Review: Schlag den Raab: Das 3. Spiel

Pünktlich zur Eröffnung der Schlag-den-Raab-Saison ist auch in diesem Jahr der mittlerweile zweite Aufguss der Minispielsammlung für die Wii erschienen. Eine neue Fassung für den 3DS hat man sich diesmal allerdings gespart.

Schlag den Raab ist eine, wenn nicht sogar die populärste Spielshow im deutschen Fernsehen. Alle paar Wochen kämpft ein Kandidat mühselig um eine halbe Million Euro und sein Gegner ist niemand geringeres als Stefan Raab höchstpersönlich. Der Raabinator, wie er von Fans oft genannt wird, ist aber in vielerlei Disziplinen – wie man im Lauf der Jahre gesehen hat – bewandert und einfach ein Naturtalent, was seinem Kontrahenten den Kampf ums Geld natürlich erschwert. Nach der Reihe werden in einer Show fünfzehn Spiele mit steigender Punktzahl ausgetragen. Fürs erste Spiel gibt es einen, für das zweite Spiel zwei und für das letzte Spiel dementsprechend ganze fünfzehn Punkte. Wer zu erst 61 Punkte oder mehr erreicht, entscheidet das Match für sich. Sollte allerdings Herr Raab gewinnen, steigt der Jackpot für die nächste Sendung abermals um eine halbe Million Euro. Die Regeln wurden in Schlag den Raab: Das 3. Spiel wie bereits in den Vorgängern wahrheitsgemäß übernommen, doch um echtes Geld spielen wir dann leider doch nicht, sondern nur um virtuelle Credits, die wir in einem Shop für zusätzliche Materialien ausgeben können. Die insgesamt 25 enthaltenen Minispiele wurden übrigens allesamt bereits in der Sendung vor Publikum ausgetragen und so gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit Bäume fällen oder Air Hockey.

Logik- und Denkaufgaben

Die Steuerung der Spiele fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Während wir beim Abholzen der Bäume die Wii Remote in einer bestimmten Geschwindigkeit wie eine Axt aufs Holz schlagen müssen, ist die Steuerungsvariante bei Air Hockey sehr gewöhnungsbedürftig. Da bewegt sich der Schläger automatisch und wir müssen lediglich die Richtung bestimmen. Um an einer Stelle zu verharren, ist es hier nötig, den B-Knopf gedrückt zu halten. Seltsamer geht es wirklich nicht und dann auch noch zu einem Zeitpunkt, wo die Wii seit sechs Jahren den Heimkonsolenmarkt dominiert. Da dürfen wir an dieser Stelle doch deutlich mehr erwarten, wie wir finden. Eine Entschuldigung gibt es dafür nicht. Angenehmer sind da wieder einmal die Denkaufgaben. Kofferpacken, Schätzen, Blamieren oder Kassieren oder Was ist das? funktionieren bis auf kleinere Schwächen sehr gut. Schade finden wir, dass der Entwickler an dieser Stelle seit dem zweiten Spiel keine Verbesserungen eingeführt hat. Bei Schätzen ist es nach wie vor so, dass wir auf dem Bildschirm sehen, was Stefan Raab tippt. Sollten wir nur eine Ahnung davon haben, wie das Ergebnis ungefähr aussehen könnte, ist es sehr leicht, den Computergegner zu betrügen. An anderen Stellen hapert es dann aber schon wieder mit der künstlichen Intelligenz. In einem Moment ist sie kaum wahrnehmbar und beim nächsten Spiel steht ein Superhirn vor uns – unabhängig davon, auf welchem Schwierigkeitsgrad wir spielen.

Stilechtes Vorspulen

Bei Spaghetti ist es zum Beispiel dann so, dass wir die Fernbedienung mit gedrücktem B-Knopf nach vorne halten müssen und wir zurückschnellen sollen, sobald das akustische Signal ertönt. In diesem Moment zieht der virtuelle Stefan Raab unmittelbar die Spaghetti zurück und bei Menschen ist eine kurze Reaktionszeit nun einmal nötig, die man uns hier einfach nicht lassen möchte. Eventuell ist das aber auch ein Problem der bereits angedeuteten teils suboptimalen und ungenauen Bedienung, die uns zum Beispiel auch beim Minispiel Flitschen nicht nur einmal gestört hat. Einige Wochen mehr an Entwicklungszeit hätten dem Spiel sicherlich gut getan. Immerhin ist es jetzt möglich, die Raab-Sequenzen in abwechselnden Minispielen in alter Videokassettenmanier stilecht vorzuspulen. Schön! Zugutehalten muss man Schlag den Raab: Das 3. Spiel aber, dass es sich sehr an die Vorlage hält und auch die Atmosphäre der Show einfängt. Das fängt beim Aufbau des Studios an und endet mit Steven Gätjen, Stefan Raab und Elton als Synchronsprecher. Leider kommt Stefan Raab zu kurz, denn einzig und allein, wenn er ein Spiel gewinnt, liefert er sich mit Moderator Steven Gätjen einen viel zu kurzen Schlagabtausch. Bei den ersten beiden Teilen konnten wir da noch drüber hinwegsehen, doch bei der nunmehr zweiten Fortsetzung ist das einfach nicht akzeptabel.

Verschenktes Potential

Der Allrounder ist im Original einfach viel redseliger und diese Stimmung fehlt hier völlig. Durch die steifen Charaktermodelle und den schwachen Animationen wird zudem sehr viel Potential verschenkt. Das macht auch die neue Ego-Perspektive nicht mehr wett, da diese nur vor einem Spiel (optional) genutzt werden kann, aber jedoch nicht in einem Spiel. Schade, aber auch hier hätte man sicherlich witzige Ideen einfließen lassen können. Es ist bedauerlich, dass der Entwickler wohl keine Lizenz für Whitney Houstons One Moment in Time bezahlen möchte. So wird das Ende der virtuellen Show mit schwachen Sounds ausgeleitet. Immerhin ist es möglich, auch den dritten Teil mit bis zu vier Spielern im Mehrspielermodus abwechselnd zu spielen und so kann der Titel auch auf dem einen oder anderen Spiele-Abend hervorgekramt werden. Somit bleibt Schlag den Raab: Das 3. Spiel unterm Strich gerade noch eine solide Umsetzung der Spielshow, doch spätestens auf der Wii U sollte sich der Entwickler einmal an die eigene Nase packen und mehr aus der Minispielsammlung holen. Die gleichen Fehler und dieselbe Anzahl an Minispielen können wir bei der dritten Auflage gerade noch verkraften, aber beim vierten Mal und auf einer deutlich leistungsstärkeren Konsole wird selbst eine starke Lizenz nicht mehr dabei helfen, Durchschnittskost an den Kunden zu verkaufen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-Fassung): Schlag den Raab: Das 3. Spiel bietet keine großen Neuerungen seit dem Vorgänger und das finde ich ehrlich gesagt sehr, sehr schade, da man genügend Zeit hatte, sich auf Innovationen zu konzentrieren. Für das Entwicklerstudio mag es sicherlich kostengünstig sein, wenn  man immer und immer wieder das Grundgerüst nimmt und ein paar Minispiele austauscht, sowie die eine oder andere kleine Überraschung im Spiel integriert, aber dadurch verbessert sich das Spiel nicht. Auf der Disc ist genügend Platz, um tatsächlich alle bisherigen Minispiele unterzubringen. Ich weiß, dass der Hersteller so natürlich auch zum Kauf der anderen Spiele locken möchte und dass das in der Praxis funktioniert, beweisen die durchweg guten Verkaufszahlen. Zweimal habe ich den Aufguss jetzt schon mitgemacht, doch beim vierten Spiel müssen große Veränderungen und Erweiterungen her, denn sonst wandelt sich die ursprünglich gute Idee in Durchschnittskost, die man einfach immer und immer wieder gewinnbringend verkaufen möchte und dabei nicht mehr an die Qualität denkt, über die sich ein Videospiel eigentlich identifizieren sollte.

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