Als im Jahr 2003 Kirby Air Ride für den GameCube erschien, erhielt das Spiel von der Fachpresse durchschnittliche Kritiken. Den im November 2025 veröffentlichte Nachfolger für die Switch 2 feiern Fachmagazine hingegen – wir können uns diesem Tenor nur anschließen.
Geschmäcker können sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg ändern. 2003 war die Welt womöglich noch nicht bereit für ein Spiel dieser Art, da sie zu sehr an den Fun-Racer-Standard von Mario Kart 64 und Diddy Kong Racing gewohnt war. Gerade das Mario-Kart-Franchise hätte Kirby Air Riders im Jahr 2025 aber gefährlich werden können. Im Test entpuppte sich Mario Kart World jedoch als überraschend generisch, weshalb Kirby Air Riders sehr leichtes Spiel hat, unsere Herzen zu gewinnen. Dennoch, und das müssen wir schon an dieser Stelle klar betonen, wird der Fun-Racer von den Entwicklern bei Sora und den Bandai Namco Studios nicht jedem gefallen. Im Gegensatz zu Mario Kart World benötigt es bei Kirby Air Riders etwas mehr Einarbeitungszeit, welche ungeduldige Naturen vielleicht nicht haben. Wer sich aber auf den Fun-Racer einlässt, wird über etliche Stunden hinweg seine wahre Freude haben, da Können wesentlich mehr zählt als Glück. Starten wir das Spiel, können wir mittels eines aufgeräumten Hauptmenüs zu den verschiedenen Spielmodi agieren. Nichtsdestotrotz weist das Spiel direkt auf die Fahrschule hin, in der wir die Steuerung erlernen können. Das dauert zwar ungefähr eine Dreiviertelstunde, doch fühlen wir uns danach bestens vorbereitet auf die anderen Modi. Zusätzlich erhalten wir bei Auswahl dieser stets kurze Videotutorien.
Konzentration aufs Wesentliche
Hauptsächlich konzentriert sich Kirby Air Riders im Kern auf vier essentielle Modi. Da wäre zunächst der Air-Ride-Modus zu nennen. In diesem treten wir gegen fünf Kontrahenten auf Rennpisten an, die verschiedenen Welten aus dem Kirby-Franchise nachempfunden sind. Wer als erstes die Ziellinie nach einer festgelegten Rundenzahl oder vor Ablauf der Zeit überquert, gewinnt das Rennen. Im Top-Ride-Modus gelten dieselben Regeln, doch einerseits wird das Geschehen hier aus der Vogelperspektive dargestellt und andererseits sind es sieben Rivalen, die sich uns hier in den Weg stellen. Der Spielmodus erinnert zumindest stilistisch ein wenig an die Micro-Machines-Reihe, wie sie in den frühen 1990er-Jahren auf Super Nintendo und Co veröffentlicht wurde, doch inhaltlich setzt sich das turbulente Geschehen deutlich ab. Im City-Trial-Modus, den Nintendo im Vorfeld unter anderem auf der Gamescom 2025 überaus stark beworben hat, müssen wir unter Zeitdruck auf der frei erkundbaren schwebenden Insel Celestia Stärkungen in Form von Icons einsammeln oder von anderen Fahrern durch Anrempeln stehlen, um die eigenen Attribute zu verbessern. Nach Ablauf der Zeit kommt es zu einem Wettkampf, bei dem uns auf Basis unserer Attribute ein Minispiel vorgeschlagen wird. Hier müssen wir etwa Gegner besiegen, Laserschranken ausweichen oder Punkte sammeln.
On the Road again
Entscheiden wir uns hingegen für den Road-Trip-Modus, erleben wir die Story von Kirby’s Air Ride. Dies ähnelt ein wenig dem Subraum-Emissär aus Super Smash Bros. Brawl für die Wii, das ebenfalls von Entwicklerstudio und nicht zuletzt von Entwicklerlegende Sakurai Masahiro stammt. In diesem Modus bekommen wir es mit Herausforderungen aus den oben genannten Modi zu tun. Für Erfolge erhalten wir Stärkungen für unseren Fahrer und erhalten im Weiteren Zugriff auf verschiedene Vehikel, die wir zwischen den Etappen wechseln dürfen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Kirby Air Riders immens vom Platzhirsch Mario Kart World, denn wir müssen einerseits die Grundattribute unserer Fahrers, einen der titelgebenden Riders, im Auge behalten, und andererseits auch die Eigenschaften der Maschine genannten Fahrzeuge verstehen. Nicht nur die Steuerung, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, unterscheidet sich stark von anderen Fun-Racern. Jedes einzelne Vehikel verfügt über spezielle Besonderheiten, die es zu beachten gilt. So können wir mit manchen Maschinen besser in den Kurven driften, dafür aber weniger gut beschleunigen. Andere Maschinen sind hingegen darauf ausgelegt, nach Sprüngen länger in der Luft zu bleiben und dort für Tempo zu sorgen. Manche Maschinen sind zwar allgemein schnell, können aber keinen Temposchub ausführen.
Zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten
Ebenfalls gibt es Unterschiede bei den Fahrern, denn jeder Charakter verfügt über eine Spezialfähigkeit. Diese wird aktiviert, wenn wir genügend Gegner von der Fahrbahn gekickt haben. Auch können Fähigkeiten von Gegnern kopiert und eingesetzt werden, sodass ähnlich wie bei Mario Kart World oder bei Sonic Racing: Crossworlds Chaos auf der Piste ausbricht. Gegner oder Rivalen zu ignorieren bringt in Kirby Air Riders darüber hinaus absolut nichts, denn bei jedem besiegten Gegner winkt ein kleiner Geschwindigkeitsboost. Je nach Strecke fällt es uns leichter oder schwieriger, die Gegner zu treffen. Dementsprechend entpuppt sich der Titel als ein Fun-Racer, der einfach zu erlernen, aber schwierig zu meistern ist. Wir können euch nur dazu raten, die etlichen Fahrer und Maschinen einfach mal zu mischen und auszuprobieren. Ihr werdet erstaunt sein, wie anders und stets frisch sich der Titel durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten spielt. Das ist besonders deshalb überraschend, da der Titel auf eine minimalistische Steuerung setzt. So düsen wir mit unseren Vehikeln automatisch los und müssen nur zum Stoppen, einzelne Tempoboosts respektive zum Einleiten des Driftvorgangs und zum Einsatz von Spezialtechniken einen Knopf drücken, zumal manche Fähigkeiten ohnehin automatisch aktiviert oder ausgeführt werden. Anfangs ist das gewöhnungsbedürftig.
Absolut motivierender Fun-Racer
Seit wir Kirby Air Riders im Vorfeld bei Nintendo bereits anspielen konnten, hat der Titel nichts an seiner Faszination eingebüßt. Trotz anfänglicher Einarbeitungszeit gewöhnen wir uns schnell an die Bedienung. Auch wenn wir die Finger nicht ständig auf die Knöpfe hämmern müssen wie bei der (hauseigenen) Konkurrenz, bleibt das Gameplay nicht langweilig. Auf dem Bildschirm passiert ständig etwas, sodass wir auch ständig reagieren müssen. Bis auf den Road Trip können wir jeden Spielmodus im Mehrspielermodus angehen. Dies klappt sowohl lokal an einem einzelnen System, lokal auf mehreren Switch-2-Konsoslen und online. Im Online-Modus können wir sogar ein Fahrerlager für unsere Freunde errichten. Am besten gefällt uns aber, dass wir uns nicht nur ins kunterbunte, jederzeit flüssige und akustisch wunderbar unterlegte Spiel einarbeiten müssen, um immer besser zu werden. Es ist auch nicht von Anfang an alles freigeschaltet, sodass wir uns auch nach Stunden noch über neue Charaktere und Fahrzeuge freuen. Sakurai Masahiro und sein Team haben verstanden, wie sie einen Fun-Racer langfristig motivierend halten. Es ist zwar nicht alles perfekt gelöst, zum Beispiel fehlen Cups im Air-Ride-Modus und der City-Trial-Modus könnte länger sein, aber abgesehen von solchen Kleinigkeiten sieht Kirby Air Riders die Konkurrenz nur noch im Rückspiegel.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Seitdem Sakurai Masahiro in zwei langen Nintendo-Direct-Ausgaben sein Baby vorgestellt hat, bin ich von diesem hin und weg. Schon auf der Gamescom 2025 wollte ich den Controller nach der Anspielsession nicht mehr aus der Hand legen. Kirby Air Riders ist fast schon provokativ anders und täuscht mit seiner Simplizität über komplexe, aber mit der Zeit leicht zu verstehende Spielmechaniken hinweg. Egal ob ich Rennen nun aus der Third-Person- oder Vogelperspektive fahre, es macht einfach Spaß, den besten Weg über die Piste zu finden, Gegner zum Beschleunigen anzurempeln und massenweise Items einzusetzen. Ich könnte zwar verstehen, dass dem einen oder anderen Spieler die Steuerung zu komisch vorkommt und lieber bei Mario Kart World und Co bleiben will, aber ich kann nur dazu ermuntern, den Titel einfach einmal auszuprobieren. Ich sehe zwar durchaus Verbesserungspotenzial beim Aufbau des Air-Ride- und City-Trial-Modus, aber dafür, dass in diesem Spiel Können mehr zählt als Glück, ist der Titel für mich eine regelrechte Offenbarung, zumal sich das Spiel durch Einstellungsmöglichkeiten beim Regelwerk auf die eigenen Bedürfnisse zuschneidern lässt. Kirby Air Riders ist für mich nach Kirby und das vergessene Land in der Nintendo-Switch-2-Version das erste echte Must-have auf Nintendos zweite Hybridkonsole!
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kirby Air Riders!
Es ist doch ziemlich faszinierend, was für einen langen Atem Nintendo und Sakurai mit diesem, bislang doch eher unerfolgreichen, Konzept bewiesen haben, und dass im dritten Anlauf und 30(!) Jahre nachdem das alles – damals noch auf dem N64 – seinen Anfang nahm, doch noch ein offenbar wirklich gutes Spiel dabei herausgekommen ist.