Review: Let’s Sing presents ABBA

Im Jahr 2021 ist für Fans der schwedischen Popmusikgruppe ABBA ein echter Wunschtraum in Erfüllung gegangen. Nach fast vierzigjähriger Pause haben die vier Bandmitglieder wieder zusammengefunden und ein brandneues Album veröffentlicht. Let’s Sing presents ABBA gelingt es auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen.

ABBA zählte in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren zu den beliebtesten Musikgruppen der Welt. Es war die erste Popgruppe aus dem skandinavischen Raum, die ähnliche Erfolge wie britische oder nordamerikanische Künstler vorweisen konnte. Aufgrund privater Differenzen trennten sich die der Band ihren Namen gebenden Mitglieder Agneta Åse Fältskog, Björn Kristian Ulvaeus, Göran Bror Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad im Jahr 1982 vorerst. Die Band wurde zwar offiziell nie aufgelöst und es gab auch sehr seltene Auftritte zusammen oder zumindest teilweise gemeinsam, aber bis zum Jahr 2021 gab es somit fast vierzig Jahre lang kein neues gemeinsam produziertes Musikstück. Der frische Song I Stell Have Faith In You ist als einziges Lied des neuen Voyage-Albums in Let’s Sing presents ABBA enthalten. Die anderen dreißig enthaltenen Songs sind Klassiker, die in bester Karaoke-Manier zum Mitsingen einladen. Zu diesen zählen beispielsweise Bang-A-Boomerang, Take A Chance on Me oder Under Attack, die den Kern des Musikspiels ausmachen. Das grundlegende Prinzip ist dabei schnell erklärt. Im Classic-Modus bekommen wir den Liedtext vorgesetzt und müssen an der richtigen Stelle und in der richtigen Tonhöhe mitsingen. Automatisch und parallel zu unserem Gesang springt ein Cursor auf dem Bildschirm, der uns zeigt, ob wir den richtigen Ton treffen oder meilenweit daneben liegen. Das ist ein simples und recht zeitloses Prinzip.

Gelungener Partyspaß mit Freunden

Je geschickter wir uns in Let’s Sing presents ABBA beim Singen anstellen, desto mehr Erfahrungspunkte erhalten wir. Das ist bei jedem einzelnen Lied motivierend, setzt aber natürlich voraus, dass wir den Song auch kennen. Da eine Affinität für ABBA beim Kauf des Spiels vorhanden sein sollte, dürften erste Berührungspunkte mit der Band nur bei wenigen Spielern der Fall sein. Einen Übungsmodus für Anfänger gibt es nicht. Diese werden, wie für das Genre üblich, einfach ins kalte Wasser geworfen. Wer nicht gerne allein singt, freut sich über den Feat-Modus, in dem die Kompatibilität zwischen zwei Spielern gemessen wird. Haben wir gerade keinen Freund an unserer Seite, können wir auch ein Duett mit der künstlichen Intelligenz „singen“. Diese ist aber nur zweckmäßig, da sie sich zu sehr zurückhält und zudem nicht den Sinn des Modus erfüllt. Interessanter ist der Let’s-Party-Modus von Let’s Sing presents ABBA, denn dieser ist für bis zu acht Spieler, aufgeteilt auf zwei Teams, ausgelegt. Wem es gelingt, ein paar Freunde vor dem heimischen Fernseher zu versammeln, kann sich hier auf leicht abwechslungsreiche Aufgaben freuen. Beispielsweise müssen wir versuchen, mehr Goldmünzen als unser Gegner durch das Treffen richtiger Töne zu sammeln. Genauso gut kann es sein, dass der Text mehr und mehr verschwimmt und wir die Songs daher auswendig kennen sollten. Nicht weniger anspruchsvoll ist das Spiel mit einer Handvoll Lebenspunkten.

Umfangreiche Karaoke-Möglichkeiten

Wer sich im Let’s-Party-Modus schlecht anstellt, fliegt schnell raus. Können wir für die spaßige Angelegenheit keine Freunde gewinnen, dürfen wir uns alternativ mit der künstlichen Intelligenz messen. Diese stellt sich im Vergleich zu Let’s Sing presents Queen aus dem Jahr 2020 zumindest gefühlt deutlich besser an. Vor allem bei Songs mit viel Text, wechselnden Geschwindigkeiten und Tonhöhen, was bei ABBA regelmäßig vorkommt, ist die künstliche Intelligenz tatsächlich eine Herausforderung. Außerdem haben wir die Möglichkeit, es online mit Gegnern aufzunehmen. Diese Matches werden aber nicht live ausgetragen. Stattdessen werden lediglich die Daten, wie gut unser Rivale die Töne getroffen hat, auf unsere Switch übertragen. Anschließend landen wir auf einer Rangliste. Im Legend-Modus absolvieren wir hingegen bestimmte Aufgaben beim Meistern eines Songs. Zu guter Letzt gibt es noch den sogenannten Mixtape-Modus, in dem wir unsere eigenen Mixtapes zusammenstellen können. Leider haben wir nicht die Option, die genauen Stellen der Songs auszuwählen, die auf dem Mixtape landen. Dabei wäre es doch so lustig gewesen, die „Dancing Queen“ mit „Mamma Mia“ aus den gleichnamigen Songs zu verbinden. Je mehr Erfahrung wir durch das Abschließen von Songs wie On And On And On, Super Trouper, The Winner Takes It All und Voulez-Vous sammeln, desto mehr Boni wie Avatare und Embleme schalten wir für unser Profil frei.

Legendär emotionale Musiksammlung

Im Grunde merken wir durchs Freischalten nur, wie viel Zeit wir ins Spiel gesteckt haben. Mehr Sinn ergibt die Jukebox, in der alle gemeisterten Songs landen. So können wir nach Abschluss eines Songs noch einmal Hits wie Money, Money, Money oder Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight) inklusive der originalen Musikvideos mit den erinnerungswürdigen Kostümen der Musiker ansehen, die die Atmosphäre bereichern. Altersbedingt sind die Videos nicht immer in der besten Qualität vorhanden. Nostalgiker dürfte das kaum stören, zumal die Kult-Songs im Mittelpunkt stehen. Die Soundqualität ist über alle Zweifel erhaben, sodass Titel wie Chiquitita, Eagle, Fernando, Happy New Year und The Name of the Game ordentlich aus den Lautsprechern des Fernsehers dröhnen. Eine Vor- und Rückspulfunktion fehlt der Jukebox aber genauso wie individuelle Playlists. Immerhin wechseln die Songs nach Abschluss durch. So können wir das Spiel als hintergründiges Radio verwenden, wenn uns der Sinn nach noch mehr ABBA steht, wir nach stundenlangem Karaoke aber keine Stimme mehr haben. Die Genauigkeit unserer Stimmeingabe hängt maßgeblich von unserem Eingabegerät ab. In unserem Test griffen wir auf die Smartphone-Applikation des Herstellers zurück, die auf unserem Xiaomi Poco F3 einen Großteil unseres Gesangs richtig erkannt hat. Es ist aber ganz egal, mit welchem Hilfsmittel wir singen: Let’s Sing presents ABBA macht jedem Fan der Band einen Heidenspaß. Am Ende bleibt uns nur Entwicklerstudio Voxler und nicht zuletzt der titelgebenden Band tatsächlich nur eines zu sagen: Thank you for the Music!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Ohne Zweifel gehört ABBA zu den größten Popmusikgruppen aller Zeiten. In der Retrospektive schmerzt es mich persönlich beim Mitsingen der Songs, dass die Gruppe in den frühen 1980er-Jahren eine Pause eingelegt hat. Welch großartige wie zeitgenössische Songs Agneta, Björn, Benny und Anni-Frid in gerade diesem bewegenden Jahrzehnt auf die Beine gestellt hätten, kann ich nur mutmaßen. Soll heißen, dass ich hin und wenig von der grandiosen Sammlung bin, die hier vorliegt. Bei jedem Song ist zu spüren, wie viel Herzblut die vier Mitglieder in ihren Gesang und ihre Kompositionen gesteckt haben. Zwar trifft nicht jedes Lied der Band meinen Musikgeschmack, was an der manchmal für mich einfach zu schnell schwankenden Geschwindigkeit und wechselnden Tonhöhen liegt, doch bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Ich kann bekannte Klassiker wie Dancing Queen, SOS oder Waterloo mitsingen und dank der mitgelieferten Musikvideos von vergangenen Tagen träumen. On And On And On kannte ich zum Beispiel noch gar nicht und hat sich prompt zu einem meiner Lieblingslieder gemausert – und wenn das ein Musikspiel schafft, werde ich es sicherlich auch in Zukunft öfter anschmeißen. Nur bei den üblichen Problemchen, wie dass das Spiel auch mit Mitsummen ausgetrickst werden kann und Modi wie die Jukebox eigentlich Baustellen sind, sehe ich Verbesserungsbedarf. Für die Zukunft hoffe ich auf weitere tolle Zusammenstellungen. Dann auch gerne mit Songs von den Beatles oder David Bowie. Komisch, es kommt mir so vor, als hätte ich diesen Wunsch schon einmal geäußert.

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