gehüllten Umgebungen. Hinzu kommt, dass durchweg diffuses Licht das Undurchschaubare der Mordermittlung unterstreicht, woran aber auch die in vielen Szenen vorherrschende Dunkelheit nicht ganz unschuldig ist. Daher können hübsche Lichteffekte ebenso überzeugen. Wenn beispielsweise Sebastian mit einem Kerzenleuchter durch die Gänge stolziert und nur wenig Licht die Dunkelheit durchdringt, sorgt das für ebenso offene Münder wie die kurzzeitige Beleuchtung des Zimmers, wenn draußen die Dramatik unterstützende Blitze wüten. Akustisch sind meist Klavierklänge zu hören, aber auch der ausgewogene Einsatz von Streich- und Blasinstrumenten tun ihr Übriges, damit die Stimmung jederzeit gut eingefangen wird. In puncto Synchronisation überzeugen ebenfalls einmal mehr die bekannten Stimmen. Während für Ciel nach wie vor Sakamoto Māya beziehungsweise Sebastian Fitzner zu hören ist, wird Sebastian erneut von Ono Daisuke respektive Bernhard Völger gesprochen. Als Boni gibt es zwei Booklets, die mit 36 und 8 Seiten Einblicke in das Charakterdesign, die Kleidung der Figuren und die Entstehung der Original Video Animation geben. Black Butler: Book of Murder bleibt so auch über die 123 Minuten unterhaltsam!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Eingewoben in die mittlerweile drei Staffeln umspannende Serienhandlung, die eigentlich schon in der ersten Season ihren packenden Abschluss findet, erzählt Black Butler: Book of Murder eine unterhaltsame und zudem sehr wendungsreiche Geschichte, die wunderbar eine weitere Lücke schließt. Das Szenario ist dramatisch, erwachsen erzählt, düster inszeniert und wird passend dazu mit vielen finsteren Szenen ergänzt, bei denen verschiedene und einprägsame Stilmittel wie mitreißende Musik, diffuses Licht und Regengeräusche zum Einsatz kommen. Sowohl in der Präsentation als auch in puncto Atmosphäre punktet die zweiteilige Original Video Animation auf ganzer Linie. Dennoch steht trotz all dieser Blendung immer noch die Story im Fokus der Erzählung, die wirklich gut als Kriminalgeschichte funktioniert und nicht von ungefähr an ihre Anlehnung an Sherlock Holmes und Co überzeugt. Kenner der Serie sollten bei Black Butler: Book of Murder unbedingt zuschlagen, wenn auch ein paar Anspielungen und ganze Szenen nur für jene verständlich sein dürften, die die dritte Staffel bereits gesehen haben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Butler: Book of Murder!

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