Review: Mario Golf: Super Rush

Sieben Jahre ist es bereits her, seit Allround-Talent Super Mario in Mario Golf: World Tour das letzte Mal den Golfschläger in die Hand genommen hat. Nachdem der Klempner auf der Wii U dem Sport nicht frönen wollte, ist es in Mario Golf: Super Rush auf der Switch soweit.

Seit der Jahrtausendwende kümmert sich Entwicklerstudio Camelot Software Planning fast ausschließlich um die Mario-Tennis- und Mario-Golf-Spiele. Ausnahmen bilden ganz selten Rollenspiele wie Golden Sun: Die dunkle Dämmerung aus dem Jahr 2010. Ganz ohne Rollenspiel-Elemente kommt jedoch auch Mario Golf: Super Rush nicht aus, das im Juni 2021 auf die Spielerschaft losgelassen wurde. Wie schon im Nintendo-3DS-Vorgänger gibt es auch auf der Switch eine Kampagne. In dieser können wir uns einen Mii zurechtschustern oder einen auf der Konsole gespeicherten Avatar greifen, um in die Story einzutauchen. Diese ist jedoch nicht der Rede wert: Wir wollen schlichtweg Golfprofi werden und kämpfen uns durch diverse Turniere in verschiedenen Clubs an die Spitze. Das beginnt relativ leicht und steigert sich recht langsam über die nächsten Stunden. Auch wenn im Hauptmenü von Mario Golf: Super Rush alle Hilfestellungen einsehbar sind, ist die Kampagne unserer Meinung nach ein viel besser Einstiegspunkt, da diese optional als Tutorial dient. Soll heißen, dass wir die Erklärungen nicht nur nachlesen, sondern die Vorgaben auch selbst ausprobieren können. Zudem erhalten wir für das Abschließen der Aufgaben direkt unsere ersten Erfahrungspunkte, womit wir die Fähigkeiten unseres Miis schlagartig verbessern und ins Erlebnis eintauchen können.

Schnell, schneller, Speed-Golf!

Bei jedem Level-Aufstieg dürfen wir ein Attribut wählen, das wir erhöhen wollen. Danach können wir zum Beispiel den Golfball weiter schlagen, die Schläge genauer zielen oder mit erhöhter Ausdauer länger über den Rasen flitzen, was je nach Golfart von immenser Bedeutung sein kann. Mit der Zeit bilden sich unsere Talente bei Level-Aufstiegen jedoch wieder zurück, weshalb unser Mii niemals zu übermächtig wird. Da wir bei größeren Aufgaben oder ganzen Turnieren gleich mehre Stufen aufsteigen, fallen die Mali ebenfalls nicht so stark ins Gewicht, da wir auf Wunsch den Verlust gleich wieder ausgleichen können. Neben dem standardmäßigen Golf gibt es in Mario Golf: Super Rush noch zwei weitere Varianten. Allen voran wäre das der Modus Speed-Golf, den Nintendo schon bei der Erstankündigung des Spiels groß beworben hat und dem Titel eine tiefere Bedeutung gibt. Hier schlagen alle Spieler und Computergegner gleichzeitig ab und sausen dann zu ihrem Ball auf der jeweiligen Golfbahn. Das Anrempeln der Rivalen, die dadurch verlangsamt werden, gehört hier zum guten Ton. Dadurch erhält das temporeiche Golfen ein wenig mehr Dynamik. Wer seinen Ball schneller einlocht, bekommt entsprechend mehr Punkte gutgeschrieben. Das ist eine bekloppte Idee, die in erster Linie aber nur im Mehrspielermodus mit echten Kontrahenten wirklich Spaß macht.

Chaos in der Golfplatz-Arena

Neben Speed-Golf gibt es in Mario Golf: Super Rush auch noch den Spielmodus Battle-Golf, der sogar mit Computergegnern gut, wenn auch nicht so gut wie mit echten Mitspielern funktioniert. Ziel des Spiels ist es hier, auf einem speziell dafür hergerichteten Golfplatz in einer geschlossenen Arena drei Löcher für sich zu gewinnen. In regelmäßigen Intervallen bricht auf dem Platz jedoch das Chaos aus. Soll heißen, dass beispielsweise Supersterne ausgeteilt werden, mit denen wir nebenher Jagd auf unsere Gegner machen können. Das ist nicht nur herrlich abgedreht, hier kommt sogar richtiges Super-Mario-Feeling auf, das in weiten Teilen des restlichen Spiels fehlt. Im Gegensatz zu Mario Golf: World Tour hat Nintendo das kunterbunte Spektakel auf ein Minimum heruntergedreht. Die Golfplätze wirken weitgehend natürlich und erinnern damit eher an Wii Sports und Konsorten anstatt an die farbenfrohen Spielwelten der Jump ’n’ Runs mit dem schnauzbärtigen Klempner in der Hauptrolle. Gerade in dieser Disziplin hätten die Entwickler bei Camelot Software Planning punkten können. Der Fundus an kreativen Möglichkeiten ist in den letzten Jahrzehnten schließlich ins nahezu Unermessliche gestiegen. Dennoch gibt es auch in der Kampagne ein paar nette Einfälle, die den drögen Golfalltag ein wenig auflockern und die kurze Einmalspielzeit dadurch ein wenig ausgleichen.

Verschenkte Möglichkeiten

Neben der Kampagne können wir zwischen den drei Spielmodi wählen, die alleine, im lokalen Mehrspielermodus und online funktionieren. Der Umfang ist aber überschaubar und auch das Freischalten von weiteren Inhalten wie neuen Plätzen hält sich in Grenzen. So spaßig es ist, Charaktere wie Peach, Rosalina, Toad oder Yoshi mit ihren unterschiedlichen Attributen und Spezialfähigkeiten auszuprobieren – am Ende ist das zu wenig, um uns bei Laune zu halten. Dabei macht Mario Golf: Super Rush grundlegend alles richtig. Wir müssen das Gefälle berechnen, die Windstärke in die Flugbahn mit einbeziehen und bei Regenfällen daran denken, dass der Ball nicht mehr ganz so weit rollt, wenn er landet. Auch den Golfbällen ein wenig Drall zu verpassen ist möglich. Obwohl sich der Titel mit einem Joy-con via Bewegungssteuerung bedienen lässt, fällt es uns wesentlich leichter, die Schläge via Analog-Stick und Knöpfen zu kontrollieren. In technischer Hinsicht ist das flüssig laufende Spiel schick, kann aber nicht mit Super Mario Odyssey mithalten. Bei der Akustik sieht es nicht ganz so gut aus. Die Melodien passen zum Geschehen, fallen für unseren Geschmack aber zu wenig auf. Bedauerlich ist auch, dass der lustlos klingende Kommentator nur rudimentäre Wortfetzen spricht und nicht gleich das Geschehen beschreibt. Hier hängt Nintendo in puncto Atmosphäre der Konkurrenz hinterher. Es steckt so viel Potenzial im Spiel, das leider nicht genutzt wird. Schade.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Bereits im Vorfeld war ich skeptisch, ob Mario Golf: Super Rush an Mario Golf: World Tour aus dem Jahr 2014 heranreicht. Die Antwort auf meine Skepsis ist leider nicht so einfach. Auf der einen Seite finde ich die Kampagne, so kurz sie auch ist, ganz in Ordnung. Die Geschichte ist zwar Grütze, doch dafür gibt es ein paar interessante Ideen und immerhin dient sie dank vieler Hilfestellungen als gelungener Einstieg ins Spiel. Auf der anderen Seite ist es jedoch überaus bedauerlich, dass der Umfang von Mario Golf: Super Rush sehr klein ausfällt. Selbst freischalten lassen sich nur wenige Inhalte. Natürlich macht es mir Spaß, die verschiedenen Figuren aus dem Super-Mario-Universum auszuprobieren und die Tücken der Golfbahnen aufzudecken, doch wenn mir dafür nur drei unterschiedliche Spielmodi zur Auswahl stehen und es nur wenige Golfplätze zum Austoben gibt, ist mir das auf lange Sicht zu wenig. Der Speed-Golf-Ansatz ist für mich nur dann einen Blick wert, wenn ich den Titel mit Freunden spiele. Mein Highlight bleibt ganz klar der Battle-Golf-Modus, denn genau hier passiert jener Irrsinn, den ich in einem Super-Mario-Spiel erwarte. Mario Golf: Super Rush vermittelt in viel zu wenigen Momenten das bekannte Feeling des Franchises. Schlecht ist das Spiel deshalb noch lange nicht und es macht zwischendurch für ein bis zwei Partien mit Freunden auch sehr viel Spaß. Wer in die Reihe einsteigen will, sollte es eher mit einer der früheren Episoden probieren, die sich etwas stärker am Super-Mario-Universum orientieren.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario Golf: Super Rush!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s