Obwohl die Switch 2 seit über einem Jahr dabei ist, die Switch nach und nach abzulösen, hat Nintendo für die Besitzer der 2017 veröffentlichten Konsole noch das eine oder andere Spiel in der Hinterhand gehabt. Rhythm Paradise Groove dürfte dabei den Schlussstrich markieren.
Seit dem Jahr 2006 begeistert die Rhythm-Paradise-Reihe hartgesottene Fans von Rhythmusspielen. Angefangen auf dem Game Boy Advance, hat die Reihe ihren Weg auch auf den DS, die Wii und den 3DS geschafft. Seit zehn Jahren ist es um eines von Nintendos kuriosesten Franchises jedoch still geworden. Mit dem im Juni 2026 veröffentlichten Rhythm Paradise Groove erhielt die Reihe neuen Aufwind, wird aber auch in diesem Serienteil wieder nur eine überschaubare Zielgruppe ansprechen. Das von Nintendo Entertainment Planning & Development entwickelte Werk verzichtet auf eine Story und versetzt uns stattdessen in unterschiedliche Spielsituationen, die derart mit Absurditäten vollgestopft sind und womöglich gerade deshalb eher Fans von übertriebenem Humor aus dem Land der aufgehenden Sonne ansprechen. Ob ihr mit dem Titel Spaß haben werdet, hängt jedoch ganz davon ab, wie gut ihr euch in Rhythmusspielen anstellt. Das auf dutzende Minispiele aufgeteilte Rhythm Paradise Groove spielt sich grundsätzlich sehr zugänglich, was daran liegt, dass pro Spielaufgabe meist nur ein, selten zwei oder mehr Knöpfe für zu tätigende Eingaben verlangt werden. Es kommt jedoch auf das richtige Timing an – wer dafür kein Gespür hat, wird im Spiel so schnell kein Land sehen. Es sei denn, ihr kniet euch richtig rein und wiederholt die Minispiele mehrfach.
Minispiele voller Absurditäten
Bei den Minispielen von Rhythm Paradise Groove kommt der besagte durchgeknallte Humor zum Vorschein. Beispielsweise hüpfen Frösche über mehrere Seerosenblätter. Sobald eines der Amphibien auf dem letzten Blatt aufkommt, müssen wir im richtigen Moment den Aktionsknopf auf unserer Steuerungseinheit drücken, damit der jeweilige Frosch in die Luft katapultiert wird. An anderer Stelle sind wir das Mittelstück einer dreiteiligen Autokolonne und müssen im richtigen Moment bremsen oder beschleunigen, was die Koordination von zwei Knöpfen notwendig macht. Etwas komplizierter wird es, wenn verschiedene Aktionsknöpfe in einer bestimmten Reihenfolge gedrückt werden müssen. Unter anderem müssen wir im Takt zwei Knöpfe hintereinander drücken, um mit einem im Rhythmus kommunizierenden Außerirdischen zu sprechen. Auch eine Tanzeinlage, in der wir nach links und rechts huschen und eine Stellung einnehmen müssen, zeigt das Ausmaß, wie kompliziert ein vermeintlich simples Spiel am Ende eines Tages doch sein kann. Erschwerend kommt hinzu, dass Rhythm Paradise Groove die Minispiele ein wenig schwieriger inszeniert, indem der Rhythmus hier und da ein wenig wechselt, Teile des Bildschirms verdeckt oder akustische Signale stummschaltet. Während Anfänger das ziemlich nerven dürfte, kommen Liebhaber des Genres auf ihre Kosten.
Minispiele als Hindernisse
Problematisch ist, dass die grafisch kunterbunten Minispiele in einer linearen Abfolge freigeschaltet werden. Kommen wir also schon im zweiten oder dritten Minispiel nicht weiter, können wir dieses nicht überspringen. Hier kennt Rhythm Paradise Groove kein Pardon. Verstehen können wir diesen Entwicklungsschritt, denn nach vier abgeschlossenen Minispielen müssen wir einen Remix absolvieren, in dem uns bekannte Spielchen in schnellem Wechsel vorgesetzt werden. Da das Tempo hier oft hoch ist und die Musik von Komponist Terada „Tsunku“ Mitsuo hier richtig fetzt, machen uns diese Remix-Levels aufgrund Geschwindigkeit und Anspruch am meisten Spaß. Stellen wir uns in den Minispielen gut an, was durchaus mehrere Anläufe benötigen kann, erhalten wir Medaillen, mit denen wir weitere Minispiele wie die Kapitel eines Rhythmusrollenspiels freischalten. Ebenso gibt es im Spiel weitere Minispiele, die nur im Mehrspielermodus vorhanden sind. Aufgrund von Latenzzeiten sind diese nur offline an einer Konsole spielbar. Online-Ranglisten hätte es aber schon geben dürfen, Nintendo! Spaß macht der Multiplayer-Modus auch nur, wenn jeder über ein gutes Rhythmusgefühl verfügt, denn sonst können schon die Tutorials vor jedem Minispiel von Rhythm Paradise Groove zu einer anstrengenden und unerfüllten Angelegenheit verkommen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Obwohl ich mir irgendwann einmal Rhythm Paradise für den DS und Rhythm Paradise: Megamix für den 3DS zugelegt habe, konnte ich bislang keine Zeit in diese beiden aus heutiger Sicht fast schon als Klassiker zu bezeichnenden Rhythmusspiele investieren. Mit Rhythm Paradise Groove habe ich der Videospielserie endlich eine Chance geben können – und bin zwiegespalten. Einerseits mag ich den durchgedrehten japanischen Humor des Spiels, der mich zusammen mit dem Soundtrack von Tsunku bei Laune hält. Allerdings kommt für mich nur selten ein richtiger Spielfluss auf, denn bei jedem Minispiel, das am Ende höchstens zwei Minuten Zeit in Anspruch nimmt, muss ich mich erst durch ein spielbares Tutorial quälen, um den Takt herauszuhören. Gerade im Mehrspielermodus kann das unfassbar nervig für einen Teil der Spieler sein, denn wenn einer kein gutes Rhythmusgefühl hat, aber dennoch mitspielen möchte, muss er sich erst einmal reinfuchsen, was unter Umständen deutlich länger dauern kann, wie das Minispiel eigentlich Zeit in Anspruch nehmen müsste. Ist diese Hürde einmal überwunden, kann der Titel aber durchaus Spaß machen. Wirklich überzeugt bin ich aber nicht, weshalb ich Fans von Rhythmusspielen eher Theathryhtm: Final Bar Line empfehlen würde. Lediglich Genreprofis möchte ich uneingeschränkt zum Kauf raten, denn diese werden die Hürden von Rhythm Paradise Groove sicherlich mit Bravour meistern.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rhythm Paradise Groove!