Prime Time: Gothic II (Limited Gold Edition) Unboxing

Wieder einmal hat Eric in sein Regal gegriffen, um euch die Limited Gold Edition von Gothic II vorzustellen. Diese Edition beinhaltet nicht nur das Hauptspiel Gothic II, sondern auch das Add-On Die Nacht des Raben. Zusammen haben beide Werke aus dem Hause Piranha Bytes ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Prompt wurde dieses Spiel zu Erics absolutem Lieblingsrollenspiel auf dem PC, was man im Unboxing-Video sicherlich deutlich bemerken kann.

Review: Risen 2: Dark Waters

Spätestens seit 2003 sind Piraten wieder schwer im Kommen. Das liegt zum einen natürlich an Gore Verbinskis Fluch der Karibik, an der The-Secret-of-Monkey-Island-Neuauflage und womöglich auch an der Piratenpartei, die erst kürzlich in den nordrheinwestfälischen Landtag eingezogen ist. So schickt auch Piranha Bytes den namenlosen Helden in die Südsee.

Wer Risen damals nicht gespielt hat und dies noch nachholen möchte, sollte jetzt nicht mehr weiterlesen und den ersten Absatz unbedingt überspringen, um nicht gespoilert zu werden. Es ist Tradition, dass der namenlose Held in Piranha-Bytes-Spielen zu Beginn eines Nachfolgers alle zuvor gelernten Fähigkeiten einfach vergisst. Dieses Mal wird der Gedächtnisverlust mit dem übermäßigen Konsum von Alkohol erklärt, denn nachdem unser Recke in Risen noch die Insel Faranga vor einem Feuertitan gerettet hat, konnte er das Erlebte auf Dauer wohl nicht verkraften und hat sich im Rum ersäuft. Egal für welche Fraktion wir uns damals entschieden haben – die Geschichte von Risen 2 beginnt für uns als Protektor der Inquisition in Caldera, der letzten Bastion der Menschheit in der alten Welt. Auf dem Meer toben weiterhin die Titanen, insbesondere das Krakenmonster Mara. Sie will die Menschheit vernichten und dabei ist ihr jedes Mittel recht. Zu Beginn des Abenteuers müssen wir miterleben, wie Mara ein Schiff der Inquisition nahe der Küste in die Tiefen des Meeres zieht. Am Stand sollen wir Ausschau nach Überlebenden halten und da begegnet uns Patty, die Freundin des Helden, die sich noch gerade an Land retten konnte. Von ihr erfahren wir bald, dass es Gerüchte um eine Waffe gegen die Titanen gibt. Wir sollen uns auf die Suche begeben und die Waffe finden.

Aller Anfang ist leicht

Zunächst heißt es, Pattys Vater auf der entfernten Insel Takarigua zu finden. Dieser soll sich bei den Piraten herumtreiben. Dass diese auf Protektoren der Inquisition nicht gut zu sprechen sind, erfahren wir ebenso schnell wie unsere werte Freundin unsere gesamte Ausrüstung über Bord wirft. Undercover heißt es nun, einen Weg auf die andere Seite der Insel zu finden, um mit Kapitän Stahlbart auf der Suche nach der mächtigen Waffe in See zu stechen. Kenner der Piranha-Bytes-Titel wissen bereits, wie sie jetzt vorgehen werden. Unbewaffnet grenzt es am Selbstmord, über die Insel zu schlendern. Also erledigen wir in Puerto Sacarico eine Aufgabe nach der anderen und erhalten so entweder nützliche Goldmünzen, wertvollen Proviant oder gar ein paar Ausrüstungsgegenstände. Gut gerüstet stellt es dann auch kein Problem mehr dar, die Insel sicher zu überqueren. Abenteurernaturen wandern aber natürlich abseits der Wege, um so Geheimnisse aufzudecken und die weit verbreiteten Schatztruhen zu plündern. Haben wir es dann nach ein paar Umwegen doch noch auf die andere Seite des Eilands und somit ins Piratennest geschafft, ist das große Schiff am Pier nicht mehr zu übersehen. Tochter Patty und Vater Gregorius Stahlbart freuen sich über das Widersehen, auch wenn Patty nicht ganz so gut auf ihren Vater zu sprechen sein dürfte, wie Kenner der ersten Teils vermutlich wissen.

Eine Spielwelt zum Erkunden

Jedenfalls erfahren wir schon bald, dass es nicht nur ein Artefakt gibt, welches Mara in ihre Schranken weisen soll. Das Abenteuer und somit auch die Reise quer durch die Südsee ist um ein vielfaches größer, als man es sich zu Beginn des Spiels vielleicht vorstellen mag. Wer auf eine große Insel wie Faranga hofft, wird gegebenenfalls enttäuscht. Die Spielwelt besteht aus mehreren Inseln und Küstenabschnitten, die bestenfalls halb so groß wirken, durch ihre Wege aber stellenweise sehr eingeschränkt werden. Keine Sorge – Schlauchlevels wie in Final Fantasy XIII gibt es nicht. Die Landschaft lädt deutlich zum Erkunden ein und öfters treffen wir auch auf größere freie Gebiete, die wir nach Lust und Laune erforschen dürfen. Im Gegensatz zu Arcania: Gothic 4 sind diese dann auch mit Leben gespickt. So stoßen wir dann und wann auf Patrouillen, Einsiedler und selbstverständlich jede Menge Monster, die nicht weniger oft ihre wertvollen Habseligkeiten bewachen. Das Südsee-Abenteuer wird durch Eingeborene ergänzt, die neben der Inquisition die zweite Fraktion im Spiel darstellen. Obwohl wir ja eigentlich verdeckt für die Inquisition arbeiten, haben wir nach circa zehn bis fünfzehn Spielstunden die Möglichkeit, die Seiten zu wechseln und gemeinsam mit den Eingeborenen zu kämpfen. Oder wir bleiben unserem Beruf treu und verdeutlichen noch einmal für die Inquisition einzutreten.

Die Qual der Wahl

Obwohl es anfangs wohl so geplant war, als dritte Fraktion die Piraten einzuführen, ist es im fertigen Spiel so gekommen, dass wir an einer bestimmten Stelle automatisch zum Seeräuber ernannt werden. Tatsächlich kämpfen wir also weiterhin für unsere eigene Sache. Mit der im letzten Absatz genannten Fraktionswahl schlagen wir eher die Richtung unserer Fähigkeiten ein, die wir im Spiel erlernen werden. Bei der Inquisition erlernen wir zum Beispiel, wie man mit Musketen umgeht. Die Musketen sind unserer Meinung die stärksten Schusswaffen in der Welt von Risen 2, denn während wir bei Pistolen schon mal zwanzig Sekunden brauchen, um sie erneut einzusetzen, benötigen wir bei Musketen nur ein Zehntel der Zeit. Wenn uns diese Waffen nicht zusagen, sollten wir beim Eingeborenenstamm der Shaganumbi anheuern. Die Eingeborenen unterrichten uns dann in den Künsten des Voodoo, sozusagen der Magie des Spiels. Zaubersprüche wie wir sie aus Risen her kennen, gibt es im zweiten Teil nicht mehr. Warum das so ist und warum es mittlerweile auch schon Schusswaffen gibt, erfahren wir im späteren Teil des Spiels in den zahlreichen Dialogen. Die Gespräche zwischen dem Helden und den illustren Charakteren sind wieder einmal mit das Herzstück des Spiels. Das Essener Entwicklerstudio hat wieder einmal den Ruhrpottcharme mit Fantasy vermischt.

Umgeworfenes Level-System

Dementsprechend herrscht in Risen 2 wieder einmal ein rauer Umgangston. Ganz an die alte Klasse der Gothic-Reihe reichen die Dialoge in Risen 2 allerdings nicht heran. Das war beim Vorgänger leider kaum anders, doch die Diskussionen mit den Persönlichkeiten der Spielwelt sind deshalb nicht weniger interessant. Wie bereits erwähnt, sollten wir unbedingt mit jedem Charakter reden und uns möglichst gut mit ihnen stellen, um an die wichtigen Informationen über die Südsee und deren Geschichte zu erfahren. Hier zeigen die Entwickler, mit wie viel Liebe zum Detail sie gearbeitet haben, um die Welt möglichst realistisch zu gestalten. Dies ist auch beim Level-System zu bemerken, welches man für das neue Rollenspiel umgestaltet hat. Nach wie vor erhalten wir Erfahrungspunkte (mit dem Unterschied, dass sie jetzt Ruhmpunkte heißen), doch damit stufen wir nun nicht mehr unseren Helden auf. Stattdessen dürfen wir die Punkte eigenmächtig auf fünf unterschiedliche Attribute verteilen. Diese hören auf die Namen Klingen, Feuerwaffen, Härte, Gerissenheit und Voodoo. Je höher ein Attribut ausfällt, desto mehr Ruhmpunkte müssen wir für den Stufenaufstieg bezahlen. Lernpunkte gibt es übrigens jetzt auch nicht mehr. Stattdessen gehen wir zu einem Lehrer, bei dem wir nach Erreichen eines bestimmten Attributwertes die eine oder andere Fähigkeit für Gold erlernen können.

Limitierungen durch Talentwerte

Beispielspielweise bitten wir einen Meisterdieb, uns in der Diebeskunst zu unterrichten. Wenn wir genügend Klimpergeld auf den Tisch legen und die Voraussetzungen, wie das mindeste Attributlevel und gegebenenfalls andere bereits erlernte Fähigkeiten erfüllen, erhalten wir so einen Bonus auf die allgemeinen Talente. Um Truhen zu öffnen oder Leute auszurauben, ist jetzt also ein bestimmter Talentwert vonnöten. Im Falle des Taschendiebstahls kann ab sofort aber nichts mehr schiefgehen – ist der benötigte Talentwert erreicht, bemerkt der Beraubte nun nichts mehr. Liegt unser Wert darunter, ist die Funktion gar nicht auswählbar. Selbiges gilt auch für die Talente Silberzunge und Einschüchtern. Entweder es funktioniert oder die Option bleibt uns verwehrt. Das finden wir sehr schade, da diese Limitierung der Natürlichkeit der Spielwelt schadet. Wenn wir eine verschlossene Truhe knacken wollten, war es in Risen noch nötig, sich mit einer ausreichenden Anzahl an Dietrichen zu bewaffnen, die beim Versuch, die Truhe zu öffnen auch schon mal abbrechen konnten. In Risen 2 erhalten wir relativ früh im Spiel einen unzerstörbaren Dietrich, mit dem wir dann in einem Minispiel (welches sehr an The Elder Scrolls IV: Oblivion erinnert) so oft wir möchten das Schlösserknacken von vorne beginnen können – vorausgesetzt, dass wir auch hier über den nötigen Talentwert verfügen.

Natürlichkeit der Spielwelt

Was sich Piranha Bytes hierbei gedacht hat, ist uns ein Rätsel. Die Entwickler sollten darüber nachdenken, dieses Manko mittels eines Patchs zu verändern und das alte System wieder einzuführen, in welchem auch mal etwas schiefgehen kann. Zudem regen sich viele Bewohner der Spielwelt nicht mehr so wirklich darüber auf, wenn wir ihnen vor der Nase den einen oder anderen Gegenstand wegschnappen. Die sagen dann zwar was, aber machen nichts – wie einer der Charaktere in Risen 2 vortrefflich ausdrückt. Das Wegfallen der Lernpunkte kommt der Atmosphäre des Spiels aber deutlich zu Gute. Dadurch, dass jetzt nur noch der Wissenstand des Charakters und Gold als sehr natürliche Begrenzung für das Erlernen neuer Fähigkeiten dienen, wirkt das Gesamtbild wesentlich stimmiger. Die Stimmung kommt natürlich auch in den wenigen Gemeinden der Spielwelt zum Ausdruck. Das Piratennest, Puerto Isabella, das Dorf der Shaganumbi oder die Expedition der Inquisition wirken allesamt so, als seien sie für genau jenen Standort entworfen. Es ist lediglich schade, dass eine größere Stadt wie Khorinis in Gothic II (samt ihren zahlreichen Einwohnern) fehlt. Die unterschiedliche Architektur der Dörfer und Städte wirkt abwechslungsreich und man fühlt sich fast so wie in einer Stadt des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts der Südsee versetzt.

Problematisches Kampfsystem

Weniger gut fanden wir allerdings das Kampfsystem. Obwohl man zuvor versucht hat, mittels des Motion-Capturing-Verfahrens die Bewegungen im Kampf noch glaubhafter zu gestalten, wurde die Entwicklung hier gebremst. Herausgekommen sind Kämpfe gegen menschliche Gegner, die stellenweise sehr unfair gestaltet sind. Während wir gegen einen feindlichen Pirat im Zweikampf kämpfen, schießt sein Kollege meistens noch auf uns, woraufhin wir kaum die Gelegenheit haben, auszuweichen. Selbstverständlich wirkt das realistisch, doch die Abfolge der Schläge ist es bei weitem nicht. Dann und wann haben wir es erlebt, wie wir in eine Ecke gedrängt werden und einen Angriff nach dem anderen über uns erdulden mussten. Schlimmer wird dies mit dem einen oder anderen Gegner, der uns dann ähnlich wie die Wildschweine in Gothic 3 in eine Angriffskette verstrickt. Ganz so schlimm ist das in Risen 2 natürlich nicht, doch können wir über diese Fehler nicht hinwegsehen. Dafür freut es uns, dass wir die zweite Hand unseres Charakters wahlweise mit einer Pistole, einem Papagei oder mit Salz ausrüsten dürfen. Während die Funktionsweise der Pistole jedem geläufig sein sollte, kann der Papagei den Gegner ablenken und wenn wir dem Gegner Salz in die Augen streuen, nutzen wir einen so genannten schmutzigen Trick und erkämpfen uns leicht einen Vorteil im Gedränge.

Kaum spürbare Auswirkungen

Während die künstliche Intelligenz der Gegner teilweise übermächtig ist, können wir dies von unserer Crew leider nicht behaupten. Befinden wir uns im Zweikampf mit einem Gegner, so mischen sie sich nur selten in diesen ein und stehen oftmals lieber herum und genießen den Kampf. Wenn wir diesen auch noch verlieren und unter Umständen sterben, hauen sie uns noch einen zynischen Spruch hinterher. Das wäre witzig, wenn unsere Kooperation ordentlich im Kampf mitgemischt hätte. Sobald wir allerdings über eine Muskete verfügen, verlaufen die Kämpfe nochmals ungleicher ab – dieses Mal allerdings zu unserem Gunsten. Bei manchen Quests ist das aber umso fieser, da von uns dann und wann ganz klar ein fairer Zweikampf erwartet wird. Aber man kann einen Kampf zwischen einem Eingeborenen mit Speer und unserer Wenigkeit mit Schrotflinte bewaffnet kaum mehr als fair bezeichnen. Das Spiel macht hier allerdings keinen Unterschied. Es ist egal, wie wir den Kampf gewinnen. Der Ausgang ist der gleiche – der Quest ist erfüllt. Das ist auch irgendwie das Problem an Risen 2, weshalb es bei vielen Magazinen im Vorfeld herbe Kritik hagelte. Auswirkungen sind in Risen 2 kaum zu sehen. Es kommt zwar schon mal vor, dass ein Charakter mies auf uns gelaunt ist, wenn wir einmal nicht seiner Meinung sind, doch oft es ist es dann so, dass der Streit bald vergessen ist.

Der Weg zum Ziel

Dazu muss man auch die Dialoge mit einbeziehen. Entwickler Piranha Bytes schafft es zwar immer wieder sehr gut, unterhaltsame Geschichten zu erzählen und so auch immer wieder die bekannten Quests zu verkaufen, in denen wir beispielsweise zehn Pflanzen suchen, drei Gegner besiegen oder einen Gegenstand von einem Ort zum anderen bringen sollen, doch im Jahr 2012 reicht das einfach nicht mehr so ganz. Mit den Gesprächen und sogar mit den oftmals ähnlichen Quests kommen wir noch wunderbar zurecht, doch die Dialoge müssen spätestens beim Nachfolger deutlich facettenreicher werden. Es muss Entscheidungen geben, die sich auf Welt und Charaktere deutlich spürbarer auswirken. Wir reden hier nicht von unterschiedlichen Enden, sondern eher über den Weg zur Endsequenz, den die Entwickler deutlich abwechslungsreicher gestalten müssen. Zwar ist es in Risen 2 ab einer bestimmten Stelle möglich, die Inselwelt auf völlig verschiedenen Wegen zu bereisen, doch müssen wir alle Schauplätze aufsuchen, da sie für das Ende von Bedeutung sind. Obwohl das ein wenig negativ klingt, macht das Spiel trotzdem eine Menge Spaß und wer sich mit den Vorgängern arrangierte, ist auch mit Risen 2 zufrieden. Es ist aber definitiv nicht von der Hand zu weisen, dass andere Rollenspiele wie etwa The Witcher 2 oder Mass Effect 3 in Sachen Storytelling die Nase vorhaben.

Zusatzinhalte an Bord

Ob die erzählten Geschichten dann genauso witzig, spannend oder fantastisch sind, sei an dieser Stelle aber einmal dahingestellt. Fakt ist aber, dass Risen 2 genau solche Geschichten erzählen möchte – gerne auch in Quest-Reihen, die sich über die gesamte Inselwelt erstrecken. So ist es beispielweise bei zwei der drei bisher veröffentlichten Zusatzinhalte. Die Käufer der Collector’s Edition (auch in unserem Unboxing-Video zu sehen) freuen sich über den neuen Quest Die Schatzinsel, in der wir Patty dabei helfen, den Schatz ihres Vaters zu heben. Die Storyline beginnt im Piratennest von Takarigua und entführt uns später auf eine völlig neue Insel, auf der ungeahnte Gefahren lauern. Wer etwas tiefer in die Tasche greift und sich gleich die Stahlbarts-Schatz-Edition aneignet, erhält zudem noch den Zusatzinhalt Der Tempel der Lüfte. Hier treffen wir auf den Druiden Eldric, den Kenner noch aus dem Vorgänger her kennen dürften. Mit ihm befreien wir die Inselwelt vor einer Gargoyle-Bedrohung. Der Tempel der Lüfte lohnt sich unserer Meinung nach nur, wenn man auf viele zusätzliche Ruhmpunkte aus ist. Andernfalls bietet der Zusatzinhalt nur bedingt eine spannende Geschichte. Die Schatzinsel lohnt sich da schon mehr. Zum einen ist die Handlung der Aufgabe bedeutend für die Verbindung zwischen Patty und ihrem Vater und zum anderen erhält man am Ende des Zusatzinhalts einen Gegenstand, den man am besten so früh wie möglich in seinen Besitz bringen soll.

Kein Superheldendebakel

Durch die gelungene Spielstruktur und nahezu perfekte Einbindung der Zusatzinhalte in das Spielgeschehen beziehungsweise in den durchgehenden Handlungsstrang, ist für zukünftige Zusatzinhalte schon einmal vorgesorgt. Wir hoffen aber sehr, dass diese dann mit mehr als jeweils fünf Spielstunden daherkommen und bitte mehr neue Orte auf der Weltkarte mit sich bringen werden, die wir dann mit unserem im mittleren Teil des Spiels gekaperten Schiffs ansteuern dürfen. Während der gesamten Spielzeit ist es übrigens (unserer Beobachtung nach) nicht möglich, sich einen kompletten Superhelden zu erstellen. Das heißt, dass wir nicht alle Fähigkeiten erlernen können, da ab einer gewissen Stelle das Aufstufen der Attribute so teuer wird, dass wir schon qualvoll nach neuen Monstern in der Inselwelt suchen müssen. Da wir in unserer Testphase lediglich auf Seiten der Inquisition gespielt haben, können wir hier (noch) nicht abschließend sagen, wie sich das Anhäufen der Ruhmpunkte auf der Seite der Eingeborenen auswirkt. Durch den Zusatzinhalt Die Piratenkluft (liegt der Collector’s Edition bei) kommen wir aber schon sehr früh in den Genuss von 5% zusätzlichen Rumpunkten, die das Heranzüchten des Namenlosen ein wenig angenehmer erscheinen lassen. Wir gehen aber nicht davon aus, dass sich das im Gesamtbild auf jene Spieler auswirkt, die sich die normale Verkaufsversion des Titels leisten möchten.

Steam-Pflicht

Wichtig ist allerdings zu sagen, dass die PC-Fassung von Risen 2 auf Steam aktiviert werden muss – ein Weiterverkauf des Spiels wird danach unmöglich. Das finden wir zum einen sehr schade, da neue Kunden so von Anfang an Piranha Bytes ihr Vertrauen schenken müssen und bei Nichtgefallen (es soll tatsächlich Personen geben, die mit den Titeln des Entwicklerstudios nichts anfangen können) sind sie lebenslänglich an das Spiel gebunden. Piranha Bytes sollte unbedingt wieder einen anderen Kurs einschlagen, um den Titel für Interessierte attraktiver zu machen, zumal es heutzutage auch immer noch Leute gibt, die über kein Internet verfügen. Diese Personengruppe ist zugegebenermaßen klein, doch wer der Rollenspielschmiede sonst immer treu geblieben ist, wird jetzt vielleicht sehr enttäuscht sein. Obwohl man an Risen 2 sehr viel aussetzen kann, ist es trotzdem für sich genommen ein sehr gutes Spiel. An allen Ecken und Enden merkt man, dass sich Piranha Bytes treu bleibt und ein Spiel entwickelt haben, welches sie auch selbst gerne spielen möchten. Es ist das Spiel, was sich Fans immer und immer wieder wünschen und wenn dann doch einmal eine Neuerung auftritt, wie zum Beispiel die Fähigkeit Affentrainer, mit der wir ein kleines Äffchen in ein Haus schicken und es dabei selbst steuern dürfen, um das eine oder andere Item zu stibitzen, dann freut man sich als Fan natürlich über diese clevere Idee.

Das Spiel für die Fans

Eine Neuerung, die man vielleicht erwähnen sollte, ist die unterschiedliche Regeneration von Lebenspunkten. Während Proviant zwanzig Lebenspunkte auffrischt, dauert es eine Weile, bis der Wert erreicht wurde. Rum oder Grog hingegen funktionieren unverzüglich und auf aus den Vorgängerspielen bekannte Weise. Für Ausdauer gibt es übrigens keine Leiste mehr, doch können wir nur eine bestimmte Zeit lang rennen. Das wirkt ebenso natürlich, wie die Persönlichkeiten im Spiel. Der diebische Gnom Jaffar, der zynische Schiffsarzt Bones (Star-Trek-Fans dürfen jetzt gerne schmunzeln) und Heilerin Shani wirken nun nicht mehr so austauschbar wie die Charaktere des Vorgängers. Grafikfehler verzeiht man dann auch, wenn der Soundtrack umso energischer erklingt. Dieser stammt dieses Mal übrigens nicht von Kai Rosenkranz, sondern von Bastian Seelbach. Das macht aber nichts, da die Musikstücke wunderbar zum Setting passen. Auch wenn man den Weggang von Mittelalter-Fantasy hin zur Neuzeit-Fantasy nicht unbedingt mag, wird man sich trotzdem aufgrund der aus Gothic und Risen bekannten Mechaniken schnell heimisch fühlen. Wer einmal ins Piratenleben hinein geschnuppert hat, wird so schnell nicht mehr von Risen 2: Dark Waters loskommen und freut sich auf ein Abenteuer, welches ihn fünfundzwanzig bis dreißig Stunden vor den Bildschirm fesseln wird. Besitzer der Zusatzinhalte dürfen zehn Stunden draufrechnen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich bin ein Fan der ersten Stunde. Seit Gothic habe ich kein Spiel von Piranha Bytes mehr verpasst. Das sage ich nicht nur, weil sich die Spiele von einem Teil zum nächsten kaum verändern, sondern weil ich sie auch tatsächlich alle mehrmals durchgespielt habe. Obwohl sich langsam aber sicher das altmodische Modell bemerkbar macht, habe ich Risen 2: Dark Waters dennoch sehr, sehr gerne gespielt. Eigentlich war ich im Vorfeld noch nicht so sehr vom Setting überzeugt, da mich die letzten beiden Teile der Fluch-der-Karibik-Reihe eher vom Piraten-Setting weggegrault haben. Davon habe ich mich zum Glück nicht beeinflussen lassen uns bereits nach weniger als zwei Stunden Spielzeit war ich wieder vollends im Spiel gefangen. Nur noch ein Quest erledigen, mich nur noch bei Di Fuego einschleimen, nur noch den Gefangen befreien, nur noch eine Schrotflinte kaufen, nur noch den Jaguar erlegen – so und nicht anders habe ich die Anfänge des Spiels erlebt und das Schlimme daran ist, dass sich dieses Suchtgefühl durch das ganze Spiel zieht! Das meine ich nicht im Negativen – ich liebe es einfach, wenn mich eine virtuelle Spielwelt so fasziniert, dass ich kaum mehr Maus und Tastatur beiseite legen kann. Das schaffen nicht sehr viele Spiele und ich bin froh, dass Risen 2 seit meiner letzten Anspiel-Session auf der Gamescom 2011 nichts an seinem Glanz verloren hat. Zwar sehe ich ein, dass sich das eine oder andere Spielelement negativ verändert hat (insbesondere Taschendiebstahl und das Knacken von Truhenschlössern), doch aufgrund der gelungenen Atmosphäre und dem mir sonst sehr zusprechenden Spielprinzip konnte ich mich schnell damit abfinden. Für die Zukunft wünsche ich mir aber, dass Piranha Bytes so langsam mal mit der Zeit geht und ihr Spiel perfektioniert – ich denke nämlich, dass sie es selbst dann noch viel lieber spielen möchten!

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Risen 2: Dark Waters!

Prime Time: Gothic (Fan Edition) Unboxing

Im Zuge unserer zahlreichen Gothic- und Risen-Unboxing-Videos hat unser Redakteur Eric einmal mehr in sein Regal gegriffen und sich die Fan Edition von Gothic heraus gefischt, um euch eine Fassung von Gothic vorzustellen, die so heute nicht mehr produziert wird. Nostalgiker dürfen gerne in Erinnerungen schwelgen.

Special: Role Play Convention 2012

Einige von euch waren sicherlich geschockt, als bekannt wurde, dass einige Publisher auf der Gamescom 2012 nicht vertreten sein werden. Darunter fallen unter anderem THQ, Sega und auch Nintendo. Letzteren Videospielhersteller haben wir auch auf der Role Play Convention in Köln schmerzlich vermisst.

Noch im letzten Jahr glänzte Nintendo auf der Role Play Convention als europäischer Publisher von Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten, sowie einer tollen Metallpin-Aktion und einem Bus randvoll mit Nintendo-3DS-Systemen. Im Jahr davor präsentierte man uns das von Capcom entwickelte Action-Rollenspiel Monster Hunter Tri. In diesem Jahr wäre Nintendos Auftritt nicht nur zur Tradition geworden, sondern man hätte auch direkt mit einem potentiellen Rollenspiel-Hit-Kandidaten punkten können. Im Angesicht der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft hätte sich Nintendo deutlich Pluspunkte einheimsen können und der Messe nicht fernbleiben dürfen. Zum anderen erschien vor kurzem in Japan das neue Fire Emblem für den hauseigenen Handheld, welches man gegebenenfalls auch hätte vorstellen können. Das einzige, was uns noch an Nintendo auf der Messe erinnert hat, waren drei tolle Cosplayer, welche die Gebrüder Mario und Hylianer Link in ihrer besten Form gemimt haben. Auf der Role Play Convention geht es natürlich nicht nur um Nintendo. Andere Publisher konnten mit ihren neuen Spielen ebenfalls punkten. Während wir uns bereits in der heißen Endtestphase des von Piranha Bytes stammenden Rollenspiel Risen 2: Dark Waters befinden, konnten sich unschlüssige Käufer auf der Messe selbst ein Bild vom neuen Piratenrollenspiel machen.

Neue Erfahrungen

Wer lieber an Land bleiben wollte, freute sich sicherlich darüber, dass Capcom mit Dragon’s Dogma vertreten war. Interesse am Titel war reichlich vorhanden, denn anders können wir uns den regen Ansturm am Capcom-Stand kaum erklären. Ruhige Naturen hatten auf der Role Play Convention zudem die Möglichkeit, sich einmal das Point-&-Click-Abenteuer Satinavs Ketten anzuschauen, welches im Das-Schwarze-Auge-Universum angesiedelt ist und ab Mitte Juni wohl zahlreiche Fans ansprechen wird, sofern sie sich mit dem Genre-Wechsel begnügen möchten. Auf der Kölner Rollenspielmesse geht es aber natürlich nicht nur um Videospiele, vielmehr ist das Event klar die erste Anlaufstelle für Rollenspieler aller Art. Es tummelten sich wieder einmal Fans aus allen Bereichen der Rollenspielwelt auf der Messe, um sich über Neuigkeiten in der Branche zu informieren, neue Brettspiele auszuprobieren oder sogar neue Erfahrungen zu sammeln. In diesem Jahr war es möglich Axtwerfen, Bogenschießen und auch Fechten in abgetrennten Bereichen auszuprobieren. Weniger schön waren die Preise, die wir für ein Glas Kölsch, ein Stückchen Zwiebelbrot oder eine Flasche Met auf den Tisch blättern sollten. Im Falle des unter Rollenspielern beliebten Honigweins war es sogar möglich, vorab einen Schluck zu probieren und Geschmackssorten von Kirsche bis Vanille auszuprobieren.

Facettenreiche Aussteller

Das ist ein feiner Zug seitens des Ausstellers, den wir bei zukünftigen Messen sehr begrüßen möchten. Auf dem Mittelaltermarkt wurden fleißig dutzende Waren feilgeboten. So fanden Lederrüstungen, Helme, Trinkhörner oder Schilde schnell einige neue Besitzer. Der ständige Nieselregen am ersten Messetag hat die düstere Mittelalteratmosphäre im Außenbereich dazu noch verstärkt. Spieler von Live-Action-Rollenspielen wurden ebenfalls im Innenbereich sehr gut bedient. Latexwaffen und Rüstungsteile (in Massenproduktionen) konnten auch dort für gepfefferte Preise erworben werden. Fans von Brettspielen freuten sich über die Anwesenheit von Pegasus Spiele, die hier ihre neuen Titel und ihre Klassiker vorstellten. Kartenspieler gingen auf der Convention nicht leer aus. Besonders Fans von Magic: The Gathering freuten sich über eine kleine Ecke, wo sie mit anderen Spielern das eine oder andere Duell austragen durften und sich gegenseitig neue Taktiken beibrachten. Wer mit dem hauseigenen Kartendeck nichts reißen konnte, hatte direkt die Gelegenheit, sich an Verkaufsständen mit neuen Booster-Packungen einzudecken und mit etwas Glück sein Deck aufzuwerten. Zu den Ausstellern bleibt jetzt noch zu sagen, dass wir uns darüber freuten, dass auch ambitionierte Projekte wie das Stargate Command Germany ihren Platz auf der Messe erhielten.

Hoher Lautstärkepegel

Die Role Play Convention ist definitiv kein Ort für Gelegenheitsbesucher, denn wer sich nicht mit der Materie auskennt und sich nur bedingt für Rollenspiele interessiert, wird sehr schnell die Lust beziehungsweise den Überblick verlieren. Selten war die Messe so vielseitig und dementsprechend interessant für Rollenspieler, die sich am liebsten gleich in allen Bereichen umschauen wollten. Jene Randgruppe war auf der Messe, zumindest am Samstag, zahlreich vertreten. Als Beweis möchten wir euch gerne unsere beiden Rundgänge durch das Innenareal und den Außenbereich empfehlen. Dort werdet ihr dann auch erkennen, dass es besonders im Eingangsbereich deutlich zu laut war. Der Aussteller Roccat sollte sich unbedingt einmal mit der Messeleitung unterhalten, um einen abgetrennten Bereich zu erhalten. In keiner deutschen Taverne des Mittelalters wäre es so laut zu gegangen, doch Gamescom-Besucher kennen das Problem bereits aus den letzten Jahren und von fast allen Messehallen. Im Angesicht von sehr hübschen Feen und schönen Jedi-Damen war die immense Lautstärke fast wieder vergessen – beim umherirrenden Link-Cosplayer holt uns unser Ersteindruck doch wieder ein. Nintendo fehlt uns auf der Messe. Wir hoffen sehr, dass sich der Konzern in keinem Streit mit der Koelnmesse befindet und wir uns im nächsten Jahr wieder auf Nintendo freuen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Axels Fazit (basierend auf dem ersten Messetag): Ich war zum ersten Mal auf der Role Play Convention und ich war doch leicht angetan. Nie war ich einer, der groß mit solch einer Thematik konfrontiert wurde und bin aufgrund dessen erstmal mit etwas Skepsis, als auch mit Begeisterung dorthin gegangen. Vorweg lässt sich sagen, dass ich diese Erfahrung nicht bereue und nächstes Jahr wahrscheinlich wieder vorbei schnuppern werde. Auf der einen Seite hat mich die Stimmung und die Atmosphäre im Allgemeinen ziemlich überzeugt. Überall sah man überwiegend gute Kostüme und Leute, welche sich duellieren. Dies kam mir zwar ein bisschen weltfremd vor, jedoch konnte ich mich schnell dafür begreistern und fiel Gefallen daran. Bis auf wenige Ausnahmen fand man diese Atmosphäre an jedem Stand wieder. Ausnahmen sind dabei die Slush-Eis-Maschinen auf dem Mittelaltermarkt, welche dort natürlich absolut nichts zu suchen haben. Auf der anderen Seite muss man sich doch ein wenig über die Lautstärke beschweren und über das, was man geboten bekommt. Hier liegt es aber eher an der Quantität, als an der Qualität. Für einen Eintrittspreis von 14 Euro bekommt man nur eine Halle zu sehen, welche man in einer guten Stunde schon komplett abgeklappert hat. Für Leute, welche sich einfach nur mal testweise mit der Materie auseinandersetzen wollten, ist dieser Preis viel zu hoch gegriffen für den kaum vorhandenen Umfang. Es lohnt sich also eher für jene Personen, die mit dieser Thematik deutlich mehr anfangen können oder jahrelang selbst Live-Action-Rollenspieler sind. Ansonsten war die Messe ein voller Erfolg und hat mir ziemlich viel Spaß bereitet – seien es die coolen Stormtrooper oder das Trinkspiel-Zelt.

Erics Fazit (basierend auf dem ersten Messetag): Seit 2009 habe ich keine einzige Role Play Convention verpasst. Jedes Jahre möchte ich aufs Neue über die Entwicklungen in der Branche auf dem Laufenden bleiben, auch wenn mich mein Interesse in erster Linie auf die Rollenspiele im Videospielsektor lenkt. In diesem Jahr blieb mir leider keine Zeit, mich mit Dragon’s Dogma auseinanderzusetzen und Risen 2: Dark Waters spiele ich derzeit eh auf dem heimischen Rechner. Mich persönlich (und ich denke man kann es diesem Special entnehmen) hat die Abwesenheit von Nintendo gestört. Sicherlich wäre im großen Ganzen Nintendo nur ein Hersteller unter vielen, doch ich hatte eigentlich schon fast damit gerechnet, in Inazuma Eleven ein paar Spiele auf dem Fußballplatz auszutragen oder gar an das neue Fire Emblem Hand anzulegen, wobei bei diesem Titel mittlerweile sowieso schon wieder nicht ganz klar ist, ob dieser überhaupt in Europa erscheinen wird. Die Atmosphäre war auf der Messe dennoch wieder einmal gewaltig. Selten sieht man so viele Cosplayer in Stormtrooper-Uniformen, die über das Messegelände huschen und für Fotos bereitstehen. Ich werde im nächsten Jahr definitiv wieder mit dabei sein und mich dann hoffentlich wieder auf Nintendo freuen.

Julians Fazit (basierend auf dem ersten Messetag): Als ich auf der Messe eintraf, wollte ich unbedingt den mittelalterlichen Markt sehen. Das Mittelalter-Feeling kam in gewisserweise so durch, so wie ich es aus dem einen oder anderen Rollenspiel her kenne. Besonders klasse fand ich sogar, dass ich am Met-Stand querbeet Honigwein probieren durfte. Eine tolle Sache, die ich auf den nächsten Rollenspielmessen in Köln in dieser Form gerne wiedersehen möchte. Außerdem war ich von der Menge an tollen Cosplayern begeistert. Ich konnte deutlich sehen, dass sich die meisten verkleideten Fans sich wirklich Mühe mit ihren Kostümen gegeben haben. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es teilweise übertrieben fand, wie sich manche Besucher zu euphorisch ins Zeug gelegt haben. Trotzdem war der Besuch der Role Play Convention auch in diesem Jahr keine verschenkte Zeit. Hoffentlich wird es beim nächsten Mal wieder Met zum Probieren geben, denn den Chili-Geschmack spüre ich im Geiste auch noch Tage nach der Messe auf der Zunge.

Vielen Dank an die Messeleitung der Role Play Convention für die freundliche Bereitstellung der Eintrittskarten!

Prime Time: Role Play Convention 2012 (Mittelaltermarkt)

Vorgestern haben wir euch bereits unsere Impressionen zur Messehallte der Role Play Convention 2012 in Köln vorgestellt. Nahezu nahtlos an unseren Messenrundgang schließt sich unser Rundgang über den Mittelaltermarkt an. Wir hoffen sehr, dass ihr auch hier die teils schwankende Videoqualität entschuldigt, da vermehrt Besucher der Messe unseren Rundgang mit der Kamera in die Quere gekommen sind. Der permanente Nieselregen hat dann stellenweise auch für eine unruhige Hand gesorgt. Trotzdem hoffen wir sehr, dass euch auch unser Besuch des Mittelaltermarkts gefallen wird.

Prime Time: Role Play Convention 2012 (Messerundgang)

Am fünften und sechsten Mai 2012 öffente die Role Play Convention in Köln für alle Interessierten ihre Pforten. Auf der diesjährigen Messe hatten wir erstmals die Gelegenheit, einen Messerundgang durch den Innenbereich sowie über das Außenareal aufzunehmen. Bitte entschuldigt die schwankende Videoqualität, doch aufgrund des regen Besucheransturms und ungünstigen Lichtverhältnissen ist es gelegentlich zu unscharfen Bildern gekommen. Die eingefangenen Impressionen der Messehalle möchten wir euch trotzdem in voller Länge heute in unserer Prime Time präsentieren:

Prime Time: Gothic 3 (Enhanced Gold Edition) Unboxing

Wer von euch die ersten beiden Gothic-Episoden ausgiebig gespielt hat und den dritten Teil aufgrund seines eher schlechten Rufes damals ausgelassen hat, bekommt mit der Enhanced Gold Edition von Gothic 3 genau das richtige Angebot, den Rollenspieltitel aus dem Jahre 2006 nachzuholen. Mit den Community-Patches wirkt das Spielerlebnis gleich viel angenehmer. Wir wünschen euch gute Unterhaltung mit unserem Unboxing-Video!

Prime Time: Gothic (Complete Collection) Unboxing

Nachdem wir vorgestern bereits die Stahlbarts-Schatz-Edition von Risen 2 auf unserer Seite vorgestellt haben, möchten wir direkt einmal auf die Complete Collection von Gothic hinweisen, in welcher sämtliche Gothic-Teile (bis auf Arcania: Gothic 4) enthalten sind. Für Fans von Risen, welche die Anfänge von Piranha Bytes miterleben möchten, ist diese Box sicherlich goldrichtig.

Prime Time: Risen (Collector’s Edition) Unboxing

Nachdem wir vorgestern bereits die Collector’s Edition beziehungsweise die Stahlbarts-Schatz-Edition von Risen 2 vorgestellt haben, möchten wir gerne darauf aufmerksam machen, dass man sich bei großen Online-Händlern wie Amazon immer noch für einen sehr humanen Preis mit der Collector’s Edition von Risen eindecken kann. Wer sich dafür interessiert, dem bieten wir jetzt unser Unboxing-Video an.

Prime Time: Risen 2 (Stahlbarts-Schatz-Edition) Unboxing

Nach mehr als einem Jahr kehren wir mit einer beliebten Rubrik auf unserer Seite zurück. Die Rede ist von der Prime Time! Das feiern wir gleich mit einem Unboxing-Video zum gestern erschienenen Risen 2 in der Stahlbarts-Schatz-Edition. Wir wünschen euch gute Unterhaltung während des fast achtzehn Minuten langen Videos!

Review: A bittersweet Life

Der Film Noir ist ein Genre, welches in den Anfängern der amerikanischen Filmgeschichte entwickelt wurde, aber mittlerweile kaum mehr behandelt wird. Da freut es uns, dass auch einmal ein koreanischer Film dieser Gattung den Weg auf die Leinwand fand.

Hierzulande blieb es Kim Jee-woons Werk leider verwehrt, in Kinos gezeigt zu werden. 2006 erschien der Film zwar auf DVD, doch wurde er eher durch Mundpropaganda und diversen Ausstrahlungen im Fernsehen bekannt. Fast ganze sieben Jahre später ist es A bittersweet Life auch vergönnt, in einer ordentlichen Qualität auf Blu-ray in Deutschland zu erscheinen. Hier erhalten wieder einmal den circa dreißig Sekunden längeren Director’s Cut. Dieser ist an der einen oder anderen Stelle logischer aufgebaut als die südkoreanische Kinofassung, doch der Datenträger hätte mit einer geschickten Einspielung auch beide Fassungen beinhalten können. Die Schnitte sind jedoch nur marginal und die Kernaussage des Films kommt trotzdem noch sehr gut zur Geltung. Die Handlung des Films beginnt mit dem Leben von Sun-woo. Er ist die rechte Hand des Gangsterbosses Kang. In jeder Situation bewahrt er einen kühlen Kopf und erledigt seine ihm gestellten Aufgaben mit Ehre und Gewissen. Wenige Szenen später erfährt Sun-woo von Kangs Geliebten. Auf diese soll er ein Auge werfen, solange er nach Shanghai verreist ist, denn Kang hat den Verdacht, dass sie eine Affäre mit einem anderen Mann hat. Nach einigen Tagen bewahrheitet sich die Vermutung und Sun-woo erwischt Kangs Geliebte Hee-soo mit jemand anders. Aufgrund seines Sinneswandels lässt er die beiden am Leben.

Gefühlswelt eines Todgeweihten

Sun-woo beginnt einen Fehler und da er sich auch sonst bei gefährlichen Gangstern unbeliebt macht, hat er auf einmal mehrere Feinde, die sich ihm gemeinsam in den Weg stellen und ihn am liebsten tot sehen möchten. Nachdem Sun-woo gefoltert und fast getötet wird, gelingt ihm die Flucht aus einer alten Lagerhalle. Spätestens ab diesem Zeitpunkt nimmt die Wut in ihm überhand. Sun-woo sinnt nach Rache und mischt die Seouler Unterwelt mit Gewalt auf, um die Leere in sich zu füllen und die Ursacher seiner schlechten Erinnerungen endgültig zu beseitigen. Dabei wird das Schauspiel mit einer ungewohnten musikalischen Untermalung begleitet. Während man von diversen koreanischen Action-Filmen eher schrille Pop-Musik gewohnt ist, wirkt der Soundtrack von A bittersweet Life eher mexikanisch und an einigen Stellen auch klassisch. Es ist ungewohnt, einen Film dieser Machart mit diesen Klängen zu hören, doch schon bald stellt sich heraus, dass eben genau diese Musik für A bittersweet Life unumgänglich ist. Sun-woo mitsamt seiner Gefühlswelt wird so vortrefflich gut eingefangen. Kim Jee-woon hat eindeutig die richtigen Stücke der Komponisten ausgewählt und jene Szenen des Films entfernt, welche die Grundzüge des Films zu stark verändert haben. Das bemerken wir spätestens, sobald wir die entfallenen und gelöschten Szenen im Bonusmaterial untersuchen.

Stilistisches Zusammenspiel

Das Bonusmaterial ist in A bittersweet Life zahlreich vertreten. Neben den bereits erwähnten entfallenen und geänderten Szenen kommen wir in den Genuss von dokumentarischen Videos über den Stil des Films, einem Making-of mit zwei verschiedenen Kommentaren und weiteren interessanten Videos über die Entstehung des Films. Darunter fallen zum Beispiel Fragen von Mitarbeitern an Mitarbeiter von A bittersweet Life. Insgesamt beläuft sich das Bonusmaterial auf mehr als ganze drei Stunden. Wenn wir zudem noch die beiden Audiokommentare über die gesamte Länge des Films hinzurechnen, kommen wir auf über sieben Stunden Laufzeit. In A bittersweet Life gibt es keine Szene, die nicht essentiell für die auf 115 Minuten ausgelegte Handlung ist. Alle Einstellungen und Schauspieler wirken im Zusammenspiel mit dem Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1), samt der eingängigen Farbtongebung und dem Aufbau der Kulissen stimmig, um das Gefühl der Leere treffend zu beschreiben. In A bittersweet Life wurde sehr viel Wert auf die Dialoge gelegt, so kommen einige Szenen auch mal mit einigen Sekunden Stillschweigen aus, bis die Antwort des Gesprächspartners ertönt. Lee Byung-hun, Kim Yeoung-cheol und Shin Min-ah machen diesen Film Noir zu einem einprägsamen Werk des Genres. Filmliebhaber kommen um Kim Jee-woons Film aus dem Jahr 2005 absolut nicht herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Director’s Cut der Blu-ray-Fassung): Lange Zeit war der Film auf meinem Radar, nachdem ich ihn vor fast einem Jahr nachts einmal bruchstückhaft im Fernsehen verfolgt habe. Endlich konnte ich A bittersweet Life komplett und ohne nervige Unterbrechungen genießen und bin begeistert. Die dumpfen Musikstücke gehen sehr gut auf das Innere von Sun-woo ein, beschreiben seine Leere und die Wut, die in ihm aufkommt. Sehr prägnant sind auch die Szenen, in denen man sich entschieden hat, keine Musik einzuspielen und stattdessen die Geräusche des Nachtlebens von Seouls in den Vordergrund zu rücken. Es ist dem Regisseur absolut gelungen, hier einen Film zu erschaffen, an dem es für mich so gar nichts auszusetzen gibt. Fans des koreanischen Action-Kinos erwarten aufgrund der falschen Angabe auf der Blu-ray-Packung vielleicht einen Action-Film und werden aber mit wenigen Action-Szenen abgestempelt, doch dies sollte kein Grund sein den Film zu verschmähen. Von Anfang bis Ende kann der Film mit seinen teils intelligenten und teils passend stupiden Dialogen mitsamt seinen Schauspielern und der stilistischen Gestaltung punkten. A bittersweet Life ist ein Film Noir, der neben L. A. Confidential und Chinatown auf dem Genre-Thron koexistieren darf.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von A bittersweet Life!

Review: The Restless: Kampf um Midheaven

Fantasy-Filme haben in Südkorea einen schweren Stand. So gab es bis Jahr 2006 dort laut Regisseur Cho Dong-oh von The Restless: Kampf um Midheaven keinen einzigen Film des Genres. The Restless stellt also gewissermaßen eine kleine Besonderheit dar.

Yi Gwak ist der letzte noch lebende Dämonenjäger in einer Welt, die von Dämonen geradezu überrannt wird. Eines Tages rettet er eine an einen Baum gefesselte Frau, die geopfert werden soll, vor den angreifenden Teufeln. Von den Dörflern wird er mit einem Mahl belohnt, aber die Freude währt nicht lange, denn der Wein wurde von einem der Dorfbewohner zuvor vergiftet. Yi Gwak gelingt zwar die Flucht aus dem Dorf, doch stirbt er an der Wirkung des Giftes. Er wacht anschließend im Vorhimmel (vermutlich der titelgebende Midheaven) wieder auf, doch es stellt sich heraus, dass Yi Gwak nicht wirklich gestorben und als Lebender in den Vorhimmel gekommen ist. Ihm ist somit untersagt, nach 49 Tagen in einem neuen Körper wiedergeboren zu werden. Zudem ist es mit der ewigen Ruhe ebenfalls vorbei, als Yi Gwaks ehemalige Verbündeten mit Waffengewalt Unruhe stiften. Vor seiner Ankunft im Vorhimmel haben diese bereits alle Wächter und Erzengel getötet – bis auf einen. Die hübsche Yon-hwa ist die einzige Himmlische, die die grausigen Taten von Ban-chu und seinen Anhängern noch nicht am eigenen Leben spüren musste. Sie ist nicht nur die Besitzerin eines für Ban-chu sehr wichtigen Seelensteins, sondern auch noch die verstorbene Geliebte von Yi Gwak. Ein Kampf auf Leben und Tod, für die Rettung von Midheaven und den Schutz von Yon-hwa beginnt.

Bezaubernder Vorhimmel

Midheaven ist ein magischer Ort, an dem die Seelen der Verstorbenen nach den Lehren des Buddhismus gelangen. In The Restless wird dieser Ort der asiatischen Mythologie als schöner und ruhiger Platz in der Welt der Toten angesehen. Die Macher haben sich bei der optischen Gestaltung an vielerlei Kulturen Asiens, vorzugsweise Japan, China und natürlich auch Korea bedient. Diese Mischung macht bei den Dörfern und Städten im Vorhimmel einen gelungenen Eindruck. Wer die verschiedenen Architekturen und kulturellen Einflüsse dieser Länder nicht kennt, wird sie auch nicht bemerken und sich vor allem nicht daran stören. Um den Film auch mit stilistischen Mitteln auf die Leinwand zu zaubern, hat man sich nicht nur der asiatischen Martial-Arts-Szene zugewandt. Kämpfe sind zwar ein wichtiger Bestandteil für die Handlung, doch ihre Umsetzung hat uns dabei gerade zu vom Hocker gehauen. Computereffekte haben wir in einem südkoreanischen Film schon sehr lange nicht mehr dermaßen hübsch umgesetzt gesehen. Sie lassen sich zudem locker mit Filmen wie Der Herr der Ringe vergleichen. Das ist ebenfalls bei den hübschen Landschaftsbildern zu bemerken, wo im Hintergrund zum Beispiel das Wasser eines riesigen Wasserfalls in die Tiefe rauscht. Solche HD-Momente gibt es in The Restless immer wieder quer über den Film verteilt. Da stört es auch kaum, dass sich die fantasievolle Story kaum entfaltet und die Motive der Charaktere von Anfang an klar sind.

Erstlingswerk eines Regisseurs

Interessant und essentiell sind die eingespielten Rückblenden an Geschehnisse, die vor der Filmhandlung stattgefunden haben, aber dennoch. Hier merken wir auch, dass der Regisseur am liebsten eine Trilogie auf die Leinwand gezaubert hätte, um die Ereignisse chronologisch abzuarbeiten. Allerdings war The Restless Cho Dong-ohs erstes filmische Werk und wenn ein Regisseur erst einmal auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen muss, gibt man ihm nur selten zu viel Geld in die Hand, um seinen Traumfilm zu verwirklichen. Am Ende war The Restless zudem kein Kassenschlager in den südkoreanischen Kinos. Hierzulande wurde der Titel, wie es bei asiatischen Filmen so oft der Fall ist, direkt auf DVD beziehungsweise Blu-ray veröffentlicht. In der Blu-ray-Fassung wird der circa 100-minütige Spielfilm in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) präsentiert. Das Tonformat ist so wohl in Koreanisch (mit aktivierbaren Untertiteln in Deutsch und Niederländisch) und im Deutschen in DTS-HD 5.1 gehalten. Für die deutsche Synchronisation wurde unter anderem Simon Jäger verpflichtet, der mit seiner angenehmen Stimme Yi Gwak zum Sprechen bringt. Als Bonusmaterial liegen interessante Einblicke in die Produktion des Films in Form eines Making-ofs vor. Außerdem enthalten sind TV-Spots und Trailer zu The Restless, sowie ein durchgehender Audiokommentar mit und vom Regisseur. The Restless: Kampf und Midheaven ist ein optisch beeindruckender Film, der teils an seiner nicht gerade tiefgründigen Handlung kränkelt, aber dennoch genügend fantasievolle Elemente bietet, um Fantasy-Fans anderthalb Stunden lang gut zu unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Restless: Kampf um Midheaven ist für den ersten Film eines neuen Regisseurs ein optisch beeindruckender Film. Spezialeffekte werden in vielen Filmen bis zum Ultimo getrimmt und zum Teil überbewertet. In The Restless befindet sich die Qualität der Effekte genau auf dem Level, um das filmische Erlebnis angenehm zu gestalten. Zwar fällt es dadurch schneller auf, dass die Handlung nicht immer so ganz überzeugen kann, doch Rückblenden und die passenden Schauspieler machen dieses Manko schnell wieder wett. Ich finde es jedoch schade, dass man Cho Dong-oh gerade einmal so viel Geld zur Verfügung gestellt hat, damit er den Film grundlegend so erschaffen kann, wie er es sich immer vorgestellt hat. Durch die kurze Lauflänge fällt schon bald auf, dass die Story auf mindestens zwei Filme hätte ausgelegt werden sollen, um sie noch stärker, besser und intensiver an den Zuschauer vermitteln zu können. Wer derzeit sehnsüchtig auf den ersten Teil von Der Hobbit wartet und dringend Fantasy-Nachschub braucht, sollte zu The Restless: Kampf um Midheaven greifen. So habe ich Fantasy bisher nämlich noch nie erlebt.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Restless: Kampf um Midheaven!

Review: 1911 Revolution

In diesem Jahr jährte sich ein Ereignis zum einhundertsten Mal. Seit einhundert Jahren ist China ohne Kaiser und eine Republik. Zu diesem Anlass wurden die Ereignisse von 1910 bis 1912 im Film 1911 Revolution noch einmal zusammen gefasst.

Die Bevölkerung Chinas leidet zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur unter den feindlichen beziehungsweise ausländischen Mächten, die einige Teile des Landes besetzt haben, sondern auch unter der Regierung selbst. Die Qing-Dynastie herrschte zu diesem Zeitpunkt seit mehr als 250 Jahren. Da Kaiserinwitwe Longyu nichts gegen die Besatzer unternimmt und das Volk leiden muss, wird der Widerstand im Volk immer größer. Aus der Bevölkerung entsteht eine neue Armee, die sich den Streitkräften des Kaisers widersetzen. Anführer der Revolution sind Huang Xin und Sun Yat-sen. Insbesondere Letzterer ist für das Ziel der Revolution, die seit über zweitausend Jahren bestehende Monarchie zu stürzen, von Bedeutung. Zweitrangig wird im Film eine unterhaltende Geschichte erzählt, viel mehr möchte das Werk uns die Eckpfeiler der Revolution näherbringen, in der viel Blut vergossen wurde. So erleben wir in 1911 Revolution, wie der bewaffnete Aufstand von Wuchang stattgefunden hat und wie die Kaiserinwitwe später zur Abdankung gezwungen wurde. Diese Szenen werden durchgehend mit informativen Texten, die ein Erzähler vorliest, kurz ein- oder ausgeleitet. Besonders gut zur Geltung wird die Reaktion der Kaiserhauses eingefangen, welches immer mehr an Macht verliert und bei den Revolutionären auch keine Chance mehr dazu hat, zumindest eine konstitutionelle Monarchie zu etablieren. Somit ist ebenfalls die andere Seite des Konflikts deutlich charakterisiert.

Die Xinhai-Revolution

Man möchte um jeden Preis eine Republik in China gründen und das gerne ohne Blutvergießen. Es ist beachtlich, wie gut die Charaktere mit ihren Vorstellungen der idealen Herrschaft im Land umgehen und welche Entwicklung sie im Verlauf der auf zwei Stunden ausgelegten Handlung durchmachen. Man kann von der heutigen Volksrepublik China halten was möchte, damals war eine Revolution wohl unumgänglich, um das Reich der Mitte vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Somit kann man definitiv davon sprechen, dass die Xinhai-Revolution eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte Chinas, sogar eines der wichtigsten Ereignisse in der Weltgeschichte gewesen ist. 1911 Revolution ist ein beeindruckender Historienfilm, welcher das Nationalgefühl von China gut zum Ausdruck bringt und ein elementares Stück der chinesischen Geschichte behandelt. In die Rolle von Longyu schlüpft Joan Chen und Winston Chao verkörpert abermals Dr. Sun Yat-sen. Nicht nur von seinem verblüffenden Schauspieltalent, sondern auch vom Aussehen könnte man sich kaum jemand besseres für diese Rolle aussuchen. Dem einen oder anderen Zuschauer wird es verwundern, dass Jackie Chan in die Rolle des Huang Xin schlüpft. Ist das Multitalent normal für seine humoristischen Figuren in diversen Action-Filmen bekannt, mimt er hier einen starren und ernsthaften Menschen. In diesem Film ist Chan allerdings nicht nur Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig.

Realistisches Kriegsszenario

Der Brillanz des Films tut dies allerdings keinen Abbruch, nur die eine oder andere Action-Szene wirkt etwas komisch. So haben wir bei den vielen umherschnellenden Kugeln eher das Gefühl, wir würden die aus der Star-Wars-Saga her bekannten Blaster-Effekte in den Gassen und Straßen der Städte erkennen. Bis auf diese einzige Kleinigkeit wirken die Effekte in Chans einhundertstem Film (sofern dies zutrifft, in einem Interview gesteht er ein, dass er sich da selbst nicht sicher ist und er das erst einmal prüfen müsse, da er in seinen Filmen nicht nur als Regisseur und Schauspieler mitwirke) realistisch. Bomben und Granaten explodieren mit ordentlichem Krach und wenn man sich erst einmal die Ausmaßen der Auseinandersetzungen ansieht, dann wird man richtig in die Atmosphäre der Revolution gezogen. Man leidet mit den Verwundeten und Opfern mit. Optisch sieht der Film in 1080p sehr gut, wenn aufgrund des Settings (Schützengräben, Schlachtfelder) oftmals auch etwas karg aus. Die Musik von Ding Wei untermalt das Geschehen sehr gut. Bedrohliche, ruhige und wichtige Szenen werden ausgezeichnet zum Ausdruck gebracht. Die intelligenten Dialoge bereichern den Inhalt des Films, sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch in Mandarin. Beide Tonspuren liegen auf der Blu-ray in DTS-HD 5.1 vor. Untertitel darf man sich in Deutsch und Niederländisch hinzuschalten.

Halbgares Bonusmaterial

Bei den eingangs bereits erwähnten eingeblendeten Texten werden aber auch bei der deutschen Tonspur Untertitel hinzugeschaltet, die allerdings meistens zu schnell verschwinden. Hier hätte Mighty Titles die eingeblendeten Untertitel nach Fertigstellung ruhig noch einmal überprüfen  können. 75 Minuten Bonusmaterial ist auf der Blu-ray neben ein paar einzelnen Trailern ebenfalls enthalten, doch nur die halbstündige Pressekonferenz konnte uns wirklich überzeugen. Hier wurden dann wichtige Fragen und zu den Charakteren von Jackie Chan und Co. beantwortet. Es wäre auch toll gewesen, mehrere Interviews mit dem Martial-Arts-Star und seinen Kollegen auf der Disc vorzufinden, doch einzig und allein das Interview mit Li Bingbing hat uns nicht sonderlich vom Hocker gehauen. Nicht informativ und zu kurz ist es ausgefallen. Der restliche Bonus beschränkt sich auf B-Roll-Material und kurze Making-ofs, die aber ebenfalls leider nur wie pures B-Roll-Material wirken. Eine Dokumentation über die Geschehnisse von 1911 hätten das Gesamtwerk abgerundet. Unterm Strich bleibt aber dennoch ein mehr als ansehnlicher Film. Wer sich für die Geschichte Chinas interessiert und sich dabei die eine oder andere Freiheit im Handlungsverlauf gefallen lässt, der darf sich auf 121 Minuten pure Spannung und tolle Dialoge in einem realistischen Setting freuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich bin nicht gerade der Fan von einer Republik, zumindest nicht in Filmen. Eine Geschichte, die in einem Kaiserreich oder in einer Monarchie stattfindet, gefällt mir unweit mehr. Obwohl dies zu Beginn der Handlung noch der Fall ist, konnte mich die Handlung von 1911 Revolution auch nach der eingeleiteten Wende immer noch in ihren Bann ziehen. Das unter den ausländischen Besatzern und der Herrschaft der Qing-Dynastie leidende Volk beginnt sich nach den Opiumkriegen gegen die Ungerechtheit langsam aber sicher aufzulehnen. Das Ergebnis ist eine Revolution, die aus der Monarchie in China schlussendlich eine bis heute währende Republik, wenn vielleicht auch in einer nicht von Anfang an so gewollten Form, besteht. Ich finde es erstaunlich, wie gut die Rollen von Huang Xin und Dr. Sun (Sun Yat-sen) in 1911 Revolution verkörpert werden. Der Film hat genau die richtige Länge, greift alle wichtigen Eckpfeiler ab und nimmt sich dabei auch die eine oder andere Freiheit, um die Geschichte weiterzuspinnen. Einzig allein interessant hätte ich es gefunden, die am Ende der Handlung angelegten Verhandlungen etwas in die Länge zu ziehen und mehr über die Herrschaft der Qing-Dynastie zu erfahren. Die Ausgangslage ist im Film einfach nur, dass die Herrschaft unter den Qing schlecht ist. Ich werde mir Jackie Chans einhundertsten Film irgendwann noch einmal anschauen und zwar spätestens dann, wenn ich mir noch mehr Hintergrundwissen über die Geschichte Chinas angeeignet habe, damit mir an der einen oder anderen Stelle hoffentlich noch mehr Details auffallen. Abschließend möchte ich den Film allen empfehlen, die sich für die Geschichte Chinas interessieren.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von 1911 Revolution!

Gewinnspiel (20. – 27. April 2012)

Am fünften und sechsten Mai 2012 ist es endlich wieder soweit. Die Role Play Convention in Köln öffnet ihre Pforten und lädt alle Interessenten ein, sich ein Bild über die neusten Trends und Entwicklungen der Branche auf mehr als zwanzigtausend Quadratmetern anzuschauen. Brett-, Würfel-, Karten-, Tabletop- und Videospiele möchten von euch ausgiebig ausprobiert und angespielt werden. Auch für Live-Action-Role-Playing-Spieler wird sicherlich das eine oder andere Schmankerl mit dabei sein. Bei den Händlern wird es wohl auch in diesem Jahr möglich sein, sich mit neuen Rollenspielartikeln auszustatten. Das ist jedoch bei weitem noch nicht alles, denn auf einem dreitausend Quadratmeter großen Außenbereich findet auch 2012 wieder einmal ein Mittelaltermarkt statt. Die beste Gelegenheit, sich bei einem gekühlten Met mit Gleichgesinnten zu unterhalten!

Falls ihr geplant habt, die Messe in Köln-Deutz zu besuchen, dann habt ihr jetzt noch schnell die Möglichkeit, jeweils zwei von insgesamt sechs Dauerkarten für die Veranstaltung zu gewinnen. Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, wird ein Konto beim Social Network Facebook vorausgesetzt. Werdet dort Fan unserer Facebook-Seite und teilt den Hinweis des Gewinnspiels öffentlich mit euren Freunden, Bekannten und Verwandten. Nach Ablauf der Verlosung werden die Gewinner zufällig von uns ermittelt und schriftlich benachrichtigt. Sobald uns die Adressen der glücklichen Gewinner vorliegen, werden die Karten mittels der Deutschen Post verschickt.

Teilnahmeberechtigt sind alle Personen, die mindestens das achtzehnte Lebensjahr vollendet und ihren Erstwohnsitz innerhalb der Bundesrepublik Deutschland haben. Bei minderjährigen Nutzern wird eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten benötigt. Mitarbeiter von Gameplay Gamers, der Koelnmesse und die Verantwortlichen der Role Play Convention sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Gewinner werden nach Ablauf der Verlosung schriftlich informiert. Aufgrund des kurzfristigen Gewinnspiels, müssen sich die Gewinner innerhalb von 24 Stunden nach der Benachrichtigung bei uns melden, damit ein rechtzeitiger Versand der Karten noch möglich ist. Sollten die Gewinner diese Frist versäumen, erhalten nach denselben Gewinnspielregeln andere Teilnehmer die Chance auf den Preis (mit einer Zeitlimitierung von 12 Stunden sich zu melden). Aus Datenschutzgründen werden die Gewinner namentlich selbstverständlich nicht von uns auf Gameplay Gamers oder auf Facebook erwähnt. Sie dürfen sich aber sehr gerne selbst als solche zu erkennen geben. Teilnahmeschluss ist der 27. April 2012, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Review: War of the Arrows

In den meisten Fällen werden epochale Schlachten durch Schwerter ausgetragen. War of the Arrows bedient sich diesem Klischee nicht und präsentiert uns aufregende Abenteueraction, in welcher der Konflikt durch spitze Pfeile ausgetragen wird.

Im Jahre 1636 unserer Zeitrechnung überfällt eine große Armee der chinesischen Mandschu-Dynastie die koreanischen Ländereien. Sie sind weniger darauf bedacht, Dörfer und Städte zu vernichten, sondern sie wollen eher die unschuldigen Bewohner gefangen nehmen und in die Mandschurei verschleppen. Nam-yi hat einst seinen Vater verloren und fühlt sich deswegen minderwertig, zumal sein Vater als Verräter von den Anhängern des Königs ermordet wurde. Ausgerechnet an dem Tag, wo seine Schwester gegen seinen Willen heiratet, fällt die Armee ein. Als einziger Überlebender des Gemetzels stellt Nam-yi fest, dass seine Schwester von den Eindringen entführt wurde. Er folgt den Spuren der Soldaten, die viele der Bewohner über den Grenzfluss verschleppen wollen. Gerade nachdem das nächste Blutbad am Fluss seinen Lauf genommen hat, tritt Nam-yi ins Geschehen. Er hat nichts zu verlieren und kämpft sehr erfolgreich gegen seine Feinde, doch seine Schwester wurde derweil zum Prinzen gebracht – das nächste Ziel vor Augen und mit seinen geretteten Verbündeten an der Seite, macht sich Nam-yi auf, seine Schwester aus den Fängen der Mandschu-Dynastie zu befreien. Dabei stellt sich ihm allerdings der mandschurische Krieger Jiusinta in den Weg, der ebenfalls ein Meister in der Kunst des Bogenschießens ist und Nam-yi endgültig aus dem Weg räumen möchte.

Die Kunst des Bogenschießens

An den koreanischen Kinokassen konnte War of the Arrows binnen kurzer Zeit ganze sieben Millionen Zuschauer in seinen Bann ziehen. Das können wir nur bedingt verstehen. Der Film nimmt sich zu Beginn der auf über zwei Stunden ausgelegten Handlung zu viel Zeit, um die Hauptcharaktere vorzustellen. Sobald die Mandschu allerdings angreifen, gewinnt die Story schnell an Fahrt und kann dann durchgehend bis zum Ende überzeugen. Dadurch, dass fast alle Kämpfe nahezu ausschließlich mit Pfeil und Bogen ausgetragen werden, entwickelt sich in War of the Arrows eine ganz andere Dynamik, als es in anderen Abenteuerepen der Fall ist. Das Landschaftsbild Koreas wird dabei sogar noch konkreter mit in die Szenerie eingebaut. So erscheint eine karge Landschaft geradezu lebendig, wenn plötzlich Pfeile über die Ebenen schnellen und auf fliehende Menschen treffen. Szenen, die im Wald stattfinden, wirken somit noch intensiver. Durch schnelle Bewegungen der Darsteller und abgeschossene Pfeile machen diese Szenen einen aufregenderen Eindruck auf uns, als es vielleicht ein Schwertkampf tut. So schwach die Handlung an der einen oder anderen Stelle auch wirkt. Neben den stilistisch gut in Szene gesetzten Auseinandersetzungen, können auch die Schauspieler Pluspunkte für sich sammeln. Park Hae-il trägt mit seiner starren Mimik genau die Emotionen für Nam-yi bei, die wir von seinem Charakter erwarten. Schließlich hat er kaum mehr etwas zu verlieren.

Fehlende Hintergründe

Schauspieler, Kämpfe und das Landschaftsbild wirken in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) zusammengenommen passend. Unterstützt wird die Auseinandersetzung zwischen China und Korea durch einen gelungenen Soundtrack, der zwar nur sehr wenige Stücke aufweist, aber an die jeweilige Gegebenheit ständig angepasst wird. Einige Szenen kommen glücklicherweise auch ohne musikalische Begleitung aus, um etwa das Leid der Gefangenen zum Ausdruck zu bringen. Das Tonformat liegt sowohl im Deutschen, als auch im koreanischen Original in DTS-HD-5.1-Master-Audio vor. Das Original wirkt ein wenig intensiver, doch die deutschen Synchronsprecher wurden keinesfalls fehlbesetzt. Zur koreanischen Tonspur lassen sich wie so oft deutsche oder niederländische Untertitel zuschalten. Bonusmaterial ist auf der Blu-ray fast nicht zu finden. Neben den üblichen Trailern zu anderen Produkten aus dem Hause Splendid Film, befinden sich auf der Disc der originale Filmtrailer, ein sehr kurzes Making-of und ein paar Minuten B-Roll-Material. Das zusätzliche Material kommt im Gegensatz zum 122-minütigen Film gerade einmal auf fast 15 Minuten. Das ist sehr wenig, zumal man ausländischen Zuschauern wie uns den geschichtlichen Hintergrund der Invasion sehr gut hätte näherbringen können. So ist und bleibt War of the Arrows ein actiongeladener und spannender Film für einen verregneten Nachmittag. Sammler freuen sich aber immerhin über ein Wendecover ohne FSK-Logo. Fein.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mittlerweile bin ich ein großer Fan des südkoreanischen Kinos geworden. Es gibt kaum einen koreanischen Film, der mich nicht auf die eine oder andere Weise bezaubern kann. War of the Arrows schafft dies gerade noch so mit seinen Kämpfen, die sich fast ausschließlich auf die Konfliktlösung mit Pfeil und Bogen konzentrieren. Die unterschiedlichen Landschaften im Einklang in diesem stilistischen Kampf zu sehen, ist ebenfalls eine Bereicherung in meinem Filmregal, zumal die Darsteller in War of the Arrows ihren Teil dazu beitragen, um die Spannung hochzuhalten. Es ist daher aber umso tragischer, dass mir die Handlung fast gar nicht zu gefallen weiß. Obwohl die Grundlagen wie eine Lovestory, ein innerlich zerrissener Held und auch feindliche Auseinandersetzungen allesamt enthalten sind, kommt für mich zu Beginn kaum Interesse auf und wer den Film bis zum Ende verfolgt, wird eventuell auch vom Epilog ein wenig enttäuscht werden. Die Story endet so abrupt, wie sie angefangen hat. Wer aber einmal sehen möchte, wie Konflikte ohne Nahkampfwaffen oder ohne Fäuste, aber dennoch mit Gewalt geklärt werden, darf bei War of the Arrows ruhig einmal einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von War of the Arrows!

Review: Way of the Samurai

Wenn sich Amerikaner an einen Historienfilm wagen, der nichts mit ihrer Kultur gemein hat, so entstehen daraus zwiespältige Resultate – etwa The Last Samurai mit Tom Cruise. Obwohl ein guter Film, fängt dieser die japanische Kultur weniger gut ein, als es ein Akira Kurosawa vor seinem Tod mit zahlreichen Samurai-Filmen geschafft hat.

Way of the Samurai ist sozusagen die thailändische Antwort auf The Last Samurai. Der Film folgt grundsätzlich denselben Richtlinien, jedoch verschlägt es in Way of the Samurai einen japanischen Schwertkämpfer in die thailändische Kultur. Im 16. Jahrhundert kämpft Yamada Nagamasa in der Armee des mächtigen Königs Naresuan gegen das feindliche Burma, doch auch nach der Schlacht scheint keine Ruhe einzukehren. Mysteriöse Angreifer sorgen in der thailändischen Hauptstadt für Angst und Schrecken. Sie töten Nacht für Nacht unschuldige Bewohner. Eines Nachts wird Yamada selbst attackiert und erkennt dabei, dass es sich dabei um die Leute aus seinem eigenen Volk handelt. Yamada wird schwer verwundet und kommt nur sehr knapp mit dem Leben davon. Er wird von einer Gruppe Muay-Thai-Kriegern gerettet und in ihr Dorf gebracht. Nach seiner Genesung wird er dort in die alte Kunst des Kampfes eingewiesen. Der aus Japan stammende Krieger erlernt dort genauer gesagt das Thai-Boxen, welches sich auf die acht Waffen des menschlichen Körpers beschränkt. Schlussendlich kommt es dazu, dass Yamada in die Leibgarde des Königs aufgenommen wird und er Rache an den Verrätern üben kann, um das thailändische Volk zu rächen. Keine Sorge, auch wenn wir hier die Handlung in ihrem Rahmen durchleuchtet haben, ist es in Way of the Samurai die zwischenmenschliche Beziehung und der Begriff Heimat, welche zentral behandelt und geklärt werden.

Martial-Arts-Verknüpfung

Choreographisch werden in Way of the Samurai zwei Stile vermischt. Zum einen der ruhige Kampfstil der Samurai, der sich sehr auf die Bewegungen des Gegners konzentriert und dann der schnelle, sowie harte Kampfstil des Thai-Boxen. Im Verlauf der Handlung gelingt es dem japanischen Kämpfer, beide Kampfkünste miteinander zu verbinden. Das sorgt für viele und vor allem für sehr actionreiche Kämpfe, die zwischen den ruhigen und angenehmen Szenen eingespielt werden. Der Titel erreicht hier zwar bei weitem nicht die Klasse eines Once upon a Time in China oder der Ip-Man-Trilogie, doch können sich die Auseinandersetzungen sehen lassen. Viel wichtiger ist allerdings die Beziehung zwischen Yamada und einer thailändischen Frau. Im Verlauf der Handlung wird hier zwar angedeutet, dass sich die beiden ineinander verlieben, doch dazu kommt es nicht. Viel mehr möchte der Film auf das Thema Freundschaft aufmerksam machen, die ungleich der Nationalität bestehen kann. Obwohl die Bewohner erst skeptisch gegenüber Yamada sind, öffnen sie sich ihm schon bald und gewähren ihm auch das Recht, das Thai-Boxen zu erlernen, was sonst nur den Einheimischen erlaubt ist. Es wird klar, dass die eigene Heimat dort ist, wo einem das Schicksal hinführt und man sich selbst erfüllt fühlt. Die Dialoge sprießen stellenweise vor lauter Metaphern und klugen Vergleichen, so dass die Dialoge ein Genuss für jeden Fan des Martial-Arts-Genre sind.

Literweise Blutverlust

Hierzulande wird man die thailändischen Darstellern kaum kennen. Auch Yamada-Darsteller Seigi Ozeki ist ein eher Unbekannter der Filmlandschaft. Durch diese Unverbrauchtheit macht Way of the Samurai einen umso stimmigeren Eindruck. Dies erreicht auch die thailändische Landschaft. Wenn wir den Handlungsort in das Rot der Abendsonne getaucht, in 1080p und im 16:9-Format (1,85:1) sehen, können wir unsere Augen aufgrund dieser Pracht schon fast gar nicht mehr schließen. Hier hat Regisseur Nopporn Watin ganze Arbeit geleistet. Zudem wird das Geschehen mit einem ruhigen und nur in den passenden Momenten bedrohlichen Soundtrack unterlegt. Die deutsche sowie die thailändische Tonspur liegen im DTS-HD-5.1-Master-Audio-Format vor. Die deutschen Synchronsprecher passen, wenn wir von der eher unpassenden deutschen Stimme des kleinen Mädchens absehen, sehr gut zu den Charakteren. Wer lieber die originale Tonspur beim Film aufgrund der Originalität genießen möchte, die Sprache allerdings nicht versteht, darf sich sowohl deutsche als auch niederländische Untertitel hinzuschalten. Bonusmaterial liegt der Black Edition der Blu-ray-Fassung nicht bei, einzig allein ein paar Trailer zu anderen Filmen befinden sich mit auf der Disc. Schade finden wir, dass das laut Beipackzettel bei der normalen Fassung enthaltene Querformat-Wendecover nicht auch der Black Edition beiliegt. Der Film hat eine Laufzeit von circa 102 Minuten und kann durchweg überzeugen. Einzig allein die mit dem Computer nicht so gut nachbearbeiteten Kampfeffekte, in denen literweise Blut spritzt, stören das sonst kräftige Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Black Edition der Blu-ray-Fassung): Wer mein Review zu Demon Warriors gelesen hat, wird wissen dass ich mich mit thailändischen Filmen schwer tue. Das hat sich mit Way of the Samurai glücklicherweise geändert. Mein Vorurteil hat sich dieses Mal nicht bestätigt und so war ich froh, dass ich nach über einhundert Minuten sagen kann, dass ich einen guten Film gesehen habe. Die friedliche Verbindung zwischen Thailand und Japan wird hier erstaunlich gut an den Zuschauer vermittelt. Beide Kulturen werden von den Charakteren im Film hervorgehoben, es gibt keine direkte Diskriminierung und durch die intelligenten Dialoge gewinnt die Handlung von mal zu mal mehr an Gewicht. Ich kann den Film nur jedem Martial-Arts-Fan ans Herz legen, der sich auf eine durchdachte Handlung (die sich allerdings wirklich nur auf das Elementare des Films stützt und keinen Spielraum für mehr als eine Nebenhandlung lässt) und furiose Kampfeinlagen einlassen möchte. Schade ist hier nur, dass der historische Hintergrund nicht so genau erläutert wird und kein Bonusmaterial beiliegt, welches diesen erläutert.  Jetzt bin ich nur sehr gespannt, wie mich der nächste thailändische Film überzeugen möchte. Das ist bei mir, wie ich schon sagte, äußerst schwer.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Way of the Samurai!

Review: Like A Dragon

Die Ryu-Ga-Gotoku-Reihe, im Westen besser als Yakuza-Serie bekannt, gehört unter Fans zu den besten Videospielreihen der Welt, auch wenn die Verkaufszahlen in den Augen Segas wohl deutlich höher ausfallen dürften. Trotzdem sind seit 2005 vier Teile und ein Spin-Off erschienen, ein sechstes Spiel ist bereits in Arbeit. Zudem verfilmte Kultregisseur Takashi Miike 2007 die zweite Spielhälfte des ersten Teils.

Auch als Kenner des Spiels dürfte es ein wenig merkwürdig sein, in den Film einzusteigen, da selbst wir uns erst einmal ein wenig an Fakten orientieren müssen, zu welchem Zeitpunkt der Spielhandlung der Film einsetzt. Takashi Miike bedient sich dabei nämlich nicht nur an der Story des Spiels, sondern führt auch neue Elemente ein, die im Grunde gar nichts mit der eigentlichen Geschichte von Yakuza zu tun haben. So lernen wir ein schrilles Pärchen, dass auf Diebestour durch den fiktiven Tōkyōter Stadtteil Kamurocho (einer Nachbildung des Kabukichō-Stadtteils von Shinjuku) streift und einen koreanischen Killer, der es auf einen ganz besonderen Feind abgesehen hat, kennen. Zudem wechselt das Geschehen immer wieder zu zwei Gaunern, welche eine Bank überfallen, doch nun vor einem leeren Tresor stehen. Hier verknüpft sich der Film erstmals mit dem Spiel. In jenem Banksafe sollten Teile der zehn Milliarden Yen zu finden sein, die allerdings von den Yakuza zuvor entwendet wurden.

Gut und schlecht beleuchtete Charaktere

Kazuma Kiryū, der einst unschuldig ins Gefängnis wanderte, wird in die Freiheit entlassen und trifft in den Straßen von Kamurocho auf das kleine Mädchen Haruka, welches ihre Mutter im Großstadtdschungel sucht. Kazuma unterstützt sie bei ihrem Vorhaben und stellt schon bald fest, dass er ihre Mutter schon vor langer Zeit kennengelernt hat. Zur selben Zeit erfährt Gorō Majima, ein Gegenspieler von Kazuma, dass unser Hauptprotagonist aus dem Gefängnis entlassen wurde und durchsucht mit seinen Schlägern die Stadt. Es kommt unausweichlich zu Prügeleien und Schießereien im Bezirk. Außerdem bekommen wir Einblicke ins Berufsleben von Detective Date, lernen in kurzen Szenen Shintarō Kazama (im Westen wurde er in Fuma umbenannt, um einer Verwechslung mit Kazuma zu entgehen) und auch Nishiki, Yumi und Jingu kennen. Hier hat Takashi Miike den entscheidenden Fehler gemacht, sich mehr auf die neu eingeführten Charaktere zu konzentrieren, als jene Figuren, die wichtig zum Verstehen der Handlung sind, näher zu beleuchten. Daraus resultiert sich, dass das letzte Drittel des Films für Laien überhaupt nicht zu verstehen beziehungsweise nachzuvollziehen ist, da schlicht die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Szenen fehlen und das Finale des Films im Gegensatz zum Spiel extrem verkürzt dargestellt wird.

Gute Atmosphäre – durchwachsene Umsetzung

Zudem hat sich auch die eine oder andere Abweichung zum Spiel im Film versteckt, besonders Fakten was das Geld angeht. Auch das Nishiki-Yumi-Jingu-Dreiergespann wird im Film nicht als solches dargestellt, das Verständnis bleibt auf der Strecke. Dennoch kann der Film zumindest in den ersten sechzig von 105 Minuten punkten – die Story wird hier dicht erzählt und die gut eingefangenen Stadtbilder und spärlich eingesetzte Musik unterstreichen die Atmosphäre, die ebenfalls weite Teile des Spiels ausmachen. Auch die Schauspieler haben ihren Teil zum Endresultat beigetragen, besonders die Darsteller von Kazuma Kiryū, Gorō Majima, Haruka und Detective Date haben ihre Rollen perfekt zum Ausdruck gebracht. Die deutsche Synchronisation ist gut (besonders in Bezug auf die Hauptdarsteller), doch wer sich den Film im japanischen Original (wahlweise mit gelb eingefärbten deutschen Untertiteln) anschauen möchte, erfährt nochmals einen Pluspunkt in der durchgehend guten Atmosphäre. Der Film erstrahlt im 16:9-Format mit satten Farben und einem scharfen Bild, selbst auf einem HD-Fernseher.. Der Deluxe-Edition liegt übrigens eine Bonus-Disc bei, welche die Kindheit und Anfänge von Kazuma Kiryū als Yakuza in einer guten Dreiviertelstunde zeigt. Dieses Material wurde 2005 bereits zum Vermarkten des ersten Videospiels aufgenommen und eignet sich besonders als Einstieg in die Videospielreihe. Takashi Miikes actiongeladene Interpretation von Ryu Ga Gotoku darf sich kein Fan der Reihe, oder jene die es werden wollen, entgehen lassen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Deluxe-Edition): Meine Erwartungen waren an diesen Film durchaus hoch, da auch für mich die Yakuza-Reihe seit letztem Jahr einen sehr hohen Stellenwert eingenommen hat. Während ich im letzten Jahr erst den zweiten Videospielteil genießen durfte, konnte ich in den letzten Wochen und Monaten die Anfänge der Reihe auf der PlayStation 2 nachholen. Da kam es mir wie gerufen, dass das Rezensionsexemplar von Like A Dragon bei mir auf dem Schreibtisch landete. Man darf von Like A Dragon nicht erwarten, dass es das Spiel so einfängt, wie man es sich vielleicht vorstellen würde. Allerdings ist dieser Streifen auch weit entfernt davon, im Regal zu verstauben. Takashi Miike hat diesem Spiel meiner Meinung nach Tribut gezollt und den Fokus weniger auf die Story, sondern mehr auf die mehr als nur gelungene Stadtatmosphäre zu legen. Wenn Majima und Kazuma sich gegenseitig die Köpfe einschlagen und dabei auch noch ein paar blaue Bohnen durch die Gegend geschossen werden, kommt es mir fast so vor, als würde ich gerade eine der besten Rangeleien im Spiel erleben – und wenn das eine Videospielverfilmung schafft, dann hat sie ihr Ziel meiner Meinung nach schon fast erreicht. Es ist nur schade, dass besonders gegen Ende des Films die Verknüpfungen und Ausführungen fehlen, damit nicht nur Fans des Spiels die Handlung nachvollziehen können. Mein Tipp: Kauft euch die Deluxe-Edition, schaut euch das Eröffnungskapitel der Bonus-DVD an, kauft euch dann den ersten Teil der Reihe für die PlayStation 2 und schaut euch dann den Film an. Das mag zwar für den einen oder anderen etwas umständlicher sein, aber nur so kann man den Überblick bewahren. Wer aber trotzdem mal einen Blick in das aus dem Spiel bekannten Yakuza-Leben werfen möchte, kann mit Like A Dragon ebenfalls nichts falsch machen.

Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Like A Dragon!

Review: The Man From Nowhere

Wenn ein Regisseur über sein eigenes Land sagt, dass man dort keine vernünftigen Action-Filme drehen könne, es aber dennoch wagen möchte, muss er sich etwas Besonderes ausdenken. Im Falle von The Man From Nowhere ist dieses Vorhaben durchweg geglückt.

Der titelgebende Mann Cha Tae-Sik lebt zurückgezogen, geht seinem Tagwerk als Pfandleiher nach und vermeidet den Kontakt mit anderen Menschen. Einzig allein seine Nachbarin, das junge Mädchen Jeong So-mi, interessiert sich für ihn und freundet sich mit ihm an. Als eines Tages das Mädchen samt Mutter von einem mächtigen Kartell entführt wird, muss Cha Tae-Sik für die Drogenbarone arbeiten, um die Freiheit der zwei Damen zu erwirken. Schon bald merkt er, dass er zu einer sinnlosen Marionette des Kartells gemacht wird und dass er Jeong So-mi und ihre Mutter wohl nie mehr lebend wiedersehen wird. Tae-Sik begibt sich auf einen Rachefeldzug, denn die Gangster wissen nicht, dass er eigentlich ein ausgebildeter Geheimagent ist.

Gefühlsvolle Action-Welt

The Man From Nowhere war mit sechs Millionen Kinobesuchern der erfolgreichste Film 2010 an den koreanischen Kinokassen – unserer Meinung nach zu recht. Regisseur Jeong-beom Lee hat mit diesem Werk ein Film geschaffen, an den man sich auch noch in vielen Jahren rückblickend erinnern wird. Die gnadenlose Jagd von Cha Tae-Sik auf die Gangster, welche die kleine Jeong So-mi entführt haben, ist voller Trauer, Wut und Zorn, aber auch voller Liebe und Freude. Schauspieler Won Bin, der in diesem Film den Charakter des Cha Tae-Sik verkörpert, hätte nicht besser ausgesucht werden. Seine kalte Ausdrucksart setzt er ausdrucksstark und stilvoll in Szene. Aber auch Sae-ron Kim, die sich für die Rolle der Jeong So-mi verantwortlich zeichnet, hat für ihr junges Alter schon sehr viel Talent für die Schauspielerei angeeignet. Sie bringt nicht nur das Herz von Cha Tae-Sik, sondern auch die Herzen der Zuschauer zum Schmelzen. Hier merken wir auch schon, dass man bei diesem Film den Fokus eher auf die Gefühlswelt der Charaktere legt und die Gewalt (bis auf ein paar ausschweifende) Szenen in den Hintergrund stellt.

Koreanisches Meisterwerk

Unterlegt wird der Film von Anfang bis Ende mit einem mehr als nur guten Soundtrack. Jede Szene wird passend, entweder mit schnellen, langsamen, leisen oder lauten Musikstücken unterlegt, die besser nicht ausgewählt sein können. Die koreanische Originalfassung ist bei diesem Film gleich auf mit der deutschen Synchronisation, bei der die deutschen Sprecher sorgfältig ausgewählt wurden (beispielsweise Sascha Rotermund, der unter anderem Donald Draper in der deutschen Synchronfassung der TV-Serie Mad Men spricht). Als Tonformat wird DTS-HD 5.1 verwendet, das 16:9-Bildformat kommt in 1080p daher. Als Bonusmaterial liegen auf der Blu-Ray zwei (sehr gute!) Making-Of-Videos (zusammen circa achtzig Minuten Länge) und das Musikvideo zum Titelsong Dear von Mad Soul Child bei – als Dreingabe zum 119-minütigen Film ist das sehr lobenswert. Ihr merkt es schon: Wir sind von The Man From Nowhere mehr als nur angetan und können euch den Film bedenkenlos empfehlen, denn es muss nicht immer nur pure Action sein, auch Gefühle haben ihren Platz in dieser Welt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-Ray-Fassung): The Man From Nowhere beweist einmal mehr, warum ich asiatische Filme mag. In diesem Film wird die Gewaltdarstellung auf ein Minimum reduziert und der Fokus auf die Gefühle der Charaktere gelegt. Mit fortlaufender Handlung lernt man die Charaktere kennen und lieben, man schließt sie richtig ins Herz und macht mit ihnen ihren Leidensweg durch. Man hofft und bangt mit den Charakteren, dass ihre Wege wieder zusammen führen werden und bekommt mehrere Wendungen in der Handlung vorgesetzt, welche dieses Ziel als unmöglich erscheinen lassen. Dazu gesellt sich das klare Bild der Blu-Ray und der umwerfende Soundtrack – das letzte Mal, wo dieser mir so gut gefallen hat, war bei Once upon a Time in China und das ist auch schon ein paar Monate her. Ich kann euch diesen Film wärmstens ans Herz legen, denn bei Jeong-beom Lee hat mit The Man From Nowhere einen Film geschaffen, der seinen unvergesslichen Platz in der Filmwelt gefunden hat. Und jetzt müsst ihr nur eines tun: In den Laden laufen und euch die Blu-Ray zulegen!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Man From Nowhere!

Review: The Lost Bladesman

Donnie Yen ist für seine vielen Rollen in Martial-Arts-Filmen bekannt. Während Titel wie Ip Man und Ip Man 2 sicherlich zu den besten Filmen gehören, in denen er mitgewirkt hat, ist das Historienepos The Lost Bladesman leider nur im oberen Mittelfeld anzusehen.

Guan Yu wird zu den größten chinesischen Kriegern gezählt und ist einer der bedeutsamsten Figuren der ostasiatischen Geschichte. Gelebt hat Guan Yu am Ende der Han-Dynastie und  zur Zeit der drei Reiche. The Lost Bladesman spielt zur Zeit der letzt genannten Epoche, wo der Chinese für Treue, Mut und Gerechtigkeit eingestanden haben soll. Der undurchsichtige General Cao Cao versucht sich den Dienst von Guan Yu zu erkaufen, doch dieser ist mit Cao Caos ärgstem Feind verbündet. Er versucht Guan Yu umzustimmen und schreckt selbst vor Entführungen und Mord nicht zurück. Nachdem Guan Yu die Festung von Cao Cao verlässt, werden kurz darauf Brieftauben in alle Ecken des Landes entsendet. Die Botschaft ist klar: Guan Yu muss getötet werden. Als gefeierter Kriegsheld ist es Guan Yu allerdings möglich, seine Angreifer selbst in der Stunde der Not, unter halluzinogen Drogen stehend oder gar auch selbst vergiftet zu besiegen. Auf seiner Reise gilt es allerdings auch, die Geliebte von Liu Bei zu beschützen. Grundsätzlich hält sich The Lost Bladesman an historische Fakten, aber diese Geliebte gab es beispielsweise nicht beziehungsweise wurde nie dokumentarisch festgehalten. Hier bedienen sich Drehbuchautor und Regisseur ihrer Fantasie, um eine spannende Story zu erzählen, die mit dem Tod von Guan Yu endet und den Bogen zur Eröffnungsszene schlägt.

Historisches Kulturgut

Historische Filme sind grundsätzlich leicht zu verstehen, da sie sich meist nur an pure und oft bekannte Fakten halten. Dies kann man sagen, wenn man von Filmen spricht, die sich auf den Westen beziehen. Ostasiatische Historienfilme werden oft unterschätzt und haben deswegen auch selten ihren Weg in die heimischen Wohnzimmer geschafft. The Lost Bladesman sollte sich allerdings nicht vor Filmen über Cäsar und Konsorten verstecken, denn sobald man sich einmal mit der Geschichte über Guan Yu angefreundet hat, kann diese bis zum Ende fesseln. Um sich auf den Film allerdings vorzubreiten, empfehlen wir jedoch zuvor, sich mit den historischen Figuren wie Guan Yu und Cao Cao, sowie mit den Epochen zu beschäftigen. Das erleichtert das Verständnis des Films enorm, da viele Figuren und Orte genannt werden und man leicht den Überblick und somit das Verständnis für die Geschichte verlieren kann. Fans von Donnie Yen erleben den berühmten Schauspieler zwar nicht in seiner besten Rolle, doch schauspielerisch und vor allem choreografisch kann er einmal mehr in The Lost Bladesman das Publikum überzeugen. Für die Rolle des Cao Cao hätte man unserer Meinung nur schwer eine bessere Besetzung finden können, wie Wen Jiang. Er verleiht dem Kriegsherrn ein schwer zu durchschauendes Gesicht und erst am Ende des Films wird wirklich klar, welche Absichten er tatsächlich hatte und welche Funktion Guan Yu für ihn erfüllt hat.

Atmosphärisches Gesamtwerk

Einhundertzehn Minuten lang kann The Lost Bladesman mit einer durchdachten Handlung an die Mattscheibe fesseln, auch wenn es zwischenzeitlich die eine oder andere Szene im Film gibt, die austauschbar wirkt – etwa die kuriosen Rückblenden an Guan Yus früheres Leben. In 16:9 gehalten, kann das 1080p-Bild durchgehend mit scharfen Konturen und wunderschön in Szene gesetzten Landschaftsbildern punkten. Die Kulissen und Requisiten wirken sehr echt und verleihen das Gefühl, man würde tatsächlich einen Film sehen, der vor fast zweitausend Jahren gedreht wurde. Einzig und allein die mit dem Computer nachbearbeiteten Effekte, zum Beispiel die Staubwolken beim Galoppieren einer Gruppe Pferde, wirken sehr aufgesetzt. Die Hintergrundmusik wird jederzeit passend zum Geschehen eingesetzt, doch stechen die Stücke an keiner Stelle wirklich heraus. Schade, da wäre deutlich mehr drin gewesen. Die Tonspur in Mandarin weist keinerlei Mängel auf. Die deutsche Synchronisation hätte allerdings ruhig die eine oder andere Tonlage höher angesiedelt sein. Trotzdem ist der Ton im Format DTS-HD Master Audio 5.1 ein wahrer Genuss, bei beiden Tonspuren. Wer des Mandarins nicht mächtig ist, darf sich zusätzlich deutsche oder niederländische Untertitel zuschalten lassen. Auf der Blu-ray befindet sich neben den üblichen Trailern auch ein kurzes Making-Of, bei dem der Action-Star Donnie Yen aber viel zu kurz kommt. Fünfzehn Minuten Bonusmaterial sind bei diesem Film eindeutig zu wenig, hier hätte man wunderbar eine Dokumentation über die zwei Zeitepochen und die bedeutsamen Figuren produzieren können. Trotzdem sollten Interessierte der chinesischen Geschichte The Lost Bladesman unbedingt einmal anschauen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Leider habe ich mich vor dem Anschauen des Films nicht mit den historischen Figuren beschäftigt, somit wagte ich mich mit The Lost Bladesman auf absolutes Neuland. Aus diesem Grund war es für mich auch relativ schwer, der Handlung durchgehend zu folgen. Das hatte aber das Gute, dass das Ende einen Bogen zum Auftakt des Films schlägt und ein recht befriedigendes Gefühl zurückließ. Die Geschichte rund um Guan Yu hat bei mir einmal mehr das Interesse geweckt, mich mit der chinesischen Kultur und einzigartigen Geschichte zu befassen. So werde ich mir wohl bei Zeiten das Buch beziehungsweise den Roman über die drei Reiche zulegen, um mein Hintergrundwissen über diese Zeitepoche aufzufrischen. Geschichte ist grundsätzlich ein spannendes Thema, wenn man denn weiß, damit umzugehen. Alan Mak und Felix Chong haben das mit The Lost Bladesman bewiesen, denn jederzeit bleibt der Film glaubhaft erzählt und nur wenige Punkte sind frei erfunden, um Spannung aufkommen zu lassen. Choreografisch erwartet ein Fan von Donnie Yen vielleicht mehr, doch ist auch der Martial-Arts-Anteil in The Lost Bladesman nicht zu kurz gekommen und alle paar Szenen präsent, wenn auch mit Schwertern und nicht mit puren Fäusten gekämpft wird. Durch die authentischen Requisiten und Kulissen ergibt sich optisch ein stimmiges Gesamtwerk, dass Interessierte unbedingt einmal gesehen haben sollten.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Lost Bladesman!

Review: Ip Man Trilogy

Nachdem die drei Filmbiografien um den Lehrmeister von Bruce Lee bereits vor Monaten auf DVD und Blu-ray erschienen sind, hat sich Splendid Film mittlerweile dazu entschlossen, die bahnbrechenden Martial-Arts-Meisterwerke in einer Drei-Disc-Box auf den Markt zu bringen.

Der erste und zugleich jüngste Film im Leinen-Schuber, Ip Man Zero, erzählt den Beginn der Legende. In der Vorgeschichte erfahren wir, wie Ip Man 1905 von seinem Vater in Foshan in der Wing-Chun-Kampfschule von Meister Chan Wah-shun eingeschrieben wird. Dort lernt er in den nächsten Jahren Kung-Fu, bis er nach dem Tod seines Meisters 1909 von dessen Nachfolger weiter trainiert wird. Im darauffolgenden Jahrzehnt beginnt Ip Man in Hongkong sein Studium, wobei er auch Leung Bik kennenlernt, der ebenfalls einmal Schüler in Foshan war. Er hat Wing Chun verändert, mit neuen Elementen vermischt. Als Ip Man nach Foshan zurückkehrt, stößt dies bei seinem Lehrer auf Missgunst. Nebenher kommt Ip Man einer Frau näher, sein Adoptivbruder heiratet und ein Ip Man nahestehender und wichtiger Mensch wird ermordet. Zudem kommen Geheimnisse ans Tageslicht, die auf den Konflikt zwischen China und Japan zurückzuführen sind. Die Handlung von Ip Man Zero dauert bis zum Jahr 1929 an. Im ersten Teil der Trilogie verkörpert nicht Donnie Yen, sondern Dennis To Ip Man. Die Rolle gelingt ihm sehr wohl – dieser Meinung ist auch Ip Chun, der älteste noch lebende Sohn von Ip Man, der in Ip Man Zero ein paar kurze Auftritte als Leung Bik einnimmt.

The Legend is born

Choreografisch korrekt gelingen Dennis To seine Angriffe. An nur wenigen Stellen merkt man, dass man mit künstlichen Elemente gedreht hat (beispielsweise wenn plötzlich eine Sitzbank zwei Meter in die Höhe katapultiert wird). Schauspieltalente wie Sammo Hung, Suet Lam, Siu-Wong Fan oder Yuen Biao findet man in Ip Man Zero ebenfalls, welche im circa 96-minütigen Film für Stimmung und Spannung sorgen. Die sehr gute Hintergrundmusik tut ihr übriges, damit wir mit den Charakteren in der teilweise frei erfundenen Handlung mitfiebern können. Qualitativ befindet sich das Bild fast durchgehend auf einem hohen Niveau, an manchen Stellen können wir aber deutlich sehen, dass wir es nur mit normaler und teils gehobener DVD-Qualität zu tun haben. Die Tonfassungen liegen in deutscher Sprache, sowie im kantonesichen Original vor – beide Versionen funktionieren für sich genommen sehr gut. Wer sich die kantonesische Tonspur zuschalten möchte, kann zusätzlich deutsche oder niederländische Untertitel aktivieren. Bonusmaterial ist bei Ip Man Zero rar gesät – einzig und allein werden uns 13-Minuten Making-Of-Material vorgesetzt. Bei einer so großen Produktion, wie es im Making-Of heißt, wäre deutlich mehr drin gewesen. Das ist Schade, doch befinden sich noch zwei weitere Blu-rays mit im Leinen-Schuber.

Krieg und Frieden

Der mittlere Teil der Ip-Man-Trilogie siedelt sich in den 1930er Jahren an. Der wohlhabende Ip Man nimmt keine Schüler an, er lebt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Chun aber immer noch in Foshan. Foshan hat sich mittlerweile zum Zentrum der Kampfkünste in China entwickelt, viele Kampfschulen unterrichten Wing Chun in der kleinen Stadt. In der ersten Hälfte des Films wird das Leben von Ip Man vor dem Kriegsausbruch geschildert. Als eine Gruppe von starken Kämpfern in die Stadt kommt und jeden Meister problemlos besiegen, liegt es an Ip Man die Ehre aller Bewohner von Foshan wieder herzustellen. 1937 marschieren die japanischen Truppen in das Land ein, kurz danach wird auch Foshan angegriffen. Ip Man wird aus seinem Haus vertrieben und muss Hunger leiden und im Bergwerk arbeiten. Einer der japanischen Generäle lässt Chinesen (unter anderem Ip Man) zu sich rufen, die gegen die japanischen Soldaten kämpfen sollen. Dass sich dieser von Ip Man beeindruckt fühlt, dürfte uns nach der ersten Hälfte des Films bereits klar sein. Als die Japaner nach dem Kampf nach ihm suchen, beginnt für ihn und seine Familie ein Höllentrip, der Leben und Tod einmal mehr erörtert. Der Film endet in der ersten Hälfte des Zweiten Weltkriegs, gibt allerdings Ausblicke auf das weitere Leben von Ip Man.

Zeitreise in die Vergangenheit

Während sich für Ip Man Zero Regisseur Herman Yau verantwortlich zeigt, übernimmt in Ip Man und Ip Man 2 nun Wilson Yip die Regie. Ip Man wird nun nicht mehr vom jungen Dennis To gespielt, sondern fortan vom älteren Donnie Yen verkörpert, was der Rolle von Ip Man selbstverständlich einen reiferen Charakter verleiht. Choreografisch gut wirken auch alle Angriffs- und Verteidigungsmechanismen der Wing-Chun-Techniken, die von den Akteuren ausgeführt werden. Sammo Hung, der in Ip Man Zero noch den Chan Wah-shun gespielt hat, übernimmt im Mittelstück der Trilogie eine Background-Rolle als Action Director. Er sorgt dafür, dass das eingesetzte Wing Chun möglichst authentisch wirkt. Nur an wenigen Stellen merkt man, dass teilweise mit Drahtseilen gearbeitet wurde und einige Szenen dadurch etwas künstlich wirken. Wing Chun steht in Ip Man deutlich im Mittelpunkt, die Handlung baut um die Kampfsportart ihr Gerüst auf. Die Geschichte von Ip Man wirkt deutlich authentischer als noch in Ip Man Zero. Man merkt deutlich, dass sich Wilson Yip und sei Team vorher über die Lebensgeschichte des Mannes informiert und auch seinen Sohn Ip Chun zurate gezogen haben. Außerdem wurden die Kulissen in Ip Man mit viel Lieb zum Detail hergerichtet. Sie wirken tatsächlich so, als würden sie den 1930er Jahren entspringen. Der circa 106-minütige und im 16:9-Format gehaltene Film wirkt durchgehend optisch schön, zahlreiche HD-Momente versüßen den Anblick des Martial-Arts-Streifens. Die Musikeinbindung klappt so gut, wie bei Ip Man Zero. Die deutsche Synchronfassung ist sehr gut gelingen, das kantonesische Original wirkt auch hier deutlich authentischer (Untertitel in Deutsch und Niederländisch sind zuschaltbar). Bonusmaterial liegt bei Ip Man glücklicherweise in größerem Maße vor, als noch beim chronologischen Vorgänger. In circa 90 Minuten werden uns Interviews, Produktionseinblicke und ein paar entfernte Szenen präsentiert, die uns nützliche Hintergrundinformationen geben. Zusätzlich warten auf der Disc weitere Trailer zu ausgewählten Splendid-Filmen.

Ost trifft West

Der letzte Teil der Trilogie macht einen Zeitsprung ins Jahr 1950. Nach dem Ende des Kriegs verlässt Ip Man mitsamt seiner Familie die Heimat Foshan, um in Hongkong leben zu können. Ip Man möchte dort eine Schule auf einer Dachterrasse eröffnen. Es melden sich einige Tage lang keine Schüler an, doch nach dem Kampf gegen einen vorlauten und motivierten jungen Mann, der daraufhin mit seinen Freunden in die Lehre bei Ip Man eintreten, folgen auch schon die ersten Nachzügler. Zu jener Zeit ist Hongkong noch in britischer Hand, ein Meister einer anderen Schuler schmiert die englischen Beamten, damit ihre Kung-Fu-Schulen nicht geschlossen werden. Nachdem Ip Man zunächst gegen die anderen Meister kämpfen muss, um überhaupt als eines Ihresgleichen angesehen zu werden, findet nun ein Boxkampf in Hongkong statt. In diesem Kampf wird die Ehre der chinesischen Landsleute besudelt und ein Meister der Kampfschulen zu Tode geprügelt. Als die Briten sich dafür entschuldigen, planen sie einen weiteren Kampf, in welchem Ost auf West treffen soll. Ip Man beschließt, die Einladung zum Kampf anzunehmen und die Ehre seiner chinesischen Landsleute wieder herzustellen. Am Ende des Films wird kurz die Geburt seines zweiten Sohnes angeschnitten, außerdem hat der wohl berühmteste Schüler von Ip Man seinen eigenen, kurzen Moment, der Ip Man 2 zu einem mehr als nur würdigen Abschluss bringt.

Personifizierung des Bösen

Wilson Yip hat mit Ip Man 2 versucht, an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Zum Teil ist ihm das auch gelungen, doch so langsam aber sicher konzentrierte man sich hier verstärkt auf Wing Chun und vergaß dabei ein wenig die Geschichte. So wird Ip Mans Sohn Chun noch immer als kleines Kind dargestellt, obwohl dieser bereits in den 1920er Jahren geboren wurde. Eventuell hätte man zu authentischen Zwecken auch Donnie Yens Haare ein klein wenig grau färben können, da dieser mittlerweile ja auch über fünfzig Jahre alt ist und optisch nicht unbedingt dieselbe Figur machen sollte, wie bereits im zehn bis zwanzig Jahre zuvor angesiedelten Vorgänger. Trotzdem kann auch die Handlung von Ip Man 2 bis zu einem gewissen Grad überzeugen. Während in Ip Man Chinas Nachbar Japan möglichst treu zur Realität und mit Anstand an den Zuschauer nähergebracht wird, fällt uns bei Ip Man 2 auf, dass die Macher (wie es bereits auch bei Once upon a Time in China der Fall war) die Briten durch den im Film aufkommenden Boxer Taylor „The Twister“ Milos als überzogen, wenn nicht sogar als personifiziertes Böse darstellen. Auch wenn Ip Man nach dem finalen Kampf kluge Worte spricht, die das vorherige Auftreten der Engländer (fast) vergessen lässt, ist das Stilmittel für einen Europäer ein wenig befremdlich ausgefallen.

Überzogene Kampfszenen

Die verwendeten Kulissen in Ip Man 2 versuchen das Hongkong der 1950er Jahre realitätsnah wiederzugeben. Dieses Ziel wird bei den gezeigten Lokalitäten auch erreicht, doch wir hätten uns darüber gefreut, mehr über die einst britische Kolonie im Süden Chinas zu erfahren, mehr Örtlichkeiten in der damaligen Zeit anzutreffen. Da im circa 106-minütigen Film auch hier das Hauptaugenmerk auf Wing Chun gelegt wird, bekommen wir deutlich mehr Kampfszenen spendiert als noch in den beiden Vorgängern. Diese wirken mittlerweile auch schon deutlich übertrieben. Als Beispiel wäre die Szene auf dem Fischmarkt zu nennen, wo mit Paletten um sich geschmissen wird, die dann meterweit durch die Luft fliegen. Ohne Drahtseile wäre diese Szene sicherlich nicht machbar gewesen. Auch der Kampf, wo Ip Man gegen eine Vielzahl an Meistern antritt, wirkt ein wenig überzogen, aber nicht weniger spannend. Choreografisch ist es wieder einmal mehr Sammo Hung zu verdanken, der in Ip Man 2 neben seiner Tätigkeit als Schauspieler des Hong Zhen Nan, als Action Director zur Verfügung stand. Die Auseinandersetzungen sind in 1080p und im 16:9-Format eine Augenweide. Wie bereits bei den beiden anderen Ip-Man-Filmen wird auch hier die Musik mit Dramatik zu den einzelnen Szenen hervorragend eingespielt und auch die deutschen Synchronsprecher geben wieder einmal ihr Bestes, was sich durchaus hören lässt. Die kantonesische Tonspur wirkt im Vergleich um einiges glaubhafter, Untertitel lassen sich glücklicherweise in Deutsch und Niederländisch zuschalten. Bonusmaterial spiegelt sich hier in Interviews und Einblicken in die Produktion wieder – zusammen gerechnet ergeben sich hier ungefähr etwas mehr als sechzig Minuten Spielzeit (die beiliegenden Trailer nicht mit einberechnet!).

Gelungene Trilogie

Abschließend bleibt zu sagen, dass diese Trilogie nicht nur für Wing-Chun-Anhänger und großen Bewunderern von Ip Man geeignet ist. Auch Filmfreunde, die sich für Martial-Arts-Streifen oder für chinesische Kultur interessieren, werden mit der Ip Man Trilogy mehr als nur zufrieden sein. Größtenteils glaubhafte Kämpfe, eine packende Handlung (die manchmal leider in den Hintergrund gedrängt wird), tolle Schauspieler und gute Synchronsprecher, sowie einen Soundtrack, den wir seit Once upon a Time in China nicht mehr so passend eingespielt und episch wirkend gehört haben, machen diese Trilogie zu einem Genuss. Schade ist unserer Meinung nach nur, dass alle drei Blu-Rays in einer Hülle untergebracht werden. Das ist zwar platzsparend für das Regal, doch bei diesen Filmen hätte es sich wirklich gelohnt, eine größere Box auszuwählen und für jeden Film eine einzelne Hülle zu verwenden, ähnlich wie bei der Der-Pate-Trilogie. Der Leinenschuber macht aber einen stabilen und hübschen Eindruck – als weiterer Bonus liegt auch ein 24-seitiges Booklet bei, dass mit einigen Informationen zu den drei Filmen, den Mitwirkenden, Wing Chun und natürlich Ip Man selbst daherkommt. Selten bekommt man für einen Preis zwischen zwanzig und dreißig Euro eine so packende Trilogie spendiert, weshalb wir uns ganz klar für eine Kaufempfehlung aussprechen – diese Filmreihe gehört definitiv in jedes gut sortierte Filmregal!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 3-Disc Special Edition der Blu-Ray-Fassung): Auf so gut wie jeder DVD oder Blu-Ray-Disc aus dem Hause Splendid Film, die in den letzten Wochen und auch Monaten in meinem DVD-Player oder meiner PlayStation 3 rotierte, befand sich so gut wie immer mindestens ein Trailer eines Teils der Serie. Nach dutzendfachem Anschauen kam ich bei Veröffentlichung der gesamten Trilogie nicht umehr, diese Filme als großer Fan des Martial-Arts-Kinos anzuschauen. Nachdem ich viele Filme gesehen habe, die an moderne Klassiker wie Once upon a Time in China bei weitem nicht heranreichten, war ich wirklich froh, dass die Ip Man Trilogy wieder ähnliche Wege einschlägt und größtenteils auf die doch eher zu übertriebenen Action-Szenen verzichtet. Sicherlich ist Action ein Stilmittel, das man in keinem Film vernachlässigen darf, wenn sich das Werk dann mit dem Genre beschäfftigt. In der Ip Man Trilogy wird ein durchgängiges Drama erzählt, dass sein Hauptaugenmerk aber mehr und mehr auf die Kampfsportart Wing Chun richtet. Das ist zwar in erster Linie klasse, da Ip Man eben wegen dieser Art des Kung-Fu bekannt wurde, doch man darf nicht vergessen, dass ein Film auch eine Geschichte erzählen soll. Das schafft die Trilogie mit zunehmender Dauer der Handlung nicht unbedingt mehr so gut, wie es noch zu Beginn – im zugegebenermaßen überwiegend frei erfundenen – Ip Man Zero der Fall war. Trotzdem: Die Erzählstruktur ist durchaus vorhanden und bis auf ein paar kleine Logiklücken (Ip Chun wird in all der Zeit nicht erwachsen) ist jeder Teil der Reihe absolut sehenswert. Schade ist derzeit nur, dass sich Donnie Yen bereits gegen einen weiteren Teil ausgesprochen hat. Es wäre doch sicherlich noch interessant zu sehen, wie das Leben von Ip Man bis zu seinem Tode verlaufen ist und wie er Bruce Lee Unterricht erteilt hätte. Übrigens: Nach dem Anschauen der Filme habe ich übrigens selbst Lust dazu bekommen, Wing Chun auszuüben. Leider fehlt es mir dafür derzeit an Zeit, sonst würde ich mir sofort die nächste Schule in meiner Umgebung suchen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars der Ip Man Trilogy auf Blu-Ray!

Review: Dragonball Z / GT TV-Specials

In den letzten Monaten hat Anime Virtual alle 16 beziehungsweise 17 Filme des Dragonball- und Dragonball-Z-Universums veröffentlicht. Mit den drei TV-Specials zu Dragonball Z und Dragonball GT schließt sich der Kreis von Akira Toriyamas Meistwerk.

Wenn die fiktive Welt eines Animes immer größer und größer wird, werden mit der Zeit wohl oder übel Fragen aufgeworfen, die nicht direkt vom Erfinder, Regisseur oder Drehbuchautor beantwortet werden können und schlussendlich vergessen werden. Ganz so krass, wie es die Fernsehserie Lost vorletztes Jahr getroffen hatte, sind die Lücken im Dragonball-Franchise nicht. Unwichtige Dinge bleiben ungelöst, doch elementare Bestandteile der Geschichte rund um Son Gokū und seine Freunde werden nun endlich geklärt. Im ersten von drei TV-Specials wird die Herkunft unseres geliebten Helden erläutert. Aus Erzählungen wissen wir, dass Son Gokū ein Saiyajin ist und vom Planeten Vegeta stammt. Seinen Vater Bardock hat er niemals kennen gelernt, doch dazu haben wir jetzt in Son Gokus Vater endlich die Gelegenheit. Bei einem Auftrag auf dem Stern Kanassa prophezeit ihm ein Einheimischer vor dessen Tod das Ende der Saiyajin-Rasse. Durch seine dadurch neu gewonnene Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, erkennt Bardock, dass sein Auftraggeber Freezer den Planet Vegeta auslöschen wird und er sein Volk warnen muss. Zeitgleich gewinnt der junge Prinz Vegeta immer mehr Kraft und wird vor der Vernichtung seines Heimatplaneten auf seinen ersten Auftrag geschickt. Son Gokū wird hingegen mit einer Raumkapsel auf den Planeten Erde geschickt, wo die Handlung von Dragonball mehr als zehn Jahre später ansetzen wird.

Dunkle Zukunftsaussichten

Im späteren Handlungsverlauf von Dragonball Z erkrankt unser Held Son Gokū unweigerlich an einer Krankheit, gegen die er mit seiner enormen Kampfstärke nichts ausrichten kann. Er stirbt und das hat zufolge, dass ein halbes Jahr später die anderen Z-Kämpfer nichts gegen die Bedrohung der beiden Cyborgs C17 und C18 ausrichten können und somit ebenfalls dem Tod geweiht sind. Nur Son Gohan schafft es, dreizehn Jahre lang immer wieder gegen die Cyborgs anzutreten und zu überleben, doch ganz alleine wird er niemals dazu im Stande sein, die Widersacher zu besiegen – deshalb möchte Trunks von ihm unterrichtet werden. Jedoch wird schon bald in einem Kampf gegen die Cyborgs sogar Son Gohan getötet und selbst Trunks ist den Feinden unterlegen, kann jedoch von Ärzten wieder zusammen geflickt werden. Wer die Serie Dragonball Z gesehen hat, wird wissen, dass die Geschichte von Trunks zwanzig Jahre in der Vergangenheit weitergeht. Mittels einer Zeitmaschine, die von Bulma erfunden wurde, kann Trunks Son Gokū mit einer speziellen Medizin retten und die Geschichte zum Wohl der Menschheit umschreiben. Das Dragonball-GT-TV-Special spielt hingegen in weiter Zukunft. Nach dem Sieg gegen Super 17 kehrt auf der Erde der Frieden ein, der einhundert Jahre lang währen sollte. In dieser Zeit lebt nur noch Pan, gemeinsam mit ihrem Enkel Son Gokū Junior, welcher nach seinem Ururgroßvater benannt wurde.

Der Kreis schließt sich

Als Pan einen Herzinfarkt erleidet, kann es Son Gokū Junior nicht fassen. Er erinnert sich an eine alte Erzählung seiner Großmutter. Somit beschließt er in die Ferne zu ziehen und den mit Sagen umwobenen Dragonball vom Berg Paos zu holen, damit es seiner Großmutter sehr bald wieder besser geht. Auf seiner Reise wird Son Gokū Junior von einem seiner Schulkameraden begleitet, mit dem er unterwegs einige Abenteuer erleben wird. Zudem muss unser neuer Held erst einmal erlernen und beweisen, was wahrer Mut bedeutet und wahre Stärke ausmacht. Für den einen oder anderen Dragonball-Fan mag dies vielleicht etwas komisch wirken, zumal das Geschlecht von Son Gokū sonst stattliche Krieger hervorgebracht hat. In Zeiten des Friedens und des Wohlstands ist es aber wohl eher logisch, dass Son Gokū Junior kein durchtrainierter Krieger ist, auch wenn die Kampfkunst von einer Generation zur nächsten hätte weitervererbt werden können. Immerhin erreicht unser Held sein Ziel und entdeckt etwas, was ihn für alle Zeit an seinen Ururgroßvater erinnern wird, genauso wie es damals bei Son Gokū der Fall war. Die Köpfe hinter diesem Projekt haben gezeigt, dass sie – obwohl die Geschichte sonst eigentlich recht mau ist und keine großen Höhepunkte aufweist – für das Franchise einstehen und somit quasi an die Anfänge der Legende von den Dragonballs zurückgehen. Der Kreis schließt sich und wir erinnern uns an viele schöne Momente.

Das Song-Debakel

Obwohl alle drei Filme auf das 4:3-Format ausgelegt sind und man daher glauben könnte, sie seien auch optisch bereits vertagt, können wir nun deutlich sagen, dass dies nicht der Fall ist. Alle Charaktere und Umgebungen wurden mit den bekannten Farbtönen koloriert und wirken im Gesamtbild wie für das Franchise gewohnt stimmig. Für die drei Specials standen einmal mehr die deutschen Synchronsprecher aus der Serie für ihre Rollen Pate, uns ist jedenfalls kein Stimmenwechsel bei den Hauptcharakteren aufgefallen. In der deutschen, sowie in der japanischen Sprachausgabe ist der Ton im Dolby-Digital-2.0-Format gehalten. Wer Japanisch versteht, wird sich aber wohl darüber ärgern, dass die japanische Tonspur zwangsweise nur mit deutschen Untertiteln anzusehen ist. Das ist sehr schade, zumal wir diesen Punkt schon oft bei Anime-Virtual-Produkten bemängelt haben. Bei den beiden TV-Specials zu Dragonball Z wurde übrigens in der deutschen Fassung wieder das Eingangslied gestrichen, während es bei der japanischen Tonspur (auf Japanisch) enthalten ist. Selbiges gilt dann auch für die Songs am Ende der beiden Filme. Bei der deutschen Tonspur erklingen wieder einmal nur einfache Musikstücke und in der japanischen Ausgabe erklingen einmal mehr tolle Songs. Einzig allein beim Special zu Dragonball GT hat man sich die Mühe gemacht, Songs einzuspielen.

Fehlende Minuten

Da ist dann zwar das Titellied nicht gänzlich dasselbe wie in der dazugehörigen Serie und bei weitem auch nicht so gut, doch da am Ende noch ein anderer Song (sowohl im Deutschen als auch im Japanischen) geträllert wird, können wir darüber hinwegsehen. Noch ärgerlicher ist da aber die Angabe einer falschen Laufzeit auf der optisch hübschen und griffigen Box der drei TV-Specials. Wird dort von einer gesamten Laufzeit von 210 Minuten gesprochen, so kommen wir beim Nachrechnen auf einen völlig anderen (darunterliegenden) Wert. Son Gokus Vater hat eine Laufzeit von etwa 47 Minuten, Die Geschichte von Trunks und Son Goku Jr. jeweils ungefähr 45 Minuten. Das macht summa summarum 137 Minuten. Das sind immerhin 73 Minuten, die uns hier mehr versprochen werden. Das Preisleistungsverhältnis ist hierbei im Vergleich mit den bisherigen Filmboxen mangelhaft, immerhin entsprechen 73 Minuten einen fast vollwertigen Film. Bonusmaterial ist auf den drei Datenträgern übrigens nicht enthalten, was im Angesicht der kurzen und auch der fehlenden Laufzeit ebenfalls nicht gerade positiv ist. Inhaltlich können zumindest die Specials zu Dragonball Z sehr überzeugen, Son Goku Jr. fällt im Vergleich etwas ab, ist aber bei weitem kein schlechter Film. Man kann ihn schlecht mit den vorherigen Ereignissen vergleichen, doch im Kontext gesehen macht er Sinn und jetzt wo sich der Kreis am Ende des Dragonball-GT-Specials quasi geschlossen hat, freuen wir uns nun sehr auf die Fernsehserie von Dragonball, die ab Ende April ebenfalls von Anime Virtual vertrieben werden wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Es ist wirklich erstaunlich, seit wie vielen Jahren sich das Dragonball-Universum bei Fans größter Beliebtheit erfreut. Mit den drei TV-Specials zu Dragonball Z und Dragonball GT schließt sich in gewisser Weise der Kreis der Geschichte, denn wenn Son Gokū Junior den Dragonball mit den vier Sternen findet, muss ein Fan wie ich es einer bin unweigerlich an die ersten Szenen des klassischen Animes denken. Ansonsten fand ich das Dragonball-GT-Special nicht sonderlich spannend. Zum einen habe ich vor unzähligen Jahren bereits die Comicadoption gelesen und zum andern zieht sich die Story durch unzählige Momente, die man von Dragonball so nicht gewohnt ist. Da finde ich die beiden Specials zu Dragonball Z, in dem ich zum einen vieles Wichtige über Son Gokūs Vater erfahre und zum anderen den eigentlich wahren Zeitstrang nach Son Gokūs Tod einmal mit den eigenen Augen sehe. Unter diesem Aspekt kann ich die drei Specials jedem Fan von Dragonball nur wärmstens empfehlen, allerdings sollte man vielleicht darauf warten, dass Anime Virtual mit dem Preis nachlässt. Eine Ware mit falscher Laufzeit auf der Verpackung zu verkaufen, dürfte bei dem einen oder anderen Käufer nach Bemerkung des blöden Fehlers sicherlich bitter aufstoßen. Ich für meinen Teil werde Son Gokus Vater mit Sicherheit noch einmal anschauen, bevor ich Ende April mit der Serie von Dragonball endlich nachlege, denn einen besseren Einstieg in diese Serie könnte ich mir im Moment nicht vorstellen.

Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragonball Z / GT TV-Specials!

Review: Puella Magi Madoka Magica Vol. 1

Männliche Leser werden diesem Titel eher weniger Beachtung schenken, zumindest wenn es nach dem mädchenhaft-fröhlichen Cover ginge. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn hinter Puella Magi Madoka Magica verbirgt sich ein düsterer Anime.

Das Leben von Madoka Kaname ändert sich von einen Tag auf den anderen schlagartig. Erst träumt sie von einem geheimnisvollen Ort, an dem ein Mädchen gegen ein Ungetüm kämpft. Als dann aber genau dieses Mädchen einige Stunden später in ihrer Schule als ihre neue Mitschülerin vorgestellt wird, beginnt Madoka an ihrem Verstand zu zweifeln. Als sie am Nachmittag dann auch noch mit ihrer Freundin einen Musikladen besucht, fängt sie an eine um Hilfe schreiende Stimme zu hören. Als sie der unbekannten Stimme folgt, entdeckt sie ein magisches Wesen namens Kyubey, das ausgerechnet von Madokas neuer Mitschülerin Homura Akemi attackiert wird. Madoka und ihre dazu gekommene Freundin Sayaka Miki können dem Kampf gerade noch so entkommen und retten Kyubey das Leben. Von Kyubey erfahren die beiden, dass es in ihrer Welt sogenannte Magical Girls gibt, die in mysteriösen  Parallelwelten gegen gefährliche Hexen kämpfen, um die Menschheit zu beschützen. Kyubey möchte die beiden sehr gerne zu Magical Girls, wie auch Homura eines ist, machen. Im Ausgleich für diesen Pakt wird ihnen jeweils auch ein Wunsch erfüllt, doch benötigen sie dafür Bedenkzeit und als Homura sie auch noch davor warnt, ebenfalls Magical Girls zu werden, ist die Verwirrung bei den beiden perfekt. Die ersten vier Episoden von Puella Magi Madoka Magica, welche in Vol. 1 enthalten sind, nehmen sich genügend Zeit, um uns in die Welt dieses Animes einzuführen.

Hexenjagd

Wir lernen die bisher wichtigen Charaktere gut und das Grundkonzept sehr genau kennen. Während uns die verschiedenen Charaktere durchweg bei Laune halten und die Geschichte langsam aufbauen, fehlt es uns da an einem essentiellen Bösewicht, sprich einen Gegenspieler, gegen die sich die Charaktere auflehnen können. Es könnte aufgrund eines kurz eingeführten Charakters zwar durchaus möglich sein, dass dieser bereits in Erscheinung getreten ist, doch Klarheit wird hier wohl erst Vol. 2 schaffen, welches Ende April erscheinen wird. Die Kämpfe gegen die Hexen (wobei hier keine Hexen im eigentlichen Sinne, sondern eher gesagt magische Überwesen mit teils deutsch eingeblendeten Namen zu Beginn des Kampfes gemeint sind) und ihre Anhänger sind spannend und animationsreich in Szene gesetzt, zumal sehr viele Szenen des Animes den Eindruck vermitteln, man hätte ihn sogar für 3D-Fernseher entwickelt. Es würde uns nicht sehr wundern, wenn hier in den nächsten Jahren eine 3D-Blu-ray-Fassung in den Handel käme. Ein weiterer Aspekt der Geschichte ist, dass das eigentliche Leben der Freunde in einer High-Tech-Welt stattfindet, zumindest was ihre Schule betrifft. Gläserne Klassenräume, digitale Tafeln und eine mehr als nur moderne Schulkleidung sind in Puella Magi Madoka Magica an der Tagesordnung. Madokas Heim ist dabei ebenfalls sehr modern eingerichtet. Architekturstudenten werden hier nicht schlecht staunen, wie das Animationsstudio moderne Architektur eingefangen hat.

Audiokommentar zur Unterhaltung

Das Bildformat ist ebenso modern. Im 16:9-Format wird uns die Handlung pro Episode zwischen 23 und 25 Minuten präsentiert, nur in der ersten Szene einer jeden Folge stören am oberen und am unteren Bildschirmrand kurzzeitig schwarze Balken. Sowohl die deutsche Tonspur (in Dolby Digital 5.1) und japanische Tonspur (in Dolby Digital 2.0) machen klanglich einen sehr guten Eindruck, zumal auch die Synchronsprecher passend gewählt wurden. In der deutschen Synchronfassung sind unter anderem die Stimmen von Lydia Morgenstern, Esra Vural, Kaya Möller und Rubina Kuraoka zu hören – absolut keine Fehlentscheidungen. Neben den fast einhundert Minuten Laufzeit liegen auf der Disc zudem noch ein paar Trailer, sowie ein von den japanischen Synchronsprechern gesprochener Audiokommentar vor. Dieser dient eher zur Unterhaltung und weniger zur Information. Was in Japan bei einigen Anime-Produktionen mittlerweile üblich ist, muss sich hierzulande erst etablieren. Untertitel tragen sowohl bei den vier Folgen, als auch beim Audiokommentar zum Verständnis bei. Wer den schönen japanischen Opening-Song inklusive Intro genießen möchte, darf sich wie bei Angel Beats! auch hier ein textloses Opening ansehen beziehungsweise anhören. Das Inlay der DVD-Verpackung (auf Blu-ray erscheint der Anime hierzulande leider nicht) lässt sich übrigens wenden, so dass kein nerviges FSK-Logo auf dem Cover prangt. Puella Magi Madoka Magica macht zwar gelegentlich den Eindruck, als sei es ein reiner Anime für weibliche Zuschauer, doch auch das männliche Publikum wird sich mit der Geschichte der Magical Girls schnell anfreunden können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Als ich vor wenigen Wochen einen Trailer zu Puella Magi Madoka Magica angesehen habe, hat es mir der Anime irgendwie angetan. Dann kam der Tag, wo das Testmuster in meinem Briefkasten eingetrudelt ist und irgendwie hat mich das Cover ein wenig abgeschreckt, zumal ich wohl nicht die richtige Zielgruppe dafür sei. Trotzdem habe ich dem Anime seine wohl verdiente Chance gegeben und schnell kristallisierte sich bei mir das Gefühl heraus, welches ich beim Ansehen des Trailers von vor einigen Wochen hatte. Hübsch, aber für meinen Geschmack teils zu niedlich gezeichnete Figuren, die sich in mysteriösen Parallelwelten gegen ebenso geheimnisvolle Hexen zur Wehr setzen, können mich dank der intelligent gestrickten Handlung schnell in ihren Bann ziehen. Trotzdem kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so wirklich vorstellen, wo genau der Anime mit mir eigentlich hin möchte. Einen richtigen Bösewicht gibt es bisher noch nicht und ein Endziel ist ebenfalls noch lange nicht in Sicht. Hier bin ich auf den mittleren Teil der auf drei DVDs ausgelegten Story gespannt, welcher dann hoffentlich etwas mehr Licht ins Dunkle bringt.

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Puella Magi Madoka Magica Vol. 1!

Review: Sine Mora

Auf der Gamescom 2011 wurden wir recht freundlich zur Vorstellung des Xbox-Live-Arcade-Spiels Sine Mora geladen. Damals wie heute sind wir allerdings nicht so sonderlich von dem Titel angetan, was jedoch nichts über dessen eigentliche Qualität aussagt.

Sine Mora erzählt die Geschichte eines fiktiven Kriegs, in dem wir aktiv als Pilot teilnehmen. Leider schafft es der Titel an dieser Stelle schon mal nicht, dass wir eine starke Bindung zu den Charakteren aufbauen. Zwischen den vielen Levels wird unser Bildschirm eingeschwärzt und mit weißem Text befleckt, der dann wiederum aber von einer freundlichen Stimme vorgelesen wird (dazu später jedoch mehr). Wer von euch nun aber die eine oder andere bombastische Zwischensequenzen erwartet, wo kriegsbedingt einiges zu Bruch geht, wird zwangsweise enttäuscht. Etwas Ähnliches gibt es nur im eigentlichen Spielverlauf, doch selbst dort läuft die Action eher im spielbaren Geschehen ab. Ansonsten erhalten wir von den anderen Piloten nur über Funk Instruktionen, welche Ziele wir als nächstes anvisieren sollen oder was in der Welt von Sine Mora im Hintergrund passiert. Das Kriegsszenario wirkt somit deutlich glaubhafter und füllt die Welt des Spiels atmosphärisch mit Leben, doch die Dialoge gehören leider nicht zum Besten, was wir im Genre gesehen beziehungsweise gehört haben. Sie sind schlichtweg zweckmäßig, doch möchten wir uns an der Aufmachung von Handlung und Szenario aufhängen, denn Sine Mora hat einige Modifikationen im Genre vorgenommen, die den Titel in gewisser Weise einzigartig und fast schon unvergleichbar machen. Ganz in der Tradition von Gradius und R-Type bewegen wir unser Flugobjekt von links nach rechts über den Bildschirm und pulverisieren dabei alles, was uns in die Quere kommt.

Das Zeitliche segnen

Steuerungstechnisch fühlt sich das Gemisch aus Flugzeug und Unterseeboot geschmeidig an, nur in wenigen Momentan würden wir etwas mehr Kontrolle über das fliegende Vehikel wünschen. Während wir im Story-Modus, in dem wir ein Level nach dem anderen erleben, nur über ein Flugobjekt verfügen, gesellen sich im Arcade-Modus alsbald weitere Exemplare hinzu. Eines haben die Hybridfahrzeuge jedoch gemeinsam. Sie sind mit dutzenden Waffen ausgerüstet. Somit ist es in jedem Level unser Ziel, alles was sich bewegt abzuschießen und sicher das Abschnittsende zu erreichen. Über eine Lebensanzeige verfügen wir dabei übrigens nicht, denn immer wenn wir von einem feindlichen Geschoss getroffen werden oder mit der Umgebung kollidieren, werden uns kurzerhand ein paar Sekunden wertvolle Zeit abgezogen. Das mag für den einen oder anderen Spieler erschreckend klingen, doch da wir für jeden erfolgreich erledigten Feind zusätzliche Sekunden dazu verdienen, gleicht sich das System aus. Erreicht der Timer nämlich null, ist das Spiel unweigerlich vorbei und wir müssen einen Versuch einbüßen. Wie wir im Test erkannt haben, funktioniert diese Idee in der Praxis auch sehr gut. Einerseits motiviert es uns, wirklich jeden Gegner ins virtuelle Nirwana zu schicken und andererseits ist natürlich immer Vorsicht geboten. Besonders nach den ersten beiden Spielabschnitten zieht der Schwierigkeitsgrad an – es treten öfters und vor allem mehr Gegner auf. Weichen wir den Feinden und den Level-Limitierungen nicht geschickt aus, kann das schnell das vorzeitige Ableben bedeuten. Wie bei einem Arcade-Automaten können wir meist aber auf ein Continue zurückgreifen und den jeweiligen Abschnitt erneut in Angriff nehmen.

Die Welt spricht Ungarisch

Zwischenzeitlich tauchen immer mal wieder größere Bossgegner auf, die dementsprechend auch schwieriger zu besiegen sind. Da die empfindlichen Stellen deutlich zu erkennen sind, werden diese Gegner auch für unerfahrene Spieler sicherlich keine Probleme darstellen. Es ist eher das Problem, dass man dabei auch noch massenweise Geschossen ausweichen muss. Mit der richtigen Taktik und mit etwas Übung ist aber auch das kein Problem, zumal der Titel eh über mehrere Schwierigkeitsgrade verfügt, um möglichst viele Spielertypen anzusprechen. Besonders unerfahrene Spieler werden sich auch darüber freuen, dass man die Zeit in Sine Mora manipulieren kann. Ungewünschten Kollisionen kann somit im Nachhinein ohne Probleme vorgebeugt werden. Dieses Feature ist aber natürlich nicht durchweg und vor allem nicht unbegrenzt möglich. Im Gesamtkontext bemängeln wir, dass der Titel über keinen Mehrspielermodus verfügt. Dieser hätte sich bestimmt wunderbar ins Spiel eingefädelt. Optisch besticht der Titel mit hübschen Hintergründen, noch dazu mit satten Farben und schönen Effekten. Negativ fällt uns auf, dass sich am oberen und unteren Bildschirmrand schwarze Balken befinden. Das erweckt in gewisser Weise Kinoflair, doch ein größerer Bildschirmausschnitt hätte dem Spiel sicherlich gut getan. Leider gefällt uns der Soundtrack dabei nicht so ganz, da er sich mehr im Hintergrund versteckt, als das Geschehen brachial zu unterlegen. So gut wie alle Texte im Spiel wurden zudem mit einer Sprachausgabe unterlegt. Da der Titel in Ungarn von Digital Reality entwickelt wurde, ist diese Sprachausgabe nur auf Ungarisch enthalten. Das ist insofern schade, da es keine optionale englische Synchronisation gibt. Wer von euch das Spiel also ohne Untertitel spielen möchte, sollte der ungarischen Sprache mächtig sein. Wer damit leben und auf einen Mehrspielermodus verzichten kann, erhält zwei tolle Spielansätze, die wunderbar ins Gameplay von Sine Mora passen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Sine Mora ist ein Spiel im Stile von Gradius oder R-Type und fühlt sich auch fast wie diese an, aber leider nur fast. Während die Klassiker mit fetzigen Soundtracks und einem meiner Meinung nach noch höheren Schwierigkeitsgrad punkten konnten, fällt Sine Mora hier ab. Viele Stellen fühlen sich im normalen Schwierigkeitsgrad zu einfach und in der nächsten Situation schon wieder zu schwer an. Ich rede hier überhaupt nicht von dem unmenschlichen höchsten Schwierigkeitsgrad, viel mehr vom normalen Spielverlauf. Wenn ich in dem ganzen Level keinerlei Probleme habe, einen Gegner nach dem anderen abzuschießen und auf einmal schafft es der Bossgegner mit mächtigen Lasersalven meine Zeitanzeige in Nullkommanichts auf Null zu setzen, dann kann meiner Meinung nach etwas nicht stimmen. Hier hätte ich mich doch sehr gefreut, wenn Digital Reality noch etwas mehr Feinschliff an Sine Mora geübt hätte. Trotzdem habe ich die wenigen Spielstunden mit dem Titel genossen, doch in Zukunft greife ich viel lieber zu den Klassikern, da ich mich mit diesem eher identifizieren kann.

Vielen Dank an Digital Reality für die freundliche Bereitstellung des Downloadcodes von Sine Mora!

Review: Dead Space: The Aftermath

Nachdem Electronic Arts mit drei Spielen das Dead-Space-Universum regelrecht erschaffen hat, versuchte man sich anschließend auch an einem Film, um das Franchise einem größeren Publikum zugänglich zu machen, was aber eindeutig in dieser Form so nicht gelingen wird.

Auf der Rückseite der Verpackung behauptet man doch tatsächlich, dass sich der Film nicht nur an Fans der Spiele (von denen bisher drei an der Zahl für Konsolen und den PC erschienen sind) richte, sondern wohl auch ein so genanntes Must-See-Ereginis für alle anderen sei. Sicherlich wissen wir, dass so gut wie jeder Anbieter von jeglichen Medien nur zu gerne die Werbetrommel für sein Produkt schlägt. Allerdings ist dies bei Dead Space: The Aftermath schon stark übertrieben und an vielerlei Stellen mehr als nur dreist, wie ihr in unserem Review feststellen werdet, in dem wir immer wieder auf besagten Verpackungstext verweisen. Um die Story des Titels verstehen zu können, solltet ihr zuvor unbedingt Dead Space und Dead Space 2 gespielt haben, denn ansonsten werdet ihr den Handlungsverlauf des vorliegenden Films kaum bis gar nicht verstehen können und dabei gegebenenfalls einnicken, doch der Reihe nach: Dead Space: The Aftermath erzählt eine Geschichte von der Besatzung des Raumschiffs O’Bannon. Die Crew erhält den Auftrag, dort den Kommunikationsabbruch zur Ishimura, einem Bergbauraumschiff, zu untersuchen. Dieses befindet sich derweil im Orbit des Planeten Aegis VII. Was als eine herkömmliche Routinenmission beginnt, soll sich als wahrer Höllentrip entpuppen – zumindest, wenn man den Verpackungsangaben der Blu-ray Glauben schenken mag. Als die Crew mit Gravitationsbefestigungen einen Planeten zusammenhalten soll, entdecken sie nämlich ein Artefakt, welches Visionen in ihnen hervorruft und diese dazu noch in gewisser Weise wahr werden lässt.

Filmstildifferenzen

Der Film baut auf zwei sehr unterschiedlichen Stilen auf. Bei den Verhandlungen, die uns auf die vorhergehenden Ereignisse und Erlebnisse zurückblicken lassen, wird auf einen sehr merkwürdigen Animationsstil gesetzt, der übertrieben stark an die befremdlich wirkende Animationsserie Reboot aus den Neunziger Jahren erinnert. Die angesprochenen Momente, die vor den Verhandlungen beziehungsweise Verhören stattfinden und somit die eigentliche Handlung darstellen, werden wiederum in einem ansehnlichen und vor allem angenehmen Zeichentrickstil vorgestellt. Trotzdem können beide Stile nicht damit prahlen, in einer 1080p-Auflösung und im 16:9-Format zu glänzen. Während die computeranimierten Szenen und Kulissen trist und platt wirken, fehlen uns bei den Zeichentrickszenen zu viele Bewegungen. Es grenzt auch schon an eine Frechheit, was dem (deutschen) Publisher dieser Blu-ray einfällt, in den Packungstext zu schreiben. Dort wird mit grandiosen Animationen geworben, was eindeutig nicht der Fall ist. Sicherlich kann solch eine Produktion nicht mit den Größen der Pixar-Filme mithalten, doch das Ergebnis ist weit davon entfernt, sich als grandios zu bezeichnen. Es gibt dutzende Filme, die bereits seit Jahren erhältlich sind und hübschere Animationen abliefern. Die Verpackung preist zudem atemlose Spannung und packende Schockmomente an. Wir wissen beim besten Willen nicht, welche Momente hier gemeint sind. Bis vielleicht auf die eine oder andere Szene, wo beispielsweise eine Spritze mitten ins Auge der Protagonistin gegen ihren Willen eingeführt wird, haben wir davon so gut wie gar nichts bemerkt.

Das Grauen lauert nicht nur im Weltall

Durch diese Defizite hat es der Film sichtlich schwer, mit einer durchdachten Handlung und dazu auch noch mit einer gelungenen Atmosphäre zu punkten. Letzteres wird durch oftmalige Stilwechsel, auch wenn sie für sich genommen im Kontext Sinn ergeben, zerstört. Besonders an den computeranimierten Szenen stören wir uns sehr. Wie die Verantwortlichen es geschafft haben, berühmte Schauspieler wie Christopher Judge (bekannt durch seine Rolle als Teal’c in Stargate: Kommando SG-1) für Dead Space. The Aftermath zu gewinnen, ist uns ein Rätsel. Bei der deutschen Synchronisation hat man sich dementsprechend auch die Stimme von Tilo Schmitz gebucht. So kann der englische Originalton, genauso wie die deutsche Synchronisation in HD DTS 5.1 punkten. Durch die seltsamen Animationen wirken die Stimmen oftmals allerdings ein wenig aufgesetzt. Wer jetzt noch darauf hofft, Bonusmaterial auf der Disc zu finden, wird enttäuscht. Erst einmal taucht das Menü (automatisch) nur nach dem Ansehen des Films auf und dann befinden sich nur noch Trailer zu anderen Filmen mit auf der Scheibe. Das ist schwach und besonders hier hätte man Hintergründe über die Spiele oder gar dem Dead-Space-Universum mit auf die Disc packen können. Alle, die sich mit den Spielen nicht auskennen, werden sich sehr schwer tun, sich mit der Story anzufreunden beziehungsweise sich mit den Begriffen im Film zu Recht zu finden. Mit einem hat der vermeintliche Verpackungstext aber trotzdem Recht. Dead Space: The Aftermath entführt uns, den Zuschauer, in das Dunkle des Weltalls, wo das absolute Grauen lauert. Wir sind froh, dass wir diesem nach 75 Minuten entkommen können – der Film ist wirklich nur etwas für Fans!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach 75 Minuten möchte ich gerne meine Lebenszeit wieder haben, die ich dafür verschwendet habe. Versteht mich bitte nicht falsch, auch Dead Space: The Aftermath hat seine guten Seiten, doch die schlechten Punkte überwiegen hier eindeutig und auch wenn ich alle Spiele des Dead-Space-Universums kennen und mich in diesem wunderbar zu Recht finden könnte, würde ich einen großen Bogen um diesen Streifen machen. Dead-Space-Fans werden in diesem Film nicht geschockt, eher gelangweilt. Es gibt keine vernünftige Handlung, denn nach den ersten zehn Minuten ist die Story nahezu bis zu den letzten fünf Minuten plump – und das genau verstehe ich nicht. Ich bin erstaunt, dass ein Film spannend anfängt und auch spannend mit einem Cliffhanger endet, doch dann musste man den Hauptteil strecken, in dem nur noch wirre und lahm in Szene gesetzte Visionen die Helden plagen und im Grunde nichts passiert. Außerdem kann ich deutlich bemerken, dass Electronic Arts nur die Lizenz, aber wohl keine Geldmittel für die Produktion des Films zur Verfügung gestellt hat. Ich bin zwar auch kein Fan von Electronic Arts’ Franchise-Ausschlachtung, aber selbst der Branchenriese schafft es mit wenigen Mitteln, zumindest noch die Qualität in gewisser Weise zu halten. Der Film hat mich nur selten begeistert und ich möchte ihn keinem weiterempfehlen, der nicht gerade vor hat, sich zu langweilen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Dead Space: The Aftermath!

Review: SSX

Wenn eine Sportart in den letzten Jahren im Videospielbereich immer mehr unter gegangen ist, dann ist es das Snowboard-Genre. Electronic Arts hat die Lücken im Spielregal bemerkt und in diesem Frühjahr einen neuen Teil der SSX-Reihe veröffentlicht.

Sportspiele haben oft ein gemeinsames Manko. Sie können im Normalfall keine vernünftige Geschichte erzählen und sollten es aus diesem Grund auch eigentlich nicht tun. Leider ist das Electronic Arts und dem Entwicklerstudio vermutlich egal, denn eine banalere Story ist uns in diesem Genre nur selten vorgekommen. Es geht einfach um ausgedachte Charaktere, die von überall auf der Welt die Pisten runter sausen möchten. Das hat Konkurrent Ubisoft mit Shaun White: Snowboarding und Shaun White Snowboarding: Road Trip damals auf Nintendos Wii wesentlich besser hinbekommen, selbst wenn die Story um Shaun und seine Freunde ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei war, doch haben wir hier jedenfalls ein klein wenig mehr mit den Charakteren auf ihrem Weg zum Ziel mitfiebern können. Zwischensequenzen, in denen die Charaktere von SSX auf einmal mit Motocross-Vehikeln unterwegs sind, erschließen uns in ihrem Sinn leider ebenfalls nicht. Davon sollten wir uns aber nicht ablenken lassen, denn SSX hat viele andere Punkte, die uns deutlich besser gefallen haben. In tausenden Metern Höhe ist ein Helikopter zu sehen, die Kamera umdreht das Flugobjekt und zeigt es darauf von innen. Hier befinden wir uns mit unserem Charakter, der nur darauf wartet, die nächste Piste hinab zu düsen. Mit einem Ruck auf den Analog-Stick nach vorne lässt sich unser Charakter fallen und befindet sich nun am Rande der Abfahrt. Ein letztes Mal tief Luft holen und los geht es!

Drei Zielvorgaben

Die Steuerung ist in einem Sportspiel ein elementarer Bestandteil. Wir sind froh, dass diese in SSX überwiegend positiv ausgefallen ist. Während wir mit dem linken Analog-Stick den Charakter steuern, mit ihm beschleunigen oder abbremsen, führen wir mit den Aktionstasten zahlreiche Tricks aus. Wahlweise dürfen wir diese Tricks auch mit dem rechten Analog-Stick ausführen, doch die Steuerung mit den Aktionstasten sollte vor allem für Einsteiger sehr viel angenehmer und verständlicher sein. Trotzdem funktionieren beide Steuerungsarten fast ohne Probleme. Eine gewisse Eingewöhnungszeit muss man jedoch für SSX einplanen. Besonders in den ersten Spielstunden, wo uns noch nicht alle Boards, Anzüge, Abzeichen und andere Extras zur Verfügung stehen, fühlt sich die Steuerung noch etwas schwammig an und ist aus diesem Grund in einem der drei Hauptspielmodi von Nachteil. Beispielsweise müssen wir die eine oder andere Piste unbeschadet am Boden ankommen, denn in SSX sind wir sterblich. Wir sollten deshalb vor jeder Strecke auf der jeweiligen Anzeige nachschauen, ob wir auch gut gepanzert sind und wie unsere Chancen stehen, die Abfahrt heil zu überstehen. Ist dies nicht der Fall, so dürfen wir uns im Shop gegen einen gewissen Obolus mit einem neuen Schutz ausrüsten. Einige der Strecken sind nämlich mordsgefährlich und wenn wir dann den einen oder anderen Baum übersehen, endet die Abfahrt schneller, als uns vielleicht lieb ist. In weiteren Spielmodi heißt es für uns dann, dass wir vor dem Gegner unser Ziel erreichen oder möglichst viele Tricks für eine bestimmte Punktzahl machen müssen.

Realität und Fantasie

Je länger wir übrigens Tricks ausführen, desto mehr Punkte erhalten wir für diese. Bleiben wir sogar so lange unbeschadet, kommen wir in den Supermodus, in dem unsere Tricks noch besser wirken. Für abgeschlossene Pisten hagelt es Erfahrungspunkte und Credits. Zum einen verbessern wir so unseren Charakter und zum anderen können wir die Credits für neue Snowboards im Shop und sogar für neue Charaktere ausgeben, die dann ebenfalls aufgestuft werden möchten. Wer hier alles erreichen möchte, wird sehr viele Spielstunden in SSX investieren dürfen, zumal die Strecken sehr abwechslungsreich ausgefallen sind. So sind wir in den Rocky Mountains, in Neuseeland oder sogar in der Antarktis unterwegs. Obwohl sich das Entwicklerteam an realen Orten orientiert hat, fallen die Pisten doch eher fantasievoll aus. In Sibirien sausen wir an dem einen oder anderen Kraftwerk vorbei, springen mitten durch Hochstrommasten und auch sonst sind unserer Meinung nach viel zu viele Grind-Stangen auf der Strecke platziert, die in der echten Welt dort wohl eher fehl am Platz wären. Über das Rider Net sind wir jederzeit mit unseren Freunden online verbunden. Sobald also einer unsere Kumpels einen neuen Rekord aufstellt, werden wir durch eine Anzeige in der oberen linken Ecke informiert. Das ist praktisch und motiviert uns, diesen Rekord spontan brechen zu wollen. Wer aber über keinen Online Pass verfügt, darf online zwar die Vorgaben erfüllen, doch die Errungenschaft wird so lange zurückgehalten. Ärgerlich.

Einzelspieler-Alternative

Nur wer Electronic Arts nochmals bezahlt, darf mit seinen virtuellen Gewinnen prahlen. Unserer Testversion lag der Online Pass nicht bei, weshalb wir nicht sagen können, wie essentiell sich diese Vorteile auf das Online-Gaming auswirken. Zudem gibt es im Online-Modus keine Modi, in denen wir direkt gegeneinander antreten. Im Jahr 2012 ist das schwach, genauso wie der fehlende Splitscreen-Modus. Wer also viel lieber direkt mit seinen Freunden spielen möchte, ist bei SSX nicht gut aufgehoben und sollte daher lieber zu älteren Alternativen wie 1080° Snowboarding oder Shaun White: Snowboarding greifen. Optisch kann der Titel trotzdem überzeugen, denn die Pisten sehen in der weißen Landschaft atemberaubend aus und werden zudem teilweise atmosphärisch durch einen farblichen Blaustich in Szene gesetzt. Der Soundtrack passt zum Spiel, doch da hier im Regelfall nur Songs von mehr oder weniger bekannten Interpreten, wie Nero, Run DMC oder The Hives vorkommen, muss man die jeweilige Musikrichtung doch schon mögen. Die restlichen Musikstücke kommen fast gar nicht zur Geltung und sind eher Beiwerk als Bereicherung des Titels. SSX ist ein Snowboard-Spiel, das einige Ansätze (wie etwa das Überleben) dem Genre zumindest teilweise einen neuen Anstrich verpasst. Wir hätten uns sehr gefreut, wenn die Entwickler des Titels Mut bewiesen hätten und diesen Ansatz weiter ausgebaut hätten. Wer jetzt aber hofft, einen simulationsartigen Snowboard-Titel zu bekommen liegt falsch, denn SSX ist fast ausschließlich ein arcade-lastiges Spiel ohne Drang zur Realität. Einzelspieler dürfen dem Spiel eine Chance geben, Mehrspielerfreunde greifen eher zu Alternativen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Grundsätzlich kann ich mich mit SSX auf der PlayStation 3 anfreunden, aber wohl auch nur, weil Snowboard-Spiele momentan eher Mangelware im Spielregal der Kaufhäuser sind. Ich muss zugeben, dass ich seit Shaun White Snowboarding: Road Trip kein Spiel des Genres mehr in den Händen gehalten habe und ich deshalb vielleicht etwas zu euphorisch bei der Ankündigung von SSX war. Jedenfalls konnte ich mittlerweile die eine oder andere Stunde mit dem Titel verbringen. Die recht unterschiedlichen Pisten gefallen mir gut, außerdem die Hindernisse, mit denen ich im Spiel konfrontiert werde (auch wenn diese alles andere als realistisch wirken). Ich finde es zudem richtig gut, dass ich ständig neue Credits gewinne, mit denen ich meine Charaktere mit neuen Boards, Anzügen und sonstigem Schnickschnack ausrüsten kann. Das motiviert mich immer wieder aufs Neue, die nächste und auch die übernächste Piste hinunter zu sausen. Aber ich werde SSX wohl nicht sehr lange spielen, da ein Sportspiel meiner Meinung nach schon sehr stark vom Mehrspielererlebnis lebt. Dieses ist in SSX aber gerade nur mittelmäßig und zwingt mich in gewisser Weise trotzdem als Einzelspieler die Piste in Angriff zu nehmen, da die Konkurrenz jeweils nur einen Rekord bricht, den wiederum ich brechen möchte. Mir fehlt das Adrenalin, das ich bei direkten Wettkämpfen gegen Freunde oder unbekannte Spielern spüre. SSX ist für mich leider nur ein Titel für zwischendurch. Ich bleibe lieber beim Klassiker 1080° Snowboarding auf Nintendo 64 und Gamecube.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von SSX!

Review: Metal Gear Solid: Snake Eater 3D

Naked Snake ist zurück, allerdings nicht in einem heiß und lang ersehnten Metal Gear Solid 5, sondern in einer Neuauflage des dritten Teils für Nintendos 3DS. Als wir das Spiel im letzten Jahr auf der Gamescom anspielen durften, waren wir noch nicht so ganz von der Portierung des PlayStation-2-Spiels überzeugt. Dies hat sich mit dem Release des Titels geändert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Welt in Ost und West aufgeteilt. Die Sowjetunion hat den eisernen Vorhang errichtet und das Wettrüsten begann – dies war der Startpunkt des Kalten Krieges. In jener Zeit ist Metal Gear Solid: Snake Eater 3D angesiedelt, genauer gesagt im Jahr 1964. Nach der Kubakrise und der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, knistert der Konflikt neu auf. Die Vereinigten Staaten müssen einen Mann namens Sokolov an die Sowjetunion übergeben. Dieser wird dort gezwungen, an einem militärischen Panzer mitzuarbeiten, der dazu im Stande sein soll, von jedem einzelnen Ort der Erde aus Nukleargeschosse abzuschießen. Um dies zu verhindern, schickt die Central Intelligence Agency, kurz CIA, einen ihrer besten Männer in die verbotene Zone, um Sokolov zu retten. Die Einführung in das Spiel ist die intelligenteste, die wir seit längerer Zeit gesehen haben. So spielen die Entwickler in den Zwischensequenzen immer wieder Originalaufnahmen aus der jeweiligen Zeit ein. Dies beschränkt sich zwar oftmals nur auf das Wehen von der Fahne der Vereinigten Staaten oder einer stillen Aufnahme des Weißen Haus, doch gelegentlich werden uns auch erschreckende Szenerien aufgezeigt. Beispielsweise die Aufrüstung der Sowjetunion gegen die Vereinigten Staaten. Nach dem fulminanten Auftakt des Spiels wird sogar ein Opening eingespielt, das uns stilistisch sehr stark an die James-Bond-Filmreihe erinnert. Hier kann Hideo Kojima absolut nicht leugnen, dass er sich beim britischen Geheimagenten inspiriert hat. Zum Glück bleibt dies weitestgehend der einzige Punkt, denn Snake Eater 3D kann auch mit einer völlig eigenen Story zu überzeugen wissen – eigentlich.

Im Schatten der Nacht

Nichtkenner der Serie werden sich nämlich leider nur sehr schwer zu Recht finden, da viele Charaktere aus den Vorgängern auftauchen und dem anfangs unwissenden Spieler nicht vollends vorgestellt werden. Außerdem tragen die Spezialfähigkeiten der Bösewichte, zum Beispiel Hornissen auf uns loszujagen oder unseren virtuellen Körper mit Millionen von Volt zu schocken, bei dem einen oder anderen Spielertyp nur zur Verwirrung bei, da die eigentlich ernsthafte Handlung so zu stark an Surrealität gewinnt. Obwohl die Story an vielen Stellen überhand nimmt und uns kaum Möglichkeit lässt, direkt im Spiel etwas zu bewirken (ständig werden wir von Verbündeten über Funk kontaktiert oder eine der vielen Zwischensequenzen wird eingespielt), kann das Gameplay trotzdem überzeugen. Wie im großen Vorbild auf der PlayStation 2 müssen wir mit Naked Snake heimlich das Gebiet infiltrieren. Überall im Dschungel hält das Wachpersonal nach Eindringlingen Ausschau. Um nicht gesehen zu werden, müssen wir schnell Verstecke aufsuchen, wozu sich im Dschungel naturgemäß das hohe Gras ganz besonders gut eignet. Unterstützt werden wir dabei von unserer Kleidung und Gesichtsfarbe. Über das Menü dürfen wir allzeit die Farbe des Anzugs ändern und uns sogar Kriegsbemalung ins Gesicht schmieren. Je besser wir uns an die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten anpassen, desto geringer ist auch die Chance, von den Feinden entdeckt zu werden. In der Nintendo-3DS-Fassung können wir sogar Fotos aus unserer echten Umgebung schießen, die wir anschließend auf unsere Ausrüstung sprühen. Eine nette Idee, aber fast vollkommen sinnlos – die spielinterne Farbwahl ist bereits ausreichend für unseren Einsatz.

Stealth-Action

Werden wir dennoch einmal unvorsichtig und schlussendlich vom Wachpersonal erwischt, kann Naked Snake mit einer mehr als ordentlichen Kampfausbildung punkten. Mit Schlägen und Tritten, Messerangriffen und Schusswaffen können wir unsere Feinde außer Gefecht setzen – sollten dies aber auch schleunigst tun, bevor die Soldaten die Möglichkeit ergreifen und Verstärkung rufen. Dies geschieht in der Regel schneller als uns lieb ist. Bei unserem Test wurden wir aber auch mit mehreren Gegnern noch sehr leicht fertig, sofern wir immer in Bewegung blieben. Dies hängt aber vermutlich von den Einstellungen ab, die wir zu Beginn des Spiels getroffen haben. Neben dem Schwierigkeitsgrad sollen wir dort nämlich auch noch auswählen, welches Metal Gear Solid unser Lieblingsteil der Serie sei oder ob wir zum ersten Mal mit dem Franchise konfrontiert werden. Leider können wir dies nicht überprüfen, da weder die beiliegende, noch die elektronische Anleitung darüber Auskunft erteilt. Trotzdem sollte der Titel bei jedem Spieler durchaus machbar sein, zumal der Redakteur dieses Artikels ebenfalls kaum Probleme mit Snake Eater 3D hatte, obwohl es seinen ersten Kontakt mit der Serie darstellte. Um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten, ist es übrigens hilfreich, die Körper der Besiegten zu durchsuchen. Wollen wir dann auch unbemerkt bleiben, hilft es nur noch, sie auch im Unterholz oder anderen abgetrennten Bereichen zu verstecken. Es kann aber auch helfen, Magazine mit einschlägigem Inhalt liegen zu lassen und so die Wachen abzulenken. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich in einer der berühmten Pappkisten zu verstecken, sofern wir diese im Spielverlauf finden.

It’s a jungle out there

Der Dschungel ist dennoch ein gefährliches Pflaster, denn nicht nur die feindlichen Wachleute wollen uns an den Kragen, sondern auch die eine oder andere Schlange. Eine Königskobra hat kein Problem damit, uns mit einem Biss zu vergiften, sobald wir ihr zu nahe kommen. In dem Falle müssen wir unverzüglich handeln. Über das Menü haben wir die Möglichkeit, selbst Schnitt- und Schusswunden zu nähen, Blutungen zu stoppen, Beine bei Frakturen zu schienen und Wunden (im Falle einer Vergiftung) auch zu desinfizieren. Dieses Spielelement kennen wir sonst eigentlich nur aus einschlägigen Titeln wie Trauma Center und Konsorten, doch ist Snake Eater 3D der Beweis dafür, dass dieses Gameplay-Element auch in anderen Genres gut aufgehoben ist. Wer natürlich weitaus vorsichtiger bei seinem Einsatz vorgeht, wird den virtuellen Operationstisch nur selten zu Gesicht bekommen. Um uns an der Schlange zu rächen, dürfen wir sie (wie fast jedes andere Tier des Spiels) erledigen und später als Mahlzeit verzehren. Horten sollten wir das Fleisch allerdings nicht. Wenn wir es nämlich nach längerer Zeit nicht endlich verzehren (beispielsweise wenn wir das Spiel mittendrin unterbrechen und erst einige Wochen später fortsetzen möchten), ist die Chance hoch, dass es schlecht wird und wir uns eine Lebensmittelvergiftung einfangen. Das Essen füllt wiederum unsere ständig sinkende Ausdaueranzeige, auf die wir stets einen Blick haben sollten. Fällt der Wert, sind Aktionen wie das Tauchen im See kaum mehr möglich. Lebensenergie ist trotzdem der entscheidende Faktor in Snake Eater 3D. Fällt diese auf null, so müssen wir den Bereich von vorne beginnen. Glücklicherweise regeneriert sich die Anzeige langsam, wenn wir uns im Dschungel verstecken und darauf warten, die Gunst der Stunde nutzen zu können.

Eindrucksvolle Atmosphäre

Bei unserem Auftrag in der Sowjetunion ist es zudem hilfreich, wenn wir das Schiebepad Pro nutzen. Zwar ist Snake Eater 3D auch ohne die Zusatzperipherie spielbar, doch fühlt sich das ganze Spiel dann nicht mehr annähernd so geschmeidig an. Statt eines zweiten Schiebepads müssen wir die Kamera mit den vier Aktionstasten bewegen, was auf Dauer recht störend ist. Aber auch so kann die Kamera nicht wirklich begeistern. Wir müssen sie stets selbst justieren, was besonders bei engeren Gängen unnötig ist. Bei einigen Bosskämpfen ist es zudem nicht einmal möglich, die Kamera frei zu bewegen. Sehr ärgerlich! Wer noch nicht über die neue Hardware aus dem Hause Nintendo verfügt, sollte aber spätestens dann zugreifen, wenn er mit dem Kauf der Neuauflage PlayStation-2-Klassikers liebäugelt. Ein interessanter Aspekt ist für uns zudem die Einbindung des Gyrosensors. Gehen wir über eine wackelige Hängebrücke, so müssen wir den Handheld möglichst gerade halten oder fein justieren, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Das ist realistisch und unterstützt die Atmosphäre des Spiels ungemein, zumal das Feature nur selten genutzt wird. Der Tiefeneffekt verstärkt das ganze dann noch, denn wer einmal eine der großen Felsenklüfte des Spiels gesehen oder sich im hohen Gras versteckt hat, fühlt sich mitten in die Spielwelt versetzt. Abgründe wirken, als seien sie hundert Meter breit und Grasbüschel machen den Eindruck, man könne sie direkt vor dem Bildschirm anfassen. Im Spiel geizen die Entwickler mit Musik, doch das ist bei Snake Eater 3D mehr ein positiver, als ein negativer Aspekt. Das Rascheln in den Büschen, aufgeschreckte Vögel, das Rauschen der Wasserfälle – alles wirkt absolut stimmig und da wir immer auf der Hut vor Gefahren sein müssen, ist das überwiegende Fehlen von Musikstücken absolut vorteilhaft.

Eine Frage der Ökonomie

Grafisch weiß der Titel hingegen nicht ganz zu überzeugen. Über die eine oder andere recht matschige Textur können wir zwar hinwegsehen, doch an einigen Stellen stören uns leider nervige Pop-ups. Aus der Ferne ist es beispielsweise nicht immer ersichtlich, wo die nächsten Grasbüschel zu finden sind, wenn wir unser Vorgehen durch das Gebiet planen. Erst wenn wir aus den naheliegenden Gräsern wieder herausschauen, können wir die nächste sichere Ecke entdecken. Das kommt zwar nicht so oft vor, stört aber in jenen Momenten genauso wie die gelegentlichen Framerate-Einbrüche. Insbesondere im letzten Spieldrittel, wo die Entwickler mit einem Effektfeuerwerk beeindrucken möchten, ist dies ganz besonders anzumerken. Ganze sieben Jahre nach der Erstveröffentlichung erwarten wir von einer Portierung einfach mehr, zumal die Medien solche und ähnliche Punkt bereits vor einem halben Jahr auf der Videospielmesse in Köln bemängelt haben. Über einen Online-Modus verfügt das Spiel ebenfalls nicht (mehr) – schade, denn dann hätte das Spiel auch nach Abschluss der Story noch begeistern können. Wer eine Xbox 360 oder eine PlayStation 3 besitzt, dem sei zudem gesagt, dass Konami vor kurzem auch eine HD-Collection veröffentlicht hat. Diese kostet kaum mehr als Snake Eater 3D und enthält dann nicht nur diesen Teil, sondern auch den PlayStation-2-Vorgänger und den PlayStation-Portable-Ableger Peace Walker – allerdings dann ohne autostereoskopisches 3D. Ob dies der Kaufgrund für die Nintendo-3DS-Fassung ist, sei einmal dahingestellt. Wer aber über keine NextGen-Konsole verfügt, das Original noch nicht kennt und ein Fan der Stealth-Action ist, kommt um den Kauf von Metal Gear Solid: Snake Eater 3D nicht herum und wird den Handheld für fünfzehn Stunden nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-3DS-Fassung): Den ersten Kontakt mit der Metal-Gear-Solid-Reihe hatte ich genau genommen vor etwas mehr als einem halben Jahr auf der letzten Gamescom in Köln. Dort durfte ich bei Konami das Spiel bereits anspielen, war aber noch nicht überzeugt. Viel zu umständlich ist die Steuerung ausgefallen und viel zu wenig Zeit hatte ich, um mich in den Titel einzuarbeiten. Zwischenzeitlich ist die Schiebepad-Peripherie von Nintendo erschienen und Konami hat die Steuerung des Titels prompt erweitert und ich glaube sogar, dass dies ausschlaggebend dafür war, um mir die Reihe schmackhaft zu machen. Geschmeidiges Schleichen, Umschauen, Schießen, Nachladen, Verstecken – Metal Gear Solid funktioniert auf Nintendos kleinem 3D-Handheld. Die Story ist der Kernpunkt des Spiels – Zwischensequenzen der besonderen Art machen die Handlung zu etwas besonderem, denn ich kenne sonst kaum ein Spiel, wo auf wahre Begebenheiten mit Originalaufnahmen eingegangen wird. Die fiktive Ausarbeitung der Story gehört ebenfalls zum besten, was ich in den letzten Jahren erlebt habe – ich ärgere mich lediglich über die Bösewichter mit ihren Spezialfähigkeiten. Es wird nicht erklärt, wie sie an diese gelangt sind und das düstere und oftmals realistische Setting wird so meiner Meinung nach fast vollkommen zerstört. Spielerisch kann ich mich bei Snake Eater 3D aber nicht beklagen, denn der Titel schafft es die Waage zwischen ruhigen Schleichmomenten und brachialer Action zu schaffen. Neben Splinter Cell: Conviction zähle ich Metal Gear Solid: Snake Eater 3D ab sofort zu meinen Lieblingstiteln des Genres. Mittlerweile sind aber auch Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots und die HD-Collection in meine Sammlung gewandert. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis die beiden Titel Gesellschaft in meinem persönlichen Ranking bekommen.

Review: Fifa Street

In diesem Frühjahr tut sich etwas bei Electronic Arts. Ist der Konzern doch sonst der sichere Spiele-Lieferanten für die Vorweihnachtszeit, erwacht die Sportspielabteilung dieses Mal früher aus dem Winterschlaf. Selbst von der Update-Mentalität hat man sich dieses Jahr zum Teil losgeeist.

Die Hauptserien aus dem Hause Electronic Arts, wie etwa Fifa oder NHL werden zwar weiterhin brav mit Jahreszahlen versehen, doch zwei Franchises verpasst der Publisher eine Frischzellenkur. Neben dem Snowboard-Spiel SSX kommt auch Fifa Street diesmal ohne jegliche Zusätze aus und soll einen Neuanfang für die Serie markieren. Wie der Titel bereits vermuten lässt, begeben wir uns in Fifa Street auf die Straße. Dort erwarten uns sowohl kleinere Spielfelder, als auch Mannschaften, ein schnelleres Spiel und vor allen Dingen zahlreiche Tricks. Letztere stehen dabei eindeutig im Fokus des neuen Titels. Baut der Titel über weite Strecken auf der Engine und dem Gameplay von Fifa 12 auf, hat man bei der Anzahl der Tricks deutlich zugelegt. Etwa doppelt so viele wie noch in Fifa 12 und damit knapp fünfzig Tricks mehr als noch im letzten Fifa Street stehen uns zur freien Verfügung. Ausführen lassen sich diese dann vorrangig mit dem rechten Analog-Stick oder mit dem neuen Street-Ball-Control-System, welches uns erlaubt, den Spieler per Tastendruck zu stoppen und dann mit beiden Analog-Sticks die volle Kontrolle über den Ball zu erlangen. Eingebettet wird all dieser Budenzauber in fünf verschiedene Spielvarianten. So haben wir entweder die Möglichkeit im schlichten 5-on-5 oder 6-on-6 um Tore gegeneinander anzutreten, im Modus Panna den Gegner mit Tunneln oder Tricks zu demütigen oder euch dem Hallenfußball Futsal zu widmen. Besonders interessant ist auch der Modus namens Letzter Mann, in dem jedes Team mit fünf Spielern startet und jeder Torschütze sich in die Kabine verabschieden darf. Das Team, welches als erstes keinen Spieler mehr auf dem Feld hat, hat gewonnen. Abwechslung ist also durchaus geboten, doch reicht das nicht allein, um den Reboot von Fifa Street zu einem gelungenen Spiel zu machen.

Fußballer mit Ballphobie

Während das von Fifa 12 übernommene Gerüst durchweg gelungen ist, haben sich beim Umzug auf die Straße doch einige Unwägbarkeiten aufgetan. Besonders die künstliche Intelligenz trieb uns hier einige Male zur Weißglut. Dabei sind nicht die Gegner, sondern vor allem die eigenen Mitspieler mit zweifelhaftem Verstand versehen. So passierte es in etwa jeder fünften Partie, dass unser Torhüter entweder den Ball direkt ins eigene Tor schießt oder sich weigert ihn zu berühren, sodass der Gegenspieler freie Fahrt hat. Aber auch die Feldspieler zeigten bisweilen eine ausgeprägte Ballphobie. Ein weiteres Problem stellte zu Beginn die leicht überladene Steuerung dar. Hat man sich nach einer Spielstunde reingefuchst, ist man zu Beginn doch mit dem sehr umfangreichen Tricksystem etwas überfordert. Wer aber die Muße hat, sich langsam den Tricks anzunähern, ist in der World Tour, dem Karriere-Modus von Fifa Street, sehr gut aufgehoben. Hier wollen wir uns Schritt für Schritt mit einem selbst erstellen Team um die Welt kicken. Eine nette Kleinigkeit ist, dass wir auf den Straßen der Welt dann auch auf benutzerdefinierte Teams treffen. Vor dem Start in einen World-Tour-Abschnitt lädt Electronic Arts nämlich zufällig einige passende, von Fifa-Street-Spielern erstellte Teams herunter, die uns dann als Gegner im Spiel erwarten. Auf echte, lizenzierte Vereine treffen wir somit frühestens auf nationaler Ebene. Insgesamt erweist sich die Karriere in Fifa Street als wirklich gelungen. Zwar fehlt uns sicherlich die Option, auch mit einem lizenzierten Team auf Weltreise zu gehen, doch dafür müssen wir den fair geregelten Schwierigkeitsgrad loben.

Kein Kommentar

Wir können jede Herausforderung in jedem der drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade antreten, bekommen dann aber dementsprechend weniger Belohnungen. Wer also an einer Stelle hängt, kann schlichtweg auf einen Trikotsatz verzichten, um dann auch das nächste Turnier freizuschalten.  Die Turniere am Ende jeder Stufe lassen sich sogar online gegen andere Gegner bestreiten. Hiermit wären wir nun auch bei einem der Kernelemente eines jeden Sportspiels angekommen – der Online-Anbindung. Wie schon im Karriere-Modus dürfen wir auch hier nur mit einem selbst erstellen Team antreten. Betrachtet man die Spielmodi ist dies aber auch nur eine logische Konsequenz. Neben dem Freundschaftsspiel stehen nämlich nur Online-Ligen und Pokale zur Verfügung – schon alleine die Aufteilung der Lizenz-Teams würde so problematisch. Es kann schließlich keine Liga geben, in der zehnmal Real Madrid und ebenso oft Barcelona antreten. Zudem umgeht Electronic Arts damit die bei den klassischen Fifa-Ablegern schnell eintretende Eintönigkeit. Während man dort meist nur auf die haushoch überlegenen Spitzenteams wie Barcelona, Madrid oder Manchester United trifft, stehen uns in Fifa Street in jeder Partie andere Kontrahenten gegenüber. Technisch zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite. Auf einem Level mit Fifa 12 kann es sowohl grafisch, als auch beim Sound überzeugen. Letzterer glänzt diesmal nicht nur durch einen gewohnt hochwertigen Soundtrack, sondern durch die Abwesenheit eines Kommentatorengespanns. Dieses würde zum einen nicht zum Straßenfußball passen und ist zudem auch im klassischen Fifa stets mehr als umstritten. Anstatt von Kommentatoren dürfen wir dafür immer wieder Zwischenrufe unser eigenen Spieler hören – dies ist zwar nicht mehr als ein nettes Beiwerk, passt aber hervorragend in die Gesamtatmosphäre.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Fifa Street ist sicherlich kein perfektes Spiel geworden, dafür aber meiner Meinung nach der bisher beste Teil der Serie. Nachdem ich mich in die Steuerung eingearbeitet habe, stehen mir viele abwechslungsreiche Stunden Spielspaß bevor. Besonders am World-Tour-Modus habe ich großen Gefallen gefunden. Die faire Einteilung der Schwierigkeitsgrade und das motivierende Aufstufen der eigenen Spieler wird mich sicher noch die eine oder andere Stunde in seinen Bann ziehen. Aber auch der Online-Modus hat seine fesselnden Aspekte. Da wären zum Beispiel die wöchentlichen Cups. Jedes Wochenende lässt sich online einer von neun verschiedenen Pokalen erreichen und da ich den Amsterdam-Pokal schon mein Eigen nennen kann, bin ich hoch motiviert in den nächsten acht Wochen auch die restlichen zu ergattern. Genauso weiß ich aber auch jetzt schon, dass mich die zum Teil ziemlich stupide Intelligenz der Nichtspieler-Fußballer noch das ein oder andere Mal aufregen wird. Solange man mit diesem Punkt klar kommt, lohnt sich Fifa Street jedoch für jeden Fan von schnellem Fußball und arcade-lastigen Sportarten. Zudem bietet es eine gelungene Ausflucht für jeden, dem der klassische Fifa-Stil zu sauber, steril und leblos ist.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fifa Street!

Review: Eden of the East: Das Verlorene Paradies

Nachdem die Serie vor ihrem Ende noch genügend Fragen aufgeworfen hat und der erste von zwei Abschlussfilmen diese nicht gänzlich beantwortet und ebenfalls neue Rätsel aufgegeben hat, erhalten wir im vermutlich letzten Film endlich die wohl verdiente Auflösung.

Bevor ihr euch an dieses Review setzt, solltet ihr unbedingt die Serie und vor allem den ersten der beiden Abschlussfilme gesehen haben, denn um die Handlung von Eden of the East: Das Verlorene Paradies zu erläutern, müssen wir gezwungenermaßen wichtige Inhalte verraten, da die Storyline auf diesen aufbaut. Außerdem wäre es für Nichtkenner ohnehin ziemlich schwierig, der Story zu folgen, ohne Vorkenntnisse zu besitzen. Nachdem Akira Takizawa und Saki Morimi nur knapp einem Anschlag in New York entkommen sind, fliegen sie zurück ins Land der aufgehenden Sonne. Inzwischen arbeitet Juiz ununterbrochen daran, dass Akira der König von Japan werden soll. In diesem Falle ist aber der Posten des Premierministers gemeint, der kurz zuvor verschieden ist und nun soll Akira Takizawa sein lang verschollener Sohn sein, der seines Vaters Platz einnehmen soll. Japans Kaiser wird hier (vermutlich aus Respekt) an keiner Stelle erwähnt. Es bleibt jedoch spannend, da Akira immer noch als Terrorist gilt. In Japan angekommen, werden Akira und Saki unmittelbar nach dem Betreten des Flughafens auseinandergerissen. Akira wird von der Witwe des Premierministers in Empfang genommen und Saki kehrt zu ihren Freunden zurück, die mittlerweile auch ihr Programm Eden of the East fürs erste herunterfahren mussten. Die Geschichte von Eden of the East: Das Verlorene Paradies ist zwar sehr verstrickt, doch laufen alle Handlungen zum Ende hin zu einem großen Ganzen zusammen, obwohl sie stellenweise an verschiedenen Orten in Japan stattfinden.

Charaktere mit Prinzipien

Optisch beeindruckt auch der zweite Film mit sauberen und schönen Bildhintergründen, gut gezeichneten Charakteren und hübschen Lichteffekten. Das Bild ist in 1080p und wie nicht anders erwartet im 16:9-Format gehalten. Die Akustik ist auch im Nachfolger zu Eden of the East: Der König von Eden in DTS-HD Master Audio 5.1 gehalten – dies gilt sowohl für die deutsche Synchronisation und (sehr erfreulich) auch für die japanischen Originalfassung. Beide Synchronfassungen sind stimmig und die deutsche Ausgabe muss sich nicht vor dem Original verstecken. Josephine Schmidt (Saki Morimi) und Julius Jellinek (Akira Takizawa) leihen ihren Charakteren abermals für das große Finale ihre Stimmen. Durch die gute Synchronisation und selbstverständlich auch durch die gelungene Ausarbeitung der Charaktere seitens des Animationsstudios, verfügen die Charaktere allesamt über eigene und vor allem glaubwürdige Persönlichkeiten. Hier hat Production I.G. (jenes Studio, das sich auf für bekannte Werke wie Golden Boy verantwortlich zeigt) vortrefflich gute Arbeit geleistet. Wer abermals Persönlichkeitsentwicklungen wie im Vorgängerfilm erwartet, wird allerdings auch hier enttäuscht werden. Da Das Verlorene Paradies unmittelbar nach Der König von Eden spielt, ist dies allerdings nicht wirklich tragisch, so wäre dies zumal auch sehr unwahrscheinlich. So bleiben die Charaktere ihren Prinzipien treu, was wir durchgehend bei der kompletten Eden-of-the-East-Reihe bewundern.

Befriedigender Abschluss

Nach einer Serie und zwei Abschlussfilmen erwarten Anime-Fans sicherlich ein zufriedenstellendes Ende. Dies schafft Eden of the East nur knapp. So bleiben am Ende zwar fast keine Fragen mehr offen, wofür wir Regisseur und Drehbuchautor Kenji Kamiyama loben möchten, doch erwartet haben wir zumindest teilweise etwas ganz anderes. Obwohl alle wichtigen Punkte abgearbeitet wurden, bleibt die Geschichte zumindest ein klein wenig offen und bietet vielleicht noch einmal die Möglichkeit für einen dritten Film, was dem Regisseur wohl sehr gefallen würde, da er sein Werk laut dem Interview auf der Blu-ray gerne noch einmal weiterführen möchte. Wir würden uns sehr darüber freuen, auch wenn die Story dann wohl ganz neue Züge annehmen müsste. Enttäuscht sind wir beim zweiten Film erneut vom dürftigen Bonusmaterial. Neben dem Interview befinden sich nur die japanischen Spots und die Eröffnungssequenz ohne (störende) Texte mit auf der Disc. Zu wenig, wie wir finden. Fans freuen sich dafür über einen Stickerbogen und ein paar hübsche Postkarten, die aber eigentlich viel zu schade dazu sind, um verschickt zu werden. Wer die Serie Eden of the East und auch den Vorgängerfilm Der König von Eden gesehen hat, kann sich Das Verlorene Paradies getrost anschauen. Da die Handlung zu einem befriedigenden Ende geführt wird, ist der Film für alle Kenner und Fans des Animes abschließend unbedingt zu empfehlen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich die Serie Eden of the East regelrecht verschlungen habe, war ich auf die Nachfolgefilme sehr gespannt. Der König von Eden hat mir da auch noch sehr gut gefallen, da die Story weiterhin sehr mysteriös blieb und statt Antworten weitere Fragen in den Raum geworfen hat. Diese Fragen werden im zweiten Film Das Verlorene Paradies der Reihe nach abgearbeitet. Die ganzen neunzig Minuten habe ich auf ein fulminantes Finale gewartet, doch das blieb meiner Meinung nach aus. Wer nicht gespoilert werden möchte, sollte mein Fazit jetzt daher wohl nicht weiterlesen. Die Story wird zu einem (zumindest für mich) zufriedenstellenden Ende geführt, doch fehlt mir irgendwie das Happy End zwischen Akira und Saki. So verspricht Akira Saki am Ende noch frohen Mutes, dass sie sich wiedersehen werden, doch das geschieht nicht. Zumindest behauptet im Epilog Saki noch, dass dies das letzte Mal war, wo sie und ihre Freunde Akira gesehen haben. Dieser Tatbestand würde eine Fortsetzung, zumindest zwischen Akira und beziehungsweise mit Saki unmöglich machen, doch ich hoffe darauf, dass wir irgendwann einmal ein Wiedersehen mit den beiden Charakteren erleben werden, auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt nicht sehr wahrscheinlich ist. Obwohl ich vom Ende ein wenig enttäuscht war beziehungsweise etwas völlig anderes erwartet habe, wurde ich trotzdem gut unterhalten. Eden of the East gehört für mich weiterhin zum Pflichtprogramm eines jeden Anime-Fans!

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Eden of the East: Das Verlorene Paradies!

Review: Eden of the East: Der König von Eden

Wenn eine Serie zu Ende geht, ist das für Fans meist immer ein Grund, um Trübsal zu blasen, bei einer guten Serie dementsprechend umso mehr. Zum Glück erschien mit Eden of the East: Der König von Eden der erste von zwei Abschlussfilmen, um die Story zu Ende zu erzählen.

Um die Handlung von Der König von Eden in Worte zu fassen, sind Vorkenntnisse der Serie unabdingbar. Wer diese noch nicht gesehen hatte, sollte erst einmal nicht weiterlesen, da wir auf das eine oder andere Element zwangsweise eingehen müssen. Das Spiel der zwölf Seleção ist noch nicht vorbei, denn es gilt weiterhin, Japan zu retten und die übergroßen Geldbeträge auf den Handys der Spielteilnehmer sind noch nicht eingefroren. Erinnern wir uns zunächst einmal an das Geräusch, das am Anfang und am Ende von Eden of the East zuhören war. Der Protagonist hat nach seinem Wunsch, der König des Landes zu werden, wieder einmal sein Gedächtnis löschen lassen. Es ist somit kein Wunder, dass Saki Morimi über sechs Monate nichts mehr von Akira Takizawa gehört hat. Einzig allein eine Nachricht, dass sie sich am Ort ihrer gemeinsamen Reise wiedersehen werden, bleibt ihr. Schlussendlich reist sie nach New York, da sie sich urplötzlich an ein gewisses Foto erinnert, welches darauf deuten lässt. In der amerikanischen Ostküstenstadt angekommen, passiert Saki allerdings ein Unglück. Während sie mit dem Taxi durch die Innenstadt fährt, versucht sie sich mit dem Fahrer auf Englisch zu unterhalten, doch ihre mickrigen Sprachkenntnisse bringen den Fahrer dazu, anzuhalten. Der entdeckt beim Entladen ihrer Koffer, dass Saki mehrere Waffen mit sich transportiert. In der Eile verliert sie dabei auch noch ihren Reisepass, sowie Akiras Seleção-Handy. In New York auf sich alleingestellt, begibt sich Saki auf die Suche nach dem Vermissten und aus Japan wird sie von ihren Freunden, die gerade ihre neue Firma Eden of the East gegründet haben, hilfreich unterstützt.

Ich war noch niemals in New York

Nachdem sich Saki und Akira wider gefunden haben, erleben sie in New York ein Abenteuer nach dem anderen, denn nicht nur Akira, der Seleção Nr. 9, ist in den Staaten, auch ein paar der anderen Teilnehmer haben sich dorthin begeben und legen ihnen Steine in den Weg. Wie in der Serie bleibt es auch im ersten Abschlussfilm spannend. Es werden nicht nur Fragen beantwortet, der Film gibt uns auch neue Rätsel auf, deren Lösung wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten möchten. Es ist aber auf jeden Fall eine interessante Idee, die Geschichte nun aus mehreren Blickwinkeln zu erzählen. Zum einen erleben wir die Story aus der Sicht von Akira und Saki und auf der anderen Seite aus dem Blickwinkel von Sakis Freunden in Japan und wie diese mit der komischen Situation umgehen. Alle Charaktere fallen dabei wieder sehr unterschiedlich aus. So ist und bleibt Akira auch nach seinem Gedächtnisverlust ein Draufgängertyp und Saki hat sich in den letzten sechs Monaten nicht geändert. Sie ist schüchtern wie eh und je. Das ist schade, da eine Charakterentwicklung in sechs Monaten bei der einen oder anderen Figur durchaus hätte stattfinden können. Dafür besticht Der König von Eden auf der optischen Seite mit einem sehr scharfen Bild. Zwar sind die grafischen Unterschiede zu den DVD-Ausgaben bei Anime-Produktionen im Vergleich zu Realfilmen grundsätzlich nur sehr gering, doch bei Der König von Eden können wir deutlich eine Verbesserung zur Qualität der DVD-Fassung (basierend auf der Serie) sehen.

Lost in Translation

Während Hintergründe in der Serie noch recht matschig waren, bemerken wir das in der Blu-ray-Fassung des Films kaum mehr. Der Ton ist bei der deutschen Synchronisation und auch bei der japanischen Originalfassung in DTS-HD Master Audio 5.1 gehalten. So sind Klänge, Töne und Gespräche sehr klar zu hören. Schade ist allerdings, dass die englischen Gespräche im Film nicht untertitelt werden und noch dazu direkt aus der japanischen Tonspur stammen. Das hört sich zwar deutlich glaubhafter an, aber das unsichere Nuscheln der japanischen Synchronsprecherin ist nur sehr schwer zu ertragen. Diese Dialoge sind zwar nicht essentiell für die eigentliche Handlung, doch das deutsche Synchronstudio hätte hier viel mehr rausholen können. Die Synchronsprecher sind zum Glück unverändert geblieben. Julius Jellinek spricht immer noch Akira Takizawa und Josephine Schmidt ist wieder einmal für die Stimme von Saki Morimi verantwortlich. Das Bonusmaterial fällt bei Der König von Eden sehr mager aus. Auf der Blu-ray befinden sich lediglich die japanischen TV-Spots und Trailer zu weiteren Titeln aus dem Hause Universum Film. Als netter Bonus liegt der Blu-ray immerhin noch ein Stickerbogen mit 17 Aufklebern, sowie ein japanischer Reisepass (ausgestellt auf Akira Takizawa) bei – ein netter Fanservice! Wer unbedingt wissen möchte, wie es mit Eden of the East weitergeht, kommt um den Film nicht herum, doch auch der erste von zwei Abschlussfilmen besticht mit einem offenen Ende!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Geschichte von Akira Takizawa und Saki Morimi hat mir in der Serie sehr gut gefallen und auch der erste von zwei Filmen hat es mir angetan. Die Geschichte wird fast durchgehend richtig spannend erzählt und anstatt, dass Fragen beantwortet werden, werden eher gesagt noch mehr Fragen aufgeworfen. Wer also darauf hofft, endlich Antworten auf seine Fragen zu finden, wird hier leider enttäuscht. Mir macht dies zumindest nichts aus, da ich es regelrecht mag, mit neuen und mysteriösen Ideen konfrontiert zu werden, die erst eine oder zwei Stunden später gelüftet werden. So ist das auch bei Eden of the East: Der König von Eden. Die Spannung steigt regelrecht an, liefert in achtzig Minuten viele Antworten und schockiert zum Ende hin mit neuen Erkenntnissen, die dann in einem weiteren Film geklärt werden (sollen). Wer dieses System mag, wird auch mit dem ersten Film von Eden of the East zufrieden gestellt werden. In optischer und akustischer Hinsicht kann ich nämlich nichts bemängeln, außer vielleicht die im Review angesprochene Englisch-Thematik zu Beginn des Films. Von mir gibt es für den Film jedenfalls eine klare Kaufempfehlung, auch wenn die Serie meiner Meinung nach ein wenig überzeugender ist.

 Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Eden of the East: Der König von Eden!

Review: Eden of the East: Die komplette Serie

Mittlerweile gibt es immer mehr Animes, die sich in Serienform nur über eine geringe Anzahl an Episoden strecken. Obwohl der eine oder andere vergleichbare Anime zusammenhanglos geschildert wird, strotzt Eden of the East nur so voller Action, Spannung und Humor!

Auf ihrer Abschlussfahrt möchte Saki Morimi unbedingt einmal das Weiße Haus sehen, denn sie habe gehört, dass dies der Mittelpunkt der Welt sein soll. Als sie von der Straße aus einen Brunnen vor dem Gebäude sieht, versucht sie prompt ein paar Münzen in diesen zu werfen. Dabei ertappen sie zwei Polizisten, die sich ihr nähern und sie somit womöglich ihren Flug in ihr Heimatland Japan verpassen lassen. Saki hat allerdings Glück im Unglück, denn plötzlich steht auf der anderen Straßenseite ein nackter junger Mann. In der einen Hand hält dieser ein Handy und in der anderen Hand eine Pistole. Er scheint sein Gedächtnis verloren zu haben, doch schafft er es mühelos, die Polizisten zu täuschen beziehungsweise abzuhängen. Saki gibt ihm ihren Mantel, der junge Mann bedankt sich und verschwindet hinter der nächsten Ecke. Dies ist allerdings nicht das letzte Mal, wo sich beiden über den Weg laufen werden, denn die unsichere Saki hat vergessen, ihren Pass aus der Manteltasche zu nehmen. So hetzt Saki dem Jungen durch die Innenstadt von Washington D.C. nach und folgt ihm sogar bis zu seiner Wohnung. Diese konnte der junge Mann übrigens nur über sein Handy ausfindig machen, denn als dieser auf seiner Flucht telefonieren wollte, stellte sich eine Frau als seine Concierge vor, die ihm mit Rat und Tat beiseite steht und Antwort auf so gut wie alle Fragen gibt, nur über seine Identität hält sie sich geschlossen. Als der junge Mann in seiner Wohnung mehrere Pässe findet und Saki Morimi an die Tür hämmert, entscheidet er sich für den Namen Akira Takizawa.

Noblesse oblige

Gemeinsam reisen die beiden neuen Freunde nach Japan, wobei sich bei Saki immer mehr die Nackenhaare sträuben. Sie kann es sich nicht erklären, wie Akira den beiden in der Schnelle noch Flugtickets besorgen konnten oder wie weitere Vorfälle im Lauf der Serie passieren. An dieser Stelle möchten wir euch natürlich nicht zu viel verraten, da jede einzelne Episode voller Spannung und unvorhersehbaren Wendungen ist. Selbstverständlich wird erklärt, was es nun genau mit dem Handy von Akira Takizawa und dem unmenschlich hohen Guthaben darauf auf sich hat und vor allem warum ein Polizist ihm genau deswegen auf den Fersen ist. Obwohl sich die Geschichte größtenteils um Akira Takizawa und Saki Morimi dreht, tauchen auch ein paar weitere wichtige Gesichter im Verlauf der Handlung auf. Beispielsweise Sakis Freunde und Familie oder auch angebliche Verbrecher, wie der Johnny-Killer. Jeder einzelne Charakter kann dabei mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit punkten. So ist Saki das eher schüchterne Mädchen, das sich selbst finden muss und Akira ist ein Draufgänger, wie er im Buche steht. Da sind humorvolle Momente vorprogrammiert. Zudem finden sich im Anime viele Hommagen an US-amerikanische Filme, die uns mehr als nur einmal ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern. Außerdem lässt dieser Film nach Summer Wars einmal mehr über den gläsernen Bürger nachdenken, sobald das titelgebende Programm Eden of the East zum Einsatz kommt. Klasse! Übrigens ist die Handlung der Serie nicht ganz abgeschlossen. Bislang sind zwei Filme erschienen, welche die Geschichte um Saki und Akira fortführen.

Pflichtprogramm für Anime-Fans

Optisch besticht der Film im 16:9-Format leider mit teils matschigen Hintergründen. Dafür sind Umgebungen wesentlich gehaltvoller geraten und Charaktere ausdrucksstärker, die mit ihren Emotionen dann auch das eine oder andere Mal aber aus der Rolle beziehungsweise aus dem Stil tanzen. Merklich fällt allerdings ein wenig auf, dass Fahrzeuge wie Autos und Roller nicht realitätsgetreu gezeichnet wurden. Sie sind in die Länge gestreckt, was aber durchaus gewollt ist (laut einer Aussage im Bonusmaterial). Es ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Selbiges gilt auch für weiße Kreisflächen über den Genitalien nackter Männer. Ob dies vom Stil her so gewollt ist oder Jugendschutzgründe hat, wissen wir nicht. An Son Gokus Penis in Dragonball hat sich vor 25 Jahren jedenfalls noch keiner gestört. Ausgleich bietet der Anime mit seinem Soundtrack, der sich bestens der heiteren, bedrohlichen und spannenden Szenen anpasst. Dieser liegt in der deutschen, sowie in der japanischen Synchronisation in Dolby Digital 5.1 vor. Jede der beiden Sprachversionen ist sehr gut gelungen. In der deutschen Ausgabe spricht Julius Jellinek Akira Takizawa und Josephine Schmidt schlüpft in die Sprechrolle für Saki Morimi. Die Geschichte rund um Seleção und Neets zieht uns ganze elf Episoden á circa 23 Minuten lang in ihren Bann. Wer danach noch immer nicht genug von Eden of the East hat, darf sich auf 257 Minuten Bonusmaterial freuen. Neben interessanten Interviews und den japanischen Trailern befindet sich auf der letzten der insgesamt drei Discs auch eine Filmfassung der Serie (sogar in einer deutschen Synchronisation), bei der allerdings alles auf die nötigsten Elemente heruntergeschraubt wurde. Zusätzliche Informationen bieten zwar die in der Box enthaltenen Sticker nicht, doch das beiliegende Booklet ergänzt das Paket sinnvoll. Eden of the East gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Anime-Fans!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Lange Zeit habe ich diesen Anime vor mir her geschoben, da gegen Ende des letzten Jahres viel zu viele Spiele erschienen sind, denen ich mich widmen musste. Heute ärgere ich mich darüber, denn mit Eden of the East hätte ich meine Freizeit wesentlich besser gestalten können. Von der ersten bis zur letzten Minute kann mich der Anime fesseln. Es gibt keine einzige Szene in der Serie, die ich als langweilig oder belanglos erachte. Jeder Moment, jede Situation und jede Emotion sind genau an der Stelle, wo sie hingehören. Die Geschichte ist ein nicht enden wollender Thriller voller Dramaturgie, Liebe, Action, Mystery und teils sogar Fantasy-Elementen, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Das einzige was mich vielleicht ein klein wenig gestört hat, sind die langgezogenen Fahrzeuge. Ich weiß nicht, warum man sich dafür entschieden hat, aber ich habe deswegen schon extra geschaut, ob das Seitenverhältnis nicht korrekt wiedergegeben wird. Zum Glück tauchen diese Szenen nur am Rande auf und so kann ich auch locker darüber hinwegsehen. Während ich mich innig bereits auf die beiden Filme einstimme, kann ich die komplette Serie von Eden of the East nur jedem ans Herz legen, der sich für ansprechende Animes interessiert. Hier kommt meiner Meinung nach jeder voll auf seine Kosten!

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Eden of the East: Die komplette Serie!