Review: Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden

Bereits 2013 erschien die mit Absurditäten gespickte Lebenssimulation Tomodachi Life für den Nintendo 3DS in Japan und ein Jahr später überraschenderweise auch im Rest der Welt. Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden erschien im April 2026 direkt überall gleichzeitig.

Als das Seriendebüt im Jahr 2013 in Japan beziehungsweise 2014 in Europa erschien, musste sich Nintendo einem Aufschrei entgegenstellen. Mittels Patch hatte der Konzern verhindert, dass sich gleichgeschlechtliche Paare bilden. Auch wenn wir damals aufgrund gesetzlicher Bestimmungen in verschiedenen Ländern durchaus Verständnis für diese Situation gezeigt haben, prangerten wir klar an, dass sich sowohl Nintendos Einstellung als auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen schleunigst ändern müssen. Auch wenn es sicherlich noch ein weiter Weg ist, bis die gesamte Menschheit erkannt hat, dass nicht nur Platz für heterosexuelle Beziehungen bleibt, leben wir inzwischen in einer wesentlich diverseren Welt, in der ein anderes Bewusststein herrscht als noch in den frühen 2010er-Jahren. Auch Nintendo hat dies erkannt, sodass im zweiten Teil der Tomodachi-Life-Reihe womöglich für den einen oder anderen Spieler tatsächlich die untertitelgebenden Träume wahr werden. Jemand, der die erste Episode auf dem 3DS verpasst hat, fragt sich womöglich, was die Lebenssimulation auszeichnet. Das japanische Wort tomodachi bedeutet übersetzt „Freund“ – und darum geht es auch im Spiel. Wir erstellen Abbilder realer oder fiktiver Persönlichkeiten und lassen sie miteinander Freundschaften schließen. Klingt erst langweilig, ist aber durchweg unterhaltsam!

Insel voller Persönlichkeiten

Dreh- und Angelpunkt von Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist ein verlassenes Eiland, das wir sowohl selbst benennen als auch im Anschluss selbst bevölkern dürfen. Hierzu erstellen wir über einen Editor die Mii genannten Spielfiguren, die Nintendo im Jahr 2006 mit der Wii eingeführt, zwischenzeitlich jedoch aus den Augen verloren hat. Im Baukastenprinzip definieren wir ihre Hautfarbe, verpassen ihnen eine Frisur, formen vielfältig ihre Augen, Nase und Mund und entscheiden uns schließlich noch für Höhe und Breite der Figur. Damit nicht genug, legen wir noch den Geburtstag und somit das Alter fest. Am spannendsten ist jedoch die Option, mittels Schieberegler ihre Persönlichkeit festzulegen. Orientieren wir uns hierbei an realen Vorbildern, können dadurch tatsächlich Situationen entstehen, in denen wir frappierend ähnliche Verhaltensmuster im Spiel entdecken. In Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden agiert jede Spielfigur selbstständig. Dennoch können und müssen wir sie zumindest zu Beginn in bestimmte Richtungen schubsen, damit sie andere Inselbewohner kennenlernen und bestimmte Aktionen ausführen. Welche das wiederum sind, ist zumeist dem Zufall überlassen, sodass im Spiel viele unvorhersehbare Dinge passieren können. Da beobachten Miis Ameisenstraßen, unterhalten sich über absoluten Nonsens und schlafen auch schon mal ein.

Charakterentwicklung vom Feinsten

Das Verhalten der Miis kann im Verlauf des Spiels weiterhin angepasst werden, denn wenn wir ihnen zu essen geben, sie am Kopf tätscheln oder ihnen Kleidung schenken, die zu ihnen passt, erhalten wir Erfahrungspunkte, wodurch die Figuren im Level aufsteigen. Bei jedem Level-up können wir ihnen beispielsweise ein materielles Geschenk wie einen Laptop, eine Gitarre oder einen Fußball in die Hand drücken, womit sie sich im weiteren Spielverlauf in ihrer Freizeit auch regelmäßig wie eigenständig beschäftigen. Ebenfalls ist es möglich, ihnen besondere Verhaltensmuster zu verleihen. So können sie sich Essen hineinstopfen, sich fürstlich vor jemandem verbeugen oder wutentbrannt aufstapfen. Zu guter Letzt gibt es noch ganze Sprechphrasen, die wir für die Miis in Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden eintippen dürfen. Kennen wir also die typischen Phrasen von Menschen, die wir nachgebaut haben, ist dies also eine gute Möglichkeit, ihnen etwas mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wie schon der Vorgänger auf dem 3DS ist auch der zweite Serienteil vollständig vertont. Dies ist insofern möglich, dass die von uns festgelegten Stimmen der Figuren die Wörter Buchstabe für Buchstabe aussprechen. Gibt es Probleme bei der Aussprache, können wir mit einer Lautschrift für die korrekte oder zumindest ähnliche Betonung der einzelnen Wörter sorgen. Toll!

Angenehme Inselgestaltung

Je mehr wir auf die Wünsche und Bedürfnisse der Inselbewohner eingehen, desto mehr Belohnungen beziehungsweise Geschenke können wir am Wunschbrunnen freischalten. Damit steigt auch die Stufe der Insel, wodurch mehr Einkaufsmöglichkeiten und Orte zum Entspannen hinzukommen. Das ist motiviert und erhöht den Langzeitspaß, zumal durch mehr Bewohner auch mehr Leben an all diesen Orten entsteht. Selbst das Eingehen von Beziehungen, Eheschließungen und sogar Nachwuchs sind im Spiel vorgesehen, wodurch es stets erheiternd bleibt, da sich natürlich auch jene Figuren verlieben können, die sich in der Wirklichkeit spinnefeind sind. Eine nette Neuerung in Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist zudem die selbständige Gestaltung der Insel, denn noch freier als in Animal Crossing: New Horizons können wir Bauwerke wie die Häuser auf der Insel jederzeit selbst umstellen. Auch das Verlegen von Wegen und das Anbringen von Straßenlaternen gehört hierzu. Das Dekorieren der Häuser im Innern ist aber nur insofern möglich, dass wir uns beim Einrichtungshaus ein vollständiges Interieur mitsamt Layout erwerben. Das ist aber nur der Tropfen auf den heißen Stein, da das Spiel stark auf die Bildung zwischenmenschlicher Beziehungen abzielt. Das funktioniert in Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden echt gut. Wer eine entspannte Lebenssimulation mit dem Ehrgeiz, selbst viele Figuren zu erstellen sucht, schlägt hier zu!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mit Tomodachi Life hat Nintendo 2013 gezeigt, wie eine Lebenssimulation auf dem 3DS aussehen kann – vom Shitstorm bezüglich der Verweigerung von homosexuellen Beziehungen einmal abgesehen. Mehr als ein Jahrzehnt scheint dieser Umstand endlich in Vergessenheit zu geraten, denn Nintendo hat aus diesem Fehler gelernt und ist im zweiten Teil deutlich diverser aufgestellt, sodass im Spiel eine freie sexuelle Orientierung vorherrscht und Platz für menschliche Abbildungen diverser Geschlechter bleibt. In einer Lebenssimulation, die sich so sehr mit zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigt, ist dies unfassbar wichtig. Nicht nur aufgrund dieser Tatsache funktioniert Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden noch besser als das Seriendebüt, denn durch das Aufstufen der Charaktere und der Insel und die ineinandergreifenden Belohungen und Gegenstände, die freigeschaltet werden, macht es auch mehr als eine halbe Stunde am Stück Spaß, sich in der Inselidylle zu verlieren. Zudem ist das Bauen und Gestalten des Eilands wesentlich zugänglicher als bei Animal Crossing: New Horizons, sodass selbst Baumuffel hier ihre Freude finden können. Schade finde ich persönlich nur, dass das Spiel über keine Online-Anbindung verfügt, sodass beispielsweise Miis importiert oder exportiert werden können. Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden bleibt jedoch eine entspannte Lebenssimulation, die durch kuriose Träume, aberwitzige Situationen und regelrecht alberne Nonsensdialoge punktet. Wer sich darauf einlässt, wird die Switch so schnell nicht mehr aus der Hand legen!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden!

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