Review: Fifa Street

In diesem Frühjahr tut sich etwas bei Electronic Arts. Ist der Konzern doch sonst der sichere Spiele-Lieferanten für die Vorweihnachtszeit, erwacht die Sportspielabteilung dieses Mal früher aus dem Winterschlaf. Selbst von der Update-Mentalität hat man sich dieses Jahr zum Teil losgeeist.

Die Hauptserien aus dem Hause Electronic Arts, wie etwa Fifa oder NHL werden zwar weiterhin brav mit Jahreszahlen versehen, doch zwei Franchises verpasst der Publisher eine Frischzellenkur. Neben dem Snowboard-Spiel SSX kommt auch Fifa Street diesmal ohne jegliche Zusätze aus und soll einen Neuanfang für die Serie markieren. Wie der Titel bereits vermuten lässt, begeben wir uns in Fifa Street auf die Straße. Dort erwarten uns sowohl kleinere Spielfelder, als auch Mannschaften, ein schnelleres Spiel und vor allen Dingen zahlreiche Tricks. Letztere stehen dabei eindeutig im Fokus des neuen Titels. Baut der Titel über weite Strecken auf der Engine und dem Gameplay von Fifa 12 auf, hat man bei der Anzahl der Tricks deutlich zugelegt. Etwa doppelt so viele wie noch in Fifa 12 und damit knapp fünfzig Tricks mehr als noch im letzten Fifa Street stehen uns zur freien Verfügung. Ausführen lassen sich diese dann vorrangig mit dem rechten Analog-Stick oder mit dem neuen Street-Ball-Control-System, welches uns erlaubt, den Spieler per Tastendruck zu stoppen und dann mit beiden Analog-Sticks die volle Kontrolle über den Ball zu erlangen. Eingebettet wird all dieser Budenzauber in fünf verschiedene Spielvarianten. So haben wir entweder die Möglichkeit im schlichten 5-on-5 oder 6-on-6 um Tore gegeneinander anzutreten, im Modus Panna den Gegner mit Tunneln oder Tricks zu demütigen oder euch dem Hallenfußball Futsal zu widmen. Besonders interessant ist auch der Modus namens Letzter Mann, in dem jedes Team mit fünf Spielern startet und jeder Torschütze sich in die Kabine verabschieden darf. Das Team, welches als erstes keinen Spieler mehr auf dem Feld hat, hat gewonnen. Abwechslung ist also durchaus geboten, doch reicht das nicht allein, um den Reboot von Fifa Street zu einem gelungenen Spiel zu machen.

Fußballer mit Ballphobie

Während das von Fifa 12 übernommene Gerüst durchweg gelungen ist, haben sich beim Umzug auf die Straße doch einige Unwägbarkeiten aufgetan. Besonders die künstliche Intelligenz trieb uns hier einige Male zur Weißglut. Dabei sind nicht die Gegner, sondern vor allem die eigenen Mitspieler mit zweifelhaftem Verstand versehen. So passierte es in etwa jeder fünften Partie, dass unser Torhüter entweder den Ball direkt ins eigene Tor schießt oder sich weigert ihn zu berühren, sodass der Gegenspieler freie Fahrt hat. Aber auch die Feldspieler zeigten bisweilen eine ausgeprägte Ballphobie. Ein weiteres Problem stellte zu Beginn die leicht überladene Steuerung dar. Hat man sich nach einer Spielstunde reingefuchst, ist man zu Beginn doch mit dem sehr umfangreichen Tricksystem etwas überfordert. Wer aber die Muße hat, sich langsam den Tricks anzunähern, ist in der World Tour, dem Karriere-Modus von Fifa Street, sehr gut aufgehoben. Hier wollen wir uns Schritt für Schritt mit einem selbst erstellen Team um die Welt kicken. Eine nette Kleinigkeit ist, dass wir auf den Straßen der Welt dann auch auf benutzerdefinierte Teams treffen. Vor dem Start in einen World-Tour-Abschnitt lädt Electronic Arts nämlich zufällig einige passende, von Fifa-Street-Spielern erstellte Teams herunter, die uns dann als Gegner im Spiel erwarten. Auf echte, lizenzierte Vereine treffen wir somit frühestens auf nationaler Ebene. Insgesamt erweist sich die Karriere in Fifa Street als wirklich gelungen. Zwar fehlt uns sicherlich die Option, auch mit einem lizenzierten Team auf Weltreise zu gehen, doch dafür müssen wir den fair geregelten Schwierigkeitsgrad loben.

Kein Kommentar

Wir können jede Herausforderung in jedem der drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade antreten, bekommen dann aber dementsprechend weniger Belohnungen. Wer also an einer Stelle hängt, kann schlichtweg auf einen Trikotsatz verzichten, um dann auch das nächste Turnier freizuschalten.  Die Turniere am Ende jeder Stufe lassen sich sogar online gegen andere Gegner bestreiten. Hiermit wären wir nun auch bei einem der Kernelemente eines jeden Sportspiels angekommen – der Online-Anbindung. Wie schon im Karriere-Modus dürfen wir auch hier nur mit einem selbst erstellen Team antreten. Betrachtet man die Spielmodi ist dies aber auch nur eine logische Konsequenz. Neben dem Freundschaftsspiel stehen nämlich nur Online-Ligen und Pokale zur Verfügung – schon alleine die Aufteilung der Lizenz-Teams würde so problematisch. Es kann schließlich keine Liga geben, in der zehnmal Real Madrid und ebenso oft Barcelona antreten. Zudem umgeht Electronic Arts damit die bei den klassischen Fifa-Ablegern schnell eintretende Eintönigkeit. Während man dort meist nur auf die haushoch überlegenen Spitzenteams wie Barcelona, Madrid oder Manchester United trifft, stehen uns in Fifa Street in jeder Partie andere Kontrahenten gegenüber. Technisch zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite. Auf einem Level mit Fifa 12 kann es sowohl grafisch, als auch beim Sound überzeugen. Letzterer glänzt diesmal nicht nur durch einen gewohnt hochwertigen Soundtrack, sondern durch die Abwesenheit eines Kommentatorengespanns. Dieses würde zum einen nicht zum Straßenfußball passen und ist zudem auch im klassischen Fifa stets mehr als umstritten. Anstatt von Kommentatoren dürfen wir dafür immer wieder Zwischenrufe unser eigenen Spieler hören – dies ist zwar nicht mehr als ein nettes Beiwerk, passt aber hervorragend in die Gesamtatmosphäre.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Fifa Street ist sicherlich kein perfektes Spiel geworden, dafür aber meiner Meinung nach der bisher beste Teil der Serie. Nachdem ich mich in die Steuerung eingearbeitet habe, stehen mir viele abwechslungsreiche Stunden Spielspaß bevor. Besonders am World-Tour-Modus habe ich großen Gefallen gefunden. Die faire Einteilung der Schwierigkeitsgrade und das motivierende Aufstufen der eigenen Spieler wird mich sicher noch die eine oder andere Stunde in seinen Bann ziehen. Aber auch der Online-Modus hat seine fesselnden Aspekte. Da wären zum Beispiel die wöchentlichen Cups. Jedes Wochenende lässt sich online einer von neun verschiedenen Pokalen erreichen und da ich den Amsterdam-Pokal schon mein Eigen nennen kann, bin ich hoch motiviert in den nächsten acht Wochen auch die restlichen zu ergattern. Genauso weiß ich aber auch jetzt schon, dass mich die zum Teil ziemlich stupide Intelligenz der Nichtspieler-Fußballer noch das ein oder andere Mal aufregen wird. Solange man mit diesem Punkt klar kommt, lohnt sich Fifa Street jedoch für jeden Fan von schnellem Fußball und arcade-lastigen Sportarten. Zudem bietet es eine gelungene Ausflucht für jeden, dem der klassische Fifa-Stil zu sauber, steril und leblos ist.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fifa Street!

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