Review: Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 7)

Obwohl die Anime-Serie Neon Genesis Evangelion lediglich von 1995 bis 1996 lief und die Geschichte um den Protagonisten Ikari Shinji im Abschlussfilm The End of Evangelion 1997 beendete, überdauerte die Manga-Reihe die Vorlage mehrere Jahre. Tatsächlich erschien der Manga in Japan über einen Zeitraum von achtzehneinhalb Jahren und endete erst 2013. Allerdings endet die Story im Gegensatz zu anderen Werken dieser Machart recht ähnlich wie im Anime, erzählt also nicht großartig über den eigentlichen Handlungsbogen hinaus neue Begebenheiten. Dies wäre bei dem von Anno Hideaki erdachten Werk eh nicht wirklich denkbar. Trotz allem bietet der Manga von Sadamoto Yoshiyuki, wie es schon verstärkt in den letzten beiden Bänden zu sehen ist, genügend Raum, um von der Vorlage abzuweichen, aber dennoch gleichermaßen Konsistenz im Fortgang der Geschichte. Direkt beim Auftakt des letzten respektive siebten Bandes ist zu erkennen, dass der Manga die teilweise ganz schön verstörenden Geschehnisse aus dem Anime abschwächt. So eilt Shinji seiner Kollegin Sōryū Asuka Langley im Kampf gegen die von der Organisation SEELE geschickten Evangelion-Einheiten zur Hilfe. Wie im Anime wird klar, dass nach dem Verschwinden der Engel die Menschheit selbst noch grausamer sein kann. Dadurch wird Shinji im letzten Band vor eine Wahl gestellt.

Konsistenz, aber versöhnlicheres Ende

Zu sehr ins Detail soll an dieser Stelle nicht gegangen werden, wäre doch jede Einzelheit ein wahrer Spoiler über den Ausgang der Handlung von Neon Genesis Evangelion. Es lässt sich aber sagen, dass der Actionanteil stark zurückgefahren wurde. Zwar gibt es nach wie vor ein paar brachiale Kämpfe der Evangelion-Einheiten zu sehen, doch orientiert sich Künstler Sadamoto stark an der Vorlage. Dementsprechend geht er deutlich mehr auf das Innenleben des Protagonisten ein, der sich entscheiden muss, welche Welt er sich durch das Auslösen des Third Impacts wünscht. Zur gleichen Zeit sehnt sich sein Vater Gendō schon danach, seine verstorbene Frau wiederzusehen. Dafür ist er jedoch auf die Hilfe von Ayanami Rei angewiesen, die allerdings plötzlich ihren eigenen Willen entdeckt hat. Die Wissenschaftlerin Akagi Ritsuko versucht die beiden unterdessen aufzuhalten. Zum Ende hin löst sich auch der Manga immer mehr von den etablierten Strukturen der Vorlage. Dadurch gibt es auf vielen Seiten des letzten Bandes auch keine Sprechblasen. Stattdessen sprechen die Bilder eine eigene Sprache. Verlust, Trauer, Liebe und Geborgenheit sind zentrale Themen, welche die Bildsprache dem Leser vermittelt. Das Ende im Manga weicht allerdings stark vom Anime ab und fühlt sich damit sogar ein wenig versöhnlicher an. Was nun besser ist, muss jeder für sich entscheiden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Im Handlungsverlauf der Manga-Reihe von Neon Genesis Evangelion nehmen die Unterschiede zur Anime-Vorlage zwar mehr und mehr zu, doch bleiben die Kerninhalte recht konsistent. Mir gefallen diese kleinen Nuancen ziemlich gut – und auch im letzten Band werde ich nicht enttäuscht. Das geht sogar so weit, dass ich auf den letzten Seiten auch ein ganz anderes Ende serviert bekomme. In meinen Augen ist dieser Abschluss sogar etwas versöhnlicher und stellenweise sogar verständlicher. Ob dieses Ende nun besser ist als das Finale der Anime-Serie, möchte ich nicht sagen, aber es ist eben ein alternativer wie möglicher Ausgang der Story und als solchen finde ich ihn dem Werk angemessen. Schade finde ich jedoch, dass der letzte Band auf vielen Seiten auf Sprechblasen verzichtet. Stattdessen sprechen die Bilder ihre eigene Sprache. Auch das ist nicht schlimm, doch mag ich persönlich klare Informationen mehr als einen zu großen Interpretationsspielraum. Trotzdem bin ich sehr froh darüber, dass ich die Reise auch in Manga-Form abgeschlossen habe. Sadamoto Yoshiyuki hat das Neon-Genesis-Evangelion-Universum um eine wichtige Komponente erweitert und als solche kann ich schlussendlich die Manga-Umsetzung jedem Fan von Mecha-Action und intelligenten Geschichten empfehlen.

Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 7)!

Abbildungen: AIZOUBAN NEON GENESIS EVANGELION © Yoshiyuki Sadamoto 1994, KADOKAWA CORPORATION

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