Review: Doreiku – The Animation (Vol. 1)

Zwischen April und Juni 2018 wurde die Anime-Serie Doreiku – The Animation auf diversen japanischen Fernsehsendern ausgestrahlt. Hierzulande veröffentlichte Kazé Anime die erste Serienhälfte der zwölfteiligen Reihe am 16. September 2021 direkt auf Blu-ray Disc.

Es gibt Anime-Serien, die mit seichten Themen einfach nur unterhalten möchten, und dann gibt es Werke, die mit tiefgründigen Geschichten zum Nachdenken anregen wollen. Doreiku fällt eher in letztere Kerbe und lässt den Zuschauer darüber hinaus in menschliche Abgründe blicken. Alles beginnt damit, dass Arakawa Eias gute Freundin von ihrem Lebensgefährten verlassen wird – wohlgemerkt für einen anderen Typen. Eia möchte dem Kerl die Leviten lesen. Stattdessen schließt Eia Freundschaft mit dem Herzensbrecher Ōta Yūga. Bei einem späteren Treffen im Park wird Eia von ihrer neuen Bekanntschaft Yūga über ein Instrument namens Slave Control Method, kurz SCM, unterrichtet. Wer im Besitz eines SCM ist, kann andere Träger mit diesem Instrument unterwerfen, wenn sie sich auf ein Spiel einlassen. Im ersten Moment hat Eia kein großes Interesse am SCM, doch als sie einen Mann aus dem Internet kennenlernt, der sie gegen ihren Wunsch küsst und bedrängt, will sie Rache an ihm nehmen. Sie verabredet sich erneut mit ihrem Date, lässt ihn das SCM hinter die obere Zahnreihe klemmen und beginnt in einer Pachinko-Halle im Duell gegen ihn anzutreten. Sie überlistet ihn und versklavt ihren Peiniger. Durch das Aufeinandertreffen von Eia und Yūga wird eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, die noch mehr Menschen in Mitleidenschaft zieht.

Auswirkungen der Sklaverei und ihre Grenzen

Ebenfalls mit von der Partie sind der Host Shinjuku Seiya und die Hostess Toshima Ayaka. Schon seit Langem ist Ayaka in Seiya verliebt. Ihre Gefühle werden jedoch nicht erwidert. Da sie beide das SCM nutzen, können sie sich duellieren. Es gelingt Ayaka, den Mann ihrer Begierde zu überlisten und ihn zu versklaven. So bringt sie Seiya dazu, seine Freundin Katsushika Julia zu verlassen. Sie zieht bei ihm ein und stellt sein Leben zu seinem Leidwesen auf den Kopf. In diesem Zusammenhang erklärt die Anime-Serie, dass dem SCM auch Grenzen gesetzt sind. Zwar können die Sklaven zu Taten gedrängt werden, die gegen ihre Überzeugungen sind, doch ist es einerseits nicht möglich, die Gefühle des Sklaven zu verändern. Es kann also kein Sklave dazu gebracht, auf einmal Liebe für seine Herrin oder seinen Herrn zu empfinden. Andererseits kann kein Sklave dazu genötigt werden, sein eigenes Leben zu gefährden. Auch wenn die Ausweglosigkeit der Situation damit vorprogrammiert ist, kann ein Sklave auch seine Freiheit wiedererlangen. Dies funktioniert aber nur, wenn Herrin oder Herr ihn oder sie wortwörtlich in die Freiheit entlassen. Auf Basis der Manga und der Novels ist es den Animationsstudios Zero-G und TNK extrem gut gelungen, ein echt abscheuliches wie extrem spannendes Szenario auf die heimischen Fernsehbildschirme zu zaubern.

Paralysierende Einblicke ins Menschsein

Mit der Zeit treffen nicht nur die beiden Pärchen aufeinander. Es kommen auch noch weitere Charaktere hinzu. Das Spannende an dieser Erzählweise ist, dass sich die sechs Episoden zumindest teilweise wie ein aufgesplitterter Episodenfilm anfühlen. So erhält der Zuschauer einen Einblick aufs Geschehen aus verschiedenen Perspektiven. Dadurch setzt sich das große Gesamtbild peu à peu wie ein Mosaik zusammen. Vorhersehbar ist die Geschichte von Doreiku, zumindest in den sechs Folgen der ersten Ausgabe, nicht. Eine Wendung und Überraschung folgt auf die nächste. Da ist es auch kein Wunder, dass sich die zahlreichen Konstellationen zwischen Sklaven und Herren ständig ändert. In jeder Episode weht quasi ein neuer Wind. Im Hintergrund kristallisiert sich zwar ein Gegenspieler heraus, doch wäre es nicht verwunderlich, dass dieser gar nicht so wichtig für das Verständnis ist, wie es in den ersten Folgen scheint. Auch die Beweggründe für die Versklavung sind sehr spannend und lassen den Zuschauer, teilweise aus der Egoperspektive des jeweiligen Charakters, tiefer und tiefer in die menschlichen Abgründe blicken. Auch audiovisuell passt die erwachsene Gestaltung der Serie Doreiku zur Story. Hier gibt es absolut nichts zu beanstanden. Mit dem Clean Opening und Ending sowie einem kleinen Booklet und Poster gibt es auch nette Boni.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Doreiku – The Animation überzeugt in den ersten sechs Episoden mit einem interessanten wie komplexen Szenario, dem urbanen Setting und den tiefgründigen Charakteren. Dadurch, dass das Geschehen so gut wie in jeder Episode aus einer anderen Perspektive geschildert wird, kommt zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile auf. Es bleibt durchweg spannend, was auch daran liegt, dass die Konstellationen zwischen Sklaven und Herren ständig wechseln. So folgen Überraschungen und Wendungen in kurzer Zeit aufeinander und schmeißen die Entwicklung der Story immer wieder um. Auch in audiovisueller Hinsicht weiß die Anime-Serie mit ihrem erwachsenen Charakterdesign und gelungener Musikuntermalung zu überzeugen. Es bleibt spannend, wie sich die Anime-Serie in der zweiten Serienhälfte entwickeln wird. Doreiku ist eine der Serien, denen ein vernünftiges und zufriedenstellendes Ende auf jeden Fall zu wünschen ist.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Doreiku – The Animation (Vol. 1)!

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