Review: Metal Gear Solid: Snake Eater 3D

Naked Snake ist zurück, allerdings nicht in einem heiß und lang ersehnten Metal Gear Solid 5, sondern in einer Neuauflage des dritten Teils für Nintendos 3DS. Als wir das Spiel im letzten Jahr auf der Gamescom anspielen durften, waren wir noch nicht so ganz von der Portierung des PlayStation-2-Spiels überzeugt. Dies hat sich mit dem Release des Titels geändert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Welt in Ost und West aufgeteilt. Die Sowjetunion hat den eisernen Vorhang errichtet und das Wettrüsten begann – dies war der Startpunkt des Kalten Krieges. In jener Zeit ist Metal Gear Solid: Snake Eater 3D angesiedelt, genauer gesagt im Jahr 1964. Nach der Kubakrise und der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, knistert der Konflikt neu auf. Die Vereinigten Staaten müssen einen Mann namens Sokolov an die Sowjetunion übergeben. Dieser wird dort gezwungen, an einem militärischen Panzer mitzuarbeiten, der dazu im Stande sein soll, von jedem einzelnen Ort der Erde aus Nukleargeschosse abzuschießen. Um dies zu verhindern, schickt die Central Intelligence Agency, kurz CIA, einen ihrer besten Männer in die verbotene Zone, um Sokolov zu retten. Die Einführung in das Spiel ist die intelligenteste, die wir seit längerer Zeit gesehen haben. So spielen die Entwickler in den Zwischensequenzen immer wieder Originalaufnahmen aus der jeweiligen Zeit ein. Dies beschränkt sich zwar oftmals nur auf das Wehen von der Fahne der Vereinigten Staaten oder einer stillen Aufnahme des Weißen Haus, doch gelegentlich werden uns auch erschreckende Szenerien aufgezeigt. Beispielsweise die Aufrüstung der Sowjetunion gegen die Vereinigten Staaten. Nach dem fulminanten Auftakt des Spiels wird sogar ein Opening eingespielt, das uns stilistisch sehr stark an die James-Bond-Filmreihe erinnert. Hier kann Hideo Kojima absolut nicht leugnen, dass er sich beim britischen Geheimagenten inspiriert hat. Zum Glück bleibt dies weitestgehend der einzige Punkt, denn Snake Eater 3D kann auch mit einer völlig eigenen Story zu überzeugen wissen – eigentlich.

Im Schatten der Nacht

Nichtkenner der Serie werden sich nämlich leider nur sehr schwer zu Recht finden, da viele Charaktere aus den Vorgängern auftauchen und dem anfangs unwissenden Spieler nicht vollends vorgestellt werden. Außerdem tragen die Spezialfähigkeiten der Bösewichte, zum Beispiel Hornissen auf uns loszujagen oder unseren virtuellen Körper mit Millionen von Volt zu schocken, bei dem einen oder anderen Spielertyp nur zur Verwirrung bei, da die eigentlich ernsthafte Handlung so zu stark an Surrealität gewinnt. Obwohl die Story an vielen Stellen überhand nimmt und uns kaum Möglichkeit lässt, direkt im Spiel etwas zu bewirken (ständig werden wir von Verbündeten über Funk kontaktiert oder eine der vielen Zwischensequenzen wird eingespielt), kann das Gameplay trotzdem überzeugen. Wie im großen Vorbild auf der PlayStation 2 müssen wir mit Naked Snake heimlich das Gebiet infiltrieren. Überall im Dschungel hält das Wachpersonal nach Eindringlingen Ausschau. Um nicht gesehen zu werden, müssen wir schnell Verstecke aufsuchen, wozu sich im Dschungel naturgemäß das hohe Gras ganz besonders gut eignet. Unterstützt werden wir dabei von unserer Kleidung und Gesichtsfarbe. Über das Menü dürfen wir allzeit die Farbe des Anzugs ändern und uns sogar Kriegsbemalung ins Gesicht schmieren. Je besser wir uns an die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten anpassen, desto geringer ist auch die Chance, von den Feinden entdeckt zu werden. In der Nintendo-3DS-Fassung können wir sogar Fotos aus unserer echten Umgebung schießen, die wir anschließend auf unsere Ausrüstung sprühen. Eine nette Idee, aber fast vollkommen sinnlos – die spielinterne Farbwahl ist bereits ausreichend für unseren Einsatz.

Stealth-Action

Werden wir dennoch einmal unvorsichtig und schlussendlich vom Wachpersonal erwischt, kann Naked Snake mit einer mehr als ordentlichen Kampfausbildung punkten. Mit Schlägen und Tritten, Messerangriffen und Schusswaffen können wir unsere Feinde außer Gefecht setzen – sollten dies aber auch schleunigst tun, bevor die Soldaten die Möglichkeit ergreifen und Verstärkung rufen. Dies geschieht in der Regel schneller als uns lieb ist. Bei unserem Test wurden wir aber auch mit mehreren Gegnern noch sehr leicht fertig, sofern wir immer in Bewegung blieben. Dies hängt aber vermutlich von den Einstellungen ab, die wir zu Beginn des Spiels getroffen haben. Neben dem Schwierigkeitsgrad sollen wir dort nämlich auch noch auswählen, welches Metal Gear Solid unser Lieblingsteil der Serie sei oder ob wir zum ersten Mal mit dem Franchise konfrontiert werden. Leider können wir dies nicht überprüfen, da weder die beiliegende, noch die elektronische Anleitung darüber Auskunft erteilt. Trotzdem sollte der Titel bei jedem Spieler durchaus machbar sein, zumal der Redakteur dieses Artikels ebenfalls kaum Probleme mit Snake Eater 3D hatte, obwohl es seinen ersten Kontakt mit der Serie darstellte. Um zusätzliche Ausrüstung zu erhalten, ist es übrigens hilfreich, die Körper der Besiegten zu durchsuchen. Wollen wir dann auch unbemerkt bleiben, hilft es nur noch, sie auch im Unterholz oder anderen abgetrennten Bereichen zu verstecken. Es kann aber auch helfen, Magazine mit einschlägigem Inhalt liegen zu lassen und so die Wachen abzulenken. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich in einer der berühmten Pappkisten zu verstecken, sofern wir diese im Spielverlauf finden.

It’s a jungle out there

Der Dschungel ist dennoch ein gefährliches Pflaster, denn nicht nur die feindlichen Wachleute wollen uns an den Kragen, sondern auch die eine oder andere Schlange. Eine Königskobra hat kein Problem damit, uns mit einem Biss zu vergiften, sobald wir ihr zu nahe kommen. In dem Falle müssen wir unverzüglich handeln. Über das Menü haben wir die Möglichkeit, selbst Schnitt- und Schusswunden zu nähen, Blutungen zu stoppen, Beine bei Frakturen zu schienen und Wunden (im Falle einer Vergiftung) auch zu desinfizieren. Dieses Spielelement kennen wir sonst eigentlich nur aus einschlägigen Titeln wie Trauma Center und Konsorten, doch ist Snake Eater 3D der Beweis dafür, dass dieses Gameplay-Element auch in anderen Genres gut aufgehoben ist. Wer natürlich weitaus vorsichtiger bei seinem Einsatz vorgeht, wird den virtuellen Operationstisch nur selten zu Gesicht bekommen. Um uns an der Schlange zu rächen, dürfen wir sie (wie fast jedes andere Tier des Spiels) erledigen und später als Mahlzeit verzehren. Horten sollten wir das Fleisch allerdings nicht. Wenn wir es nämlich nach längerer Zeit nicht endlich verzehren (beispielsweise wenn wir das Spiel mittendrin unterbrechen und erst einige Wochen später fortsetzen möchten), ist die Chance hoch, dass es schlecht wird und wir uns eine Lebensmittelvergiftung einfangen. Das Essen füllt wiederum unsere ständig sinkende Ausdaueranzeige, auf die wir stets einen Blick haben sollten. Fällt der Wert, sind Aktionen wie das Tauchen im See kaum mehr möglich. Lebensenergie ist trotzdem der entscheidende Faktor in Snake Eater 3D. Fällt diese auf null, so müssen wir den Bereich von vorne beginnen. Glücklicherweise regeneriert sich die Anzeige langsam, wenn wir uns im Dschungel verstecken und darauf warten, die Gunst der Stunde nutzen zu können.

Eindrucksvolle Atmosphäre

Bei unserem Auftrag in der Sowjetunion ist es zudem hilfreich, wenn wir das Schiebepad Pro nutzen. Zwar ist Snake Eater 3D auch ohne die Zusatzperipherie spielbar, doch fühlt sich das ganze Spiel dann nicht mehr annähernd so geschmeidig an. Statt eines zweiten Schiebepads müssen wir die Kamera mit den vier Aktionstasten bewegen, was auf Dauer recht störend ist. Aber auch so kann die Kamera nicht wirklich begeistern. Wir müssen sie stets selbst justieren, was besonders bei engeren Gängen unnötig ist. Bei einigen Bosskämpfen ist es zudem nicht einmal möglich, die Kamera frei zu bewegen. Sehr ärgerlich! Wer noch nicht über die neue Hardware aus dem Hause Nintendo verfügt, sollte aber spätestens dann zugreifen, wenn er mit dem Kauf der Neuauflage PlayStation-2-Klassikers liebäugelt. Ein interessanter Aspekt ist für uns zudem die Einbindung des Gyrosensors. Gehen wir über eine wackelige Hängebrücke, so müssen wir den Handheld möglichst gerade halten oder fein justieren, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Das ist realistisch und unterstützt die Atmosphäre des Spiels ungemein, zumal das Feature nur selten genutzt wird. Der Tiefeneffekt verstärkt das ganze dann noch, denn wer einmal eine der großen Felsenklüfte des Spiels gesehen oder sich im hohen Gras versteckt hat, fühlt sich mitten in die Spielwelt versetzt. Abgründe wirken, als seien sie hundert Meter breit und Grasbüschel machen den Eindruck, man könne sie direkt vor dem Bildschirm anfassen. Im Spiel geizen die Entwickler mit Musik, doch das ist bei Snake Eater 3D mehr ein positiver, als ein negativer Aspekt. Das Rascheln in den Büschen, aufgeschreckte Vögel, das Rauschen der Wasserfälle – alles wirkt absolut stimmig und da wir immer auf der Hut vor Gefahren sein müssen, ist das überwiegende Fehlen von Musikstücken absolut vorteilhaft.

Eine Frage der Ökonomie

Grafisch weiß der Titel hingegen nicht ganz zu überzeugen. Über die eine oder andere recht matschige Textur können wir zwar hinwegsehen, doch an einigen Stellen stören uns leider nervige Pop-ups. Aus der Ferne ist es beispielsweise nicht immer ersichtlich, wo die nächsten Grasbüschel zu finden sind, wenn wir unser Vorgehen durch das Gebiet planen. Erst wenn wir aus den naheliegenden Gräsern wieder herausschauen, können wir die nächste sichere Ecke entdecken. Das kommt zwar nicht so oft vor, stört aber in jenen Momenten genauso wie die gelegentlichen Framerate-Einbrüche. Insbesondere im letzten Spieldrittel, wo die Entwickler mit einem Effektfeuerwerk beeindrucken möchten, ist dies ganz besonders anzumerken. Ganze sieben Jahre nach der Erstveröffentlichung erwarten wir von einer Portierung einfach mehr, zumal die Medien solche und ähnliche Punkt bereits vor einem halben Jahr auf der Videospielmesse in Köln bemängelt haben. Über einen Online-Modus verfügt das Spiel ebenfalls nicht (mehr) – schade, denn dann hätte das Spiel auch nach Abschluss der Story noch begeistern können. Wer eine Xbox 360 oder eine PlayStation 3 besitzt, dem sei zudem gesagt, dass Konami vor kurzem auch eine HD-Collection veröffentlicht hat. Diese kostet kaum mehr als Snake Eater 3D und enthält dann nicht nur diesen Teil, sondern auch den PlayStation-2-Vorgänger und den PlayStation-Portable-Ableger Peace Walker – allerdings dann ohne autostereoskopisches 3D. Ob dies der Kaufgrund für die Nintendo-3DS-Fassung ist, sei einmal dahingestellt. Wer aber über keine NextGen-Konsole verfügt, das Original noch nicht kennt und ein Fan der Stealth-Action ist, kommt um den Kauf von Metal Gear Solid: Snake Eater 3D nicht herum und wird den Handheld für fünfzehn Stunden nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-3DS-Fassung): Den ersten Kontakt mit der Metal-Gear-Solid-Reihe hatte ich genau genommen vor etwas mehr als einem halben Jahr auf der letzten Gamescom in Köln. Dort durfte ich bei Konami das Spiel bereits anspielen, war aber noch nicht überzeugt. Viel zu umständlich ist die Steuerung ausgefallen und viel zu wenig Zeit hatte ich, um mich in den Titel einzuarbeiten. Zwischenzeitlich ist die Schiebepad-Peripherie von Nintendo erschienen und Konami hat die Steuerung des Titels prompt erweitert und ich glaube sogar, dass dies ausschlaggebend dafür war, um mir die Reihe schmackhaft zu machen. Geschmeidiges Schleichen, Umschauen, Schießen, Nachladen, Verstecken – Metal Gear Solid funktioniert auf Nintendos kleinem 3D-Handheld. Die Story ist der Kernpunkt des Spiels – Zwischensequenzen der besonderen Art machen die Handlung zu etwas besonderem, denn ich kenne sonst kaum ein Spiel, wo auf wahre Begebenheiten mit Originalaufnahmen eingegangen wird. Die fiktive Ausarbeitung der Story gehört ebenfalls zum besten, was ich in den letzten Jahren erlebt habe – ich ärgere mich lediglich über die Bösewichter mit ihren Spezialfähigkeiten. Es wird nicht erklärt, wie sie an diese gelangt sind und das düstere und oftmals realistische Setting wird so meiner Meinung nach fast vollkommen zerstört. Spielerisch kann ich mich bei Snake Eater 3D aber nicht beklagen, denn der Titel schafft es die Waage zwischen ruhigen Schleichmomenten und brachialer Action zu schaffen. Neben Splinter Cell: Conviction zähle ich Metal Gear Solid: Snake Eater 3D ab sofort zu meinen Lieblingstiteln des Genres. Mittlerweile sind aber auch Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots und die HD-Collection in meine Sammlung gewandert. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis die beiden Titel Gesellschaft in meinem persönlichen Ranking bekommen.

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