Review: Scream 3

Während Scream 2 als Nachfolger von Scream – Schrei! nach nur einem Jahr abgedreht sein musste, haben sich die Verantwortlichen für den dritten Teil gleich zwei Jahre Zeit gelassen. Scream 3 aus dem Jahr 2000 fällt daher qualitativ deutlich und durchgehend viel besser aus!

So manche Wege im Horrorfilmgenre sind unergründlich. Scream 2 aus dem Jahr 1997 hat zwar seine Momente, fühlt sich aber streckenweise beliebig und belanglos an. Bei Scream 3 ist das anders! Möglicherweise mag dies am Drehbuchautorenwechsel liegen, denn statt Kevin Meade Williamson zeichnet sich Ehren Kruger verantwortlich. Anstatt sich mit Nonsens zu beschäftigen, ist die schaurige Mordserie, die im fiktiven Woodsboro begann, wirklich Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Das fängt sogar damit an, dass es der von Isaac Liev Schreiber gespielte Exsträfling Cotton Weary und seine von Kelly Rutherford verkörperten Freundin Christine Hamilton direkt in der ersten Szene des Films mit dem neuen Mörder hinter der ikonischen Maske zu tun bekommen. Anschließend erstrecken sich die Morde und Mordversuche auf weitere Zielpersonen, bei denen es sich einerseits um bekannte Helden aus den vorherigen beiden Serienteilen handelt. Andererseits stehen auf der Todesliste des Mörders genau jene Schauspieler, die am Dreh von Stab 3, dem fiktiven Werk im fiktionalen Film, beteiligt sind. Sie verkörpern allen voran die sensationsgeile Reporterin Gale Weathers, den etwas tollpatschigen Deputy Dwight „Dewey“ Riley und nicht zuletzt Hauptfigur Sidney Prescott. Diese finden sich einmal mehr am neuen Handlungsort in Los Angeles zusammen.

Überraschende Stimmenverzerrung

Einige Zeit nach den Geschehnissen von Scream 2 mehren sich die Anrufe eines Unbekannten, der es einmal mehr auf Sidney abgesehen hat. Um sie aus der Reserve zu locken, macht der Mörder in aller Seelenruhe Jagd auf Menschen, die ihr entweder nahestehen oder auch ihre Aufmerksamkeit erwecken können, sollte deren Ableben in den Nachrichten bekannt werden. Gale riecht einmal mehr eine große Story und landet am Set von Stab 3, wo ihr Seelenverwandter Dewey als Berater tätigt ist, mit dem es auf Beziehungsebene einfach nicht klappen will. Obwohl der Film mit den typischen Motiven spielt, die aus den beiden Vorgängern und anderen Horrorfilmen zugenüge bekannt sind, gelingt es Scream 3 hier und da dennoch zu überraschen. Beispielsweise versteht es der neue Mörder mit einem Hightech-Stimmenverzerrer auch die Stimmen der Helden zu imitieren, was diese als Schlussfolgerung natürlich immer wieder in die Falle lockt, beabsichtigt in Sicherheit wiegt oder auf der psychischen Ebene terrorisiert. Detektiv Conan lässt grüßen – nur eben mit Terror, Angst und Schrecken. Während Gale und Dewey ihren Rollen treu bleiben, kommt die inzwischen als Telefonseelsorgerin arbeitende Sidney etwas zu ängstlich daher. Das mag menschlich sein, aber ihre Charakterentwicklung hat sich nach Scream 2 wirklich spürbar zurückentwickelt.

Verdächtigungen und Unvorhersehbarkeiten

Inszeniert wurde der Film abermals von Regisseur Wesley Earl „Wes“ Craven, dem Cast und Crew über vier Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind. Das ist Scream 3 im Gegensatz zum hastig produzierten zweiten Teil auch anzumerken. Positiv fällt auch auf, dass der Humor an den entscheidenden Momenten zurückgeschraubt wurde. Da der Mörder mal wieder eine gänzlich andere Person ist, ist diese auch nicht so tollpatschig. Auch wirken Schreckmomente nicht mehr unpassend komisch. Zeit für Humor bleibt dennoch, zumal auch der in Scream 2 frühzeitig verheizte und von James Harvey „Jamie“ Kennedy gespielte Randy Meeks noch einmal in Form einer stilecht vom Videoband abgespielten Botschaft auftaucht und wichtige Regeln des Horrorfilmgenres erklärt. Auch dass das fiktive Filmset von Stab 3 frappierend an den ersten Serienteil erinnert, spricht sarkastisch Bände. Beim Schauspiel sieht es ebenfalls gut aus, denn Scott Kellermann Foley spielt mit Roman Bridger einen exzentrischen Regisseur und Patrick Galen Dempsey verleiht Detective Mark Kincaid ein adrettes Äußeres. Mit weiteren illustren Figuren, die sich teils derart verdächtig machen, bleibt es abermals bis zum Schluss unklar, wer denn nun der Mörder in Scream 3 ist. Der Film endet ähnlich rund wie die beiden Vorgänger. Trotz des Abschlusses als Trilogie ging es 2011 aber noch einmal weiter.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Vom zweiten Teil der Scream-Reihe bin ich etwas enttäuscht, weshalb ich mit noch geringeren Erwartungen an den einstigen Abschluss der Trilogie gegangen bin. Scream 3 hat mich jedoch sehr positiv überrascht, da für eine Fortsetzung so gut wie alles richtig gemacht wurde. So konzentriert sich die Story gänzlich auf die neue Mordserie und hält sich nicht mit Albernheiten wie Aufnahmen in Studentenverbindungen auf. Auch wurde der Humor zurückgeschraubt, der meiner Meinung nach schon Überhand genommen hat. Zwar arbeitet Scream 3 den Umständen entsprechend mit witzigen Situationen, doch fügen sich diese wesentlich organischer in das Gesamtwerk ein. Zuweilen wird auch ein sarkastischer Unterton angenommen, wenn Protagonistin Sidney sich zum Beispiel auf einmal an einem ihr wohlbekannten, aber rekonstruierten Ort wiederfindet. Ein paar Albernheiten wie ein Hightech-Stimmenverzerrer sind zwar auch im dritten Teil enthalten, doch passt dies hervorragend in die nicht ganz so ernste Filmlogik. Ein herausragender Film wird aus Scream 3 deshalb zwar nicht, aber Fans des Debüts kommen hier auf ihre Kosten.

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