Review: Shinobi: Art of Vengeance

Totgesagte leben oft länger – auch um die Shinobi-Reihe ist es nach dem mittelmäßigen Shinobi für den Nintendo 3DS fast anderthalb Jahrzehnte ruhig geworden. Shinobi: Art of Vengeance belebt das actionreiche Franchise neu und kombiniert es mit Metroidvania-Elementen.

Dass Ninja verdammt cool sind, wussten Videospieler dank Werken wie Shinobi oder Ninja Gaiden bereits in den 1980er-Jahren und auch Filmfans haben die japanischen Allzweckwaffen seit jeher ins Herz geschlossen. Auch wenn Shinobi und Kunoichi nicht mehr aus der Populärkultur wegzudenken sind, werden sie in Videospielform häufig auf ihre Kriegerrolle reduziert. So geschehen ist es auch in Shinobi: Art of Vengeance, das Ende August 2025 für die Switch, die gängigen PlayStation- und Xbox-Konsolen sowie dem PC erschienen ist. Warum das so ist, könnte schon im Titel des Spiels abzulesen sein: Der Protagonist Joe Musashi schwört Rache, denn ein dubioses Unternehmen unter der Leitung des gefürchteten Lord Ruse hat zwei seiner wertvollsten Verbündeten in Stein verwandelt. Mit dem Schwert in der Hand geht es auch in diesem Serienteil in einladende zweidimensionale Levels, um sich den Schergen und Handlangern des durchtriebenen Antagonisten zu stellen. Im Gegensatz zu früheren Episoden der Reihe, in denen wir nur schnurstracks durch die Levels zum Ziel rennen, bedient sich Shinobi: Art of Vengeance auch frech am beliebten Metroidvania-Subgenre. Trotz allem sind die Levels in sich geschlossen und werden der Reihe nach über eine Oberwelt ausgewählt – eine zusammenhängende Spielwelt wie zum Beispiel in Metroid Dread gibt es nicht.

Weitläufige Gebiete mit etlichen Geheimnissen

Nichtsdestotrotz gibt es Gründe, später in ein bereits besuchtes Areal zurückzukehren. Überall verstecken sich kleine Geheimnisse und mächtige Collectibles, die wir nur erreichen können, wenn wir beispielsweise glühende Wände per Hammerschlag durchbrechen und Wände oder Decken per Ninjakrallen erkraxeln. Gerade jene Spieler, die wie in Kirby und das vergessene Land gerne mehrfach ein Level abschließen wollen, um wirklich alles zu finden, dürften Gefallen an diesem Konzept haben. Wer darauf keine Lust hat, kann Shinobi: The Art of Vengeance auch ohne Wiederholungen spielen – quasi in der Tradition der älteren Serienteile. Es sei hierzu jedoch gesagt, dass die einzelnen Levels, zu denen unter anderem ein Dorf in einem Bambuswald, nebelverhangene Industrieanlagen und düstere Höhlen gehören, sehr weitläufig ausfallen. Beim ersten Spielen eines Levels dauert es schon mal gut eine halbe Stunde, bis wir das Ende erreicht und den abschließenden Bossgegner besiegt haben. Auf dem Weg zum Obermotz bekämpfen wir aberdutzende Gegner, indem wir sie mit leichten und starken Hieben unseres Katanas bekämpfen. Feinde in der Ferne nehmen wir hingegen mit den wurfmesserartigen Kunai aufs Korn. Hinzu kommen weitere Spezialfähigkeiten wie Ninpō für einzelne Gegner oder mächtige Ninjutsu, um direkt alle Gegner auf dem Bildschirm zu pulverisieren.

Audiovisueller Genuss bei guter Technik

Darüber hinaus verfügt jeder Gegner in Shinobi: Art of Vengeance neben der Lebensenergie über eine Verteidigungsleiste. Brechen wir diese, können wir jeden Gegner mit gebrochener Verteidigung auf dem Bildschirm mit einem Schlag töten. Neben Lebensenergie und Munition in Form von Kunai erhalten wir auch Geld, welches wir wiederum bei den Händlern, die sich mehrfach im Level befinden, ausgeben können. Das Angebot hängt des Weiteren davon ab, wie viele Relikte wir gefunden und den Händlern überreicht haben. Auch deshalb lohnt sich ein weiterer Besuch der einzelnen Levels später umso mehr. Bedientechnisch funktioniert das Actionspiel ordentlich. Wir springen über Abgründe, weichen Attacken aus, machen uns für den Gegenangriff bereit und setzen unsere Spezialfähigkeiten ohne Verzögerung ein. Lediglich der Umstand, dass die Steuerung schon früh im Spiel etwas überladen wirkt, könnte den einen oder anderen Actionfan stören. Es braucht schon ein wenig Einarbeitungszeit, um Ninpō, Ninjutsu und weitere Techniken, die wir im Verlauf des Spiels erlernen, korrekt einsetzen. Ninja Gaiden: Ragebound, das auf einen Pixel-Look setzt, kontert Shinobi: Art of Vengeance mit einem gezeichneten Grafikstil. Auch die Musik von Tiago Lopes und Koshiro Yūzō ist über alle Zweifel erhaben und untermalt das actionreiche Geschehen hervorragend.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Nachdem bereits vor Kurzem Ninja Gaiden: Ragebound die Rückkehr einer totgeglaubten Videospielserie gefeiert hat, ist nun auch Shinobi: Art of Vengeance an der Reihe, ein Franchise wiederzubeleben. Auch diese Reinkarnation gefällt mir. So ist die Action nicht nur aufgrund des malerischen Grafikstils, der tollen Musik von Tiago Lopes und der Komponistenlegende Koshiro Yūzō und der passenden japanischen Synchronisation gelungen, sondern auch aufgrund der in meinen Augen sehr guten Spielbarkeit. Gerade die Kämpfe gehen flott von der Hand und spielen sich flüssig, sobald die Steuerung, die gerade zu Beginn etwas überladen wirkt, gemeistert ist. Es entsteht regelrecht ein motivierender Spielfluss, der auch damit zusammenhängt, dass ich Joe Musashi zu einer immer stärker werdenden Killermaschine ausbauen will. Daher stört es mich auch nur bedingt, bereits gespielte Levels noch einmal anzugehen, um die letzten Collectibles zum Verbessern zu suchen. Lediglich dass die Levels mir aufgrund ihrer Weitläufigkeit ein wenig zu groß erscheinen, ist dann doch etwas, was mich stört. Kürzere, aber dafür prägnantere Spielabschnitte hätten dem Titel meiner Meinung nach gut getan. Habt ihr mit der Levelstruktur kein Problem, dann solltet ihr euch Shinobi: Art of Vengeance unbedingt zu Gemüte führen!

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shinobi: Art of Vengeance!

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